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Keineswegs museal

Restaurierung Kloster Herbrechtingen
Keineswegs museal

Gerlinde Gilly, Siemens Gebäudetechnik GmbH & Co. / red.

Altes erhalten, Notwendiges ergänzen, das neu Entstandene zeitgemäß nutzen. Der Biberacher Architekt Günter Schmitt steht für eine klare, im Kontext stehende Architektur.
Die Restaurierung des denkmalgeschützten Ensembles Kloster Herbrechtingen zeigt, wie diese Philosophie den „Schutt der Geschichte“ in gelebte Tradition verwandelt.
Vom Charme alter Steine
„Wer sich die Mühe macht, bei denkmalgeschützen Gebäuden einmal genau hinzuschauen, der wird feststellen, dass sich diese Häuser, Schlösser, Kirchen oder Klöster lesen lassen wie ein aufgeschlagenes Buch“, so Günter Schmitt, seit 1975 freier Architekt in Biberach und spezialisiert auf die Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude.
Ein solches Gebäude gelungen wiederherzustellen, das ist für Schmitt dann keineswegs Rekonstruktion von einmal Gewesenem um des Historischen willen, sondern wie das Anfügen eines weiteren Kapitels im Buch, das von dem Gebäude und seiner Nutzung durch den Menschen erzählt.
„Hinzufügen, was hinzugefügt werden muss – ein neues Dach, Stahlstützen zwischen Holzgebälk oder, wie im Fall Kloster Herbrechtingen, ein ganzer Erschließungsturm – aber klar erkennbar, ohne falsche Scham, maßstäblich, aber immer in einer Sprache, die sich dem Alten unterordnet.“
Bei Schmitt, der neben zahlreichen Architektur-Auszeichnungen mit dem Denkmalschutzpreis 2002 geehrt wurde, werden die von ihm realisierten Projekte keineswegs museal. Ein klares architektonisches und nutzungstechnisches Gesamtkonzept, rund fünf Jahre Sanierungszeit und 8,6 Euro-Millionen verwandelten das geschichtsträchtige, aber heruntergekommene Kloster in Herbrechtingen in einen kommunalen Publikums-Magneten.
Klostertraditionen
Das Kloster Herbrechtingen, urkundlich zum ersten Mal 774 erwähnt und durch die Zeiten hindurch recht lädiert, wurde seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts industriell genutzt. Die heutigen Stadtväter von Herbrechtingen erwarben das denkmalgeschützte Anwesen 1993 aus privater Hand.
Drei Jahre später fanden erste Gespräche zwischen Bauherr, Landesdenkmalamt und Architekt Schmitt statt, ein Konzept zur Sanierung und neuen Nutzung des Klosters wurde erarbeitet und die Finanzierung aufgestellt.
Das Kloster, einstmals religiöser Vorposten im Osten und gegründet, um den weiter ostwärts lebenden, seinerzeit im Heidentum verharrenden Bajuwaren das Christentum einzubläuen, dient heute musisch, kulturell und kulinarisch interessierten Bürgern als ein attraktiver Ort vieler Möglichkeiten.
Maßnahmen
„Um die reizvollen Balkenkonstruktionen, etwa im Karl-Saal, sichtbar zu machen, mussten wir nicht nur drei Zwischenebenen entfernen. Die Balken selbst wiesen erhebliche Schäden durch Schimmel und Feuchtigkeit auf. Da haben wir mit Prothesen gearbeitet, also aus den historischen Balken das faule Holz weggeschnitten und durch gesunde Teile ersetzt.“
Beinahe 200 Menschen können im Karl-Saal Lesungen, Konzerte oder Vorträge genießen. Entsprechend musste für brandschutztechnische Sicherheit gesorgt werden.
