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Flucht- und Rettungswege

Baulicher Brandschutz
Flucht- und Rettungswege

Kennzeichnung für Rettungswege
Flucht- bzw. Rettungswege müssen gut sichtbar gekennzeichnet sein. Bild: Prot/stock.adobe.com

Im Falle eines Brandes müssen Menschen und Tiere aus einem Gebäude gerettet werden können, zudem müssen „wirksame Löscharbeiten möglich“ sein – so lauten zwei wichtige Schutzziele des baulichen Brandschutzes laut § 14 MBO. Aus diesem Grund sind zwingend Flucht- bzw. Rettungswege einzuplanen. Welche konkreten Anforderungen für diese gelten, lesen Sie hier.

Was ist der Unterschied zwischen einem Rettungsweg und einem Fluchtweg?

  • Ein Fluchtweg ist ein Weg, über den Menschen und Tiere eine bauliche Anlage im Brandfall sicher verlassen können. Ein Fluchtweg führt ins Freie oder in einen gesicherten Bereich. Er kann ohne fremde Hilfe benutzt werden und dient der Selbstrettung.
  • Ein Rettungsweg im engeren Sinne dient hingegen der Fremdrettung. Einsatzkräfte wie z.B. die Feuerwehr können über einen Rettungsweg verletzte Personen und Tiere bergen und in Sicherheit bringen. Auch die Brandbekämpfung ist über Rettungswege möglich.

Die Bauordnungen unterscheiden nicht zwischen Flucht- und Rettungswegen, sondern fassen die beiden Begriffe unter „Rettungsweg“ zusammen. Der Rettungsweg ist hier also zugleich Fluchtweg und dient der Fremd- sowie Selbstrettung.

Die Sonderbauverordnungen hingegen unterscheiden zwischen Flucht- und Rettungsweg. Rettungswege können hier durchaus Wege sein, die ausschließlich von Rettungskräften zum Zwecke der Fremdrettung sowie Brandbekämpfung betreten werden dürfen.

Die Definitionen in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A2.3) „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ weichen wiederum teilweise von den baurechtlichen Definitionen ab. Hier werden „Fluchtwege“ als Verkehrswege definiert, die der Flucht aus einem möglichen Gefährdungsbereich und zugleich der Rettung von Personen dienen.

Arten von Brandschutz und Schutzziele

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Wo werden die Anforderungen an Rettungs- bzw. Fluchtwege geregelt?

Für Flucht- und Rettungswege gelten unterschiedliche und sich teilweise widersprechende (Landes-)Bauordnungen, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Regeln, Richtlinien, berufsgenossenschaftliche Vorgaben, Ausführungsbestimmungen und Normen.

Das Baurecht stellt an Rettungswege insbesondere Anforderungen an …

  • deren Anzahl und bauliche Ausführung,
  • die Brennbarkeit der verwendeten Baustoffe sowie
  • den Feuerwiderstand der raumabschließenden Bauteile sowie der Öffnungsverschlüsse zu anderen Räumen.

Zu berücksichtigen sind hier insbesondere …

  • die Musterbauordnung (MBO) sowie
  • die jeweiligen Landesbauordnungen (LBO), aber auch
  •  Sonderbauverordnungen wie z.B. die Muster-Richtlinie über bauaufsichtliche Anforderungen an Schulen (MSchulbauR), die Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (MVStättVO), die Muster-Verkaufsstätten-Verordnung (MVkVO), die Muster-Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern (MHHR), die Muster-Beherbergungsstättenverordnung (MBeVO) oder auch die Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Garagen (MGarVO).

Hinweis: Bei den Muster-Richtlinien und Musterverordnungen handelt es sich nicht um bundesweit eingeführte Gesetzestexte. Je nach Bundesland kann es abweichende Rechtsvorschriften geben.

Außerdem sind Vorgaben für Flucht- und Rettungswege im Arbeitsrecht bzw. in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3) festgeschrieben.

