Lösungen im Trockenbau und mit klassischen Hartschäumen

Innendämmung: Nicht nur für Baudenkmale

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Mit der Innendämmung von Außenwänden kann die Energieeffizienz verbessert werden, ohne die Fassade architektonisch zu überformen. Gerade unter dem Aspekt der Baukultur stößt diese Dämmvariante deshalb auf großes Interesse. In diesem Beitrag werden Lösungen im Trockenbau und mit klassischen Hartschäumen beschrieben; ein weiterer Artikel in bba 4 | 2015 wird sich den mineralischen Innendämmsystemen widmen.

Markus Hoeft

Aus bauphysikalischer Sicht gilt immer noch, dass die Innendämmung der Außenwände gegenüber einer klassischen Fassadendämmung die zweitbeste Lösung ist. Denn die Außenwände liegen hierbei auf der kalten Seite der Konstruktion, was in der Wand die Gefahr von Tauwasserbildung entstehen lässt. Außerdem bilden die Decken und Innenwände, die in die Außenwand einbinden, eine Vielzahl von Wärmebrücken.
Auch wenn sich bautechnisch und energetisch also nichts an der Bewertung von Innendämmungen geändert hat, haben sie doch einen neuen Stellenwert bekommen. Wofür die neu belebte Auseinandersetzung um das Gesicht unserer Städte und um die Baukultur im Allgemeinen sicher ein Grund sein dürfte. Sowohl in Ost als auch in West sind die seriellen Wohnungsbauten der Siedlungen aus der Nachkriegszeit im Wesentlichen saniert. Bei diesen Gebäuden war die neue Fassade, die im Zusammenhang mit einer zusätzlichen Wärmedämmung auf der Außenseite ausgeführt wurde, in der Regel ein architektonischer Gewinn oder hat doch die Situation zumindest nicht verschlechtert.
Anders sieht es jedoch häufig bei den Gebäuden aus, die im Rahmen der politisch gewollten Energiewende jetzt wärmetechnisch verbessert werden müssen: Wohn- oder Gewerbebauten, aber auch öffentliche Gebäude aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei durchaus nicht immer um Baudenkmale im engeren juristischen Sinne des Wortes, aber es geht meist um sehr individuelle und mit einer gewissen Idee ausgeführte Fassaden. Die Diskussion um die Baukultur hat den Wert dieser Gestaltungen für die Charakteristik des Hauses und die Lebendigkeit der Städte wieder in das gesellschaftliche Bewusstsein gebracht.
Es gibt eine neue Sensibilität dafür, dass anspruchsvolle Fassaden des Baubestands nicht gedankenlos mit einer Wärmedämmung und einem neuzeitlichen Fassadensystem zugedeckt werden sollten.
Um die Forderungen des Bauherren nach einer energieeffizienten Sanierung und die Forderungen des Gesetzgebers nach Einhaltung der EnEV trotzdem erfüllen zu können, ist die Innendämmung der Außenwände beim Bauen im Bestand immer häufiger eine zu prüfende Alternative zur klassischen Fassadendämmung.
Mit und ohne Dampfsperre
Die Industrie hat auf diese Entwicklung reagiert und eine Vielzahl von Innendämmsystemen auf Basis der verschiedensten Dämmstoffe und Ausführungsvarianten auf den Markt gebracht. Zusätzlich befeuert wurden die Systementwicklungen durch eine Neubewertung des Feuchtigkeitsverhaltens von Innendämmungen.
Noch vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass Innendämmungen immer mit einer Dampfsperre ausgeführt werden müssen, damit der Wasserdampf nicht von der warmen Raumseite in die kalte Wand gelangen und dort kondensieren kann. Berechnungen nach dem Glaser-Verfahren ergaben für Ausführungen ohne Dampfsperre nicht hinnehmbare Feuchtigkeitsanreicherungen in der Konstruktion.
Neuerdings werden jedoch auch die Sorptionsvorgänge und die kapillare Leitung in mineralischen Wandbaustoffen berücksichtigt. Diese Prozesse puffern kondensierte Feuchtigkeit und leiten sie zur warmen Raumseite zurück, wo das Wasser verdunstet.