„Bei der Restaurierung von denkmalgeschützten Gebäuden ist der Bandschutz immer eine ganz besondere Herausforderung. Im Kloster Herbrechtingen lag der Anspruch aber nicht so sehr im Karl-Saal. Hier konnten wir konventionelle Brandmelder installieren, die am Gebälk ohne Schwierigkeiten montiert wurden. Die Fenster der Dachgauben nutzen wir als Rauchabzüge. Diese Fenster öffnen sich automatisch, wenn es brenzlig wird, und als Fluchtwege stand uns zum einen das Nebentreppenhaus, zum anderen die anleiterbare Ladegaube sowie eine Tür im so genannten Erschließungsturm zur Verfügung.“
Mit dem Erschließungsturm demonstriert Schmitt eindrucksvoll, was es auf sich hat mit der „maßstäblichen, aber untergeordneten modernen Sprache“, die sich in das Alte einschreibt, ohne es zu übertönen. Denn der Erschließungsturm enthält Installationen, auf die ein modernes Gebäude nicht verzichten kann, wie Fluchttreppenhaus, einen behindertengerechten Aufzug oder Toiletten.
Zudem weisen sämtliche Gebäudeteile unterschiedliche Stockwerk-Niveaus auf, die es komfortabel zu verbinden galt. Ohne die Lösung mit dem Erschließungsturm hätte der Zwischenbau des Klosters geopfert werden müssen. Bei genauer Betrachtung repräsentiert der Erschließungsturm aber nicht mehr und nicht weniger als die Anforderungen, die durch die neue Nutzung entstehen.
Unsichtbare Technik
Die erhaltenen und jetzt sanierten Gebäude, etwa die Probstei oder der so genannte Fruchtkasten, zeigen keine einheitliche Zeitstellung.
In den Gebäuden stecken substanzielle Teile des ersten massiven Bauwerks aus karolinischer Zeit. Andernorts lässt sich, etwa im Fruchtkasten staufische Quaderbauweise von vor 1200 nachweisen. Auf störende Eingriffe wurde bei der Restaurierung, wo immer möglich, verzichtet.
Unverzichtbar, weil im Ernstfall lebensrettend, war dagegen der im gesamten Gebäudekomplex flächendeckende, aber möglichst unsichtbare Brandschutz. Schließlich wollte man die einmalige Atmosphäre der geschichtsträchtigen Räumlichkeiten möglichst wenig beeinträchtigen und sowohl gravierende bautechnische wie auch optische Eingriffe vermeiden.
„Die große Herausforderung beim Brandschutz im Kloster Herbrechtingen lag auf den gestalterischen Aspekten des Rauchansaugsystems. In vielen Bereichen konnten wir aus technischen und vor allem optischen Gesichtspunkten einfach keine konventionellen Melder anbringen. Wir hätten zu viel bohren müssen“, so Architekt Schmitt.
Die Lösung bot Siemens mit seinem Rauch-Ansaug-System (RAS). Dieses System sorgt für praktisch unsichtbaren Brandschutz. Fünf Rauch-Ansaug-Systeme wurden im Kulturzentrum installiert.
Das heißt: Über insgesamt 44, für den Laien nicht erkennbare, kleine Ansaugöffnungen in Decken oder Böden – im Kloster wurden 250 m Rohre verlegt – saugt das System Luft an. Diese Luft gelangt über ein Ansaugrohr zu den eigentlichen Rauchmeldern.
Ab einer ganz bestimmten Konzentration von Rauchpartikeln in der angesaugten Luft reagiert der Rauchmelder und gibt die Meldung an die in Herbrechtingen installierte Gefahrenmelde-Zentrale Sigmasys C weiter.
Die Sigmasys-Zentralen bilden das Kernstück einer Sicherungsanlage. Sie sind multifunktional, können also Brand-, Einbruch- und technische Meldungen über ein einziges Klartext-Display anzeigen. An die in Herbrechtingen verwendete Sigmasys C lassen sich vier Loops mit maximal 128 Meldern anschließen, die wiederum in maximal 512 Meldergruppen organisierbar sind.
Wärmemelder, Handfeuermelder und Alarmhupen sowie eine Alarmaufschaltung bei der örtlichen Feuerwehr vervollständigen das Brandschutz-Konzept für das Kulturzentrum Kloster Herbrechtingen.
Weitere Informationen
Rauchansaugsystem und Gefahrenmeldezentrale bba 509
Architekt: Günter Schmitt, Biberach
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