Rekonstruktion und Neubau eines Wohn- und Geschäftsquartiers in Frankfurt mit Tritt-Schallschutz

Ungestörtes Miteinander

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Mit dem DomRömer-Quartier erhielt Frankfurt eine neue Altstadt. Entstanden sind 35 Altstadthäuser mit 15 Rekonstruktionen und 20 Neubauten, alle nach Gestaltungssatzung und mit Passivhauskomponenten. Konstruktiv beteiligt waren auch Lösungen für den Schallschutz; speziell im Treppenhaus ist dieser heutzutage unerlässlich für ein nahes Miteinander.

Anforderung:

Rekonstruktion und Neubau im Ensemble nach Vorkriegsvorbild: Mit Passivhausstandard und zeitgemäßem Schallschutz

Lösung:

Dämmelemente zur thermischen Trennung bei Fassaden und Balkone sowie Trittschalldämmelement für Treppen


Cornelia Kaltenbach | be

Nach der Zerstörung der Altstadt im Zweiten Weltkrieg und der Wiederbebauung in den 70er Jahren gestaltete die Stadt Frankfurt am Main jüngst ihr historisches Zentrum neu. Es entstand ein Quartier, das sich an das ursprüngliche Altstadtbild anlehnt und gleichzeitig einen Bezug zur Gegenwart herstellt. Dabei wurden die 20 Neubauten im Detail mit der gleichen Sorgfalt bearbeitet wie die 15 Altbauten, die durch ihre Handwerklichkeit einen höheren Gestaltungsgrad besitzen. Für die Umsetzung des Gesamtvorhabens gründete die Stadt die DomRömer GmbH sowie einen Gestaltungsbeirat, der die gestalterische Qualität der Neubebauung sicherstellt. 2010 wurde ein europaweiter Architekturwettbewerb ausgerufen. Seit 2012 standen die Architekten fest, die gemeinsam mit der DomRömer GmbH das Quartier planten. In rund 80 Wohnungen fanden etwa 200 Menschen ein neues Zuhause. Erdgeschossflächen bieten Platz für Gastronomie, Gewerbe und Handel und sollen an das bunte Treiben und Lebensgefühl dieses Viertels zu Vorkriegszeiten anknüpfen.

Gestaltungsmerkmale

Die Stadt Frankfurt machte eine Gestaltungssatzung zur Vorgabe. So waren Materialität und Dachneigung vorgegeben. Die Häuser sollten steil geneigte, mit Schiefer gedeckte Satteldächer erhalten. Die Erdgeschossfassaden waren mit Sandstein zu verkleiden, die Geschosse darüber erhielten entweder Schiefer-, Holz- oder Putzfassaden. Die Projektleiterin der DomRömer GmbH, Marion Spanier-Hessenbruch, erklärt: „Für die Architekten ergaben diese Vorgaben natürlich einen relativ engen Spielraum. Für uns war es wichtig, eine Harmonisierung des ganzen Ensembles zu schaffen.“

Generell hat sich die Stadt Frankfurt verpflichtet, stadteigene Liegenschaften und städtische Gebäude als Passivhäuser zu bauen. Dies war in diesem Fall eine Herausforderung, da Stadtgrundriss und Hüllen bei den Rekonstruktionen vorgegeben waren. Zusammen mit dem Energiereferat gab es die Einigung, passivhaustaugliche Komponenten einzubauen, was vor allem die Fenster und Dämmstärken betraf. Auch beim Wärme-/Schallschutz und der haustechnischen Ausstattung lag die Priorität auf zeitgemäßer Nutzbarkeit. So wurde z. B. kontrollierte Be- und Entlüftung vorgesehen. „Es gab schon Unterschiede zwischen Rekonstruktionen und Neubauten, denn bei den Neubauten handelt es sich in der Regel um Massivbauten, bei den Rekonstruktionen ist es überwiegend Fachwerk. Da war es schon aufwändiger, die Wände in der Qualität zu erstellen. Die Passivhaus-Vereinbarung gilt ab dem 1. OG, da es durch die Verbindung mit der darunterliegenden Tiefgarage nahezu unmöglich war, Passivhausstandard zu erreichen. So sind wir jetzt bei rund 25 kWh Heizwärmebedarf pro Quadratmeter und mit diesem Wert sind wir sehr zufrieden“, so Marion Spanier-Hessenbruch.