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Baustoffklassen nach deutscher und europäischer Norm

Worin unterscheidet sich der erste vom zweiten Rettungsweg?

Wohnungen, Praxen, Läden und alle anderen „Nutzungseinheiten mit mindestens einem Aufenthaltsraum“ müssen laut § 33 MBO zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie haben. Voneinander unabhängig bedeutet: Fällt der eine Rettungsweg aus, darf der zweite nicht betroffen sein.

  • Der erste Rettungsweg ist eine ständig vorhandene, feste bauliche Einrichtung, die ohne fremde Hilfe begangen werden kann und ins Freie führt – üblicherweise auf eine öffentliche Verkehrsfläche. Der erste Rettungsweg kann sich aus dem horizontalen Rettungsweg (Flur), dem vertikalen Rettungsweg (notwendige Treppe) sowie den Ein- und Ausgängen zusammensetzen. In Nutzungseinheiten, die nicht ebenerdig sind, muss der erste Rettungsweg über eine notwendige Treppe führen (§ 33 Abs. MBO).
  • Der zweite Rettungsweg ist entweder ebenfalls eine ständig vorhandene, feste bauliche Einrichtung, die ohne fremde Hilfe begangen werden kann und über einen zweiten Notausgang ins Freie führt – oder es ist ein Weg, der über Rettungsgeräte der Feuerwehr führt, beispielsweise über eine Drehleiter.

Für den zweiten bauaufsichtlichen Rettungsweg gelten folgende Regelungen:

  • Gleicher notwendiger Flur: Laut § 33 Abs. 1 MBO müssen „Nutzungseinheiten mit mindestens einem Aufenthaltsraum“ zwar über zwei voneinander unabhängige Rettungswege verfügen – innerhalb eines Geschosses dürfen diese jedoch über denselben notwendigen Flur führen.
  •  Anleiterbare Fenster: Soll der zweite bauaufsichtliche Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr führen, sind dafür „anleiterbare“ Fenster bzw. Stellen notwendig. Anleiterbare Fenster, die als Rettungswege dienen, müssen laut § 37 Abs.5 MBO im Lichten mindestens 0,90 m x 1,20 m groß sein und dürfen nicht höher als 1,20 m über der Fußbodenoberkante angeordnet werden.
  • Hohe Gebäude: Gebäude, bei denen a) der zweite bauaufsichtliche Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr führen soll, b) die anleiterbaren Fenster aber mehr als 8 m über der Geländeoberfläche liegen, dürfen nur errichtet werden, wenn die Feuerwehr auch tatsächlich über die dafür erforderlichen Rettungsgeräte verfügt (§ 33 Abs. 3 MBO). In der Regel kann jedoch der zweite Rettungsweg bei Gebäuden bis zur Hochhausgrenze über die Rettungsgeräte der Feuerwehr sichergestellt werden.
  • Sonderbauten: Bei Sonderbauten darf der zweite bauaufsichtliche Rettungsweg nur dann über Rettungsgeräte der Feuerwehr führen, wenn diese keine Bedenken wegen der Personenrettung hat. Denn innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit kann über die Rettungsgeräte der Feuerwehr nur eine begrenzte Zahl an Personen in Sicherheit gebracht werden. Deshalb muss die Feuerwehrdienststelle in diesem Fall explizit zustimmen (§ 33 Abs. 3 MBO). In der Regel ist bei Sonderbauten ein zweiter baulicher Rettungsweg erforderlich, beispielsweise eine weitere notwendige Treppe.

Kein zweiter bauaufsichtlicher Rettungsweg ist erforderlich, wenn ein sogenannter Sicherheitstreppenraum vorhanden ist – also ein sicher erreichbarer Treppenraum, in den Feuer und Rauch nicht eindringen können (§ 33 Abs. 2 MBO).

Überhaupt kein baulicher Rettungsweg ist erforderlich für Nutzungseinheiten, bei denen von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes mindestens ein Ausgang ins Freie in höchstens 35 m Entfernung zu erreichen ist.

