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Lernlandschaft mit Wohlfühlcharakter

Neubau eines Hörsaalgebäudes an der Hochschule Osnabrück
Lernlandschaft mit Wohlfühlcharakter

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Im neuen Hörsaalgebäude der Hochschule Osnabrück spiegelt neben den Bodenbelägen vor allem die Deckenlandschaft die Zonierung wider. In allen Durchgangsbereichen sorgen weiße Alu-Lamellendecken mit ihren völlig frei wählbaren Abständen für lineare Ästhetik und schützen zudem die dahinter liegenden Installationen.

Ulrike Sengmüller | db.i | jo

Stehen, Sitzen, Liegen, Lümmeln – Lernen und Lesen für das Studium muss nicht zwangsläufig im Sitzen am Schreibtisch erfolgen. Wer erfolgreich lernen will, sollte sich laut einschlägiger Untersuchungen auch bewegen und die Positionen wechseln können.
Das niederländische Architekturbüro Benthem Crouwel hat mit dem neuen Hörsaalgebäude für die Studierenden der Hochschule Osnabrück eine „Lernlandschaft“ realisiert, die für jeden Lerntyp den passenden Platz anbietet. Das Bauwerk ist Teil der neuen Universitätsanlage in Osnabrück. Seit 2009 entsteht hier auf dem Kasernenareal der früheren britischen Woolwich Barracks der Hochschulcampus Westerberg. Das Gelände ist durchzogen von einem System aus offenen und geschlossenen Plätzen, in das die Neubauten integriert sind. Den Mittelpunkt des Geländes bildet der Campusplatz, an dem neben Mensa und Bibliothek auch das neue Hörsaalgebäude angesiedelt ist.
Üppiges Vordach in fulminantem Grün
Die recht kühne Architektur des Hörsaalgebäudes zieht die Blicke auf sich: Ein quaderförmiger dreigeschossiger Baukörper, an dessen nordöstlicher Seite unten ein Keil herausgeschnitten ist. So wird nicht nur der direkte Verbindungsweg zwischen Mensa und Bibliothek frei gemacht. Es entsteht auch ein überdimensioniertes Vordach, das sich diagonal nach oben ausrichtet und mit seiner leuchtend grünen Farbe die Blicke auf sich zieht. Die knallige Farbe steht im Kontrast zu der darunter liegenden gläsernen Eingangs- sowie der zurückhaltenden Metallfassade. Das grandiose Grün findet immer dann Anwendung, wenn es gilt, Akzente zu setzen; etwa zur Markierung des Eingangsbereiches, als Farbklecks in den Laibungen der Fenster usw. Diese eigenwillige Farb- und Formgebung findet im Inneren ihre Fortsetzung.
Benthem Crouwel Architekten gaben dem Hörsaalgebäude eine klare Struktur. Die Grundrisse sind orthogonal ausgerichtet und die Raumgruppierungen schlüssig: Im rückwärtigen Bereich befinden sich die Vorlesungs- und Übungsräume, deren Flure über einen Lichthof mit natürlicher Beleuchtung versorgt werden.
Einzig das Foyer bricht aus dem orthogonalen System aus und orientiert sich an dem schrägen Einschnitt. Wer unter dem diagonalen Vordach das Gebäude betritt, findet sich im hellen, repräsentativen Atrium wieder, das sich zur Nordostecke ausrichtet. Eine leichte Treppe mit kaum wahrnehmbarem Stahlgeländer führt von hier in die oberen Geschosse. Über eine große verglaste Öffnung im Dach fällt Tageslicht ein und sorgt für natürliche Helligkeit auf allen Ebenen.
Lernlandschaft: Herzstück des Gebäudes
Vom Foyer aus entwickelt sich auch das Herzstück des Gebäudes, die sogenannte Lernlandschaft, rund um den Lichthof. Oberhalb des auskragenden Gebäudeteils bildet sie eine eigene Topografie aus Plateaus, Treppen und Rampen. Eigenwillige Möbeleinbauten schaffen Verbindungen über unterschiedliche Höhen hinweg, Tischbänder überbrücken verschiedene Stufen und erlauben so unterschiedliche Sitz- und Stehhöhen, bilden eigene Bereiche und grenzen zu anderen ab. Sitzwürfel und –säcke laden dazu ein, sich in welcher Position auch immer niederzulassen – allein oder in der Gruppe, gemütlich in der Ecke oder konzentriert am Tisch: Alles ist möglich.
Die durchdachte Farb- und Materialgestaltung ist im gesamten Gebäude die Klammer, die vom Willkürlichen trennt und die Orientierung erleichtert. Weiße Wandflächen und helle Bodenoberflächen schaffen eine lichte, positive Atmosphäre. Das auffällige Grün setzt in immer wieder unterschiedlichen Materialien Akzente – als Treppenbelag, als Farbklecks in den Fensterlaibungen, als Kunst an den Wänden oder als Sitzwürfel in der Lernlandschaft.
An Flächen ablesbare Raumfunktionen
