Neubau eines Bürogebäudes in Potsdam

Flexibel für junges Klientel

Bei dem neu gebauten Bürogebäude in der Nähe des Studios Babelsberg setzte man auf eine flexible Nutzung für junge Mieter der Medien- und Kommunikationsbranche. Unter anderem waren dafür auch ein effizienter Sonnen- und Blendschutz außen wie innen erforderlich.

Das Guido-Seeber-Haus in den Babelsberger Filmstudios blickt auf eine lange Entstehungszeit zurück. Bereits im Jahre 1994 lag eine Baugenehmigung vor. Im Sommer 2005 erhielt nun der Schweriner Architekt Roland Schulz den Auftrag, den für das Grundstück bereits vorliegenden Entwurf von Gensler & Cardillo als Genehmigungsplanung nochmals einzureichen.

Bei der Aufbereitung der Unterlagen entschied man sich jedoch, im Rahmen der festgelegten Baugrenzen des B-Plans ein alternatives Grundriss- und Gebäudekonzept zu erarbeiten.
Der Neubau für das Bürogebäude am Haupteingang zum Studio Babelsberg und zur Medienstadt ist für Existenzgründer und junge Unternehmen aus der Medien- und Kommunikationsbranche bestimmt. Er bietet über 100 Büroräume in variablen Größen von etwa 14 bis 400 m² auf 4 400 m² Bruttogrundfläche sowie gemeinschaftlich nutzbare Kommunikations- und Präsentationsbereiche.
Roland Schulz: „Unser Ziel war es schließlich, im Eingangsbereich zum Gelände von Studio Babelsberg an der August-Bebel-Straße durch ein besonders sorgfältig gestaltetes Gebäude die visuelle Profilierung eines spezialisierten zukunftsweisenden Dienstleistungsstandortes nach außen darzustellen und um damit seine „corporate identity“ zu schärfen.“
Das durch die doppelkreuzförmige Kontur des Vorgängerentwurfes vorgegebene Baufenster bildete den strengen, rechtwinkligen Rahmen für den neuen Grundriss. Durch ein Zusammenspiel aus geometrischen Verdrehungen und schräg nach außen kippenden Fassadenflächen mit Auskragungen und Überhängen wurde das festgeschriebene „Korsett“ aus Vorgaben des B-Planes aufgelöst und ein abwechslungsreicher Baukörper entwickelt. Das Ergebnis ist eine dynamische und moderne (Dienstleistungs-)Architektur, die gleichzeitig unter wirtschaftlichen Aspekten mit äußerst flexiblen Grundrissen umgesetzt wurde.
Aus funktionellen Überlegungen entschied man sich für eine einzige zentrale Erschließung. Im Erdgeschoss, von der August-Bebel-Straße gut sichtbar, ist dafür eine 2-geschossige Halle vorgesehen. Der Luftraum zum zum 1. Obergeschoss stellt den Verbindungssteg zwischen den Büroflächen Nord und Süd als architektonisches Raumelement heraus. In diesem zentralen Bereich liegen in jeder Etage die WC-Bereiche und Teeküchen. Neben dem zentralen Treppenhaus, das alle Ebenen von der Tiefgarage bis zum Technikgeschoss über der Staffeletage (4. OG) barrierefrei erschließt, sorgen zwei außenliegende Fluchttreppen für den baulichen Rettungsweg der beiden Büroflügel.
Besondere Anforderungen
Aufgrund der besonderen Produktionsprozesse im Gebäude weichen die Anforderungen an die Büroräume mit insgesamt über 2 600 m² und ihre technische Ausstattung von den bekannten Standards ab. Daraus ergaben sich die teilweise bis zu 9,50 m tiefen Büroräume, bei denen ein Vorbereich durch eine Glaswand akustisch abgeteilt werden kann, um hier die lärm- und wärmeaussendenden technischen Geräte wie Server, Kopierer oder Drucker aufstellen zu können.
Das Vermietungskonzept sieht als Klientel vor allem junge Firmen vor, die aufgrund des oft geringen Budgets kleine Flächen von nur 15 bis 25 m² benötigen, die jedoch voll funktionsfähig ausgestattet sein müssen. Dazu zählen neben Sonnen- und Blendschutz auch ableitfähige Nadelfilzteppichböden, ein bereitgestelltes Netzwerk, Beleuchtung im Fensterbereich sowie die Klimatisierung der Büroräume.