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Feuerwiderstandsklassen nach deutscher und europäischer Norm

Welche maximale Länge darf ein Rettungsweg haben?

Rettungswege dürfen laut § 35 Abs. 2 MBO maximal 35 Meter lang sein. Das bedeutet: Von jeder Stelle eines Aufenthaltsraums aus muss in höchstens 35 Meter Entfernung ein sicherer Ort im Freien oder ein gesicherter Fluchtwegbereich (Treppenhaus, Außentreppe o.Ä.) erreicht werden. Die Entfernung wird i.d.R. als Luftlinie gemessen (aber nicht durch Bauteile). Die tatsächliche Lauflänge darf maximal das 1,5-Fache betragen.

Je nach Eigenschaften der Umgebung und ihrem Gefährdungspotenzial gelten allerdings Sondervorschriften. Beispielsweise sind in Abschnitt 5 der Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3) folgende Werte für die maximal erlaubte Fluchtweglänge festgelegt:

Maximale Fluchtweglängen laut Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3)

Gefährdungspotenzial maximale Länge nach ASR 2.3
Räume ohne oder mit normaler Brandgefährdung ≤ 35 m
Räume mit erhöhter Brandgefährdung mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen ≤ 35 m
Räume mit erhöhter Brandgefährdung ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen ≤ 25 m
giftstoffgefährdete Räume ≤ 20 m
explosionsgefährdete Räume ≤ 20 m
explosivstoffgefährdete Räume ≤ 10 m

Auch bei Sonderbauten können – je nach Art und Nutzung – kürzere Flucht- und Rettungswege erforderlich sein oder auch längere zugelassen werden.

Maximale Rettungsweglänge bei Sonderbauten

Sonderbauten maximale Länge
Hochhäuser ≤ 35 m
Versammlungsstätten
  • Von jedem Besucherplatz (Versammlungsraum oder Tribüne) und von jeder Stelle einer Bühne zum Ausgang: ≤ 30,00 m
  • Bei ≥ 5,00 m lichter Höhe je + 2,50 m Höhe: zusätzlich 5,00 m Länge, maximal 60,00 m (= 20,00 m Höhe)
  • Von jeder Stelle eines notwendigen Flures und eines Foyers zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 30,00 m  
Verkaufsstätten
  • Von jeder Stelle eines Verkaufsraumes zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 25,00 m
  • Von jeder Stelle einer Ladenstraße zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 35,00 m, bei Rauchabzugsanlagen und wenn zweiter Rettungsweg nicht über diese Ladenstraße führt: zusätzlich ≤ 35,00 m
  • Verkaufsstätten mit Sprinkleranlagen oder erdgeschossige Verkaufsstätten: zusätzlich ≤ 35,00 m
  • Von jeder Stelle eines Verkaufsraumes zum Hauptgang oder zur Ladenstraße: ≤ 10,00 m
Beherbergungsstätten ≤ 35 m
Industriebauten
  • Von jeder Stelle eines Produktions- oder Lagerraumes zum Hauptgang:  ≤ 15,00 m
  • Von jeder Stelle eines Produktions- oder Lagerraums mit mittlerer, lichter Raumhöhe unter 5,00 m zum Ausgang ins Freie, zum notwendigen Treppenraum oder zu einem anderen Brand(bekämpfungs)abschnitt: ≤ 35,00 m, mit Brandmeldeanlage und/oder Feuerlösch- und Alarmierungsanlage: ≤ 50,00 m
  • Von jeder Stelle eines Produktions- oder Lagerraums mit mittlerer, lichter Raumhöhe über 10,00 m zum Ausgang ins Freie, zum notwendigen Treppenraum oder zu einem anderen Brand(bekämpfungs)abschnitt: ≤ 50,00 m, mit Brandmeldeanlage und/oder Feuerlösch- und Alarmierungsanlage: ≤ 70,00 m
Schulbauten ≤ 35 m
Krankenhäuser i.d.R. ≤ 35 m
Offene Mittel- und Großgaragen auf demselben Geschoss zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 50,00
Geschlossene Mittel- und Großgaragen auf demselben Geschoss zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 30,00

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Brandabschnitte und Brandwände

Welche Mindestbreite muss ein Rettungsweg haben?

