Neubau eines Bürogebäudes mit Einzelhandel in Hamburg

Prägnanter Brückenschlag

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Das neue Geschäftshaus in der Hamburger Innenstadt schließt eine Lücke inmitten historischer Backsteinbauten. Für den architektonischen Brückenschlag zwischen alt und neu wurde mit Klinker ein Fassadenmaterial gewählt, das sich in Kombination mit zeitgemäßer Formensprache harmonisch in die bestehende Baustruktur einfügt.

Anforderung:

Als Neubau wahrnehmbare, eigenständige Gestaltung bei gleichzeitiger Einbindung ins historische Gesamtbild

Lösung:

Traditionelle, orts-typische Klinker gepaart mit raumhohen Fenstern und filigranen Fensterprofilen


Dipl.-Ing. Claudia Närdemann | jo

Zwischen den denkmalgeschützten Gebäuden der Alten Post und der Galleria Passage in der innerstädtischen Hamburger Einkaufsmeile „Große Bleichen“ entstand das neue Geschäftshaus mit Einzelhandelsnutzung nach einem Entwurf von Tchoban Voss Architekten. Das sechsgeschossige Gebäude schließt eine 80 m tiefe und nur 14 m breite Baulücke.

Die Anforderungen waren vielschichtig. Einerseits sollte sich der Neubau in das Gesamtbild der Einkaufsmeile einfügen und zwischen den unterschiedlich hohen Nachbargebäuden vermitteln. Andererseits sollte er durch eine prägnante Gestaltung einen weiteren wichtigen Stadtbaustein in der Hamburger Innenstadt bilden.

Für die Fassade wählten die Architekten mit Klinker ein für Hamburg typisches Baumaterial, das auch das Straßenbild prägt. Die Geschosshöhen der angrenzenden Gebäude wurden aufgenommen. Großflächige Fenster in Kombination mit schmalen Lisenen und Geschossgesimsen im Bereich der Decken strukturieren die Fassade. Ab dem 3. OG lösen sich die durchgehenden Gesimse auf. Sie enden mitten in der Fassade und bilden dort abgewinkelte Abschnitte. Dahinter laufen die Lisenen über zwei Geschosse durch. Zusammen mit dem zurückgesetzten Dachgeschoss entsteht so eine optische Staffelung, die zwischen alt und neu vermittelt. Das gestalterische Spiel mit den unterschiedlichen Traufhöhen der Nachbargebäude verleiht dem Neubau seinen Charakter.

Kein Stein wie der andere

Bei der Auswahl des Klinkers entschieden sich Planer und Bauherr für den „D34“ von Petersen Tegl im Dänischen Normalformat DNF 228 x 108 x 54 mm. Das Unternehmen verarbeitet vor allem Ton aus der unmittelbaren Umgebung des Ziegelwerks. Die eingesetzten Techniken für die Herstellung der wassergestrichenen Kohlebrandziegel spiegeln die Verarbeitungsmethoden aus der Zeit wider, als sie noch von Hand gefertigt wurden. Durch das Brennen der Ziegel mit Kohle entsteht ein individuelles, nuanciertes Farbenspiel. Kein Stein ist wie der andere. Die Art der Fertigung verleiht dem Ton eine Textur mit Kapillaren und Poren. Eindringendes Wasser, das zu Eis gefriert, kann sich ausdehnen, ohne den Stein zu zerstören.

Schmale Ansichtsbreiten

Raumhohe Fenster mit dezenten Rahmen aus eloxiertem Aluminium erzeugen im Inneren viel Tageslicht. Zum Einsatz kam hier das Aluminium-Fenstersystem „AWS 75 Si“ von Schüco. „Si“ steht für Super Insulation. Mit einem Wert von Uf = 1,3 W/m²K (Ansichtsbreite 117 mm) und erweitertem Profilsortiment erfüllt es zukünftige Wärmedämmstandards, aber auch architektonische Anforderungen an Transparenz und Gestaltungsfreiheiten bei nur 75 mm Bautiefe. Flächenbündige Flügel- und Rahmenprofile sorgen für eine harmonische Außenoptik mit schmalen Ansichtsbreiten.

Sonnen- und Blendschutz

Aufgrund der großflächigen Fenster wurde ein besonderes Augenmerk auf den Sonnenschutz gelegt. Für die Verglasung wählten die Planer das Sonnenschutzglas „Saint Gobain Cool Lite ST“ mit einem U-Wert von bis zu 0,7 W/m²K und einem Schalldämmwert von 35 dB. Bei diesem Glas werden mehrere Metallschichten durch Vakuum-Kathodenzerstäubung auf das Klarglas „SGG Planiclear“ aufgebracht. Das Herstellungsverfahren und die Art des aufgesputterten Materials verleihen dieser Beschichtung eine besondere Beständigkeit und Haltbarkeit.

Für einen wirksamen Blendschutz wurden Außenraffstores gewählt. Sie dunkeln nicht nur ab, sondern lenken und dosieren das Tageslicht nach den Wünschen der Nutzer. Eingesetzt wurde der robuste „ARB 80 WS“ von Hella, der Funktion und Design vereint. Mit seinen randgebördelten, 0,45 mm starken und 80 mm breiten C-Lamellen bietet er zusätzlich zum Sonnen-, Sicht- und Hitzeschutz eine hohe Windstabilität. Der Raffstore hält bis zu 72 km/h stand. Dafür sorgen neben kombinierter Schienen- und Seilführung eine beschwerte Unterschiene, Doppelfederspannbügel und zusätzliche Windsicherungen.

Mit ihrem Entwurf schaffen Tchoban Voss Architekten eine gelungene Symbiose von zeitgemäßer Architektur und den historischen, baulichen Strukturen des Ortes. Das Gebäude vermittelt nicht nur zwischen alt und neu, sondern setzt auch einen eigenen Akzent im Stadtbild des Hamburger Viertels.


Bauherr: Aachener Grundvermögen Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, Köln

Architekten: Tchoban Voss Architekten GmbH, Hamburg, Berlin, Dresden (LPH 1–8)
www.tchobanvoss.de

BGF: 6 652m2

Fertigstellung: Ende 2018

Auszeichung: BDA Hamburg Architekturpreis 2018, 3. Preis


Stimmen

Architekt Ekkehard Voss, Geschäftsführender Partner, Tchoban Voss Architekten: „Das ungewöhnlich tiefe Gebäude kann ungeachtet der geringen Fassadenanteile durch seine Oberflächenstruktur und die verbindenden Elemente von beiden Seiten als Einheit wahrgenommen werden.“

Architekt Christoph Klüsserath, Assoziierter Partner, Tchoban Voss Architekten: „Zeitgemäß in der Formfindung, traditionell in der Materialwahl – mit dem typischen bräunlich-roten Klinker ist der Neubau eine gelungene Ergänzung in der Hamburger Innenstadt.“


Vormauerziegel und
Klinker nach DIN 105–100

Grundlage für die Planung und Ausführung von Ziegelverblendschalen ist die aktuelle Mauerwerksnorm DIN 1053–1, Ausgabe 96.


Mehr zum Thema

  • Klinkerfassaden

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