Auf zwei Ebenen wurden abgehängte Akustikdecken aus Gipskarton eingebaut, um einerseits die Verlegung der Elektroinstallation und andererseits die Zu- und Abluftleitungen aufzunehmen. Insgesamt gibt es maximal 112 mögliche Büroeinheiten. Für die Flexibilität stehen alle Innenwände auf einem Hohlboden und können daher ohne größeren baulichen Aufwand versetzt oder vollständig herausgenommen werden.
Fassade mit Sonnenschutz
Das Erscheinungsbild des Gebäudes ist geprägt durch die Bewegungen im Baukörper, die aus der orthogonalen Stellung aller Gebäude auf dem Studiogelände und der um 5,5 Grad verdreht dazu liegenden August-Bebel-Straße abgeleitet werden. Teile der Fassade verlaufen parallel zur Straße, um das Gebäude in seiner Lage an den Straßenverlauf zu binden und damit auf dem Grundstück zu verankern. Das Ergebnis zeigt ein in seiner Höhenentwicklung gegliedertes Gesamtvolumen, dessen plattenbekleidete Lochfassade wie ein regelmäßiges Netz über dem polygonalen Baukörper liegt. Die Reduktion auf nur zwei Platten- und ein Fensterformat im Regelfall soll den geschlossenen und soliden Eindruck verstärken. Ausnahmen bilden nur die Eckverglasungen.
Die Platten Trespa Meteon haben zwei unterschiedliche Oberflächenstrukturen, die im Verhältnis von 1:2 unregelmäßig über die Fassadenfläche verteilt sind. Der Unterschied zwischen glatter Oberfläche (2/3) und rauer Oberfläche (1/3) ist jedoch kaum wahrnehmbar und zeigt nur dem aufmerksamen Beobachter das zurückhaltende rhythmische Fassadenspiel. Die Farbwahl fiel auf einen dunklen Kupferrotton, um sich den vorhandenen historischen Studiogebäuden unterzuordnen. Ein Kontrast dazu bildet die Stahl-Glas-Fassade mit Pfosten-Riegel-Konstruktion von Jansen durch die sich die 2-geschossige zentrale Eingangshalle zur Straße hin öffnet.
Für den außenliegenden Sonnenschutz wurden im Staffelgeschoss Senkrechtmarkisen von Warema eingebaut (E80 A6 Alu-Raffstore 80 mm), die sich unauffällig in die Fassade integrieren. Die Bespannung erfolgte mit Soltis 92-2045 von Ferrari – ein funktioneller Wärmeschutzschild, der dazu beiträgt, die Innenraumtemperatur konstant zu halten. Den Blendschutz innen bildet Decomatics vertikal Typ 10 mit dem Lamellenbehang Novoscreen Balance grau von Sunprotex.
Klimakonzept
Das Guido-Seeber-Haus ist mit einer zentralen Teilklimaanlage sowie Gebläsekonvektoren zur Klimatisierung der Büroräume ausgestattet. Eine freie Lüftung erfolgt über angeordnete Be- und Entlüftungsöffnungen, so dass eine gleichmäßige Durchlüftung in den Räumen gewährleistet wird. Für einen ausreichenden Luftwechsel ist aufgrund der Raumtiefen von teilweise unter 7 m bei einer lichten Raumhöhe von 2,80 m eine mechanische Be- und Entlüftung eingebaut. Sie hat in den Büros gleichzeitig die Funktion einer Teilklimatisierung zur Einhaltung von Raumtemperaturen.
Größere Wärmelasten technischer Geräte, Raumbeleuchtung und unterschiedliche Personenbelegung erhöhen die Innentemperatur. Daher wurde eine Teilkühlung über die zentrale Lüftungsanlage und über Umluftgebläse-Konvektoren, die an der Fassade angeordnet sind, vorgesehen. Die innenseitig an der Außenwand angebrachten Konvektoren haben dabei die zusätzliche Funktion die Beheizung der Büroräume mit den erforderlichen Raumtemperaturen von 22 °C während der Heizperiode sicherzustellen.
Architekt: Roland Schulz, Schwerin

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