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Flucht- und Rettungswege

Baulicher Brandschutz
Flucht- und Rettungswege

Kennzeichnung für Rettungswege
Flucht- bzw. Rettungswege müssen gut sichtbar gekennzeichnet sein. Bild: Prot/stock.adobe.com

Im Falle eines Brandes müssen Menschen und Tiere aus einem Gebäude gerettet werden können, zudem müssen „wirksame Löscharbeiten möglich“ sein – so lauten zwei wichtige Schutzziele des baulichen Brandschutzes laut § 14 MBO. Aus diesem Grund sind zwingend Flucht- bzw. Rettungswege einzuplanen. Welche konkreten Anforderungen für diese gelten, lesen Sie hier.

Was ist der Unterschied zwischen einem Rettungsweg und einem Fluchtweg?

  • Ein Fluchtweg ist ein Weg, über den Menschen und Tiere eine bauliche Anlage im Brandfall sicher verlassen können. Ein Fluchtweg führt ins Freie oder in einen gesicherten Bereich. Er kann ohne fremde Hilfe benutzt werden und dient der Selbstrettung.
  • Ein Rettungsweg im engeren Sinne dient hingegen der Fremdrettung. Einsatzkräfte wie z.B. die Feuerwehr können über einen Rettungsweg verletzte Personen und Tiere bergen und in Sicherheit bringen. Auch die Brandbekämpfung ist über Rettungswege möglich.

Die Bauordnungen unterscheiden nicht zwischen Flucht- und Rettungswegen, sondern fassen die beiden Begriffe unter „Rettungsweg“ zusammen. Der Rettungsweg ist hier also zugleich Fluchtweg und dient der Fremd- sowie Selbstrettung.

Die Sonderbauverordnungen hingegen unterscheiden zwischen Flucht- und Rettungsweg. Rettungswege können hier durchaus Wege sein, die ausschließlich von Rettungskräften zum Zwecke der Fremdrettung sowie Brandbekämpfung betreten werden dürfen.

Die Definitionen in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A2.3) „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ weichen wiederum teilweise von den baurechtlichen Definitionen ab. Hier werden „Fluchtwege“ als Verkehrswege definiert, die der Flucht aus einem möglichen Gefährdungsbereich und zugleich der Rettung von Personen dienen.

Arten von Brandschutz und Schutzziele

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Wo werden die Anforderungen an Rettungs- bzw. Fluchtwege geregelt?

Für Flucht- und Rettungswege gelten unterschiedliche und sich teilweise widersprechende (Landes-)Bauordnungen, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Regeln, Richtlinien, berufsgenossenschaftliche Vorgaben, Ausführungsbestimmungen und Normen.

Das Baurecht stellt an Rettungswege insbesondere Anforderungen an …

  • deren Anzahl und bauliche Ausführung,
  • die Brennbarkeit der verwendeten Baustoffe sowie
  • den Feuerwiderstand der raumabschließenden Bauteile sowie der Öffnungsverschlüsse zu anderen Räumen.

Zu berücksichtigen sind hier insbesondere …

  • die Musterbauordnung (MBO) sowie
  • die jeweiligen Landesbauordnungen (LBO), aber auch
  •  Sonderbauverordnungen wie z.B. die Muster-Richtlinie über bauaufsichtliche Anforderungen an Schulen (MSchulbauR), die Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (MVStättVO), die Muster-Verkaufsstätten-Verordnung (MVkVO), die Muster-Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern (MHHR), die Muster-Beherbergungsstättenverordnung (MBeVO) oder auch die Musterverordnung über den Bau und Betrieb von Garagen (MGarVO).

Hinweis: Bei den Muster-Richtlinien und Musterverordnungen handelt es sich nicht um bundesweit eingeführte Gesetzestexte. Je nach Bundesland kann es abweichende Rechtsvorschriften geben.

Außerdem sind Vorgaben für Flucht- und Rettungswege im Arbeitsrecht bzw. in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3) festgeschrieben.

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Baustoffklassen nach deutscher und europäischer Norm

Worin unterscheidet sich der erste vom zweiten Rettungsweg?

Wohnungen, Praxen, Läden und alle anderen „Nutzungseinheiten mit mindestens einem Aufenthaltsraum“ müssen laut § 33 MBO zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie haben. Voneinander unabhängig bedeutet: Fällt der eine Rettungsweg aus, darf der zweite nicht betroffen sein.

  • Der erste Rettungsweg ist eine ständig vorhandene, feste bauliche Einrichtung, die ohne fremde Hilfe begangen werden kann und ins Freie führt – üblicherweise auf eine öffentliche Verkehrsfläche. Der erste Rettungsweg kann sich aus dem horizontalen Rettungsweg (Flur), dem vertikalen Rettungsweg (notwendige Treppe) sowie den Ein- und Ausgängen zusammensetzen. In Nutzungseinheiten, die nicht ebenerdig sind, muss der erste Rettungsweg über eine notwendige Treppe führen (§ 33 Abs. MBO).
  • Der zweite Rettungsweg ist entweder ebenfalls eine ständig vorhandene, feste bauliche Einrichtung, die ohne fremde Hilfe begangen werden kann und über einen zweiten Notausgang ins Freie führt – oder es ist ein Weg, der über Rettungsgeräte der Feuerwehr führt, beispielsweise über eine Drehleiter.