Wie breit Rettungswege mindestens sein müssen, hängt von der Zahl der gleichzeitig anwesenden Personen ab. In den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3) sind folgende Werte für die Mindestbreite von Fluchtwegen festgelegt:

Mindestbreite von Fluchtwegen laut Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3)

Personenanzahl Mindestbreite nach ASR A2.3
bis 5 0,875 Meter
bis 20 1,00 Meter
bis 200 1,20 Meter
bis 300 1,80 Meter
bis 400 2,40 Meter

Für Sonderbauten gelten folgende Regelungen:

Mindestbreite von Rettungswegen bei Sonderbauten

Sonderbauten Mindestbreite
Hochhäuser ≥ 1,20 m

  • Lichte Breite von Türen aus Nutzungseinheiten auf notwendige Flure: ≥ 0,90 m
Versammlungsstätten
  • Freiluftveranstaltungen und Sportstadien: ≥ 1,20 m pro 600 Personen
  • Andere Versammlungsstätten: ≥ 1,20 m pro 200 Personen, Staffelungen in Schritten von 0,60 m
  • Räume mit max. 200 Personen: ≥ 0,90 m
  • Arbeitsgalerie: ≥ 0,80 m
Verkaufsstätten
  • Notwendige Treppen für Kunden: ≥ 2,00 m und ≤ 2,50 m
  • Notwendige Treppen für Kunden bei Verkaufsräumen ≤ 500 m²: ≥ 1,25 m
  • Ladenstraßen: ≥ 5,00 m
  • Hauptgänge, Ausgänge, notwendige Flure: ≥ 2,00 m
  • Bei Verkaufsräumen ≤ 500 m²: 1,00 m für Ausgänge, 1,40 m für notwendige Flure
  • Ausgänge aus einem Geschoss ins Freie oder in Treppenräume: ≥ 30 cm je 100 m² Fläche der Verkaufsräume
Beherbergungsstätten keine Abweichung von LBO
Industriebauten Hauptgänge: ≥ 2,00 m
Schulbauten
  • Ausgänge von Unterrichtsräumen und sonstigen Aufenthaltsräumen, notwendige Flure, notwendige Treppen: ≥ 1,20 m pro 200 Benutzer, Staffelungen in Schritten von 0,60 m
  • Ausgänge von Unterrichtsräumen und sonstigen Aufenthaltsräumen. ≥ 0,90 m
  • Notwendige Flure: ≥ 1,50 m
  • Notwendige Treppen: ≥ 1,20 m
Krankenhäuser
  • Notwendige Flure: ≥ 1,50 m; wenn eine Rettung mit Betten vorgesehen ist: ≥ 2,25 m
  • Türen: ≥ 0,90 m; wenn eine Rettung mit Betten vorgesehen ist: ≥ 1,25 m

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Anforderungen an notwendige Flure

Was ist ein notwendiger Flur?
Ein notwendiger Flur ist der horizontale Flucht- und Rettungsweg zwischen einer Nutzungseinheit und einem Treppenraum oder direkt ins Freie. Laut § 36 Abs.1 MBO müssen notwendige Flure so angeordnet und ausgebildet sein, dass die Nutzung im Brandfall ausreichend lang möglich ist.
Wo sind notwendige Flure erforderlich?

Aus baulicher Sicht sind notwendige Flure dann erforderlich, wenn ein Rettungsweg aus einem Raum oder einer Nutzungseinheit nicht direkt ins Freie oder in einen Treppenraum führt. Er bildet dann sozusagen das „fehlende Zwischenstück“.

Ob ein notwendiger Flur vorgesehen werden muss, hängt ab von der Gebäudeklasse, der Größe der Nutzungseinheit, der Art der Nutzung und der Lage der Räume (z.B. Keller).

