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Notentwässerung bei barrierefreien Außenzugängen

Genutzte Dachflächen
Barrierefrei entwässert

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Bodentiefe Tür- und Fensteranlagen haben zugenommen, die Häufigkeit extremer Wetterereignisse leider auch. Niedrigschwellige Eintrittsbereiche und anstauender Starkregen sind eine unglückliche Kombination. Eine Haupt- und Notentwässerung, die aktiv wird, ehe sich der Regen den Weg ins Gebäude sucht oder die Statik der Flachdachbereiche an ihre Grenzen kommt, ist wichtiger als je zuvor.

Anforderung:

Barrierefreie Übergänge auf genutzten Flachdachbereichen vor Eindringen von Regenwasser schützen

Lösung:

Richtlinienkonform planen mit Drain-Lösungen für jede Situation: Kastenrinne, Revisionsschacht, Entwässerungsrost


Dipl.-Ing. Rainer Pieper, Prokurist und Technischer Leiter Sita Bauelemente GmbH, Rheda-Wiedenbrück | be

Barrierefreie Wohnkonzepte mit bodentiefen Tür- und Fensteranlagen bestimmen die heutige Architekturlandschaft. Entwässerungstechnisch betrachtet sind diese großflächigen Öffnungen im Gebäudekörper ein potenzieller Risikofaktor für Wasserschäden. Kommt es bei einem Starkregenereignis zu einer Überlastung der Regenentwässerung und zu einem Wasseranstau vor Fenstern und Terrassentüren, sind Wassereinbrüche vorprogrammiert. Bei großen Flachdächern stellt ein schwergewichtiger Wasseranstau zudem Abdichtung und Statik auf die Probe. Abgesehen davon, dass eine Notentwässerung lt. DIN 1986–100 Pflicht ist, bedeutet ihre richtige Berechnung und Positionierung aktive Schadensvorsorge.

Barrierefreie Übergänge mit Notentwässerung

Die Königsdisziplin bei der Entwässerung genutzter Dachflächen sind Terrassen und Balkone mit schwellenlosen bzw. schwellenarmen Ausgängen (barrierefreie Übergänge). Sie sind nach den Flachdachrichtlinien Pkt. 4.4 (3) abdichtungstechnische Sonderlösungen, für die auch entwässerungstechnische Sonderlösungen gefunden werden müssen. Grundsätzlich ist diese Bauweise eine Sonderkonstruktion, die zwischen Planer, Ausführenden und Bauherrn gemeinsam abzustimmen ist.

Für einen Wasseranstau gibt es mehrere Ursachen. Oft reicht schon ein Stark- oder Gewitterregen, um den Wasserspiegel auf Balkonen und Terrassen zwar nur temporär, aber blitzschnell ansteigen zu lassen. Im worst case gibt es einen Rückstau aus dem überlasteten Kanalsystem. Und manchmal ist einfach nur der Zulauf der Hauptentwässerung verstopft, eine Laubansammlung kann hier schon ausreichen, um die Ablaufleistung des Gullys zu vermindern oder ganz zu verhindern.

Es steht außer Frage, dass eine Notentwässerung Pflicht ist. Die DIN 18531, Teil 1 bezieht hier ganz eindeutig Stellung. Unter Pkt. 6.6 Dachentwässerung heißt es: „Bei Dachterrassen mit geschlossener Brüstung sind Notüberläufe so anzuordnen, dass bei Verstopfung des Ablaufs die Türschwelle nicht überstaut werden kann.“ Einen Lösungsansatz schildert DIN 18531–3: „Für barrierefreie Türanschlüsse und Anschlüsse mit verringerter Anschlusshöhe sind geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Spritzwasserbelastung und Stauwasser im Anschlussbereich, z. B. Entwässerungsrinnen mit Rostabdeckungen vorzusehen.“

Statistik als Infoquelle

Hinterläufigkeit des Abdichtungsrandes am Schwellenprofil und Hinterläufigkeit des Abdichtungsrandes im Bereich der Leibungen, diese beide Schadensfälle stehen in der Statistik ganz oben. Statistiken, die die Hauptursachen der Schadensfälle sichtbar machen, liefern auch Informationen, wo bei der Prävention anzusetzen ist. Fehlende Gitterroste und Drainage, mangelhafte oder nicht vorhandene Entwässerung sowie ein unzureichendes Gefälle führen über kurz oder lang zum Wasserschaden.

Ist Wissen und Bewusstsein für diese Problematik vorhanden, lassen sich Regenwasserschäden gut vermeiden. Ein Gefälle kann beispielsweise durch die Neigung der Tragkonstruktion, durch eine zusätzliche Gefälleschicht (z. B. Gefälleestrich) oder durch eine Gefälledämmschicht erzielt werden.

Vier Anschlussbereiche

Je nach Anschlusshöhe an Tür- und Fensteranlagen (gerechnet ab Oberfläche des Belages/der Abdichtung von genutzten Dachflächen) wird in vier unterschiedliche Bereiche unterteilt. Klar ersichtlich ist der Trend zu barrierefreier Bauweise, die auch den Anforderungen an senioren- und behindertengerechte Zugänge entspricht. Mit der Reduzierung der Schwellenhöhen steigt die Lebensqualität der Bewohner, aber auch das Risiko von Wassereinbrüchen bei Extremwettern.

