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Dominant eingebunden

Kultur- und Bürgerhaus im badischen Denzlingen
Dominant eingebunden

Vorbei sind die Zeiten, in denen dank gefüllter Kassen regionaler Kunst, Kultur und Tradition neuer Raum geschaffen wurde.

Mehrzweckbauten wie Dorfgemeinschaftshäuser gehören ebenso der Vergangenheit an wie opulente Stadthallen. Nicht nur aus Kostengründen vollzog sich in den letzten Jahren ein deutlicher Wandel im kommunalen Planungsdenken. Den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst entstehen heute vielmehr kommunale Gemeinschaftsbauten, die zugleich auch Spiegel des derzeitigen Kulturlebens darstellen sollen. Jedoch ist es bis zur Realisierung häufig ein weiter Weg, wie der Neubau eines Kultur- und Bürgerhauses im badischen Denzlingen zeigt.
Europaweiter Realisierungswettbewerb
Seit 30 Jahren, so die Chronisten der Gemeinde, diskutiert man über die Notwendigkeit und den Standort einer Kulturhalle. Im April 1994 noch vertagt, wurde der Antrag zum Bau einer Kulturhalle im März 1996 befürwortet. Der im November 1997 vorgestellte Vorschlag der Verwaltung wird knapp einen Monat später verabschiedet. Ein Jahr später sind die noch fehlenden Grundstücke gekauft und das Raumprogramm sowie der Auslobungstext zum geplanten Architektenwettbewerb beschlossen.
Von Januar bis Juli 1999 führt man den zweiphasigen europaweiten Realisierungswettbewerb durch. Aus 386 abgegebenen Entwürfen wurden insgesamt 30 für die zweite Phase ausgewählt. Nach Abschluss vergab man fünf Preise und zwei Ankäufe.
Im Rahmen der Auslobung legte die Gemeinde neben der städtebaulichen und architektonischen Qualität auch großes Augenmerk auf eine energieoptimierte und kostengünstige Bauweise. Unter diesen Auswahl- und Beurteilungskriterien kam der Gemeinderat zu der Entscheidung, den Entwurf des Architekturbüros Dasch, Zürn, von Scholley aus Stuttgart zu realisieren.
Verbindendes Element
Entsprechend der Zielsetzung des Wettbewerbes verfolgt der Entwurf eine bauliche Verknüpfung zwischen dem gewachsenen Ort und den Neubaugebieten.
Der formal eigenständige Baukörper stellt ein markantes, unverwechselbares Gebäude dar. Gleichzeitig übernimmt es als „Solitär“ durch seine Längsausrichtung symbolhaft eine „Brückenfunktion“. So wird das von Seeflächen umgebene und in eine rund 26 000 Quadratmeter große Freifläche eingebettete Gebäude auch zum Mittelpunkt der Begegnung. Holzdecks mit einer Fläche von cirka 1 600 Quadratmetern bieten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten für Freiluftveranstaltungen. Davor gelagert bildet eine rund 3 000 Quadratmeter große Seefläche mit unterschiedlich ausgebildeten Uferzonen ein attraktives Umfeld zum Haus und den Übergang zum Grünraum.
Gelungene Einbindung
Das dominant in die Parkfläche eingebundene Gebäude stellt sich nach außen hin selbstbewusst dar.
Die schalenförmig gekrümmten Dachflächen, die den Baukörper umhüllen geben dem Gebäude seine charakteristische Gestalt. Zugleich wird es durch die Schichtung und Überlagerung in sich gegliedert. Darunter verbergen sich in unterschiedlichen Höhenabwicklungen und Abmessungen der große Saal, das Restaurant, der kleine Saal und das Foyer. Deren jeweilige Nutzung ist dank der eigenwilligen Gestaltung nach außen hin ablesbar. Licht und Luft kann aufgrund der Schichtung natürlich in das Gebäude gelangen.
Gestaltende Materialsprache
Vier unterschiedliche Materialien prägen das äußere Erscheinungsbild des Neubaus: Holz als Fassadenbekleidung an der nahezu geschlossenen Nordfassade, Naturstein, der vor allem an der Südfassade Verwendung fand, Glas als großformatige Fensterfläche auf der nach Süden hin geöffneten Gebäudeseite sowie Holz in Form von Decks, die das Gebäude umschließen und für einen Übergang zwischen Grünanlage und Baukörper sorgen.
