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Wie lässt sich Schallreflexion im Innenraum beeinflussen?

Neubau eines Verwaltungsgebäudes mit Kundencenter in Euskirchen
Schallreflexion gezielt beeinflussen

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Akustiksysteme, die unter die fertige Decke gehängt werden, verbessern die Raumakustik und können zugleich optische Akzente setzen. Geeignet für bestehende Gebäude, aber auch für Neubau, wie ein Foyer in Euskirchen zeigt: Hier profitieren die Büroräume von der dezenten Kontur der eingebauten Akustikdecke innenarchitektonisch und generell akustisch. Mit Clouds aus Lamellen ließ sich die Schallreflexion wunschgemäß beeinflussen.

Nadine Distl-Paulus | be

Das Verwaltungsgebäude von e-regio war zu klein geworden; ein Neubau musste für rund 100 Mitarbeiter errichtet werden. Parallel stellte sich das Unternehmen neu auf, was im Frühjahr 2016 in den neuen Räumen mit dem neuen Namen e-regio sichtbaren Ausdruck fand. Das „e“ steht für die Versorgung mit Energie in jeder Hinsicht – Gas, Strom, Wasser, Abwasser, Wärmelösungen, Mobilität, Biogasaufbereitung und erneuerbare Energien. Mit „regio“ bekräftigt das Unternehmen seine Verwurzelung vor Ort und seine Nähe zu den Kunden.
Im neuen Firmengebäude und speziell im Foyer wurde diese programmatische Kundennähe architektonisch umgesetzt. Als Kunde und Mitarbeiter erlebt man keine anonyme Halle, die nur die Verkehrsströme im Haus verteilt, sondern einen hellen und großzügigen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität. Das Foyer ist zugleich das Kundencenter, so dass Kunden ohne weite Wege und lange Flure direkt zum Ansprechpartner gelangen. Die äußere und innere Transparenz des Foyers, die klare Wegezuordnung und die mit Deckenelementen sorgfältig austarierte Akustik des rund 200 m² großen Raumes unterstreichen die Idee der offenen Kommunikation; Lamellenpakete beeinflussen die Schallreflexion gezielt. Über die Treppe im Foyer und die anschließenden Flure gelangen die Mitarbeiter in ihre Büros, wo mit mineralischen Deckenplatten eine Ruhe und Konzentration fördernde Raumakustik verwirklicht wurde.
Raumakustische Varianten berechnet
Der langgestreckte zweigeschossige Verwaltungsneubau von e-regio wurde von Pe Becker GmbH Architekten und Ingenieure entworfen, die auch alle weiteren Planungen sowie die Bauüberwachung und Bauleitung bis zur schlüsselfertigen Übergabe verantwortete. An der Gestaltung des Foyers und der Innenausstattung wirkte außerdem Dipl.-Ing. Innenarchitektin Anne Wahlen mit.
Durch die Gebäudekonstruktion aus Stahlbeton sowie die großflächigen inneren und äußeren Fenster weisen die Räume viele, so genannte schallharte Oberflächen auf, die einen hohen Anteil der auftreffenden Schallenergie reflektieren. Dadurch kann es zum hohen Grundgeräuschpegel und zur teilweise verzerrten Wahrnehmung gesprochener Worte kommen. Von vornherein war klar, dass die Hörsamkeit in den Büroräumen durch einen textilen Fußbodenbelag und zusätzlich durch Akustikdecken verbessert werden sollte.
Im viel begangenen Foyer besteht der Fußboden aus leicht zu pflegenden und zu reinigenden Natursteinplatten, so dass hier allein die Decke für die Steuerung der Raumakustik zur Verfügung stand. Der Akustikspezialist Owa, Odenwald Faserplattenwerk GmbH, nahm deshalb Berechnungen der Nachhallzeit für das Raumvolumen von etwa 1 220 m³ vor und empfahl verschiedene Deckenvarianten, die eine möglichst ruhige Grundstimmung, dabei aber auch eine anstrengungsfreie Sprachkommunikation im Kundencenter gewährleisten konnten.
Wie zufällig hingetupfte Clouds
