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Ständig unter Dampf

Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses mit Sauna in Frankfurt
Ständig unter Dampf

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In einem neuen Wohn- und Geschäftshaus in der Frankfurter Innenstadt entstand auch ein hochwertiges Fitness- und Wellness-Studio. Wegen der zu erwartenden ständigen Feuchtigkeitsbelastung in der Luft von bis zu 90 Prozent erfolgte der Innenausbau des Hamams in Trockenbauweise mit speziellen wasserfesten, zementgebundenen Platten.

Die Innenstadt von Frankfurt ist um ein neues Architektur-Ensemble reicher, das kaum gegensätzlicher sein könnte: Auf der einen Seite der Eschenheimer Turm, eines der ältesten Gebäude der Stadt und Relikt der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung, auf der anderen Seite ein sechsgeschossiger Neubau aus Beton und Glas.

Mit einer Mischung aus Geschäften, Büros und Wohnungen ergänzt das Turmcarrée das urbane Leben im Quartier. Drei repräsentative Foyers gliedern und öffnen den gut an die Infrastruktur der Innenstadt angebundenen Komplex. Eine 60 m lange Schaufensterfront unter wettergeschützten Arkaden zieht die Besucher ins Innere. Shopping und Lifestyle stehen im Erdgeschoss im Fokus. Auf einer Gesamtfläche von 1 250 m² sind hier ein attraktiver Mix von Läden für den täglichen Bedarf sowie Boutiquen und Restaurants untergebracht.
Die oberen Ebenen dagegen sind den Bereichen Wohnen und Arbeiten zugeordnet. Auf insgesamt 5 800 m² gibt es dort flexible Büroflächen für bis zu 300 Arbeitsplätze mit großzügigen Terrassen. Elf City-Appartements, alle mit Blick auf die Frankfurter Skyline, teilen sich eine Fläche von rund 1 200 m².
Ergänzt wird der bunte Angebots-Mix im Turmcarrée durch ein Studio aus dem hochwertigen Segment, das einen großen Teil der EG-Fläche sowie weitere Flächen in den beiden darüber liegenden Etagen nutzt. An sieben Tagen genießen die Mitglieder Training und Entspannung im stilvollen Naturambiente. Dazu wurden die Räume vom Frankfurter Architektenbüro KSP Jürgen Engel Architekten und von der Innenarchitektin Ushi Tamborriello ausschließlich mit hochwertigen und natürlichen Materialien ausgestattet. Hightech-Geräte treten dabei in Dialog mit edlen Hölzern, Natursteinen und Glasmosaiken und sorgen für eine Aktiv- und Wohlfühl-Atmosphäre, die mit vier Dampfbädern, Entspannungsbecken und Massageräumen an ein 5-Sterne-Hotel erinnert.
Dampfbad im Trockenbau
Kern des Studios ist ein Hamam nach orientalischem Vorbild, jedoch modern interpretiert, der allein etwa 600 m² des insgesamt rund 3 500 m² großen Fitnessbereiches für sich beansprucht. Er besteht aus vier geschlossenen Dampfbadzellen, angeordnet an einem Umgang. Dazu gehören Entspannungsbecken, Duschanlagen, Entspannungsräume mit Sitzbänken und Liegen aus gewärmtem Naturstein sowie weitere Dampfbäder und Räume zum Waschen und für Körperpflege.
Der Ausbau erfolgte in Trockenbauweise. „Es war die optimale Lösung“, erklärte Architekt Lars Huber von KSP Jürgen Engel Architekten, der für die Entwurfs- und Ausführungsplanung verantwortlich war und die Bauleitung vor Ort unterstützte, „die Deckenstatik war nicht für einen massiven Ausbau mit Mauerwerk oder Betonbauweise ausgelegt.“
Für die Trockenbauweise sprach auch die Unabhängigkeit bei der Raumaufteilung. Sie bietet dem Betreiber des Fitness- und Wellness-Studios die Option, spätere Umbauten und Grundrissänderungen je nach Bedarf flexibel und ohne großen Aufwand durchzuführen. Jedoch galt bei der Auswahl der eingesetzten Baustoffe größte Sorgfalt. Dabei standen vor allem die zu erwartenden Belastungen durch hohe Luftfeuchtigkeit im Vordergrund.
„Bei einer Luftfeuchtigkeit, die dauerhaft im Bereich von 80% bis 90% liegt,“ erläuterte Architekt Lars Huber, „bestanden besondere Anforderungen an die Bauphysik und die Dampfbelastbarkeit der eingesetzten Materialien. Deshalb konnten wir hier natürlich nicht mit normalen Trockenbau-Konstruktionen arbeiten.“
Dauerhaft bis 90% Luftfeuchte
