Neubau von Clubgebäuden in Leiden (NL)

Expressiv schimmernd

Architekt René van Zuuk ist bekannt für seine ausdrucks- starke Formensprache. In Leiden hat er zwei futuristisch anmutende Vereinsgebäude mit fließendem Übergang zwischen Dach und Fassade gebaut. Hinter der schillernden Außenhülle aus Stahlwellblech stehen unterschiedlichen Nutzern Vereins- und Umkleideräume zur Verfügung.

Robert Uhde

Der Sportbetrieb in Leiden ist im Auftrag der Stadt verantwortlich für die Koordination und Unterstützung des gesamten Breitensports vor Ort.
Um eine gemeinsame Heimstätte für die kommunale Jugendsportabteilung sowie für die beiden Fußballvereine FC Boshuizen und Groot-Oost Leiden zu schaffen und gleichzeitig eine Lagerfläche für eigene Zwecke zu integrieren, hatten der Sportbetrieb und die Stadt Leiden 2010 entschieden, die unterschiedlichen Funktionen auf dem bestehenden Vereinsgelände des FC Boshuizen zusammenzuführen und dazu das vorhandene Clubgebäude durch zwei Neubauten zu ersetzen.
Mit der Umsetzung der städtebaulichen Planung war in einem ersten Schritt zunächst das Landschaftsplanungsbüro Sant en Co aus Den Haag beauftragt worden, das neben der Aufteilung des Raumprogramms auf zwei Baukörper auch die genaue Lage und die grobe Grundrissform der beiden Gebäude festgelegt hatte. Die darauf aufbauend entwickelte architektonische Umsetzung erfolgte auf Basis einer weiteren Ausschreibung durch den Architekten René van Zuuk aus Almere.
Schwungvolle Komposition
Um das geforderte Raumprogramm auf der eng bemessenen Grundstücksfläche zwischen den vier Sportplätzen und der angrenzenden Straße Boshuizerkade unterbringen zu können, hatten sich die Grundform der beiden Gebäude und die Auskragung der jeweiligen Obergeschosse bereits fast zwangsläufig ergeben. Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen und unter Berücksichtigung der funktionalen Anforderungen entschied sich René van Zuuk für eine betont dynamische und futuristische Gestaltung mit durchgehender Außenhülle aus Stahlwellblech und mit skulptural vorkragenden Obergeschossen, die jeweils durch große, schwarz eingefasste Panoramafenster geöffnet werden.
„Der Standort wird durch mehrere verschiedene Vereine genutzt“, erklärt
René van Zuuk. „Deshalb war es uns wichtig, ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den beiden Gebäuden zu schaffen.“
Um andererseits aber auch die Eigenständigkeit der verschiedenen Nutzer zu betonen, und um die Gebäude nicht nur zum Sportlatz hin, sondern auch zur Straße zu öffnen, orientieren sich die Auskragungen der ansonsten weitgehend identischen Baukörper bewusst in entgegengesetzte Richtungen. Im Ergebnis ist so ein lebendiges Spiel von unterschiedlichen Silhouetten entstanden, das je nach Standort immer wieder neue Perspektiven und Ansichten ohne „blinde Fassaden“ bietet.
Einen zusätzlichen Kontrast erreichte Van Zuuk durch die Wahl von anthrazitfarbenen Klinkern für die stadtseitig gelegenen Erdgeschossfassaden. Der Keramik-Klinker Eton von Daas Baksteen Zeddam misst 210 x 100 x 50 mm (Waalformat). Die Innenschale der zweischaligen Wand wurde mit Betonsteinen in Ziegeloptik ausgebildet (Betonsteine von MBI, 190 x 90 x 90 mm, Anthrazit in Ziegeloptik). Dabei schafft die Verlängerung und Verbindung der beiden Fassaden eine durchgehende Begrenzungsmauer, die das Sportgelände von dem östlich angrenzenden Wassergraben und der dahinter gelegenen Straße trennt.
Unterschiedliche Funktionen
