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Zeitgemäß ergänzt

Sanierung und Erweiterung eines Universitätsinstitutes in Bamberg
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Zentral im Weltkulturerbe-Bereich der Stadt gelegen, saniert und erweitert die Universität Bamberg ihr Bestandsareal. Mit neuen Institutseinrichtungen stärkt das umfangreichere Ensemble auch den Innenstadt-Standort der Uni. Zweigeschossig massiv ausgeführt, fand man eine spezielle Fassadenstruktur für eine verträgliche Maßstäblichkeit.

Das Kerngebäude „Am Kranen 14“ war erstmals 1490 als Kupferhof außerhalb der Stadtmauer erwähnt worden. 1745 wurde es barock umgebaut und erweitert und auch die ursprünglich zum Kranen giebelständig orientierte Firstachse um 90° gedreht. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dann noch ein mehrgeschossiges Rückgebäude auf dem Grundstück ergänzt. Speziell dessen Standsicherheit war jetzt unmittelbarer Anlass für die Neugestaltung des Ensembles innerhalb des engen, mittelalterlichen Quartiers. Aus einem beschränkten Wettbewerb des Staatlichen Bauamtes Bamberg ging das Büro Arc-Architekten Partnerschaft (vormals Brennecke-Biesterfeld- Leidl- Riesinger) in Bad Birnbach als Sieger hervor und wurde dann mit der Planung betraut.

