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Leichte Fassadenbekleidungen

Virtuoses Potenzial
Leichte Fassadenbekleidungen

Faserzement, kunststoffgebundene Platten sowie WPC oder Mineralwolle sind keine völlig neuen, aber im Vergleich zu Klassikern wie Putz oder Naturstein immer noch junge Werkstoffe für Fassadenbekleidungen. Gemeinsam sind den technisch so unterschiedlichen Materialien ihr geringes Flächengewicht und eine wenig von Konventionen eingeengte Formensprache.

Markus Hoeft

Mit Naturstein, Keramik, Glas oder auch Metall besitzen wir eine ganze Reihe sehr bewährter Baustoffe für Fassadenbekleidungen. Bewährt nicht nur im technischen Sinne, sondern auch durch jahrzehntelange architektonische Erfahrung und Anwendung. Dabei haben sich bestimmte Sehgewohnheiten und Gestaltungstraditionen herausgebildet, die der Planer nur bedingt verlassen kann. Zwar sind Formate, Fugenbilder, Farben und Oberflächen variierbar, doch gibt es einen gewissen, häufig wiederholten Kanon der architektonischen Ausdrucksmittel für die jeweiligen Materialien, den die Gesellschaft auch erwartet. Bewährt bedeutet neben funktional und sicher eben auch: Bekannt, akzeptiert und ergründet.
Nun wäre es sicher unfair gegenüber Naturstein & Co. zu behaupten, die architektonische Story dieser Baustoffe an der Fassade sei auserzählt. Auch hier dürfte es künftig überraschende Einzellösungen mit bis dahin nicht gekannter Architektur geben. Aber es wird immer schwerer, diese völlig neuen Pfade zu finden.
Dies könnte ein Grund sein, sich jüngeren Baustoffen zuzuwenden, deren Anwendung an Fassaden von mehrgeschossigen, urbanen Gebäuden noch nicht so stark von architektonisch Erwartetem und Bekanntem geprägt ist. Wobei „jung“ durchaus relativ zu verstehen ist: Faserzement wurde 1904 in Deutschland eingeführt, die Produktion von Bakelit als erstem Kunstharz und damit wichtiger Voraussetzung für HPL-Platten begann hierzulande 1910. Doch beide Materialen, wie auch bei WPC oder Mineralwolle, sind im Objektbau immer noch die etwas besondere Fassadenlösung, die Raum für neue und verblüffende Gestaltungsvarianten geben kann.
Formate, Fugen, Farben
Eingesetzt werden die plattenförmigen Werkstoffe vor allem als Bekleidung von vorgehängten hinterlüfteten Fassaden, aber auch als gestaltende Elemente vor der eigentlichen Fassade. Ein Vorteil ist in jedem Fall das geringe Flächengewicht der Bekleidungen, das in den meisten Fällen abhängig von der Dicke in einem breiten Spektrum um 10 kg/m² variiert. Das geringe Flächengewicht kann objektiv helfen, etwa wenn für die Befestigung der Fassade nur ein Untergrund mit begrenzter Tragfähigkeit zur Verfügung steht oder wenn die Gesamtlasten des Gebäudes eingeschränkt werden müssen, etwa bei einer Aufstockung.
Noch wichtiger ist aber unter Umständen das „gefühlte Gewicht“, also die subjektive Wahrnehmung der leichten Fassadenbekleidungen bei besonderen architektonischen Gestaltungen. Beispielsweise wenn auskragende Bauteile wie Erker, Gebäudeüberhänge oder Dachüberstände in die Fassade mit einbezogen werden. Oder wenn fließende, beinahe organische Gebäudeformen herausgearbeitet werden sollen, etwa bei runden Bauformen oder ohne eindeutig markierte Traufe von ineinander übergehenden Außenwänden und Dächern. Für die letztgenannte Möglichkeit bietet sich z.B. Faserzement an, der material- und oberflächengleich als Fassadenbekleidung und Dachdeckung eingesetzt werden kann. Analog lässt sich vor allem mit HPL-Platten ein bruchloser Übergang von außen nach innen visualisieren, weil es dieses Material mit optisch gleicher Oberfläche für Innen- und Außenwendungen gibt.
