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Sozialverträglich mit System

Neubau eines Mehrfamilienwohnhauses in Tübingen
Sozialverträglich mit System

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Bezahlbarer Wohnungsbau mit gestalterischer und energetischer Qualität ist Ziel der Tübinger Architekten architekturmagazin3. Beim Wohngebäude La Tour erreichen sie Nachhaltigkeit und sehr gute Energiewerte mit vorgefertigten Thermowand-Elementen.

Susanne Ehrlinger | be

Auf dem ehemaligen Areal eines Textilherstellers in Tübingen entstand hochwertiger Wohnraum mit sozialer Komponente. Für eine Baugemeinschaft schufen die Architekten Simon Maier und Bernd Welzer vom architekturmagazin3 zehn Wohneinheiten mit Wohnflächen von 55 bis 150 m². Mieter wie Eigentümer profitieren im Energieeffizienzhaus 55 vom hohen Schallschutz, dem geringen Wärmeverbrauch und der nachhaltigen Bauweise. „Ich finde die Gestaltung mit Beton sehr ansprechend, das Haus wirkt wie ein klassisches, altes Gebäude aus Stein“, erläutert Baubetreuer Hartmut Fritz vom architekturmagazin3.
Das Büro am3 plante den Wohnungsbau aus doppelschaligen Betonelementen mit integrierter Kerndämmung. Diese Betonfertigteilelemente werden je nach Hersteller in unterschiedlichen Höchstmaßen vorgefertigt und just in time auf die Baustelle geliefert. In Tübingen stellte das Bauunternehmen Koch & Mayer aus Metzingen die einzelnen Fertigteile von Kemmler mittels Baustellenkran geschosshoch aufeinander und goss sie vor Ort mit Transportbeton aus.
Beispielhafter Wohnungsbau
Schon früh hat sich die prosperierende Universitätsstadt einen Ruf als Hochburg der Baugemeinschaften gemacht. Idee der Baugruppen war zunächst, eigen genutzten Wohnraum ohne Investor direkt mit Architekten zu schaffen. Schon oft wurden ungewöhnliche Areale, etwa Industriebrachen oder Konversionsgebiete, genutzt. Diese Konzeption hat sich als erfolgreich erwiesen, auch weil Städte wie Tübingen ihren Baugrund nicht an den Höchstbieter vergeben. Als Mittel vorausschauender Stadtplanung verkaufen sie gemäß einem gutachterlichen Schätzpreis an das beste Konzept. Ein Vorteil, so Architekt Fritz, den sich in jüngster Zeit verstärkt eine gut situierte Mittelschicht zunutze macht. Geringverdiener kommen so kaum mehr an kostengünstigen Wohnraum oder gar Wohneigentum.
Aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus stärken die Mitglieder von architekturmagazin3 nun mit verschiedenen Bauvorhaben den Gedanken des sozialen Wohnungsbaus. In Eigeninitiative schaffen sie mit Baugemeinschaften Bauten mit Mietobergrenzen gerade für Bewohner unterhalb einer bestimmten Einkommensstufe. Als Gegenleistung für diesen privat geförderten Sozialwohnungsbau hat die Stadt Tübingen den Grundstückspreis beim aktuellen Projekt um 25% reduziert. Damit sich der Bau auf hohem baulichem Niveau dennoch rechnet, wurden drei großen Penthouse-Wohnungen in den oberen beiden Stockwerken und verschiedene Wohnungen für Familien oder Studenten in den unteren Geschossen konzipiert. Die Wohnungen erwirtschaften eine Rendite, sind allerdings mit für Tübingen moderaten Mietpreisen nicht so spekulativ zu vermarkten, wie das derzeit möglich wäre.
Nach der positiven Erfahrung mit dem Turmhaus planen die Architekten von am3 bereits mehrere nächste Gebäude, die bis zu 50% „richtige“ Sozialwohnungen für Mieter mit Wohnberechtigungsschein integriert haben. Dass sich die Wohnungen in gleicher Qualität und attraktiver Architektur allenfalls in Größe und Zuschnitt voneinander unterscheiden, ist Teil des Konzepts, das soziale Ausgrenzung verhindern hilft.
Bauen mit Fertigteilen
„Man muss sich beim Bauen mit Betonfertigteilen bereits beim Entwurf auf das System einlassen“, erläutert Hartmut Fritz. Das System Syspro, die Thermowand mit zwei Betonscheiben mit Kerndämmung und Verbindungselementen aus Edelstahl oder glasfaserverstärktem Kunststoff, wird beim Rohbau ausgeschrieben und über den Bauunternehmer angeboten. Es wird vor Ort errichtet und je nach statischen Anforderungen mit mindestens 7 cm Kernbeton ausgegossen. Bereits in der Entwurfsphase sei es sinnvoll, den Hersteller direkt mit ins Boot zu nehmen, meint Fritz. Dann können die Details, Eckausbildungen oder Fensteranschlüsse von vornherein passgenau geplant werden.
„Man muss die Wand wie ein Mauerwerk und nicht wie eine aussteifende Betonwand betrachten“.
Die Entwurfs- und Ausführungsplanung erfolgte seitens der Architekten. „Das muss in engster Zusammenarbeit mit dem Hersteller erfolgen“, so Fritz, der auch den nächsten Geschosswohnungsbau mit den vorgefertigten Thermowänden plant. Hersteller Kemmler gleicht die fertigen Pläne dann mittels Bauteilplanung für die Produktion ab. Die aussteifende Konstruktion des Bauwerks übernehmen beim Tübinger Projekt verschiedene massive Stahlbetonscheiben im Innern des Hauses.
Alle Syspro-Elemente wurden geschosshoch montiert. Die innere Betonscheibe dient mit dem Betonverguss der Lastabtragung, die äußere schützt als fertige Fassade dauerhaft die integrierte Dämmung. Die massiven Decken liegen auf der Innenschale auf und zeichnen sich mit horizontal montierten Betonfertigteilen zwischen den aufstrebenden Wandflächen ab.
Für die Architekten ist die Fertigteilbauweise mit etwas höherem Planungsaufwand verbunden. Wett machen dies ein zügiger, wetterunabhängiger Bauablauf und eine Fassade, die dem Nachhaltigkeitsgedanken des Architekturbüros am3 durch dauerhafte Haltbarkeit und Optik entspricht.
Außerdem müssen nach dem Aufbau keine Folgegewerke an der Fassade bauen, eine spätere Sanierung der Fassade, wie dies bei Putzflächen nötig wird, ist hier nicht erforderlich.
Mit der Syspro-Thermowand lassen sich wie in Tübingen Energieeffizienzhäuser 55 oder Passivhäuser realisieren. Verschiedene Wandstärken (30/36/40/42 cm) mit integrierten Dämmungen bis zu 240 mm sind je nach Anforderung möglich. Viele Architekten nutzen die graue Außenschale mit schalungsglatten Oberflächen, die von der Betongüte C 40/50 zeugen, zur bewussten Fassadengestaltung. Tatsächlich könnten diese Häuser jedoch auch gestrichen oder verputzt werden. Das authentische Ergebnis kann sich sehen lassen: Moderne Wohnarchitektur verbunden mit Bestwerten an Energieeffizienz und Schallschutz.
Architekten:
Hartmut Fritz, Baubetreuung, architekturmagazin3 am3 – Freie Architekten, Tübingen
Kurt Baisch, Hartmut Fritz, Bernd Wezel, Simon Maier
Projektarchitekten: Simon Maier, Bernd Wezel


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