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Rasant elegant

Neubau einer internationalen Schule in Luxemburg
Rasant elegant

Der Erweiterungsbau der St. George´s International School wurde in kürzester Zeit und mit knappem Budget realisiert. Der Architekt entschied sich statt eines Containersystems für Massivholz und konnte nach fünf Monaten Bauzeit das Gebäude übergeben. Mit bester Raumakustik, gutem Raumklima, ansprechender Optik und Installationsmöglichkeiten sorgt das Holzbausystem für eine ideale Lernumgebung.

Dagmar Ruhnau | pp

Die St. George´s International School besteht seit zwanzig Jahren und entwickelt sich rasant. Der Schwerpunkt des britischen Lehrplans liegt auf Naturwissenschaften und Englisch, das Verhältnis Lehrer zu Schüler bei 1:10. 2008 zog die Schule in einen Neubau, der 2010 um eine Etage aufgestockt werden musste. Für die Oberstufe mit Schülern zwischen 16 und 18 Jahren beschloss die Schulleitung Anfang 2009 einen weiteren Neubau.
Mit der Planung wurde das Büro artTEK, Mersch (L), beauftragt, die Ausführung übernahm der Generalunternehmer Prefalux, Junglinster (L). Die Architekten entwickelten einen 18 m breiten und 43 m langen zweigeschossigen Baukörper mit stringenter Grundrissgliederung und klarer, eleganter Farbgebung.
Während der „Altbau“ mit kräftigen Primärfarben in den Fensterrahmen spielt, bekam der Neubau eine bronzefarbene Holzfassade und ein abgesetztes, campanileartiges Fluchttreppenhaus, das mit fein perforiertem Blech im gleichen Farbton umhüllt ist. Alt- und Neubau sind durch einen überdachten Gang verbunden. Er endet an der zentralen Eingangshalle, von der rechts und links je ein breiter Flur zu den Klassenzimmern, Musik-, Theater-, EDV-Räumen und zur Bibliothek abgeht.
Farbigkeit und Materialien
Die vorherrschende Farbe in den Innenräumen ist weiß, akzentuiert durch Holzfaserplatten in der Schulfarbe Aqua blue crystal matt an den Wänden der besonders beanspruchten Treppenhäuser und in Einbauschränken an den Flurwänden. Der Boden in den Klassen ist mit grauem Epoxidharz beschichtet, der Gang im dunklen RAL-Ton gehalten. An den Decken ist astreines Weißtannenholz sichtbar, das akustisch wirksam ausgeführt ist. Die Anforderungen an Architekten und ausführendes Unternehmen waren hoch: Innerhalb von zwei Wochen musste das Baugesuch genehmigungsfertig sein, innerhalb weiterer zwei Wochen die Werkpläne; als Bauzeit standen nur fünf Monate zur Verfügung. Kostengünstig musste das Gebäude außerdem werden. Deshalb hatte die Schulleitung eine Containerlösung im Auge, wie sie sie schon bei der Mensa gewählt hatte. James Cumming, Mitbegründer des Planungsbüros artTEK, konnte die Verantwortlichen jedoch durch den Besuch in einer kurz zuvor fertiggestellten Schule überzeugen, den Neubau mit massiven Brettsperrholzelementen von Lignotrend „schneller, besser und billiger“ zu realisieren. Dazu trägt einerseits die hochgradige, exakte Vorfertigung der Elemente samt Berechnungen von Statik und Brandschutz seitens Lignotrend bei, andererseits die Tatsache, dass keine feuchten Baustoffe eingebaut wurden, die erst hätten austrocknen müssen – abgesehen von den Fundamenten und der Bodenplatte. Und nicht zuletzt „die Erfahrung von Prefalux, die bereits viel mit Lignotrend gebaut haben“, wie James Cumming feststellt. Das hat seinen Grund: Der Prefalux-Bauleiter Johannes Thiel verweist explizit auf die Zuverlässigkeit von Lignotrend, die sich in der Qualität der Elemente, in der Lieferung und im Service, etwa in der Erstellung von Berechnungen und Bereitstellung notwendiger Gutachten zeigt.
Multifunktionale Bauteile
Das gesamte Gebäude besteht aus den multifunktionalen Brettsperrholzelementen von Lignotrend und darauf abgestimmten Produkten. Alle Elemente sind standardmäßig 62,5 cm breit, so auch die Wände aus einer Sondervariante des aufgrund kreuzweisen Aufbaus formstabilen Rippenelements Ligno Fux 4S, einfach auf Schwellen montiert. Für die Raumhöhe von 3,20 m und die erhöhten Lasten wurde die Rippenbreite gegenüber der Standardausführung erhöht. Die statischen Werte dafür stellte der Hersteller zur Verfügung. In den Zwischenräumen zwischen den Rippen wurden Installationen geführt, die Wände mit Gipskarton verkleidet.