Das geringe Gewicht – sowohl objektiv als auch gefühlt – ebnet außerdem den Weg für großformatige Fassadenplatten, die sich in der Montage immer noch vernünftig handhaben lassen.
Da es viele der genannten leichten Fassadenbekleidungen wahlweise in großen und kleinen Formaten sowie als Paneele in Anlehnung an die Brettgeometrie gibt, kann sehr einfach mit den verschiedensten, an die jeweiligen Fensterraster angepassten Plattengrößen geplant werden oder auch mit unterschiedlichen Plattenformaten an ein und derselben Fassade gestaltet werden.
Damit wird neben der Materialität und den Formaten der Platten auch ihr Fugenbild zu einem Mittel der Formensprache, die als Viertes schließlich mit der Farbe komplettiert wird. Wobei es sich nicht um angestrichene, sondern „gebaute“ Farbe handelt, weil die Oberflächen schon im Werk konfektioniert werden – meist in allen RAL-Tönen und teilweise auch mit Holz-, Stein- oder anderen Dekoren.
Montieren lassen sich die Systeme in der Regel mit rückseitigen, also nicht sichtbaren Befestigungen, so dass die mit Formaten, Fugen oder Farben geplante Architektur klar und ungestört zur Geltung kommen kann.
Faserzement
Es ist kein Zufall, dass die hier besprochenen Werkstoffe Composite sind, weil vor allem mit der Kombination der Vorteile verschiedener Materialien dünne und leichte, dabei aber trotzdem stabile Platten hergestellt werden können. So besteht etwa Faserzement aus dem namensgebenden Zement, mineralischem Füllmaterial, Zellulose und organischen Fasern.
Durch die spezielle Schichtung und Pressung der Bestandteile entstehen die 8 bis 12 mm dicken Fassadenbekleidungen, die sehr fest, aber trotzdem einfach zu bearbeiten sind.
Faserzement kann im Kern durchgefärbt werden, wodurch auch die Plattenkanten den meist mit Reinacrylat verwirklichten Farbton aufweisen. Neben großformatigen Fassadentafeln stehen kleinformatige Schindeln oder brettartige Paneele zur Auswahl, die neben der planen Fassade auch Stulpdeckungen oder andere Verlegetechniken zulassen. Umfangreiche Sortimente bieten beispielsweise die Unternehmen Eternit oder Cembrit an.
Holzverbundwerkstoffe
Da Faserzement auch als Deckung für geneigte Dächer oder als Innenverkleidung genutzt werden kann, ergeben sich Möglichkeiten für optisch fließende Übergänge vom Dach zur Fassade oder auch von außen nach innen. Diese kombinierte Innen-Außenanwendung lässt sich auch mit HPL-Platten realisieren. Hochdrucklaminatplatten (HPL = High Pressure Laminates) werden aus Holz- bzw. Zellulosefasern hergestellt, die mit thermohärtenden Harzen (z.B. Phenol- und Melaminharz) unter der Einwirkung von Druck und Wärme gepresst werden.
Es entstehen sehr stabile, dichte Platten mit einem guten Verhältnis von Stärke und Gewicht.
Die Dicken liegen üblicherweise zwischen 6 bis 13 mm, eine 10 mm dicke Bekleidung wiegt bei einer Dichte des Werkstoffs von ca. 1,4 g/cm³ also rund 14 kg/m².
