Innendämmung für eine zum Wohngebäude umgenutzte denkmalgeschützte Klinik in Heppenheim

Schonend transformiert

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Wer eine ehemalige psychiatrische Klinik zu Wohnraum umnutzen will, muss sich etwas einfallen lassen, um dem Gebäude ein neues Image zu geben. Gelungen ist dies in Heppenheim. Dort wird das alte Krankenhaus derzeit zum „The Bergstraße – Sports & Country Club“ mit 177 Wohnungen umgebaut. Um Energie zu sparen und gleichzeitig die klassizistische Natursteinfassade zu erhalten, kam eine schlanke und effiziente Innendämmung zum Einsatz.

Anforderung:

Energie sparen bei gleichzeitigem Erhalt von denkmalgeschützten Fassaden; angenehmes Raumklima schaffen

Lösung:

Schlanke und effektive Innendämmung mit luftfeuchteregulierenden Eigenschaften


Jens Engel, Produktmanager Bauten- und Fassadenschutz, Remmers | vs

Die ehemalige Klinik liegt idyllisch an der Bergstraße auf halber Strecke zwischen Heidelberg und Darmstadt. Wer sich von Süden über die Bundesstraße der Kleinstadt Heppenheim nähert, wird gleich am Ortseingang von dem imposanten Baudenkmal begrüßt. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Schloss mit mehreren Flügeln, die einen repräsentativen Ehrenhof umarmen und in einen weitläufigen Park eingebettet sind.

Tatsächlich handelt es sich jedoch um die ehemalige „Großherzogliche Landesirrenanstalt“, wie das Ensemble bei seiner Fertigstellung im Jahr 1866 noch genannt wurde. Die Fassaden aus gelbem Sandstein sind im Stil des Klassizismus gestaltet. Gegliedert und aufgelockert werden sie von durchlaufenden Gesimsen, die – wie die Fenstergewände – aus rotem Sandstein bestehen. Der Verwaltungstrakt, Dreh- und Angelpunkt des Gesamtensembles, ist mit Risalit, Dreiecksgiebel und Portikus etwas reicher geschmückt.

Eingebettet ist die Anlage in einen Park, der den Patienten Entspannung für Körper und Geist bieten sollte. Neben Blumen und Sträuchern hatte man vorwiegend Laubbäume gepflanzt, um eine helle und freundliche Atmosphäre zu schaffen. Außergewöhnlich sind 20 exotische Gehölzarten, die aus dem Park beinahe einen botanischen Garten machen. Heute erreichen die Bäume Kronendurchmesser von bis zu 28 m.

Neustart notwendig

Knapp 150 Jahre diente die Klinik als Krankenhaus, doch irgendwann waren die sehr weitläufigen Gebäude mit ihren langen Korridoren für einen effizienten Betrieb nicht mehr geeignet und die Klinik zog in einen Neubau um. Für den Altbau suchte man 2013 in einem Bieterverfahren, an dem sich Teams aus Investoren und Architekten bewerben konnten, nach einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept für die Nachnutzung. Hier konnte sich das Unternehmen terraplan zusammen mit dem Berliner Planungsbüro raumwandler.de durchsetzen.

In den Gebäuden entstehen in mehreren Bauabschnitten 177 Eigentumswohnungen, die als „The Bergstraße – Sports & Country Club“ vermarktet werden. Der Name spielt auf die attraktive Lage am Ortsrand mit Bezug zur freien Landschaft an, aber auch auf den wertvollen Park und auf die Extras, die das Ensemble nach dem Umbau bereithält: Den Bewohnern stehen ein gemeinsamer Fitnessbereich und eine Sauna zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es für besondere Anlässe einen rund 60 m2 großen Saal mit TV-Lounge und Teeküche, der sich für Familienfeiern und Ähnliches nutzen lässt – alles untergebracht in den urigen Kellerräumen, die von schweren Steingewölben überspannt werden. Dort ist auch für jede Wohnung ein abschließbares Weinregal vorgesehen, in dem sich Weine bei optimalem Klima lagern lassen. Die Kellerräume, von den meisten Projektentwicklern eher stiefmütterlich behandelt, erhalten hier nicht nur eine attraktive Nutzung, sondern sind wesentlicher Teil des Gesamtkonzepts.

In den oberen Geschossen werden für die Wohnungen Balkone angebaut, Terrassen ins Dach geschnitten, Treppenhäuser mit Aufzügen geschaffen und die Grundrisse neu aufgeteilt. Anbauten aus der Nachkriegszeit werden abgebrochen, sodass der zentrale Verwaltungsbau wieder freisteht. Bei den Maßnahmen zum Energiesparen setzte das Denkmalamt durch, dass die neuen Fenster wieder Sprossen bekommen und dass das Gebäude nur von innen gedämmt wird, um die klassizistischen Natursteinfassaden erhalten zu können.