Im Idealfall kann sich also ohne Dampfsperre eine Gleichgewichtssituation herausbilden, die dauerhafte Feuchtigkeitskonzentrationen in der Wand verhindert. Das Funktionieren dieses Gleichgewichts muss im Zweifel nachgewiesen werden, zum Beispiel mit Programmen wie „Wufi“, die neben den Diffusions- auch die Sorptionsprozesse berücksichtigen.
Zusätzlichen Feuchteeintrag verhindern
Auch wenn das eventuelle Weglassen der Dampfsperre die Planung und Ausführung von Innendämmungen sehr vereinfacht, müssen doch bestimmte Randbedingungen beachtet werden. So gelten die Aussagen zur kapillaren Leitung und Sorption in erster Linie für Außenwände, die allein aus mineralischen Massivbaustoffen errichtet sind. Holz hat ein grundsätzlich anderes Verhalten, weshalb Fachwerkbauten gesondert zu beurteilen sind.
Zudem dürfen die für eine Innendämmung vorgesehenen Außenwände keiner zusätzlichen Feuchtigkeitsbelastung unterliegen. Zu verhindern sind vor allem eindringender Schlagregen sowie das Aufsteigen von Feuchtigkeit aus den Grundmauern bzw. dem Fundament.
Zusätzliche Feuchtigkeit kann außerdem durch Konvektion auf der Innenseite eingetragen werden: Wenn warme Raumluft hinter den auf der Innenseite angebrachten Dämmstoff strömen kann, kühlt sie dort ab. Kalte Luft kann jedoch weniger Wasserdampf aufnehmen, so dass es zu einer Kondensation von Wasser zwischen der Dämmschicht und der Bestandswand kommt.
Trotz des eventuell möglichen Verzichts auf die Dampfsperre muss also auf einen luftdichten Aufbau der Innendämmung geachtet werden, der ein Hinterströmen sicher ausschließt.
Wenn der Planer verschiedene Innendämmsysteme vergleicht, sollte er darauf achten, welche Antworten der jeweilige Hersteller einerseits hinsichtlich der luftdichten Ausführung und andererseits hinsichtlich der Notwendigkeit einer Dampfsperre gibt. Eventuell existieren beispielhaft berechnete und geprüfte Systemaufbauten ohne Dampfsperre oder aber der Verweis auf bestimmte Berechnungsprogramme bzw. eine Planungsunterstützung des Herstellers.
Ein weiteres wichtiges Detail ist die Behandlung der Wärmebrücken, die durch einbindende Innenwände und Geschossdecken entstehen. Eine elegante Möglichkeit ist der Dämmkeil, der die Anschlussdämmung an der Innenwand sanft auslaufen lässt. Alternativ können die normalen Dämmplatten 0,5 bis 1 m entlang der Innenwände verlegt und dann mit einer Stufe abgeschlossen werden. Für Fensterlaibungen, in denen wegen der beengten Platzverhältnisse meist mit geringeren Dämmstoffdicken gearbeitet werden muss, stehen in vielen Systemen dünnere Laibungsplatten zur Verfügung.
Innendämmung im Trockenbau
Die bauphysikalische Neubewertung der Feuchtigkeitsverhältnisse sowie der gewachsene Respekt vor dem baukünstlerischen Wert der überlieferten Fassadenarchitektur haben zu einer wahren Explosion bei neuen Systemlösungen für Innendämmungen geführt.
Eine große Gruppe bilden dabei Systeme mit mineralischen Dämmplatten, denen bba im Heft 4/2015 einen eigenen Artikel widmen wird. Hier nachfolgend soll es vor allem um Trockenbaulösungen und um klassische Hartschäume für die Innendämmung von Außenwänden gehen.
Ursa Click ist ein komplett im Trockenbau zu verarbeitendes Innendämmsystem auf der Basis von PureOne-Mineralwolle ( λ = 0,032 W/mK). Der Dämmstoff in Dicken von 60, 80 oder 100 mm wird mit systemzugehörigen Metallprofilen und einem Wärmebrücken reduzierenden Clip befestigt. Zum System gehören außerdem alle erforderlichen Dicht- und Klebebänder für die luftdichte Ausführung sowie eine diffusionsfähige Dampfbremsbahn, die für typische historische Außenwandkonstruktionen geprüft wurde. Den Abschluss des Aufbaus bilden handelsübliche Trockenbauplatten.
