Bürohochhaus KölnTriangle

Schlank verglast

Die Aufwertung von Stadtteilen, die in den letzten Jahrzehnten eher eine randständige Existenz fristeten, ist ein großes Thema der gegenwärtigen Stadtplanung. In Köln ist es der rechtsrheinische Stadtteil Deutz, der wegen seiner verkehrgünstigen Lage in Citynähe in ein attraktives Geschäftszentrum verwandelt werden soll. Gebaut werden ein neuer ICE-Bahnhof in Messenähe sowie eine Reihe von Hochhäusern. Eine zentrale Position nimmt dabei das kürzlich fertig gestellt Objekt Köln Triangle ein.

Das KölnTriangle ist ein Projekt der Rheinischen Versorgungskassen, das bereits 1991 in einem Wettbewerb ausgelobt wurde. Der Investor wollte den Bürokomplex schlüsselfertig von einem Generalunternehmer gemeinsam mit einem Architekturbüro angeboten bekommen. Die Sieger des Wettbewerbs, das Kölner Büro Gatermann + Schossig und die Ed. Züblin AG, NL Köln, begannen 1993 mit der Realisierung der Anlage, die aus zwei siebengeschossigen Komplexen sowie dem 29-geschossigen Hochhaus besteht.
Das letztere wurde in einer dritten Bauphase 2004 begonnen und 2006 fertig gestellt. Es ist ohne Zweifel das „Highlight“ des Ensembles.
Konstruktion
Der achtstöckige Sockel des Hochhauses wurde in Pfosten-Riegel-Bauweise in Kombination mit Fenstern, Fensterbändern und Betonsandwichelementen an die bestehenden Gebäude der ersten beiden Bauabschnitte angepasst. Darüber erstreckt sich die weithin sichtbare gläserne Außenhülle des Turms, die mit ihrer Form eines gleichschenkligen Dreiecks, dessen Seiten sich gleichförmig nach außen aufbiegen, das Erscheinungsbild prägt.
Der Turm wurde mit einer elementierten Fassade versehen. Die Nordost- und Nordwestseite erhielten eine Einfachfassade, während die Südseite mit einer zusätzlichen Außenschale versehen als aufwändig gestaltete, begehbare Doppelfassade ausgeführt wurde. Die Konstruktion der zusätzlichen Außenschale zeichnet sich durch eine filigrane Stahlkonstruktion in Kombination mit punktgehaltenen Scheiben (System Puntodur) aus und wirkt dadurch transparent und leicht.
Das Fassadenraster beträgt in den Regelgeschossen 1,50 m in der Breite und 3,35 m in der Höhe. In den Sondergeschossen (27. und 28. OG) sind die Elemente bis zu 5,10 m hoch. Insgesamt besteht die Fassade aus 1 506 Elementen, die im Bereich der Doppelfassade mit einer vorgesetzten zweiten Schale aus 420 zusätzlichen Elementen ergänzt wird. Somit ergibt sich für die Elementfassade die stolze Fläche von 7 200 m2 und für die Außenhülle der Doppelfassade noch einmal eine Fläche von 2 450 m2.
Hohe Anforderungen
Da die Verglasungen generell über die volle Raumhöhe ausgeführt worden sind, mussten diese absturzsichernd ausgeführt werden. Weitestgehende Transparenz und Neutralität wird durch die Verwendung von Weißglas (Pilkington Optiwhite) erzielt, das bei allen Verglasungen zum Einsatz kam. Auf der Nordost- und Nordwestseite entschied man sich für das hochselektive Sonnenschutzglas Infrastop Brillant 50/25, im Bereich der Innenschale der Südseite für ein Wärmeschutzglas (Thermoplus SN).
Die Kompetenz eines Glasherstellers war insbesondere bei der Ausführung der punktgehaltenen Scheiben der Außenhülle der Doppelfassade gefragt, ging es hier doch einerseits um ein Minimum an Scheibenstärke und Gewicht, andererseits um das vom Generalunternehmer gesteckte hohe Niveau bei der Sicherheit, das über die baurechtlichen Anforderungen und Nachweisführungen hinausging.
Durch den Einsatz des Verbundglases Siglaplus S wurde dieses Niveau erreicht. In Abstimmung mit den Behörden durfte bei der statischen Berechnung des Glases der Verbund und damit die gesamte Glasdicke angesetzt werden. Statt der üblichen PVB-Folie wird bei Siglaplus eine Spezialfolie (Sentry-Glas Plus von DuPont) eingesetzt, auf der das Produkt beschrieben ist.
Da diese Folie allerdings noch keine bauaufsichtliche Zulassung besitzt, musste in enger Zusammenarbeit zwischen Glashersteller, Folienhersteller, Prüfinstituten, Statiker und Behörde eine Zulassung im Einzelfall erwirkt werden, wobei umfangreiche Versuche zur Stoßfestigkeit, Temperaturwechselbeständigkeit und Resttragfähigkeit erforderlich wurden. Zusätzlich wurden Prüfberichte, Werksbescheinigungen und Unterlagen zur Eigen- und Fremdüberwachung aus den USA vom Folienhersteller sowie vom Glaslieferanten notwendig.
Sonnenschutz
Die Entwicklung der Sonderprofile des Fassadensystems bedurfte der präzisen Abstimmung der optischen Ansprüche und der technisch relevanten Forderungen. Die Filigranität war mit den statischen und den bauphysikalischen Anforderungen in Einklang zu bringen, außerdem die unsichtbare Kabelführung und die Integration der Antriebe für die Drehflügel. Der Sonderbeschlag für diese nach außen zu öffnenden Lüftungsflügel wurde gemeinsam mit der Firma esco entwickelt und nach Herstellung eines Prototyps hinsichtlich Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit aufwändig getestet.
Um den Forderungen des sommerlichen Wärmeschutzes und des Gesamtklimakonzepts gerecht zu werden, wurden die vorgesehenen Sonnenschutzsysteme und Verglasungsarten in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg festgelegt, optimiert und mittels umfangreicher Untersuchungen und kalorimetrischer Messungen verifiziert.
Als Ergebnis kam für die Einfachfassaden ein innen liegender, außenseitig weißer und innenseitig grauer Lamellenraffstore mit 50 mm breiten Lamellen in konvexer Anordnung zur Ausführung. Durch den Einsatz des hochselektiven Sonnenschutzglases Infrastop Brillant 50/25 erwies sich die Verwendung eines innen liegenden Sonnenschutzes als ausreichend. Die Behangführung erfolgt dabei über die Führungsnut des stranggepressten Sonderprofils der Pfosten.
Der Sonnenschutz der Doppelfassade wird im Fassadenzwischenraum mit 150 mm breiten, außenseitig silbrigen und innenseitig grauen Lamellen geführt. Auf diese Weise werden Gesamtenergiedurchlassgrade von 16 % in den Einfachfassaden und 11 % in den Doppelfassaden erreicht.
Weitere Informationen
Weißglas bba 512
Sonnenschutzglas bba 513
Wärmeschutzglas bba 514
Architekt: Gatermann + Schossig Generalplanung, Köln

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