Der südlich gelegene Neubau nimmt die Clubräume des viertklassig spielenden FC Boshuizen auf. Hier orientiert sich das große der beiden Panoramafenster auf den Sportplatz, die kleinere Öffnung verbindet den Bau mit der gegenüber liegenden Wohnbebauung. Im Erdgeschoss finden sich Umkleide- und Lagerräume mit direktem Zugang zum Sportplatz, im großzügig geöffneten Obergeschoss stehen ergänzend eine Kantine sowie Büros zur Verfügung.
Die Anordnung der unterschiedlichen Räumlichkeiten ist aber nicht nur funktional begründet, sondern ermöglicht auch einen optimierten Schutz des Gebäudes gegen Einbruch und Vandalismus: „Im Erdgeschoss reicht aufgrund der eingeschränkten Nutzung bereits ein schmales horizontales Fensterband unterhalb der Decke, um den Tageslichtbedarf zu decken“, erklärt René van Zuuk. „Ansonsten konnten wir die Fassade hier aus Sicherheitsgründen weitgehend geschlossen ausbilden.“
Das nördlich sich anschließende Gebäude beherbergt die Räumlichkeiten der drei anderen Nutzer. „Da hier vor allem die Aktivitäten der Jugendsportabteilung im Vordergrund standen, haben wir dieses Volumen vorrangig zur Straße und zur Stadt hin orientiert“, erklärt René van Zuuk. Das Erdgeschoss wird teilweise gemeinschaftlich genutzt, ergänzend steht ein Lagerraum für den Sportbetrieb Leiden zur Verfügung. Im Obergeschoss wurden flexibel nutzbare Büro- und Vereinsflächen sowie zwei Teeküchen integriert.
Stählerne Fassade
Charakteristisches Element der beiden Neubauten ist ihre organisch verformte Außenhülle mit fließendem Übergang zwischen Dach und Fassade. Ähnlich wie bei seiner Planung für die Anlage der Jugendsportabteilung von Ajax Amsterdam (1995) sowie bei seinem vielbeachteten Pavillon für das Amsterdamer Architekturzentrum ARCAM (2003) entschied sich Van Zuuk dabei für die Verwendung von pulverbeschichteten Stahlwellblechplatten als Material (Wellblechprofile von SAB, 42/960, Dicke 1 mm).
Die schimmernde Außenhülle betont die expressiv-futuristische Form des Gebäudes und entsprach gleichzeitig dem Wunsch der Stadt zur Verwendung eines langfristig robusten Materials mit möglichst geringem Unterhaltsbedarf.
Um die ungewöhnlichen Geometrien auszubilden und dabei möglichst geringe Baukosten zu ermöglichen, wurden die beiden Neubauten ähnlich wie eine herkömmliche Gewerbehalle als Stahlrahmenkonstruktion errichtet und anschließend mit 960 mm hohen und im Durchschnitt 6 m langen Stahlwellblechelementen verkleidet, die in einzelnen Übergangsbereichen zwischen Dach und Wand entsprechend abgerundet sind.
„Die Stärke der einzelnen Elemente von 42 mm haben wir dabei bewusst so gewählt, dass auch hart auftreffende Fußbälle keine Dellen verursachen können“, erklärt René van Zuuk.
Bei der Konstruktion der Fassade wurden oberhalb der Stahlrahmenkonstruktion zunächst 106 mm dicke Stahlplatten montiert, die mit ihrer Perforierung gleichzeitig als Akustikelemente fungieren. Über dieser inneren Hülle konnten dann die einzelnen Stahlwellblechelemente auf einer Unterkonstruktion aus Holz vernietet werden. Zwischen beiden Schichten kam eine 120 mm starke Wärmedämmung aus Steinwolle zum Einsatz. Die ungewöhnliche Fassadenlösung überzeugt also nicht nur gestalterisch sowie durch niedrige Unterhalt- und Baukosten, sondern sie integriert auch einen optimierten Schall- und Wärmeschutz.
Architekten: René van Zuuk Architecten, Almere Planungsteam: Kersten Scheller, Peter Hagelaar, Wulf Oschwald, Javier Paz Taibo Projektentwicklung: Huurman Leiden bv, Leiden Statik: ABT bv, Delft Gebäudetechnik: Technisch Adviesburo Sanes bv, Almere
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