Der Idee des Trockenbaus folgen auch Systeme mit Verbundplatten aus einem Dämmstoff und einer raumseitigen Gipskartonbeplankung. Im System InTherm kombiniert Knauf eine bis zu 100 mm dicke EPS-Platte ( λ = 0,032 W/mK) mit einer 13 mm starken Gipsplatte GKB und integriert – falls erforderlich – zusätzlich eine Dampfbremsebene als Zwischenlage.
In Aufbau und Verarbeitung ähnlich ist RigiTherm von Rigips, bei dem ebenfalls Gipskarton und EPS ( λ = 0,032 W/mK) eine Verbundplatte bilden. Für feuchtetechnische Berechnungen auf Basis von „Wufi“-Simulationen stellt Rigips auf seiner Homepage ein Berechnungstool zur Verfügung. Die Produktunterlagen gehen außerdem auf die Behandlung der Wärmebrücken an Fensterlaibungen einbindenden Bauteilen ein und widmen sich speziell der Ausführung bei Holzbalkendecken, bei denen es nicht zu Feuchtigkeitsspitzen an den Balkenköpfen kommen darf.
Ein Verbund aus PUR-Dämmkern und Gipskarton ist Eurothane GK von Recticel. Die Wärmeleitfähigkeit von nur 0,024 W/mK erlaubt hier dünnere Ausführungen bei gleicher Leistungsfähigkeit. Der Dämmkern ist beidseitig mit diffusionsdichter Alufolie kaschiert, so dass keine separate Dampfbremse erforderlich ist.
Ebenfalls mit einem Kern aus PUR ( λ = 0,024 W/mK) arbeitet Linzmeier bei der Innendämmung Linitherm PAL SIL. Jedoch bildet hier eine Kalziumsilikatplatte die Oberfläche und die Elemente werden mit einer Holzfeder in der eingefrästen Nut untereinander verbunden.
Ein weiteres Verbundelement ist Aerorock von Rockwool, bei dem die raumseitige Gipsplatte mit neuartiger Aerowolle ( λ = 0,019 W/mK) kaschiert ist. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Steinwolle mit Aerogel, das durch seine spezielle stoffliche Struktur die Bewegungsmöglichkeit der Moleküle und damit die Wärmeübertragung deutlich reduziert.
Alle hier genannten Verbundelemente aus einer Platte und dem Dämmstoff werden auf den Untergrund geklebt und auf der Raumseite verspachtelt, wobei auf eine luftdichte Ausführung aller Fugen und Anschlüsse zu achten ist.
Innendämmung mit Hartschäumen
Ebenfalls auf PUR als Dämmstoff basiert iQTherm von Remmers. Die Polyurethanschaumplatten mit Dicken bis 80 mm weisen hier regelmäßige, senkrecht zur Oberfläche stehende Lochungen auf, die werksseitig mit einem speziellen, hoch kapillaraktiven mineralischen Material verfüllt sind ( λ = 0,031 W/mK). Durch diese Kanäle findet der kapillare Rücktransport eingedrungener Feuchtigkeit statt, wodurch das System ohne Dampfsperre funktioniert. Die Platten werden auf die Wand geklebt und raumseits mit einem ca. 10 mm dicken Armierungs- und Oberputz versehen.
Der Idee der Perforierung folgt auch IDS Aktiv von Capatect. Dabei handelt es sich um EPS-Platten, die von kapillar leitfähigen Lamellen durchzogen und rückseitig mit einer Feuchte verteilenden Funktionsschicht versehen sind ( λ= 0,035 W/mK). Zum IDS-Zubehör gehört u.a. ein spezieller Thermowinkel, der nicht sichtbar im Wandputz eingebaut wird und die Oberflächentemperatur in der besonders schimmelpilzgefährdeten Raumecke erhöht.
Eine Hartschaumlösung auf der Basis von XPS ist Jackocare von Jackon Insulation. Die gegen Feuchtigkeit unempfindlichen Dämmplatten ( λ = 0,027 W/mK) in Dicken bis 80 mm werden auf die Wand geklebt sowie auf der Oberseite mit Fugenband abgedichtet und verspachtelt. Neben Dämmkeilen und Laibungsplatten gibt es hier außerdem eine spezielle Innendämmecke für den Zwickel von Decke und Innenwand.
Auch zu den Hartschäumen zählend, jedoch einer ganz anderen Philosophie folgend sind Innendämmungen aus Schaumglas. Denn dieses Material ist bei vollflächiger Verklebung absolut dampfdicht, so dass die Wärmedämmung und die Dampfsperre hier in einer Schicht vereint sind. Die Platten mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,042 W/mK werden mit Kaltkleber verklebt und anschließend verputzt.

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