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Kein Rückstau geplant

Von Rückstauverschluss bis zu modernen Hybrid-Lösungen
Kein Rückstau geplant

Wichtig ist bei der Planung von Entwässerungsanlagen im Keller der Schutz vor Rückstau. Ohne den richtigen Schutz kann Abwasser durch die Abläufe in die Kellerräume gelangen und Schäden anrichten. Ein passender Rückstauschutz ist daher entscheidend für den Wohnkomfort im Untergeschoss.

Reinhard Späth, Marketingleiter Kessel AG | be

Kellerräume, die meist unterhalb der Rückstauebene (Straßenoberkante) liegen, werden mehr und mehr als Wohnraum genutzt. Nicht nur Hobbyräume finden im Untergeschoss ihren Platz, auch Bäder werden hier häufig untergebracht. Eine wichtige Rolle bei der Planung von Entwässerungsanlagen im Keller spielt der Schutz vor Rückstau. Denn bei starken Regenfällen stößt die Kanalisation immer wieder an ihre Grenzen und das Abwasser drückt zurück in die Gebäude. Ohne den richtigen Schutz kann das Abwasser dann durch die Abläufe in die Kellerräume gelangen und schlimme Schäden anrichten. Die Wahl des passenden Rückstauschutzes ist daher von Bedeutung für den Wohnkomfort im Untergeschoss.
Normen und Vorschriften: DIN EN 12056–4 besagt, dass Ablauf-stellen unterhalb der Rückstauebene durch automatisch arbeitende Abwasserhebeanlagen mit Rückstauschleife gegen Rückstau zu sichern sind. Unter bestimmten Voraussetzungen können nach DIN EN 13564–1 auch Rückstauverschlüsse verwendet werden.
Alle in einer Entwässerungsanlage verbauten Produkte gelten als Bauprodukte und müssen gemäß der Bauproduktenrichtlinie, Landesbauordnung und DIN 1986–10 baurechtlich geregelt sein. Hierzu sind folgende Nachweisverfahren erlaubt:
  • Harmonisierte Normen wie z. B. DIN EN 12050 für Hebeanlagen oder DIN EN 13564 für Rückstauverschlüsse
  • Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung
  • Bauaufsichtliche Zustimmung im Einzelfall durch Eignungsfeststellung und Abklärung mit zuständiger Behörde.
Neben den Produktarten Abwasserhebeanlage und Rückstauverschluss stehen auch Produkte mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung wie Rückstauhebe- und Rückstaupumpanlagen zur Verfügung.
Das Abwasser heben
Befinden sich Entwässerungsanlagen unterhalb der Rückstauebene und es besteht kein natürliches Gefälle zum Kanal, kann das Abwasser nur über eine Hebeanlage abgeleitet werden. Dazu wird das Abwasser im Behälter der Hebeanlage gesammelt und ab einem bestimmten Wasserstand über die Rückstauebene in den Kanal gepumpt. Nach DIN 12056–4 muss eine Hebeanlage das Abwasser über eine Druckleitung mit einer Rückstauschleife heben. Ohne Rückstauschleife kann das Abwasser während eines Rückstaus ungehindert in das Gebäude zurückfließen und großen Schaden verursachen.
Bei der Installation der Druckleitung gilt es zu beachten, dass sie mindestens dem 1,5-fachen des maximalen Pumpendrucks der Anlage standhalten muss. Auch die Pumpe muss nach Vorgaben der DIN EN 12056–4 richtig bemessen werden. Die Pumpenleistung errechnet sich aus den zu ermittelnden Größen „Gesamtzufluss“ und „Gesamtförderhöhe“. Darüber hinaus muss festgestellt werden, ob die Pumpe die ermittelte Fördermenge auf die entsprechende Höhe fördern kann. Je nach Abwasserart gibt es Hebeanlagen für Schwarzwasser (fäkalienhaltig) oder Grauwasser (fäkalienfrei).
Die richtige Hebeanlage für jede Einbausituation
Bei der Auswahl der richtigen Hebeanlage gilt es, neben der Abwasserart auch die Einbauvoraussetzungen und die Nutzung der Kellerräume zu beachten. Eingebaut in die Bodenplatte und mit einer befliesten Abdeckung ist die Hebeanlage fast unsichtbar für die Bewohner. Kann die Anlage nicht in der Bodenplatte versenkt werden, gibt es Hebeanlagen zur freien Aufstellung.
Eine besonders für die Sanierung geeignete Einbauvariante ist die Installation in einen Systemschacht. Dieser kann in der Regel in den vorhandenen Hausanschlussschacht integriert werden. Das ist meist wesentlich zeit- und kostensparender als die nachträgliche Installation in die Bodenplatte, die aufgerissen werden muss, um die Hebeanlage einzubauen. Ein weiterer Vorteil des Einbaus im Schacht: Entstehende Pumpgeräusche bleiben draußen. Sind im Keller Wohn- oder Schlafräume untergebracht, spielt das eine besonders wichtige Rolle.
Abwasser mit natürlichem Gefälle ableiten
Ist ein ausreichendes Gefälle zum Kanal vorhanden, muss das Abwasser nicht gehoben werden, denn es fließt mit dem natürlichen Gefälle zum Kanal. Unter dieser Voraussetzung kann nach DIN EN 12056–4 ein Rückstauverschluss eingesetzt werden. Darüber hinaus fordert die Norm für den Einbau eines Rückstauverschlusses die Erfüllung folgender Bedingungen:
  • Die Räume müssen von untergeordneter Nutzung sein. Im Rückstaufall dürfen keinen wesentlichen Sachwerte beschädigt und die Gesundheit der Bewohner nicht beeinträchtigt werden.
  • Der Benutzerkreis muss möglichst klein sein.
  • Oberhalb der Rückstauebene muss ein weiteres WC zur Verfügung stehen.
  • Bei Rückstau muss auf die Benutzung der Ablaufstellen verzichtet werden können.
Bei Rückstau verschließt ein Rückstauverschluss selbsttätig. Sobald der Rückstau vorbei ist, kann das Abwasser dann ungehindert abfließen. Wie bei den Hebeanlagen ist auch bei der Wahl des Rückstauverschlusses die Abwasserart entscheidend. Auch hier gibt es Verschlüsse für Schwarz- und für Grauwasser, die den jeweiligen Anforderungen entsprechend ausgelegt sind. Ein Nachteil der Rückstauverschlüsse: Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene können während eines Rückstaus nicht genutzt werden, da das Abwasser in dieser Zeit nicht abgeleitet wird.
Hebeanlage und Rückstauverschluss vereint: Hybrid-Lösung
Häufig werden Hebeanlagen auch bei ausreichendem Gefälle eingebaut, um zu gewährleisten, dass die Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene auch während eines Rückstaus genutzt werden können.
Hier bieten die neuen Hybrid-Lösungen Rückstauhebe- und Rückstaupumpanlage kostensparende und umweltfreundliche Alternativen. Im Normalbetrieb nutzen sie das vorhandene Gefälle zum Kanal. Nur bei Rückstau, also bei geschlossener Rückstauklappe und gleichzeitig notwendiger Abwasserentsorgung aus dem Haus, pumpen sie. Das bedeutet im Gegensatz zur klassischen Hebeanlage, die dauerhaft pumpt, wesentlich geringere Stromkosten. Zudem entstehen störende Pumpgeräusche nur im Rückstaufall.
Auch während eines Stromausfalls sorgen Rückstauhebeanlagen wie Ecolift und Rückstaupumpanlagen wie Pumpfix von Kessel dafür, dass das Abwasser weiterhin abgeleitet wird.
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