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Aluminiumfassaden udn Klinkerfassaden als städtebauliche Kombination

Neubau Wohnkomplex in Groningen
Städtebaulich eingebettet

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Im niederländischen Groningen hat das Büro Urban Climate Architects die 16-geschossige Wohnanlage „De Woldring“ realisiert. Die Kombination von Klinker- und Aluminiumfassaden sorgt im Zusammenspiel mit einer ungewöhnlichen Gebäudeform für optimierte Belichtung der einzelnen Einheiten. Gleichzeitig schafft sie auch eine gelungene Einbindung in den städtebaulichen Kontext.

Anforderung:

Riesiges Raumprogramm (28 000 m² BGF, 435 Wohnungen) mit hohem Wohnwert städtebaulich einbinden

Lösungen:

Asymmetrische Blockbebauung, schräge Dachlinien, zwei Türme, attraktive Fassaden mit Metall und Klinker


Robert Uhde

Von wegen Provinz: Mit rund 50 000 Studierenden und einem entsprechend niedrigen Durchschnittsalter von lediglich 36 Jahren gilt die im äußersten Nordwesten des Landes gelegene, rund 200 000 Einwohner zählende Metropole Groningen als die „jüngste Stadt“ in den Niederlanden. Entsprechend umkämpft ist der Markt für kleine kostengünstige Wohnungen vor Ort.

Speziell für die genannte Zielgruppe wurde zuletzt der großformatige Wohnblock „De Woldring“ realisiert. Der im Nordosten der Stadt am Fluss „Reitdiep“ gelegene, bis zu 50 m hoch aufsteigende Komplex stellt auf 16 Ebenen mit einer Bruttogeschossfläche von 28 000 m² insgesamt 435 Wohnungen mit Flächen von 35 bis 50 m² zur Verfügung. Um eine maximale Flexibilität und eine spätere Nutzungsänderung zu ermöglichen, wurden die Einheiten so konzipiert, dass sie bei Bedarf problemlos zu größeren Wohnungen zusammengefasst werden können.

Komplexe Dachsilhouette

Das Grundstück war bis zuletzt durch das Möbelgeschäft „Woldring“ genutzt worden. Nach der Aufgabe der Filiale hatte die Stadt Groningen in Kooperation mit dem Eigentümer beschlossen, die Fläche zum Bau eines großformatigen Wohnblocks mit bewusst bezahlbaren Mieten zu nutzen.

Aufbauend auf einer vorherigen Standortanalyse und ersten Entwurfszeichnungen war anschließend das Büro Urban Climate Architects mit der Umsetzung des Projekts beauftragt worden: „Als besondere Herausforderung erwies sich neben der schieren Größe vor allem die anspruchsvolle, aber durchaus attraktive Grundstückslage zwischen der viel befahrenen Stadtautobahn und dem rückseitig in Richtung Osten angrenzenden Fluss“, berichtet Projektarchitekt Tim Vermeend.

Um das geforderte Raumprogramm optimal umzusetzen und dabei einen hohen Wohnwert zu ermöglichen, entwickelten die Planer eine leicht asymmetrisch gestaltete Blockbebauung mit schräg verlaufenden Dachlinien, mit zwei hoch aufragenden Türmen sowie mit zentralem Innenhof. Der vergleichsweise geschlossen ausgebildete Gebäudeflügel nach Westen fungiert dabei gewissermaßen als Schutzwall gegen Wind und gegen den Lärm der Straße, während die beiden Türme sowie die Öffnung des Baukörpers zum Wasser eine attraktive Aussicht ebenso wie eine optimierte Tageslichtnutzung und Besonnung der einzelnen Wohnungen und des Innenhofs sicherstellen.

Zusätzlich optimiert wird die Aufenthaltsqualität vor Ort durch die Integration von luftigen Atrien sowie vielfältig gestalteten Treffpunkten und Gemeinschaftsflächen: „Neben Büros und Fitnessräumen haben wir zum Beispiel auch eine Bar integriert“, berichtet Tim Vermeend.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die breite Treppenanlage in der Öffnung zum Reitdiep, die den Bewohnern und Bewohnerinnen nicht nur als hofseitige Erschließung, sondern auch als attraktive Tribüne zum Sitzen zur Verfügung steht. Mittig integriert die Treppe außerdem den Zugang zur Tiefgarage. Zusätzliche Aufenthaltsqualität hat der Innenhof durch eine attraktive Bepflanzung, eine kleine Sportfläche, Bänke sowie durch ein innenseitig integriertes Café erhalten. Auf der Seite des Friesestraatweges wurden zusätzlich verschiedene Gewerbeflächen im Erdgeschoss integriert, um das Gebäude noch besser in die Nachbarschaft einzubinden.