Für den zweiten bauaufsichtlichen Rettungsweg gelten folgende Regelungen:

  • Gleicher notwendiger Flur: Laut § 33 Abs. 1 MBO müssen „Nutzungseinheiten mit mindestens einem Aufenthaltsraum“ zwar über zwei voneinander unabhängige Rettungswege verfügen – innerhalb eines Geschosses dürfen diese jedoch über denselben notwendigen Flur führen.
  •  Anleiterbare Fenster: Soll der zweite bauaufsichtliche Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr führen, sind dafür „anleiterbare“ Fenster bzw. Stellen notwendig. Anleiterbare Fenster, die als Rettungswege dienen, müssen laut § 37 Abs.5 MBO im Lichten mindestens 0,90 m x 1,20 m groß sein und dürfen nicht höher als 1,20 m über der Fußbodenoberkante angeordnet werden.
  • Hohe Gebäude: Gebäude, bei denen a) der zweite bauaufsichtliche Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr führen soll, b) die anleiterbaren Fenster aber mehr als 8 m über der Geländeoberfläche liegen, dürfen nur errichtet werden, wenn die Feuerwehr auch tatsächlich über die dafür erforderlichen Rettungsgeräte verfügt (§ 33 Abs. 3 MBO). In der Regel kann jedoch der zweite Rettungsweg bei Gebäuden bis zur Hochhausgrenze über die Rettungsgeräte der Feuerwehr sichergestellt werden.
  • Sonderbauten: Bei Sonderbauten darf der zweite bauaufsichtliche Rettungsweg nur dann über Rettungsgeräte der Feuerwehr führen, wenn diese keine Bedenken wegen der Personenrettung hat. Denn innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit kann über die Rettungsgeräte der Feuerwehr nur eine begrenzte Zahl an Personen in Sicherheit gebracht werden. Deshalb muss die Feuerwehrdienststelle in diesem Fall explizit zustimmen (§ 33 Abs. 3 MBO). In der Regel ist bei Sonderbauten ein zweiter baulicher Rettungsweg erforderlich, beispielsweise eine weitere notwendige Treppe.

Kein zweiter bauaufsichtlicher Rettungsweg ist erforderlich, wenn ein sogenannter Sicherheitstreppenraum vorhanden ist – also ein sicher erreichbarer Treppenraum, in den Feuer und Rauch nicht eindringen können (§ 33 Abs. 2 MBO).

Überhaupt kein baulicher Rettungsweg ist erforderlich für Nutzungseinheiten, bei denen von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes mindestens ein Ausgang ins Freie in höchstens 35 m Entfernung zu erreichen ist.

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Feuerwiderstandsklassen nach deutscher und europäischer Norm

Welche maximale Länge darf ein Rettungsweg haben?

Rettungswege dürfen laut § 35 Abs. 2 MBO maximal 35 Meter lang sein. Das bedeutet: Von jeder Stelle eines Aufenthaltsraums aus muss in höchstens 35 Meter Entfernung ein sicherer Ort im Freien oder ein gesicherter Fluchtwegbereich (Treppenhaus, Außentreppe o.Ä.) erreicht werden. Die Entfernung wird i.d.R. als Luftlinie gemessen (aber nicht durch Bauteile). Die tatsächliche Lauflänge darf maximal das 1,5-Fache betragen.

Je nach Eigenschaften der Umgebung und ihrem Gefährdungspotenzial gelten allerdings Sondervorschriften. Beispielsweise sind in Abschnitt 5 der Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3) folgende Werte für die maximal erlaubte Fluchtweglänge festgelegt:

Maximale Fluchtweglängen laut Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3)

Gefährdungspotenzial maximale Länge nach ASR 2.3
Räume ohne oder mit normaler Brandgefährdung ≤ 35 m
Räume mit erhöhter Brandgefährdung mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen ≤ 35 m
Räume mit erhöhter Brandgefährdung ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen ≤ 25 m
giftstoffgefährdete Räume ≤ 20 m
explosionsgefährdete Räume ≤ 20 m
explosivstoffgefährdete Räume ≤ 10 m

Auch bei Sonderbauten können – je nach Art und Nutzung – kürzere Flucht- und Rettungswege erforderlich sein oder auch längere zugelassen werden.

