Neubau eines „Minimalhauses“ in der Uckermark

Höchst konzentriert und wandelbar

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Kleine Häuser können für den Standard-Wohnungsbau eine Inspiration sein. Wencke Katharina Schoger und Johannes Reuter haben ihr eigenes Minimalhaus in der Uckermark geplant und realisiert. Kreative Ideen für kompaktes Wohnen erforderten multifunktionale Ausstattungselemente – so ermöglichen eine ausfahrbare Treppe Stauraum und filigrane Armaturen und Installationen beispielsweise das Minibad.

Anforderung:

Wohnungsmangel erfordert intelligente Ideen für kompakte Flächen

Lösung:

Multifunktionale und platzsparende Elemente wie Wandarmaturen oder integrierter Stauraum


Wencke Katharina Schoger, Johannes Reuter | be

Kein Gramm zu viel, jeden Zentimeter nutzen – die Planung von Kleinsthäusern erfordert Unnachgiebigkeit. Jedes Detail will durchdacht sein. Sie stellen die fundamentale Frage nach dem Nötigsten, aber auch nach dem Zusammenhang von Dichte und Weite, nach lebenswertem Raum. Der Zwang zur Kompaktheit bringt intelligente, kreative Lösungen hervor. Aufgrund des Wohnungsmangels werden die Minimalbauten zudem immer wieder als Alternative diskutiert.

Wir lieben die Herausforderung, auf geringer Fläche viel Raum zu entwickeln. Wie klein ist groß genug? Für zwei? Für vier? Und für zwei Gäste? Für Wochenenden? Für Wochen? Für Monate? Für Jahre? Genügt im Winter weniger, wenn sich im Sommer der Innenraum erweitern und vergrößern lässt?

Wir setzten uns mit dem Archetypus einer Behausung auseinander: klein und abstrakt, aber der menschlichen Wahrnehmung folgend. Der Zugang liegt erhöht wie über einer Brücke. Den Innenraum prägen weite Blickwinkel, Schlafräume liegen geschützt und ein weit auskragendes Flachdach bietet Schutz. Das Ergebnis ist gebaute Ruhe.

Wohnen mit Tageslichtverlauf

Der Grundriss ist hypotaktisch gegliedert, die „Nebensache“ ordnet sich der „Hauptsache“ unter. Zwei winzige Schlafräume, kaum größer als das Bett, je eines zum Morgen und Abend. Eine WC- und eine Duschbad-Miniatur teilen sich die Mitte auf der erhöhten Eingangsebene. Von hier führen breite Stufen hinab in den Wohnraum. Dem Verlauf der Sonne folgend ist der Raum in drei Richtungen verglast, vollkommen offen und doch beschützend durch die hohe Rückwand und das weit auskragende Dach.

Hintereinander gestaffelt werden zwei Sanitärräume von Tageslicht durchströmt, das WC direkt an der Außenwand, das Duschbad innenliegend mit transluzenter Glaswand zum vorgelagerten WC. Die Raumabmessungen sind knapp auf den Leib geschneidert und doch großzügig durch die Trennung der Sanitärfunktionen.

Die Raumstruktur für Handlungs- und Funktionsdichte ist kompakt und der Flächenbedarf für Konstruktionen, Leitungen oder Querungen konzentriert; mit Bedacht wird jeder Zentimeter genutzt. Erst nach geduldiger Planung erscheint das Haus am Ende wieder klar und einfach.

Die geringe Nutzfläche von 60 m² relativiert sich durch großflächige Verglasungen zur umlaufenden Terrasse sowie durch kleine, leichte Möbel und die Wandelbarkeit der Einbauten, die sich ebenso wie das Haus vergrößern und verkleinern lassen. Die dreiseitige Glasfassade hat breite Schiebetüren, die im Sommer den Raum bis in die Natur hinaus aufweiten, die begrenzte Nutzfläche auflösen – Freiheit und Leichtigkeit prägen das Lebensgefühl.

Das Minimalhaus hat keinen Keller, dafür auf ganzer Länge einen Höhenversatz, der unter sich und seinen Sitzstufen allerlei Stauraum bietet. Tiefe Schubkästen und ein drittes Doppelbett lassen sich darunter rollen, Vorräte können kühl gelagert werden. Die breite Treppe ist ausfahrbar, um weiteren Stauraum zu erreichen. Flache Einbauten über den Auszügen öffnen sich mit Klappen auf zwei Höhen als Tische, am Küchenblock als zusätzliche Arbeitsflächen. Betten und Beistellmöbel sind in einfachster Bauweise aus Dreischichtplatten gefertigt. Der Stauraum genügt dem Wichtigen, alles andere ist entbehrlich.