Differenzierte Gestaltung mit Aluminiumfassaden

„Als Basis für die komplexe Dachsilhouette haben wir vorab eine umfangreiche Lichtstudie durchgeführt, auf deren Grundlage wir zum Beispiel den höheren der beiden Türme direkt an der Abendsonne ausgerichtet haben“, berichtet Tim Vermeend.

Weiter optimiert wird die Belichtung des Komplexes durch die differenzierte Fassadengestaltung: Nach außen hin präsentiert sich der Neubau mit einer robust wirkenden Klinkerfassade, um so einen Bezug zu der typischen Backsteinarchitektur in der Innenstadt sowie zu den alten Getreidesilos am Flussufer zu schaffen. Für die Innenhof-Fassaden wählten die Architekten im Kontrast hell schimmernde Aluminiumplatten, die eine maximale Reflexion des Lichts ermöglichen: „Im Zusammenspiel ist eine bewegte urbane Collage entstanden, die gleichzeitig als robuster Maßanzug für den Standort fungiert“, beschreibt Tim Vermeend das Konzept.

Effiziente Umsetzung der Aluminiumfassaden und Klinkerfassaden

Um einen schnellen und kostengünstigen Baufortschritt zu ermöglichen, wurde der Neubau in der in den Niederlanden weit verbreiteten Technik der „Tunnelkisten“ mit gleichzeitig gegossenen Wänden und Decken aus Stahlbeton umgesetzt. „Die Außenflächen wurden anschließend im Holzskelettbau mit vorgefertigten, 7,20 x 3,20 m großen Sandwichpaneelen ausgebildet“, berichtet Tim Vermeend. „Neben einer Kerndämmung aus EPS waren dabei auch sämtliche Fensterrahmen und Verglasungen bereits integriert.“

Direkt vor den Sandwichpaneelen (Unidek SIPS-Elemente von Kingspan) konnte abschließend mit der Außenverkleidung der Fassaden begonnen werden. Im Bereich der außen orientierten Fassaden des Komplexes wurde eine Vormauerschale mit einem rot-orangen Handform-Verblender aus der Region umgesetzt: „Eems“ und „Hunze“ von Steenindustrie Strating.

Die lebhaft gebrannte plastische Oberfläche der Steine, die Verwendung eines doppelten Waalformats von 210 x 100 x 100 mm bzw. 200 x 100 x 100 mm sowie die Ausbildung im unorthodoxen Mauerwerksverband mit teilweise lediglich 210 x 100 x 40 mm großen, übereinander vermauerten und leicht vorstehenden Bindern sowie mit vielfach senkrecht übereinander liegenden Fugen ließ dabei ein höchst individuelles Fassadenbild entstehen. Ergänzt wird das Bild durch vorgefertigte Fensterstürze aus hellem Beton.

Die insgesamt 8 000 m² großen Innenhoffassaden des Gebäudes wurden alternativ mit Aluminium-Verbundplatten „Alucobond Plus weiß 16“ verkleidet. Der strahlend-weiße Farbton der mit Hilfe von Klickprofilen vor den EPS-Sandwichpaneelen montierten Elemente ermöglicht dabei die gewünschte Lichtreflexion und schafft gleichzeitig einen gelungenen optischen Kontrast zu den verwendeten Klinkern.

Große Anstrengungen legten die Verantwortlichen auch auf einen energiesparenden Gebäudebetrieb: Auf den Dachbereichen des Gebäudes stellt eine insgesamt 1 100 m² große PV-Aanlage einen großen Teil des vor Ort benötigten Stroms bereit, zur Beheizung kommt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zum Einsatz. Das Projekt überzeugt also nicht nur durch seine ungewöhnliche Gebäudeform und die gelungene städtebauliche Einbettung, sondern auch in Sachen Nachhaltigkeit.


Projekt: Wohnungsbau „De Woldring“

Standort: Friesestraatweg 145 – 173, Groningen, NL

Bauherr: Woldring United B.V., Groningen, NL

Planung: Urban Climate Architects, Groningen, Delft, NL
https://www.ucarchitects.com/

Bruttogeschossfläche: 28 000 m²

Fertigstellung: 10|2019


Projektarchitekt Tim Vermeend: „Als Basis für die komplexe Dachsilhouette haben wir vorab eine umfangreiche Lichtstudie durchgeführt, auf deren Grundlage wir zum Beispiel den höheren der beiden Türme direkt an der Abendsonne ausgerichtet haben.“


Schneller und kostengünstiger Baufortschritt durch die in den Niederlanden weit verbreitete Technik der „Tunnelkisten“ mit gleichzeitig gegossenen Wänden und Decken aus Stahlbeton.


Hier können Sie noch mehr lesen

  • Fassadenlösungen mit Metall auf bba-online

www.bba-online.de/infoservice/dossiers


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