Drei-Höfe-Prinzip als städtebaulicher Maßstab
Das Universitäts-Quartier, in das das langgestreckte Grundstück „Am Kranen 14“ mit seiner nördlichen Bebauung hineinragt, war ursprünglich durch drei Höfe definiert: den Bibliothekshof im Norden, den sich südöstlich daran anschließenden Mensahof und schließlich den eigentlichen Institutshof auf dem Grundstück „Am Kranen“. Durch Teilabbruch der nördlichen Bebauung gingen prägende Raumkanten dieser Höfe verloren und zeigten kaum noch räumliche Qualität. Auch als Wegverbindung für die Öffentlichkeit war der Hof des Hauses „Am Kranen“ nur noch wenig präsent. Aus dieser Situation leiteten sich die drei wesentlichen städtebaulich relevanten Zielsetzungen ab:
  • die drei Höfe sollten wieder als differenzierte räumliche Strukturen erlebbar werden,
  • das neue Rückgebäude war als eigenständiger Baukörper zu entwickeln, einschließlich der Nahtstelle des Zwischenbaus zum Hauptgebäude im Süden des Grundstückes und
  • die von Norden nach Süden verlaufende Wegverbindung zwischen Bibliothekshof und dem Platz „Am Kranen“ sollte wiederhergestellt werden.
Durch die Grundrissgeometrie des neuen Rückgebäudes wurden die drei angrenzenden Höfe in ihrer räumlichen Ausprägung wieder deutlich gestärkt, wobei dem eingeschlossenen Institutshof als Werkhof ein besonders intimer Charakter zugewiesen wurde: Hier kann die Arbeit des Institutes im Freien erlebt werden. Gleichzeitig entstanden zwischen den drei Hofbereichen, Bibliothek – Mensa – Institut, und dem Vorplatz „Am Kranen“ wieder öffentlich nutzbarer Fußwege.
Bestand sensibel interpretiert
Im Westen dieses innerstädtischen Areals reihen sich schmale Grundstücke mit traufständiger Bebauung aneinander. Den nördlichen Abschluss bildet der verglaste Flachdachbau der neuen Teil-Bibliothek, nordöstlich schließt das Alte Gymnasium an, im Osten die Mensa der Universität und nach Süden hin schließlich wird das Grundstück durch das mit seiner Hauptfassade direkt „Zum Kranen“ stehende Hauptgebäude begrenzt. Entsprechend verweisen Formensprache und Materialität auf die Entstehungszeiträume sowie soziale Zuordnung der Umgebungsbebauung: Putzfassaden mit Stuck-Profilen, mehr oder weniger ausgestaltete Fachwerkbauten oder auch reich gegliederte Klinkerfassaden, teilweise mit Natursteineinfassungen.
In dieses baugeschichtliche Stilgemenge sollte sich das neue Rückgebäude einfügen und gleichzeitig den städtebaulichen Vorgaben genügen. So wurde es als zweigeschossiger Mauerwerksbau mit zusätzlichem Dachgeschoss in der Höhenentwicklung an das bestehende Gebäude angepasst.
Elemente aus der Gestaltung von Bestandsgebäuden und umgebender Bebauung sollten dazu beitragen, das neue Haus im historischen Umfeld zu integrieren: die Gliederung der Fassaden, die Gestaltung der oberen Wandabschlüsse, die Materialauswahl und deren Farbigkeit, ebenso wie die Wahl handwerklicher Verarbeitungstechniken wurden als „familiäre Elemente“ konzipiert.
An der Nahtstelle zwischen Alt- und Neubau entstand auch ein Kommunikationsraum für informelle Besprechungen und Begegnungen als großzügig verglaster Zwischenbau, der funktional gleichzeitig die barrierefreie Anbindung des Rückgebäudes realisiert.
Die westliche Brandwand des neu gebauten Institutsgebäudes folgt in ihrer Geometrie dem Verlauf der ehemaligen Stadtmauer, während das Gebäude selbst orthogonal organisiert wurde. So ist ein spannungsvoller Raum entstanden, der den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer im Gebäude erlebbar werden lässt. Die planungsrechtlich bedingt einbündige Anlage der Büroräume erlaubt die Anordnung von tageslichtabhängigen Nutzungen lediglich entlang der Westfassade. Diese zum Innenhof weisende zweigeschossige massive Außenwand erhielt demzufolge großzügige „Werkstattfenster“ mit hölzernen Leibungsbekleidungen und Teilungen, die den inneren Funktionen entsprechen. Die Ordnung der massiven Geschosse wird auch im Dachgeschoss mit gleicher Nutzung weitergeführt, hier jedoch in Form großzügiger moderner Dachgauben.
Ganz eigene Fassadenstruktur
Von Anfang an war geplant, an Stelle des alten Rückgebäudes wieder ein massives Haus entstehen zu lassen. Um den damit funktionsbedingt großen geschlossenen Wandflächen zum Bibliotheks- und Mensa-Hof hin eine verträgliche Maßstäblichkeit bei gleichzeitig ruhigem Gesamteindruck zu geben, wurde eine Fassade aus leicht unregelmäßig vermauerten schlanken Ziegelsteinen entwickelt. Verwendet wurden Klinker von Girnghuber in den Riegel-Standardlängen 240 mm, 365 mm und 440 mm in Anteilen von jeweils einem Drittel, bei einheitlichen Breiten und Höhen von 115 mm bzw. 71 mm. Durch die damit unregelmäßig versetzten und rot überschlämmten Fugen des ebenfalls roten Scherbens wird der typisch gerasterte Eindruck einer geordneten Vorsatzmauerschale vermieden und so eine homogene, dennoch lebendige Außenhaut erzeugt. Die in Teilbereichen bis zu 10 m hohen geschlossenen Wandflächen erhalten so einen menschlichen Maßstab.
Die Auflagen des Landesamtes für Denkmalschutz als Voraussetzung für den Teilabbruch des alten Rückgebäudes wurden also erfüllt: – „an gleicher Stelle“ ist wieder ein „mindestens gleichwertiges Haus“ entstanden. Typische Elemente von Altbau und Umgebungsbebauung wurden neu interpretiert und übernommen; dennoch ist das neue Institutsgebäude als moderne Ergänzung innerhalb des Quartiers erkennbar.
Uwe Troje | be
Architekten: Arc-Architekten Partnerschaft, Bad Birnbach


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