Der Bauherr, das Planungsteam von PE Becker und die Innenarchitektin bewerteten gemeinsam die unterschiedlichen Lösungen im Hinblick auf die technischen Randbedingungen, die raumästhetische Wirkung und auch die Kosten. Die Wahl fiel schließlich auf eine geschlossene und ungelochte Gipsdecke, unter die zur gezielten Beeinflussung der Schallreflexion insgesamt 20 Clouds gehängt wurden.
Jede dieser Clouds aus der OWAconsult collection ist ein Lamellenpaket mit Lamellen von wahlweise 150 mm oder 200 mm Höhe, die als senkrechte Absorber mit einem System zugehörigen Konstruktionspaket unter der fertigen Decke montiert werden. Sie weisen durch ihre senkrechte Orientierung deutlich mehr akustisch wirksame Fläche auf, als es in der Ansicht von unten zunächst erscheint.
Die optische Besonderheit der Clouds ergibt sich aus den unterschiedlichen Längen der einzelnen Lamellen im Paket, die im fertig montierten Zustand die ästhetische Grundfigur eines Kreises bilden. Diese Kreise können frei auf der Deckenfläche verteilt, aber vor allem auch ineinander geschoben werden, so dass der namengebende Eindruck von leichten Wölkchen am Himmel entsteht. Mit scheinbar zufälliger Anordnung einzelner oder ineinander geschobener Kreise und mit verschiedenen Lamellenhöhen lassen sich sehr individuelle, fast spielerische Deckenansichten gestalten.
Auch die Verteilung der Clouds bei e-regio wirkt wie spontan hingetupft, folgt aber in Wirklichkeit einem genau geplanten innenarchitektonischen Konzept. Etwa indem die Richtung der Lamellen die Fluchtlinie des Tresens aufnimmt und in die Tiefe des Raumes hineinführt.
Die Konzentration der Clouds lenkt im Zusammenspiel mit den Leuchten nach dem Lichtdesign von Tobias Grau den Blick ins Zentrum und damit auf die Treppe sowie den Wartebereich. Dort nehmen die Sessel die runde Form der Clouds auf und schaffen so eine weitere optische Relation zwischen dem Raum und der Decke in etwas mehr als 6 m Höhe.
Dezent konturiert
Die Innenarchitektur lenkt den Blick nicht nur innerhalb des Foyers, sondern führt ihn über die inneren Fenster im Obergeschoss auch in die angrenzenden Bürobereiche. Hier ist einer der Besprechungsräume mit der im Back Office durchgängig verwendeten Akustikdecke im Dessin Sternbild ausgeführt. Die weißen Mineralplatten mit der charakteristischen Sternbild-Lochung bilden regelmäßige zentrale Deckenfelder, eingefasst von einem Gipsplattenfries.
Diese Anordnung setzt sich in den Büros und den Fluren so fort, dass Bewegungs- und Verkehrsflächen stets glatte Deckenansichten zeigen, während über Arbeitsplätzen das Raster der akustisch wirksamen Decke vorherrscht. Die Raumakustik wird zielgenau dort verbessert, wo eine konzentrationsfördernde und ruhige Atmosphäre benötigt wird.
Gleichzeitig lassen sich mit der Frieslösung Plattenzuschnitte vermeiden, so dass die Bürobereiche von einem harmonisch gleichmäßigen Raster 625 × 625 mm geprägt sind. Die Platten wurden mit der sichtbaren Konstruktion System S 3a montiert, die ein Herausnehmen jeder einzelnen Deckenplatte erlaubt. Dadurch ist die leichte Zugänglichkeit zu allen Installationen im Deckenhohlraum gewährleistet. Selbst die geschlossenen Decken in den Fluren wurden so konzipiert, dass alle erforderlichen Wartungsarbeiten von Öffnungen in der Rasterdecke aus erledigt werden können.
Die markante Wirkung der Raster wird von einem zunächst kaum wahrnehmbaren, aber wichtigen Detail bestimmt: Statt glatter Verlegung, wie sie bei einfachen Tragkonstruktionen die Regel ist, arbeitet das System S 3a mit sichtbaren, aber leicht versenkten Tragprofilen. Die Platten erhalten dadurch eine charakteristische Kontur, welche die akustisch wirksamen Deckenbereiche von den glatten Deckenflächen eindeutig abhebt.
Entwurf, Planung und Bauleitung:
PE Becker GmbH, Architekten und Ingenieure, Kall
Innenarchitektur Foyer:
Dipl.-Ing. Innenarchitektin Anne Wahlen, Rheinbach


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