Nicht nur im Blick auf die Gestaltung, sondern auch auf die Energieoptimierung wurde im Rahmen des durch die Gemeinde ausgelobten Realisierungswettbewerbes eine schlüssige Lösung gesucht.
Diese sollte zudem unter ökologischen und ökonomischen Aspekten vorbildhaft und zukunftsweisend sein. Eckdaten waren unter anderem 30 kWh/m2/a Energieverbrauch für die Raumwärme. Aufgrund dieser besonderen Herausforderung erfolgten aufwändige Voruntersuchungen und dynamische Simulationen, um zu optimalen Ergebnissen gerade für die Bereiche Heizung und Lüftung zu gelangen. Gerade diese Aktivitäten wurden durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt begleitet und bezuschusst.
Gebäudetechnik
Im Ergebnis realisierten die Planer ein Gebäude, das hinsichtlich Betrieb und Unterhaltung weit über dem derzeitigen Stand der Technik liegt. Der Betrieb selber soll langlebig, robust, wartungsarm und hocheffizient sein.
Eine spezielle Regelungs- und Gebäudeleittechnik ermöglicht die Umsetzung von Optimierungsprozessen. Über eine Datenverbindung zum Rathaus ist der erste Schritt in Richtung Gebäudemanagement getan.
Zwei sich ergänzende Systeme sind zentrale Bestandteile der Klimatisierung. Zum einen sind unter der Bodenplatte des großen Saales Rohrschlangen verlegt. Sie kühlen den Saal im Sommer und dienen dank einer Wärmepumpe zur Heizung und Warmwasseraufbereitung im Winter.
Zum anderen verläuft unter dem Gebäude in Längsrichtung ein Luftraum. Dieser wird zugleich als Installationsraum genutzt. Hier wird Außenluft angesaugt, die das Lüftungssystem mit einer adiabatischen Kühlung und einer Wärmerückgewinnungsanlage unterstützt.
Zudem konnte durch den Einbau von Speichermassen auf eine technisch und wirtschaftlich deutlich aufwändigere Klimaanlage verzichtet werden.
Dachintegrierte Solaranlage
Die Dachschalen dichtete man mit einer Kunststoff-Dachbahn mit integrierter Photovoltaikanlage ab.
Die so installierte Anlage hat eine Leistung von 39 kWp bei einer Fotovoltaikfläche von 870 m2. Der jährliche Ertrag liegt bei rund 28 000 kWh und reduziert damit die CO2 Emission um mehr als 18 t pro Jahr. Eingesetzt wurde die weltweit einzige stromerzeugende Dachbahn Evalon®-Solar vom Trierer Dach-Spezialisten alwitra.
Evalon®-Solar ist eine Kombination aus flexiblen Photovoltaik-Modulen von Uni- Solar mit thin-film-triple-junction-technology, die auf die seit Jahrzehnten praxisbewährten Kunststoffdachbahnen Evalon® laminiert sind.
Damit wird eine flexible Anpassung an jede Dachform erreicht. Zusätzliche Rahmen mit Aufständerungen sind nicht erforderlich. Die flexiblen, dreilagig mit Solarzellen aus amorphem Silizium angereicherten Photovoltaik-Module sind allseitig wetterfest, transparent und polymerverkapselt. Von den drei übereinander liegenden Silizium-Schichten werden jeweils unterschiedliche Wellenlängen des Sonnenlichts genutzt, womit der Wirkungsgrad erhöht und konstante Erträge ermöglicht werden.
Fazit
Nach einem beispielhaft ausgelobten Realisierungswettbewerb wurde in Denzlingen ein sowohl in architektonischer wie auch in ökologisch und ökonomischer Hinsicht optimiertes Gebäude errichtet.
Verbunden mit der dachintegrierten Solaranlage, deren innovative Technik in einer solchen Größenordnung auf vergleichbaren öffentlichen Gebäuden in der Bundesrepublik bisher nicht eingesetzt wurden, hat das Kultur- und Bürgerhaus auch den geforderten Vorbildcharakter.
Weitere Informationen
Dachbahn mit integrierter Photovoltaikanlage bba 543
Architekt: Architekturbüro Dasch, Zürn, von Scholley, Stuttgart
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