HPL-Sortimente wie Trespa Meteon, Kronoplan von Wilkes und Resoplan von Resopal enthalten eine Vielzahl von Farben sowie Dekoren mit Holz-, Metall- oder auch Mineraloptik. Darüber hinaus gibt es HPL-Platten auch mit Echtholzfurnieren, die für Außenanwendungen an der Fassade geeignet sind, z.B. Prodema bei der Firma Ubor oder Parklex bei Howebo. Für die großformatigen Bekleidungsplatten Square nutzt auch Werzalit die HPL-Technologie, für andere Fassadensysteme aber auch den Werzalit Holzwerkstoff. Das patentierte Herstellungsverfahren verbindet nach Unternehmensangaben die natürlichen Eigenschaften von Holz mit der Beständigkeit hochwertiger Harze. Die Beschichtung wird unlösbar mit dem hoch verdichteten Materialkern verschmolzen und anschließend versiegelt.
Eine Besonderheit des Werkstoffs ist die dreidimensionale Formbarkeit, die Fassaden eine echte räumliche Tiefe geben kann.
Zu den Holzwerkstoffen gehört auch WPC, wie es bei Werzalit im System Structura verwendet wird. WPC steht für Wood Plastic Composites, also für einen Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff. Holzfasern oder Holzmehl werden mit Polymeren, also Kunststoffen wie Polypropylen oder Polyethylen, versetzt und zu Bauteilen extrudiert, gegossen oder gepresst. Es entsteht ein Holzwerkstoff, der beständig und pflegeleicht wie ein Kunststoff ist, dabei aber auch bis zu 70 % nachwachsende Rohstoffe enthält. Ob die gelegentlich anzutreffende Klassifizierung als „Biowerkstoff“ gerechtfertigt ist, dürfte aber vom Holzanteil abhängen, den ein konkretes Produkt tatsächlich enthält. Bekannt geworden ist WPC in der Nutzung für freibewitterte Terrassendielen, kann aber auch für andere Außenanlagen, Möbel oder eben Fassaden eingesetzt werden.
Der Charme aller Holzwerkstoffe besteht darin, dass sich zur Herstellung der erforderlichen Fasern auch Schnittreste und Durchforstungshölzer nutzen lassen, die sonst kaum sinnvoll verwendet werden können.
Diesem Gedanken der nachhaltigen Verwertung eines vorhandenen Rohstoffs und der Reduzierung von Deponieabfällen folgt auch der Hersteller UPM mit seiner ProFi Facade. Die Fassadenbekleidung besteht aus Kunststoffpolymeren und Zellulosefasern, die als Nebenprodukte bei der Herstellung von Etiketten anfallen und eine Nachnutzung für das überschüssige Etikettenmaterial ermöglichen. Der Bekleidungswerkstoff lässt sich mit normalen Holzbearbeitungswerkzeugen zuschneiden und wird im Standard als Paneel in der typischen Brettgeometrie von 3 000 x 150 x 20 mm angeboten. Sechs Farben mit steinähnlicher Oberflächenstruktur stehen zur Auswahl.
Mineralwolle
Während alle bisher beschriebenen leichten Fassadenbekleidungen auf einer Kombination von organischen Fasern mit Bindemitteln und Füllstoffen beruhen, setzen Rockpanel-Tafeln auf mineralische Basaltfasern, also letztlich auf Steinwolle. Dass dieses Material nicht nur als verdeckt eingebauter Dämmstoff, sondern auch als Sichtfläche funktioniert, haben in der Vergangenheit schon Akustikdecken aus Mineralwolle bewiesen.
Mit Rockpanel steht nun auch eine feuchtigkeitsunempfindliche Platte für Fassaden zur Verfügung. Auf Grundlage einer wasserbasierten Beschichtung können eine Vielzahl von Farben, aber auch metallische oder Holzdekore hergestellt werden. Technische Besonderheiten der Mineralwolle-Fassaden sind zum einen das sehr geringe Flächengewicht, das mit 6,3 kg/m² bei 6 mm Dicke beginnt, sowie zum anderen die Möglichkeit der Herstellung gerundeter Bekleidungen aus direkt auf der Unterkonstruktion biegbaren Platten.

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