Der Ausbau erfolgte schließlich mit zementgebundenen Bauplatten, die speziell für den Ausbau von Nassräumen konzipiert wurden. Sie bieten die gleichen Vorteile wie herkömmliche Trockenbau-Konstruktionen, eröffnen jedoch wegen des speziell auf den Nassbereich erweiterten Einsatzbereiches weitere Perspektiven. Eingesetzt wurde Fermacell Powerpanel H2O für Wand- und Deckenbekleidungen sowie für sämtliche Zwischenwände. Mit dem geringen Plattengewicht von 13 kg/m² konnten damit Probleme mit der Deckenstatik von vornherein ausgeschlossen werden.
Die beidseitig mit einem alkaliresistenten Glasfasergewebe armierten Leichtbeton-Platten mit Sandwichstruktur sind diffusionsfähig (Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von µ= 56), Schimmelpilz-resistent und vor allem widerstandsfähig gegen Wasser.
Eine große Stabilität ermöglicht schon bei einlagiger Beplankung stark belastbare Konstruktionen, die zudem kratz- und schlagresistent sind. Hinzu kommen hohe Druck- und Stoßfestigkeiten zur Verbesserung der mechanischen Sicherheit in hochbeanspruchten Bereichen. Mit günstigem Dehn-/Schwindverhalten bildete die zementgebundene Bauplatte den idealen, wasserresistenten Untergrund für die hier vom Ausstattungskonzept vorgesehenen hochwertigen Beschichtungen und Bekleidungen. Außerdem bieten sie gute Schalldämmwerte: So werden bereits bei einlagiger Beplankung und entsprechender Hohlraumdämmung Werte von 47 dB erreicht und bei zweilagiger Verarbeitung 55 dB, wie sie im Turmcarrée gewählt wurden.
Die speziellen Materialeigenschaften von Powerpanel H2O ermöglichen eine Verarbeitung der Wandplatten in allen Feuchtigkeits-Beanspruchungs-Klassen. Für den bauaufsichtlich geregelten Bereich gilt dabei das Merkblatt des Zentralverbandes des deutschen Baugewerbes (ZDB) „Verbundabdichtungen“ vom August 2012. Gemäß Merkblatt 5 „Bäder und Feuchträume im Holz- und Trockenbau“ (Bundesverband der Gipsindustrie e.V. Industriegruppe Gipsplatten) Stand Februar 2014 kann Fermacell Powerpanel H2O als Untergrund für Abdichtungen in Klasse A0 (Bäder mit Spritzbereich von Duschen oder Badewannen mit Duschabtrennungen) im bauaufsichtlich nicht geregelten Bereich und im bauaufsichtlich geregelten Bereich für die Klassen A (Wände in öffentlichen Duschen) und C (Wände in gewerblichen Küchen und Wäschereien) eingesetzt werden.
Korrosionsschutz
Rund 4 500 m² Powerpanel H2O kamen beim Ausbau des Fitnessstudios im Frankfurter Turmcarrée zum Einsatz. Eingesetzt wurden Platten mit einer Größe von 1 250 x 2 000 mm bei 12,5 mm Dicke.
Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit waren Außenwände und Decken vor der Beplankung zunächst mit Schaumglaspaneelen gedämmt worden. In besonders wasserbeanspruchten Bereichen wurden die Zwischenwände dagegen ohne innenliegende Dämmung ausgeführt, um Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. „Bei dem natürlich hohen Schalldämmwert der Wände war dies aber kein Problem. Wir konnten darauf sehr gut verzichten und mussten kein Risiko eingehen“, sagt Architekt Lars Huber.
Die Verarbeitung erfolgte zweilagig auf einer Unterkonstruktion aus speziellen Metallprofilen, die mit einem Feuchtraum geeigneten Korrosionsschutz nach DIN EN 13964 ausgestattet sind. Die Verbindung von Powerpanel H2O Platten wurde, wie vom Hersteller empfohlen, in Klebefugentechnik mit Fermacell Fugenkleber ausgeführt, der für die Feuchteklassen A0 und A bzw. C (gemäß ZDB-Merkblatt „Verbundabdichtungen“, August 2012) geeignet ist.
Oberflächenbearbeitung
Grundsätzlich verfügt Powerpanel H2O bereits werkseitig über eine sehr glatte, wasserfeste Oberfläche. Für viele Anwendungen dürfte es daher ausreichen, im Wandbereich lediglich Schraubenköpfe und Eckfugen abzudichten. Wegen der zu erwartenden ständigen hohen Luftfeuchtigkeit wurde im vorliegenden Fall zunächst ein spezielles gummiertes Abdichtungssystem auf Epoxydharz-Untergrundspachtelung aufgebracht. Zum Schutz der Beschichtung und als Haftbrücke für die nachfolgenden Oberflächen wurde anschließend eine weitere Spachtelung auf Epoxydharz-Basis in Q4-Qualität aufgebracht. Ein abschließendes Oberflächen-Finish mit künstlichem Kaffeepulver sorgt für das edle Erscheinungsbild.
Planung: (Entwurf, Ausführungsplanung, Bauleitung) KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt/Main Generalplaner: KSP Consult gp, Frankfurt/Main Innenarchitektin Ushi Tamborriello, Rieden bei Baden, CH

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