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Trocken parken

Neubau einer Tiefgarage in Hamburg
Trocken parken

Die neue Unilever-Hauptverwaltung verbindet mit dem Marco-Polo-Tower eine öffentliche Tiefgarage, die im Grundwasser der Elbe steht. Dabei weist die Betonkonstruktion und ihre Beschichtung Vorteile auf, die den statischen Erfordernissen auch durch drückendes Grundwasser entspricht.

Die neue Unilever-Hauptverwaltung und der benachbarte Marco-Polo-Tower zählen zu den markantesten Neubauten Hamburgs. Oberirdisch fallen beide Meisterwerke, die das Stuttgarter Büro von Behnisch Architekten entworfen hat, durch ihre futuristische Silhouette auf: Rechte Winkel und Parallelen sucht das Auge des Betrachters hier wie dort vergebens. Zum eigenständigen Charakter beider Solitäre passt die exponierte Lage am Ufer der Norderelbe.

Sogar unterhalb des Wasserspiegels hat die noble Adresse am Strandkai in der neuen HafenCity Außergewöhnliches zu bieten: Das Fundament des öffentlichen Parkhauses, das auf zwei unter Flurniveau gelegenen Parkebenen auch den Unilever-Beschäftigten und den Bewohnern des 16-geschossigen Marco-Polo-Towers zur Verfügung steht, gründet direkt im Grundwasser der Elbe. Die Betonkonstruktion und ihre Beschichtung weisen daher einige Besonderheiten auf, die es ermöglichen, den statischen Erfordernissen wie auch dem nassen Element auf Dauer zu entsprechen.
„Die Bodenplatte wurde wasserdicht als ‚Weiße Wanne’ ausgebildet, da die Tiefgarage in zweiter Ebene unter Elbniveau liegt“, erläutert Dipl.-Ing. Architekt Frank Angrick, der die Errichtung beider Hochtief-Gebäude projektverantwortlich geleitet hat. Eine solche „Weiße Wanne“ kann zwar als dicht gegen drückendes Grundwasser angesehen werden, jedoch ist der Beton natürlich diffusionsoffen. Das bedeutet, dass Wasserdampf einen Weg durch den Werkstoff hindurch finden kann und dann auf die Beschichtung der Oberfläche einwirkt. Als alleinige Schutzmaßnahme vor drückendem Grundwasser hätte die Ausbildung einer „Weißen Wanne“ daher nicht genügt.
Weiße Wanne plus Beschichtung
Um besonderen bauphysikalischen Anforderungen wie am Strandkai gerecht zu werden, empfehlen die Hersteller und Anbieter von Beschichtungssystemen unterschiedliche Produkte sowie voneinander abweichende Verfahren. Bei der Planung der Oberflächenbeschichtung in der Unilever-Tiefgarage war zu berücksichtigen, dass die Bauleitung einerseits eine kurze Bauzeit anstrebte, um den nachfolgenden Gewerken die erforderliche Zeit für eine qualitativ hochwertige Ausführung zu belassen, andererseits aber eine robuste, langlebige, sichere und zugleich kostengünstige Lösung für die Tiefgarage wünschte. Diesem komplexen Anforderungsprofil entsprach der Vorschlag des Verarbeiters, die Bodenplatte mit einer starren OS 8-Beschichtung entsprechend der Richtlinie Schutz und Instandsetzung des deutschen Ausschusses für Stahlbeton auszustatten.
„Das von mir favorisierte und von der Bauleitung gewählte Beschichtungssystem der Marke Disbon zeichnet sich unter anderem durch ein geprüftes Epoxidharz aus, dessen Einsatz zuverlässig vor rückwärtiger Durchfeuchtung schützt“, erläutert Maler- und Lackierermeister Nils Möller, Geschäftsführer des ausführenden Malereibetriebs Thomas Möller GmbH aus Reinbek.
Mit den Beschichtungsarbeiten in der Unilever-Tiefgarage hatten acht Gesellen insgesamt zweieinhalb Monate zu tun.
Dabei ließ sich das Disbon-System rasch und problemlos aufbringen, was der Forderung nach Wirtschaftlichkeit und Zweckdienlichkeit vollauf entsprach. Nur zwei Arbeitsgänge waren zum Grundieren und Absanden sowie für die Kopfversiegelung der Fundamentplatte mit den zugehörigen Systemprodukten nötig. Auch auf den Rampen wurde auf Empfehlung des Verarbeiters eine qualitativ hochwertige Disbon-Beschichtung eingesetzt, und zwar als verstärktes OS 8-System mit etwas gröberer Abstreuung. Insgesamt wurde die Bodenplatte mit 5,5 t Disboxid 920 PHS Grund und 5,5 t Disboxid 464 EP-Siegel beschichtet.
Rissüberbrückung
Auch die Zwischendecke der Tiefgarage wurde mit Disbon-Systemprodukten vor Bewitterung und Verschleiß geschützt. Der Statiker hatte die Deckenkonstruktion aus Stahlbeton mit einer Rissweitenbegrenzung auf 0,2 mm gerechnet. Das machte den Einsatz eines OS 11b-Systems erforderlich, um der maßgeblichen Schutz- und Instandsetzungsrichtlinie des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) zu genügen.
„Das gewählte OS 11b-System erfüllt die Anforderungen der Rissüberbrückungsklasse IIT+V, was einer Rissbewegung unter Temperatur und Verkehrsbelastung von 0,2 mm und einer maximalen Rissweite von 0,3 mm entspricht“, unterstreicht Disbon-Parkhaus-Experte Bernd Blohm, der den Bau der Unilever-Tiefgarage begleitete und Nils Möller in allen Projektphasen fachkundig beraten hat.
Die Zwischendecke des Parkhauses wurde mit 2,7 t Disboxid 920 PHS Grund vorbehandelt. Darauf folgten 16,5 t Disboxid 921 PHS als Zwischenschicht sowie abschließend 5,5 t Disboxid 923 PHS Deckschicht N.
Auszeichnungen
Für ihre auf Nachhaltigkeit bedachte Architektur wurde die Unilever-Hauptverwaltung u. a. mit der „Gold-Umweltmedaille der HafenCity Hamburg“ ausgezeichnet, auf dem World Architecture Festival 2009 als „Bestes Bürogebäude der Welt“ gekürt sowie für seinen Beitrag zum städtebaulichen Umfeld mit dem BEX Award 2009 des World Green Building Council geehrt.
Entwurf Unilever-Hauptverwaltung und Marco-Polo-Tower: Behnisch Architekten, Stuttgart Projektleitung (verantwortlich): Dipl.-Ing. Architekt Frank Angrick, Hamburg Ausführungsplanung Marco-Polo-Tower (HOAI-Leistungsphasen 6 – 9): 360grad+architekten, Hamburg
Entwurf Tiefgarage: Behnisch Architekten, Stuttgart Ausführungsplanung und Bauleitung Tiefgarage: 360grad+architekten, Hamburg und Genkel Architekten, Stuttgart
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