Wärmebrücken vermeiden

Neben der Gestaltung der Gebäude hatte also auch die Energieeffizienz hohe Priorität. Deshalb war es besonders wichtig, die Fassaden von der tragenden Konstruktion zu trennen, um so Wärmebrücken zu vermeiden. Die Architekten haben alle Gebäude in zweischaliger Bauweise mit hinterlüfteter Fassade geplant. An die tragende Stahlbetonkonstruktion wurden die historisch anmutende Klinkerfassade oder die Fassadenteile aus Betonfertigteilen gehängt. „Damit die Belastung nicht zu hoch wird, haben die Statiker an jedem Stockwerk einen Auflagerstreifen geplant, auf denen die Fassaden aufliegen“, erläutert Bernhard Tschonitsch, Leiter Anwendungstechnik bei Schöck, die Ausführung. „Zum Einsatz kam hier Schöck Isokorb Typ O, den wir in enger Zusammenarbeit mit den Fachplanern an die Sonderbedingungen des Projekts angepasst haben.“ Auch bei den Anschlüssen der vielen Balkone war die Zielsetzung stets der Passivhausstandard. Hier galt es, Wärmebrücken zu vermeiden und die negativen Momente und positiven Querkräfte der frei auskragenden Betonfertigteilbalkone mit tragenden Wärmedämmelementen, wie dem Schöck Isokorb Typ KXT, zu übertragen.

Guter Schallschutz ist kein Luxus

Aktuelle bautechnische Erfordernisse beinhalten, dass Schallschutzanforderungen erfüllt werden. Guter Schallschutz im Hochbau ist eine Bedingung für den Schutz der Gesundheit und wichtiges Kriterium für guten Wohnkomfort. Besonders im Treppenhaus führt mangelhafter Trittschallschutz oft zu Belästigungen der Bewohner. In zahlreichen Gebäuden des Ensembles haben die Planer daher mit dem Produktprogramm Schöck Tronsole die Stahlbetontreppen entkoppelt. In diesem Zusammenhang beauftragte Schöck das Schalltechnische Entwicklungs- und Prüfinstitut GmbH (STEP) damit, die akustische Ausführungsqualität der entkoppelten Massivtreppen unter anderem im Haus Esslinger durch Messung zu überprüfen und zu beurteilen.

Haus Esslinger

Das Haus Esslinger in der Gasse „Hinter dem Lämmchen 2“ war einst das Wohnhaus von Goethes Verwandtschaft. Als gotisches Fachwerkhaus Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet, wohnte dort später Goethes Onkel, Georg Adolf Melber, mit einer Materialienhandlung im EG. Er ließ das Haus im Stil des Spätbarocks umbauen; nur das EG prägten weiter die charakteristischen gotischen Formen. Johann Wolfgang von Goethe selbst lebte von 1755 bis 1756 hier, während das Haus der Goethes umgebaut wurde. Am 22. März 1944 verbrannte das Gebäude beim Luftangriff. Da sich die Stadt nach Kriegsende für einen modernen Wiederaufbau entschied, wurde die Vorderhausruine 1950 gesprengt. Einige wenige Fassadendetails, welche die Kriegszerstörung überstanden hatten – Fenstergitter und -läden sowie der Schlussstein eines Portalbogens – wurden im Historischen Museum eingelagert.

Im Rahmen aufwändiger Rekonstruktionsarbeiten wurde das Fachwerk des gotischen EG aufgestellt. An den Seiten verputzt, blieben die Eichenholzbalken an den Frontseiten dagegen sichtbar. Die Planer nutzten dafür bereits verwendetes Holz, um sicherzustellen, dass es sich nicht verzieht. Das breite Mansardendach erinnert an den Barock.