Für Gebäude der Gebäudeklassen 3 bis 5 sind notwendige Flure vorzusehen. Bei Sonderbauten wie z.B. Hochhäusern sind besondere Anforderungen an die Flure zu berücksichtigen. Diese sind in den entsprechenden Verordnungen oder Richtlinien festgelegt (z.B. Muster-Hochhaus-Richtlinie).

Wo sind keine notwendigen Flure erforderlich?

Laut § 36 Abs. 1 MBO sind notwendige Flure NICHT erforderlich in …

  • Wohnungen,
  • Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2,
  •  sonstigen Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 (gilt hier aber nur für oberirdische Geschosse!),
  • Nutzungseinheiten mit weniger als 200 m² Fläche,
  • Nutzungseinheiten, die als Büro oder Verwaltung dienen und nicht größer als 400 m² sind,
  • Teilen von größeren Nutzungseinheiten, die nicht größer als 400 m² sind, Trennwände haben, die den bauaufsichtlichen Anforderungen entsprechen, und gleichzeitig – unabhängig von den anderen Teilen – über bauaufsichtliche Rettungswege verfügen, die ebenfalls den Anforderungen entsprechen.
Was ist in puncto Brandverhalten für notwendige Flure vorgeschrieben?
  • Trennung zu anderen Räumen: Notwendige Flure müssen von anderen Räumen feuerwiderstandsfähig und raumabschließend getrennt sein.
  • Wände notwendiger Flure müssen als raumabschließende Bauteile feuerhemmend sein (§ 36 Abs. 4 MBO).
  •  Wände notwendiger Flure in Kellergeschossen müssen feuerbeständig sein (§ 36 Abs. 4 MBO).
  • Wände und Decken aus brennbaren Baustoffen müssen eine Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen in ausreichender Dicke haben (§ 36 Abs. 6 MBO).
  • Bekleidungen, Putze, Unterdecken und Dämmstoffe müssen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen (§ 36 Abs. 6 MBO).
  • Brandlasten: Notwendige Flure müssen frei von Brandlasten wie z.B. brennbaren Einbauten oder Einrichtungen sein.
Was ist in puncto Rauchschutz für notwendige Flure vorgeschrieben?
  • Trennung zu anderen Räumen: Notwendige Flure müssen gegen das Eindringen von Feuer und Rauch geschützt sein. Ziel dabei ist es, Flucht- und Rettungswege möglichst lange rauchfrei und damit begehbar zu halten.
  • Rauchabschnitte: Notwendige Flure müssen durch nicht abschließbare, rauchdichte und selbstschließende Abschlüsse (z.B. Rauchschutztüren) in Rauchabschnitte unterteilt werden. Die Rauchabschnitte sollen nicht länger als 30 m sein (§ 36 Abs. 3 MBO).
  • Rauchabschlüsse (z.B. Rauchschutztüren) müssen in geschlossenem Zustand den Durchtritt von Rauch verhindern und dafür sorgen, dass der notwendige Flur mindestens 10 Minuten lang ohne Atemschutz als Flucht- und Rettungsweg nutzbar bleibt.

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Anforderungen an Treppen und Treppenräume

Was ist eine notwendige Treppe und welche Anforderungen werden an sie gestellt?

Als „notwendige Treppe“ gilt eine Treppe immer dann, wenn ein bauaufsichtlicher Rettungsweg über sie geführt wird. Gemeinsam mit den notwendigen Treppenräumen (s.u.) bilden notwendige Treppen das System der vertikalen Flucht- und Rettungswege.

Grundsätzlich gilt:

  • Alle Geschosse eines Gebäudes, die nicht ebenerdig liegen, müssen über mindestens eine (notwendige) Treppe zugänglich sein (§ 34 Abs. 1 MBO).
  •  In Nutzungseinheiten, die nicht ebenerdig liegen, muss der erste Rettungsweg über eine (notwendige) Treppe führen (§ 33 Abs. 2 MBO).