Maximale Rettungsweglänge bei Sonderbauten

Sonderbauten maximale Länge
Hochhäuser ≤ 35 m
Versammlungsstätten
  • Von jedem Besucherplatz (Versammlungsraum oder Tribüne) und von jeder Stelle einer Bühne zum Ausgang: ≤ 30,00 m
  • Bei ≥ 5,00 m lichter Höhe je + 2,50 m Höhe: zusätzlich 5,00 m Länge, maximal 60,00 m (= 20,00 m Höhe)
  • Von jeder Stelle eines notwendigen Flures und eines Foyers zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 30,00 m  
Verkaufsstätten
  • Von jeder Stelle eines Verkaufsraumes zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 25,00 m
  • Von jeder Stelle einer Ladenstraße zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 35,00 m, bei Rauchabzugsanlagen und wenn zweiter Rettungsweg nicht über diese Ladenstraße führt: zusätzlich ≤ 35,00 m
  • Verkaufsstätten mit Sprinkleranlagen oder erdgeschossige Verkaufsstätten: zusätzlich ≤ 35,00 m
  • Von jeder Stelle eines Verkaufsraumes zum Hauptgang oder zur Ladenstraße: ≤ 10,00 m
Beherbergungsstätten ≤ 35 m
Industriebauten
  • Von jeder Stelle eines Produktions- oder Lagerraumes zum Hauptgang:  ≤ 15,00 m
  • Von jeder Stelle eines Produktions- oder Lagerraums mit mittlerer, lichter Raumhöhe unter 5,00 m zum Ausgang ins Freie, zum notwendigen Treppenraum oder zu einem anderen Brand(bekämpfungs)abschnitt: ≤ 35,00 m, mit Brandmeldeanlage und/oder Feuerlösch- und Alarmierungsanlage: ≤ 50,00 m
  • Von jeder Stelle eines Produktions- oder Lagerraums mit mittlerer, lichter Raumhöhe über 10,00 m zum Ausgang ins Freie, zum notwendigen Treppenraum oder zu einem anderen Brand(bekämpfungs)abschnitt: ≤ 50,00 m, mit Brandmeldeanlage und/oder Feuerlösch- und Alarmierungsanlage: ≤ 70,00 m
Schulbauten ≤ 35 m
Krankenhäuser i.d.R. ≤ 35 m
Offene Mittel- und Großgaragen auf demselben Geschoss zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 50,00
Geschlossene Mittel- und Großgaragen auf demselben Geschoss zum Ausgang ins Freie oder zum notwendigen Treppenraum: ≤ 30,00

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Brandabschnitte und Brandwände

Welche Mindestbreite muss ein Rettungsweg haben?

Wie breit Rettungswege mindestens sein müssen, hängt von der Zahl der gleichzeitig anwesenden Personen ab. In den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3) sind folgende Werte für die Mindestbreite von Fluchtwegen festgelegt:

Mindestbreite von Fluchtwegen laut Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR 2.3)

Personenanzahl Mindestbreite nach ASR A2.3
bis 5 0,875 Meter
bis 20 1,00 Meter
bis 200 1,20 Meter
bis 300 1,80 Meter
bis 400 2,40 Meter

Für Sonderbauten gelten folgende Regelungen:

Mindestbreite von Rettungswegen bei Sonderbauten

Sonderbauten Mindestbreite
Hochhäuser ≥ 1,20 m

  • Lichte Breite von Türen aus Nutzungseinheiten auf notwendige Flure: ≥ 0,90 m
Versammlungsstätten
  • Freiluftveranstaltungen und Sportstadien: ≥ 1,20 m pro 600 Personen
  • Andere Versammlungsstätten: ≥ 1,20 m pro 200 Personen, Staffelungen in Schritten von 0,60 m
  • Räume mit max. 200 Personen: ≥ 0,90 m
  • Arbeitsgalerie: ≥ 0,80 m
Verkaufsstätten
  • Notwendige Treppen für Kunden: ≥ 2,00 m und ≤ 2,50 m
  • Notwendige Treppen für Kunden bei Verkaufsräumen ≤ 500 m²: ≥ 1,25 m
  • Ladenstraßen: ≥ 5,00 m
  • Hauptgänge, Ausgänge, notwendige Flure: ≥ 2,00 m
  • Bei Verkaufsräumen ≤ 500 m²: 1,00 m für Ausgänge, 1,40 m für notwendige Flure
  • Ausgänge aus einem Geschoss ins Freie oder in Treppenräume: ≥ 30 cm je 100 m² Fläche der Verkaufsräume
Beherbergungsstätten keine Abweichung von LBO
Industriebauten Hauptgänge: ≥ 2,00 m
Schulbauten
  • Ausgänge von Unterrichtsräumen und sonstigen Aufenthaltsräumen, notwendige Flure, notwendige Treppen: ≥ 1,20 m pro 200 Benutzer, Staffelungen in Schritten von 0,60 m
  • Ausgänge von Unterrichtsräumen und sonstigen Aufenthaltsräumen. ≥ 0,90 m
  • Notwendige Flure: ≥ 1,50 m
  • Notwendige Treppen: ≥ 1,20 m
Krankenhäuser
  • Notwendige Flure: ≥ 1,50 m; wenn eine Rettung mit Betten vorgesehen ist: ≥ 2,25 m
  • Türen: ≥ 0,90 m; wenn eine Rettung mit Betten vorgesehen ist: ≥ 1,25 m

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