Konstruktion des Treppenhauses

Das gesamte Treppenhaus wurde in Stahlbetonbauweise geplant und ausgeführt. Die Decken wurden, der damaligen Zeit entsprechend, in Holzbauweise gebaut. Die eingebaute Treppe hat jeweils ein Hauptpodest im 1. und 2. OG auf Geschosshöhe sowie ein Zwischenpodest, welches sich mittig der Trennwände befindet. Die 18 cm dicken Haupt- und Zwischenpodeste sind starr mit den Trennwänden verbunden, die akustische Entkopplung erfolgte durch Aufbringung eines schwimmenden Estrichs.

Die Treppenanlage hat pro Geschoss zwei gegenläufige Treppenläufe, die vom Haupt- und Zwischenpodest mit der Schöck Tronsole Typ F entkoppelt sind. Diese Tronsole besteht aus faltbaren PE-Schaum-Platten mit eingelassenem Elastomerlager Elodur und ermöglicht den schallgedämmten Anschluss von Treppenlauf und Podest. Das Trittschalldämmelement trennt den Treppenlauf vollflächig vom Podest mit Konsolausbildung, sodass die Gefahr von Schallbrücken minimiert ist. Ein Clip-Scharnier sorgt für hohe Formstabilität und einfaches Handling. Es garantiert eine genaue Abwinklung der Schenkel von 90 Grad, so dass sich das Element exakt der Geometrie der Laufkonsole anpasst. Gleichzeitig sorgt das biegesteife Scharnier dafür, dass die Tronsole auch in Längsrichtung stets in Form bleibt – wichtig für einen zügigen Einbau.

Messergebnisse und Beurteilung

„Um den Norm-Trittschallpegel im vorgefundenen Rohbauzustand messen zu können, haben wir Körperschallmessungen auf den Treppenraumwänden durchgeführt“, erläutert Christoph Fichtel, Geschäftsführer von STEP. Der bewertete Norm-Trittschallpegel entscheidet darüber, ob die geltenden Schallschutzanforderungen eingehalten oder überschritten werden. „Der Norm-Trittschallpegel, der sich durch die Körperschallabstrahlung der Treppenraumwände in angrenzende Räume ergibt, wurde für verschiedene Anregepositionen auf der Treppe mit dem Normhammerwerk bestimmt. Die bewerteten Norm-Trittschallpegel liegen für alle untersuchten Übertragungssituationen bei L‘n,w ≤ 37 dB.“


Bauherr und Auftraggeber: Stadt Frankfurt am Main / DomRömer GmbH

Gutachterverfahren/Architektenauswahl: 2005 Städtebau und 2009/10 – 2018 Realisierung mit 38 verschiedenen Architekten


Christoph Fichtel, STEP: „Durch die sehr effektive Entkopplung mit dem Produktprogramm Schöck Tronsole konnten hervorragende Werte erzielt werden, die den Bewohnern einen komfortablen Schallschutz bieten.“


Bewertung durch das Schalltechnische Entwicklungs- und Prüfinstitut GmbH STEP

Die aktuellen bauaufsichtlichen Mindestanforderung von L‘n,w ≤ 53 dB nach DIN 4109–1:2016–07 und dem erhöhten Schallschutz von L‘n,w ≤ 46 dB nach Beiblatt 2 zur DIN 4109:1989–11 werden sicher eingehalten.

Nach VDI 4100:2007–08 wird die (höchste) Schallschutzstufe III von L‘n,w ≤ 39 dB erreicht.

Nach der aktualisierten DEGA-Empfehlung 103 (Januar 2018) wird die Schallschutzklasse A von L‘n,w ≤ 38 dB eingehalten.


Mehr zum Thema

  • Trittschalldämmung im bba-Fachbeitrag

www.hier.pro/bba0218Planungsaufgabe_Trittschall



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