Abhängig von der Gebäudeklasse (GK) stellt die Musterbauordnung (MBO) Anforderungen an die tragenden Teile notwendiger Treppen:

Anforderungen an die tragenden Teile notwendiger Treppen bzw. Außentreppen nach § 34 MBO

  GK 3 GK 4 GK 5
Tragende Teile notwendiger Treppen aus nicht brennbaren Baustoffen oder feuerhemmend aus nicht brennbaren Baustoffen aus nicht brennbaren Baustoffen und feuerhemmend
Tragende Teile von Außentreppen aus nicht brennbaren Baustoffen aus nicht brennbaren Baustoffen aus nicht brennbaren Baustoffen

Hinweis: Für die Gebäudeklassen 1 und 2 formuliert die MBO keine Anforderungen.

Weitere Anforderungen an notwendige Treppen:

  • Einschiebbare Treppen und Rolltreppen sind als notwendige Treppen nicht erlaubt (§ 34 Abs.2 MBO).
  • Statt notwendiger Treppen sind Rampen mit flacher Neigung zulässig (§ 34 Abs. 1 MBO).
  •  Notwendige Treppen müssen laut § 34 Abs.3 MBO in einem Zug zu allen angeschlossenen Geschossen führen. Außerdem müssen sie mit den Treppen zum Dachraum unmittelbar verbunden sein (gilt nicht für Treppen in Gebäuden der Gebäudeklassen 1 – 3).
  • Laut Arbeitsstättenrichtlinie ASR A2.3 müssen Treppen im Verlauf von ersten Fluchtwegen gerade verlaufen, d.h. sie dürfen an keiner Stelle gewendelt sein.

Für Treppen grundsätzlich gilt:

  • Sie müssen einen festen und griffsicheren Handlauf haben (§ 34 Abs.6 MBO).
  • Wenn die Verkehrssicherheit es erfordert – beispielsweise in Gebäuden, wo mit Kindern oder Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit zu rechnen ist (wie Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime etc.) können höhere Sicherheitsvorschriften für Handläufe gelten (z.B. Handläufe auf beiden Seiten der Treppe, Zwischenhandläufe u.Ä.).
  • Eine Treppe darf nicht unmittelbar hinter einer Tür beginnen, die in Richtung der Treppe aufschlägt. Zwischen Treppe und Tür muss es einen ausreichenden Treppenabsatz geben (§ 34 Abs.7 MBO).
Muss eine Treppe immer eine notwendige Treppe sein?

Eine Treppe muss nur als notwendige Treppe ausgeführt werden, wenn sie tatsächlich als (bauaufsichtlicher) Rettungsweg dient. Eine weitere Geschossverbindung kann dann über eine Treppe ohne weitergehende Anforderungen realisiert werden – beispielsweise, um eine bessere Erschließung des Gebäudes zu erreichen. Aus brandschutztechnischer Sicht ist diese weitere Treppe dann nicht „notwendig“.

Sind notwendige Treppen ohne eigenen Treppenraum zulässig?

Laut § 35 Abs.1 MBO sind notwendige Treppen ohne eigenen Treppenraum zulässig …

  •  in Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2,
  • wenn die notwendige Treppe höchstens zwei Geschosse derselben Nutzungseinheit (≤ 200 m²) verbindet UND in jedem Geschoss ein anderer Rettungsweg erreicht werden kann,
  • wenn es sich um eine Außentreppe handelt, die auch im Brandfall sicher genutzt werden kann.

Die Landesbauordnungen verlangen für Gebäude mit mehr als drei Vollgeschossen in der Regel ein allseits räumlich geschlossenes, innenliegendes Treppenhaus. Dieses muss an der Gebäudeaußenseite angeordnet sein und ein Fenster besitzen.

Was ist ein notwendiger Treppenraum und welche Anforderungen werden an ihn gestellt?