1. Bereich: Anschlusshöhen ≥ 15 cm

Der Klassiker, der dem Regen durch eine hohe Schwelle auch die größte Zugangssperre entgegensetzt – regelkonformer Anschluss nach DIN 18531 und Flachdachrichtlinie.

2. Bereich: Anschlusshöhe 15 und ≥ 5 cm

Ein regelkonformer Anschluss nach DIN 18531 und Flachdachrichtlinie, der aber schon Zusatzmaßnahmen, z. B. Einsatz eines Entwässerungsrostes, erfordert.

3. Bereich: Anschlusshöhe 5 und ≥ 2 cm
Eindeutig eine Sonderkonstruktion. Es handelt sich hier um eine Konstruktion, die in Anlehnung an die DIN 18531 und die Flachdachrichtlinie geplant und ausführt wird. Diese bauliche Sonderlösung muss mit dem Bauherrn, Planer und Bauausführenden abgestimmt werden.

4. Bereich: Anschlusshöhe 2 und ≥ 0 cm
Abdichtungs- und entwässerungstechnisch ambitioniert: Ein schwellenloser Türanschluss nach DIN 18040, der aktuell im Trend liegt. Rollstuhlbefahrbar, ohne Stolperschwellen, aber entwässerungstechnisch eine Sonderkonstruktion nach DIN 18531 und Flachdachrichtlinie. Auch der Regen hätte hier rein theoretisch ungehinderten Zugang. Daher gilt es, mit leistungsfähiger Entwässerungstechnik vor den Eintrittsbereichen Risikovorsorge zu betreiben.

Wenn die Richtlinien nicht reichen?

In jedem Fall müssen erst einmal die Forderungen der Flachdachrichtlinien nach Pkt. 4.4 erfüllt werden:

  • wannenförmiger Entwässerungsrost oder eine vergleichbare wannenbildende Konstruktion, ggf. beheizbar mit unmittelbarem Anschluss an die Entwässerung.
  • Gefälle (min. 2 %) der wasserführenden Ebenen.
  • Schlagregen- und Spritzwasserschutz durch Überdachung.
  • Türrahmen mit Flanschkonstruktion
  • zusätzliche Abdichtung im Innenraum mit gesonderter Entwässerung.

Zusätzlich empfiehlt Sita weiterführende Maßnahmen, die die Sicherheit auch bei extremen Regenereignissen erhöhen, zum Beispiel:

  • Plattenbelag auf Stelzlager mit offenen Fugen 3 mm.
  • Für alle Regenfälle: Auslegung der Notentwässerung für kompletten Jahrhundertregen. Die Art der Entwässerung, die Anzahl der Abläufe und deren Anordnung sowie die Montage sind gesamtplanerisch zu betrachten. Sie müssen auch im Zusammenwirken und unter Berücksichtigung angrenzender Gewerke betrachtet werden.
  • Sicherheitsreserve: Ein Freibord von 20 mm oberhalb der Druckhöhe der Notentwässerung.
  • Schutz durch ein Vordach.
  • Nachschauen, ehe sich Schäden zeigen. Es empfiehlt sich ein halbjährliches Wartungsintervall, bei dem die Anlage gereinigt wird und defekte, bzw. fehlende Teile ersetzt werden können.

Wenn die Praxis neue Leitlinien braucht

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Normen und Leitlinien, aber immer noch Infolücken, die Planende und Ausführende mit ihren Fragen allein lassen. Dies gilt insbesondere für Planungs- und Ausführungsdetails bei Balkonen, Loggien und Terrassen – also die Anforderungen an die Entwässerung von Niederschlagswasser auf genutzten Dächern.

Mit der DIN 1986–100 wurden bereits im Jahr 2001 detailliertere Regelungen für die Regenentwässerung von flachen Dächern definiert. Seit 2016/2017 sind auch neue Forderungen nach den Flachdachrichtlinien, aber auch der DIN 18531 der Entwässerung bekannt. Diese Regelwerke flankieren die Regenentwässerung, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Die beschriebenen Normen und Regelwerke präzisieren die Entwässerung, speziell im Bereich genutzter Dachflächen nicht. Um der Praxis Rückhalt zu geben, entwickelte Sita ein werkseigenes Regelwerk: Die SitaRichtlinie kann kostenfrei angefordert werden.


Dipl.-Ing. Rainer Pieper: „Für jede Baumaßnahme gibt es heute geeignete Entwässerungslösungen, die Sicherheit in barrierefreien und barrierearmen Bereichen einbauen. Bauherren und Mieter schätzen auch die Minimierung der Spritzwasserbelastung, die Glas- und Fassadenflächen vor Verschmutzungen schützt.“


Richtlinienübersicht

  • DIN EN 12056–3 – Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden
  • DIN 1986–100 – Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke
  • DIN 18531–1 bis 5 – Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen
  • Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerkes – Flachdachrichtlinie und Merkblatt für Entwässerung
  • DIN 18040 – Barrierefreies Bauen
  • Schadensfreie niveaugleiche Türschwellen (Oswald, Abel, Wilmes)
  • SitaFibel; Broschüre Drainage; Broschüre Balkon- und Terrassenentwässerung



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