Effiziente Innendämmung

Aus Sicht des Bauherrn war es wichtig, eine möglichst dünne Dämmung zu finden, für die nicht zu viel Wohnfläche geopfert werden muss. Gemeinsam entschied man sich schließlich für „iQ-Therm“ von Remmers. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,031 W/mK war es mit diesem Dämmsystem möglich, bei den dünneren Bestandswänden mit einer Dicke von nur 50 mm auszukommen; bei den dickeren Wänden reichten sogar 30 mm.

Das Geheimnis des Dämmstoffs: Er wartet mit dem geringen Wärmedurchgang einer PUR-Hartschaumplatte auf, bietet aber eine deutlich bessere Wasserdampfdiffusionsfähigkeit. Denn die Platte ist mit regelmäßigen, senkrecht zur Oberfläche stehenden Lochungen versehen, die werkseitig mit einem speziellen, hoch kapillaraktiven mineralischen Material verfüllt sind. Dadurch wird eine Tauwasseransammlung innerhalb des Wandaufbaus vermieden, Feuchtigkeit kann zum Raum hin ausdiffundieren.

Weil bei der Innendämmung die Verarbeitung im Gesamtsystem wichtig ist, wurden die Platten mit dem Klebemörtel „iQ-Fix“ auf der Wand befestigt und anschließend mit „iQ-Top Spachtelputz“ überputzt. Die Laibungen von Fenstern und Türen wurden mit speziellen, besonders schlanken Platten gedämmt. „iQ-Therm L-15“ und „L-30“ bieten eine Wärmeleitfähigkeit von 0,028 W/mK und sind nur 15 bzw. 30 mm dick. Das Zusammenspiel der Regel- und der Sonderplatten verhindert, dass an den neuralgischen Punkten Wärmebrücken entstehen.

Weil die Fassaden bei diesem Gebäude den Löwenanteil der Wärmeverluste ausmachten, trägt die Innendämmung entscheidend zum Energiesparen bei. Nach der Überarbeitung aller Hüllflächen des Gebäudes sinkt der Heizwärmebedarf um rund zwei Drittel. Der Umbau zum Wohnhaus sorgt also nicht nur dafür, dass das Baudenkmal weiter genutzt werden kann, sondern dass es auch aus ökologischer Sicht bestens für die Zukunft gerüstet ist.


Bauherr: terraplan Baudenkmalsanierungsgesellschaft mbH, Nürnberg

Architekten: raumwandler.de, Berlin
www.raumwandler.de

Bauleitung: CMF + Partner GmbH, Koblenz

Hygrothermische Nachweisführung zur Innendämmung: Ingenieurbüro Dr. Gregor Scheffler & Partner GmbH, Dresden

Wärmeschutznachweis: Energieberatung Preiß, Schwäbisch-Gmünd


Dirk Meyer, Planer und Objektmanager, Remmers Fachplanung: „Gebäudekomplexe wie die ehemalige psychatrische Klinik in Heppenheim belegen, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Bauherren, Architekten und Planern mit der Remmers Fachplanung ist. Derart reich gegliederte Fassaden können mit einem Wärmedämmverbund-System energetisch nicht optimiert werden. Für solche Bauten im Bestand haben wir (…) das Innendämm-System iQ-Therm entwickelt.“


Umfassende Analysen

Weil das Bestandsmauerwerk nach Aufbringen der Innendämmung im Winter kälter ist, kann es langsamer abtrocknen und es stellt sich über die Jahre mehr Feuchte ein, die im Fall der alten Klinikbauten eine potenzielle Gefahr für Holzbauteile wie z.B. die einbindenden Deckenbalken hätte darstellen können. Um dieses Risiko abzuschätzen, wurde das Dresdner Ingenieurbüro Dr. Scheffler mit einer hygrothermischen Berechnung beauftragt. Sie ergab, dass es ausreichte, bei den Fassaden fehlenden Fugenmörtel zu ergänzen, um den Wassereintrag zu reduzieren. Im Vorfeld hatte die Remmers Fachplanung Bohrproben des Mauerwerks entnommen, um die Feuchtebelastung zu analysieren.


Mehr zum Thema

  • bba-Themenseite mit umfangreichen Fachinformationen zum Thema „Innendämmung“

www.hier.pro/bba-themenseite-inndaemm


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