Die Zugänge zu den Klassenzimmern sind als Nischen ausgebildet, so dass die Türen nicht unfallträchtig in den Gang stehen. Dazwischen sind sowohl in den Fluren als auch in den Klassenzimmern zum Teil feste Schränke in blauer Holzfaserplatte als Stauraum eingebaut, zum Teil mobile Garderobenschränke für die Schüler aufgestellt. Die Flure werden zusätzlich zum Tageslicht auf der gesamten Länge durch Leuchtstoffröhren unter den Decken beleuchtet, um überall helle, freundliche Verkehrsräume zu erreichen.
Angenehmes Arbeiten
Dass Holz das hauptsächliche Baumaterial der Schule ist, spürt man zum Beispiel am angenehmen Raumklima. Vor allem aber nehmen es die Ohren wahr – die Akustik ist hervorragend. Die Deckenelemente Ligno Rippe Q3 bzw. Ligno Rippe Q3 BV für die großen Spannweiten über den Klassenzimmern wurden mit endgefertigter Leistenoberfläche aus besonders hellem, astreinem Weißtannenholz geliefert.
„Das ist ein weiterer Vorteil der fertigen Decken“, kommentiert der Architekt. „Eine schöne Untersicht ohne
Extrakosten für nachträglichen Innenausbau – abgehängte Decken konnten wir uns sparen.“
Hinter den sichtbaren Lamellen der Deckschicht befindet sich ein Holzfaserabsorber. Diese Konstruktion mit den Brettsperrholz-Rippenelementen erreicht neben ausgezeichneten Schalldämmwerten zwischen den Geschossen einen sehr hohen Schallabsorptionsgrad – eine der Voraussetzungen dafür, dass Schüler und Lehrer konzentriert arbeiten können. Eine weitere Voraussetzung sieht der Architekt durch den Einbau einer kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung erfüllt. „Die frischere Luft in den Klassenräumen hatte spürbar positive Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit“, resümiert er nach dem ersten Winter. Zusammen mit den dreifach verglasten Fenstern (Uw = 0,9 W/m²K) und einem Wandaufbau mit U = 0,17W/m²K bei einer Dicke von nur 30 cm weist das Gebäude einen Heizenergiebedarf von 35 kWh/m²a auf. Auch die Schüler und die Schulleitung äußern sich zufrieden, berichtet Johannes Thiel: Im langen Winter 2009/2010 herrschten immer angenehme Temperaturen.
Gut verpackt
Auf die 90 mm dicken Wände aus Ligno Fux 4S kam eine Dämmschicht mit 20 cm, die aus Dämmständern vom Typ U*psi F und Zellulosedämmung besteht. Die 59 mm schmalen Ständer sind wie eine Leiter aufgebaut, verwindungsresistent und reduzieren Wärmebrücken auf ein Minimum. Ein Vlies schließt die Zwischenräume zwischen den „Sprossen“. An einem der beiden Gurte wurden sie stehend auf die Massivholzwand geschraubt, mit einer diffusionsoffenen Holzfaserplatte geschlossen und die entstehenden Gefache mit Zellulose ausgeblasen.
Den Abschluss bilden die hinterlüfteten, 625 mm breiten Elemente Ligno Fassade, die fertig gestrichen geliefert wurden. Die Deckung sieht aus wie eine übliche Leistenfassade, doch sind die vorgetrockneten Rift- und Halbriftbretter durch eine spezielle Fräsung und Befestigung auf einer Querlage im Werk vor Verformungen und Rissen geschützt. Die Elemente wurden maßgenau gefertigt, so dass sie exakt zwischen die 1,25 m breiten Felder mit den raumhohen Aluminiumfenstern passen. In diesen Feldern baute Prefalux vorab Aluminiumzargen ein, so dass der Wandaufbau unabhängig von der Fenstermontage abgeschlossen werden konnte. Sobald die Fenster geliefert wurden, konnten sie von innen gegen die fertigen Rahmen montiert werden. Die Leistendeckung der Fassadenelemente steht nach unten in die Fensteröffnung über, um die außen liegenden Raffstores aufzunehmen, die wegen der Fenstergröße mit stabilen, trapezförmigen Lamellenstores gewählt wurden.
Planung: artTEK, Architekten James Cumming und Sahar Azari, Mersch, Luxemburg Ausführungsplanung: Prefalux s.a. Junglinster, Luxemburg
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