Ein Treppenraum ist ein vertikal durchgehender Raum, in dem sich eine oder mehrere Treppen befinden können. Ein notwendiger Treppenraum dient dem Schutz einer notwendigen Treppe (s.o.). Notwendig sind Treppen oder Treppenräume dann, wenn bauaufsichtliche Rettungswege über sie geführt werden (müssen).

Für notwendige Treppenräume gilt:

  • Ausreichend langer Schutz im Brandfall: Notwendige Treppenräume müssen eine notwendige Treppe im Brandfall ausreichend lange schützen, damit Menschen genug Zeit haben, sich und andere in Sicherheit zu bringen (§ 35 Abs. 1 MBO).
  • Gute Erreichbarkeit: Ein notwendiger Treppenraum muss von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes aus in höchstens 35 m Entfernung erreichbar sein (§ 35 Abs. 2 MBO).
  • Ausgang ins Freie: Jeder notwendige Treppenraum muss einen unmittelbaren Ausgang ins Freie haben (§ 35 Abs. 3 MBO).
  • Ohne Ausgang ins Freie: Manchmal ist es nicht möglich, dass ein notwendiger Treppenraum direkt ins Freie führt. In diesem Fall gelten für den Raum zwischen dem Treppenraum und dem Ausgang ins Freie festgelegte Anforderungen, was Breite, Abschlüsse, Öffnungen und Wände betrifft (Details vgl. § 35 Abs. 3 MBO).
  • Mehrere notwendige Treppenräume: Sind mehrere notwendige Treppenräume erforderlich, dann müssen sie möglichst entgegenliegend und so angeordnet werden, dass die Rettungswege möglichst kurz sind (§ 35 Abs. 2 MBO).
  • Übereinanderliegende Kellergeschosse: Liegen zwei Kellergeschosse übereinander, dann müssen sie jeweils mindestens zwei Ausgänge in notwendige Treppenräume (oder alternativ direkt ins Freie) haben (§ 35 Abs. 2 MBO).
  • Beleuchtung: Notwendige Treppenräume müssen beleuchtet werden können. In Gebäuden, die höher als 13 m sind, müssen notwendige Treppenräume ohne Fenster eine Sicherheitsbeleuchtung haben (§ 35 Abs.7 MBO).
  • Belüftung und Entrauchung: Notwendige Treppenräume müssen belüftet und entraucht werden können. Dafür müssen sie ENTWEDER an der obersten Stelle eine Öffnung zur Rauchableitung haben ODER in jedem (oberirdischen) Geschoss öffenbare Fenster mit einem freien Querschnitt von mindestens 0,5 m². (§ 35 Abs.8 MBO).
  • Aufzüge: Neben der notwendigen Treppe sind in einem notwendigen Treppenraum nur Aufzüge zulässig. Dies gilt allerdings nicht für Treppenräume in Hochhäusern.
Welche Anforderungen gelten für Wände, Bekleidungen, Beläge … in notwendigen Treppenräumen?

Anforderungen an Wände, Bekleidungen, Beläge … in notwendigen Treppenräumen laut § 35 MBO

  GK 3 GK 4 GK 5
Wände feuerhemmend auch unter zusätzlicher mechanischer Beanspruchung hochfeuerhemmend in der Bauart von Brandwänden
Wände und Decken, die aus brennbaren Baustoffen bestehen Bekleidung aus nicht brennbaren Baustoffen in ausreichender Dicke Bekleidung aus nicht brennbaren Baustoffen in ausreichender Dicke Bekleidung aus nicht brennbaren Baustoffen in ausreichender Dicke
Bekleidungen, Putze, Dämmstoffe, Unterdecken und Einbauten aus nicht brennbaren Baustoffen aus nicht brennbaren Baustoffen aus nicht brennbaren Baustoffen
Bodenbeläge aus mindestens schwer entflammbaren Baustoffen aus mindestens schwer entflammbaren Baustoffen aus mindestens schwer entflammbaren Baustoffen

Hinweis: Für die Gebäudeklassen 1 und 2 formuliert die MBO keine Anforderungen.