Die einzelnen Raumfunktionen und Zonierungen sind an den umgebenden Flächen ablesbar. In den Vorlesungs- und Studierzimmern gibt der grüne Boden den sonst weiß gehaltenen Räumen Erdung und sorgt für Konzentration. Die Erschließungsflächen sind mit schnellgängigem, hellgrauen Fliesenboden belegt. Im Kontrast dazu bestimmt ein gemütlich anmutendes Eichenparkett die Lernlandschaft, das zum Verweilen einlädt und die Ruhezone markiert.
Die Deckenlandschaft spiegelt die Zonierung ebenfalls wider: Während in den Vorlesungsräumen eine glatte Deckenoptik mit Deckensegeln gefordert war und über der Lernlandschaft Akustik-Lamellen schweben, sorgen in allen Durchgangsbereichen des Hörsaalgebäudes weiße Aluminium-Lamellendecken für eine klare, lineare Ästhetik. Sie dienen als optischer Schutz der dahinter liegenden Installationen und suggerieren Durchlässigkeit und Offenheit nach oben. Die Abstände der Lamellen folgen genau dem Achssystem des gesamten Gebäudes.
Dabei machte die eingesetzte NE Lamelle mit ihren völlig frei wählbaren Abständen und den schmalen Profilen den Architekten die Gestaltung und den Handwerkern den Einbau leicht.
Darüber hinaus gab es für die Architekten eine präzise Vorgabe durch die Auftraggeber: Die verbauten Materialien sollten sowohl kostengünstig als auch wertig sein. Ebenso unmissverständlich war die Einhaltung des Budgets vorgegeben.
„Wir haben verschiedene Varianten geprüft. Gemeinsam mit dem Verleger haben wir mit der NE Lamelle ein Deckensystem gefunden, das in der Optik
aber auch im Preis für uns passte.“ erläutert Cornelius Wens, Projektleiter von Benthem Crouwel.
Über die Ästhetik hinaus gab es noch eine weitere exakte Anforderung an die Lamellendecke: Die gesamte Bauhöhe ab Unterkante Rohdecke bis Unterkante Lamellendecke durfte eine Einbauhöhe von 100 mm nicht überschreiten. Dies stellte die montierende Firma Bohle Innenausbau in den Fluren vor eine Herausforderung. Hier liegen die Lüftungs-und Installationsschächte so dicht beisammen, dass eine Abhängung nicht möglich war. Stattdessen wurden Weitspannträger aus Stahl unterhalb der Installationen über die knapp 2 m breiten Flure gespannt und daran die Tragschiene der Lamellendecke befestigt. Dank der geringen Höhe von nur 35 mm, die mit ihrem trapezförmigem Profil auch über größere Spannweiten steif bleibt, war auch diese Vorgabe zu erfüllen.
Für die verlegende Firma Bohle Innenausbau fiel die Wahl vor allem deshalb auf die NE Lamelle, weil sie eine sehr schnelle und einfache Montage ermöglicht. Die Tragschienen erlauben einen Achsabstand bis zu 2 m; das minimiert den Material- und – noch wichtiger – den Zeitaufwand auf der Baustelle. Hinzu kommt die Anbringung der Lamellen per Click-System, das Einbau und Ausrichtung vereinfacht. Besonders erleichtert auch das durchdachte Hutprofil die Arbeit der Verleger.
„Durch das Lamellenprofil wird die Lamelle insgesamt ausgesteift. Das vereinfacht für uns die Montage, da man so auch sehr lange Elemente spannungs- und verformungsfrei anbringen kann“ meint Projektleiter Peter Krzyzaniak.
„Insgesamt konnten wir das Projekt im Zeitaufwand sehr effektiv abwickeln. Nach genauer Planung wurden vorab die Tragschienen montiert. Später mussten dann in den nach und nach freigegebenen Räumen nur noch die Lamellen eingeklickt werden. Bei insgesamt 1 500 m2 Deckenfläche war das für uns eine große Zeitersparnis.“
Die leichte Verarbeitbarkeit der NE Lamelle war auch von Vorteil bei den Deckenflächen im Atrium: Der Einschnitt im Gebäude und die schräge Ausrichtung, verursachen viele spitz- und weitwinklige Ecken. Darüber hinaus sollten die Verläufe der Lamellen auf den verschiedenen Flächen ein einheitliches Bild ergeben. Dafür waren Lamellenlängen von 20 cm bis 9 m erforderlich.
Das Deckensystem lässt eine einfache Längenanpassung vor Ort zu, so dass es exakt bis in die Ecken montiert werden konnte.
Dank des Hutprofils ist das Nachjustieren problemlos möglich. Die einzelnen Lamellen lassen sich entsprechend verschieben, so dass das Gesamtbild der Atriumdecken harmonisch und fließend wirkt. Im Falle von Reparaturen sind sie dann ebenso leicht demontier- oder austauschbar.
Das neue Hörsaalgebäude in Osnabrück erfreut sich bei den Studenten sehr großer Beliebtheit, die Lernlandschaft ist stets in unterschiedlichster Weise belegt.
Architekten: Benthem Crouwel Architects, Amsterdam und Aachen

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