Das Haus ist gut gedämmt, die Glasfassade dreischichtig. Im Winter von der Sonne beheizt, genügt ein Kaminofen. Die unterseitig gedämmte Stahlbeton-Bodenplatte speichert Wärme oder Kühle. Im Sommer schützt die weit auskragende Dachplatte vor Sonne. Besonderen Reiz bieten Außen-Vorhänge, die die gesamte Terrasse umhüllen können und den verschatteten Innenraum aufweiten.

Materialien für die Sinne

Roh und haptisch zugleich ist die Materialauswahl: Die Innenwandflächen der leichten Holzkonstruktion sind mit Lehm verputzt. Boden-, Wandflächen und Waschtisch im Duschbad bestehen aus rauem Muschelkalk.

Robiniendielen auf Terrassen, Böden und Treppen widerstehen mit ihrer Dichte und Härte der starken Belastung, die die Durchlässigkeit zwischen innen und außen mit sich bringt. Aus demselben Holz bestehen auch die Schubkästen und der freistehende Küchenblock. Die intensiven Rottöne der lebhaften Robinie bestimmen das Bild und werden durch Hellgrau sowie in den Schlafräumen durch den unbehandelten braunen Lehmfarbton ergänzt.

Fazit für das Minimalhaus

Kleinsthäuser bergen die Gefahr, Raumgrößen einfach nur nach unten zu skalieren. Es bedarf jedoch im Ausgleich intelligenter Ideen, Licht, Luft und Ausblick, multifunktionaler Ausstattungen und Wandelbarkeit, Details, die wir gerne benutzen, Materialien, die wir gerne berühren. Kleiner Raum muss sich in seinen Funktionen wie ein Bühnenbild ständig verformen lassen. Für den Erlebenden bedeutet dies, sich ständig zum Raum zu verhalten.

Kleinsten Platz gut genutzt

Vor allem in den Funktionsbereichen war es den Architekten wichtig, jeden Zentimeter zu nutzen und dabei zugleich den Bewohnern größtmöglichen Komfort zu bieten. Für die Ausstattung des Miniaturbades setzten sie daher auf Lösungen von Grohe. So sparen etwa Wandarmaturen an Waschtischen wertvollen Platz. In der Dusche sind Armaturen mit einer geringen Einbau- sowie Profiltiefe eine gute Wahl. Ergänzt durch eine hinter der Wand liegende Wasserführung entsteht so auch in einer kleinen Dusche genügend Freiraum für die tägliche Körperpflege. Für die offene Küche durfte die Armatur im Minimalhaus etwas größer dimensioniert sein. Hier überzeugt Eurodisc Cosmopolitan von Grohe nicht nur als optisches Highlight, sondern auch mit großer Funktionalität.


Projekt: Minimalhaus, Uckermark

Fläche: 60 m² auf zwei Ebenen (BGF: 77 m²)

Bauherren/Architekten: Wencke Katharina Schoger, Johannes Reuter, Reuter Schoger Architektur Innenarchitektur Part mbB, Berlin

MitarbeiterInnen: Oyudari Bulgan, Maelle Le Dantec, Ruth Walter

www.reuterschoger.de


Architekt Johannes Reuter: „Es gibt ungezählte frei gelassene Stellen in der Stadt, Übergangszonen, Restflächen, an denen wir uns Wohnen auf kleinstem Raum in unkonventioneller und freier Weise vorstellen. Der Geschosswohnungsbau gewinnt in unseren Augen durch gezielte Konzentration des Raumes. Erst gegenüber wohldosierter facettenreicher Dichte wird Weite ein Genuss.“

Architekt Johannes Reuter: „Eine Auseinandersetzung mit dem Archetypus einer Behausung.“

Innenarchitektin Wencke Katharina Schoger: „Die dreiseitige Glasfassade hat breite Schiebetüren, die im Sommer den Raum bis in die Natur hinaus aufweiten, die begrenzte Nutzfläche auflösen – Freiheit und Leichtigkeit prägen das Lebensgefühl.“


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  • Ortsungebundenes Haus in Basel

www.hier.pro/movable-house-basel

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