Weitere Hinweise zu Wänden in notwendigen Treppenräumen laut MBO:

  • Für Außenwände von Treppenräumen, die aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen und durch einen Brand im angrenzenden Gebäudeteil nicht gefährdet werden, gelten die in der obigen Tabelle genannten Anforderungen an Wände nicht (§ 35 Abs.4 MBO).
  • Oberer Abschluss: Ist der obere Abschluss des notwendigen Treppenraums eine Decke, dann muss diese die gleiche Feuerwiderstandsfähigkeit wie die Decken des Gebäudes haben. Dies gilt wiederum nicht, wenn der obere Abschluss des Treppenraums das Dach ist und die Treppenraumwände bis unter die Dachhaut reichen (§ 35 Abs.4 MBO).
Welche Anforderungen gelten für Öffnungen in notwendigen Treppenräumen?

Im Brandfall dürfen notwendige Treppenräume nicht durch Feuer oder eindringenden Rauch aus angrenzenden Räumen bzw. Nutzungseinheiten gefährdet werden. Deshalb müssen Öffnungen in notwendigen Treppenräumen durch entsprechende Feuer- und Rauchschutzabschlüsse (z.B. Rauchschutztüren) geschützt werden.

Anforderungen an Öffnungen in Treppenraumwänden laut § 35 Abs.6 MBO

Öffnungen zu … Anforderung an Abschlüsse
… Kellergeschossen, nicht ausgebauten Dachräumen, Werkstätten, Läden, Lagerräumen, sonstigen Räumen und Nutzungseinheiten ≤ 200 m² mindestens feuerhemmende, rauchdichte und selbstschließende Abschlüsse
… notwendigen Fluren rauchdichte und selbstschließende Abschlüsse
… Wohnungen und sonstigen Nutzungseinheiten mindestens dicht- und selbstschließende Abschlüsse

Hinweis: Die Feuerschutz- und Rauchschutzabschlüsse der Treppenräume dürfen seitliche und obere Verglasungen (z.B. Oberlichter) haben, wenn der Abschluss insgesamt nicht breiter als 2,50 m ist (§ 35 Abs.6 MBO).

Was ist der Unterschied zwischen einem notwendigen Treppenraum und einem Sicherheitstreppenraum?

Ein Sicherheitstreppenraum ist ein notwendiger Treppenraum, für den allerdings höhere Anforderungen gelten. Der Sicherheitstreppenraum dient als Ersatz für den zweiten Rettungsweg: „Ein zweiter Rettungsweg ist nicht erforderlich, wenn die Rettung über einen [Sicherheitstreppenraum] möglich ist (…).“ (§ 33 Abs. 2 MBO).

Sicherheitstreppenräume sind vor allem in Hochhäusern vorzusehen, wo Menschen nicht über Rettungsgerät der Feuerwehr gerettet werden können. In Hochhäusern bis zu einer Höhe von 60 Metern können sie als erster und zweiter baulicher Rettungsweg dienen. In höheren Gebäuden muss es mindestens zwei notwendige Sicherheitstreppenräume geben.

Folgende Anforderungen werden an Sicherheitstreppenräume gestellt:

  • Sicherheitstreppenräume müssen sicher erreichbar sein (§ 33 Abs. 2 MBO).
  • Feuer und Rauch dürfen nicht in sie eindringen können (§ 33 Abs. 2 MBO).
  •  Innenliegende Sicherheitstreppenräume benötigen einen Schacht mit natürlicher Lüftung (» Schachtquerschnitt mindestens 5 x 5 Meter) oder eine Lüftungsanlage mit Druckbelüftung und Sicherheitsschleuse.
  • Sicherheitstreppenräume müssen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen.
  • Die Wände sind in der Art von Brandwänden auszuführen.
  • In Sicherheitstreppenräumen dürfen keine Leitungen für Strom, Wasser, Abwasser, Gas etc. verlegt werden. Ausnahme: Leitungen, die für die Versorgung des Treppenraums notwendig sind (z.B. Stromleitungen für die Beleuchtung).

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