Hans-Otto-Theater in Potsdam

Markant bedacht

Die Stadt Potsdam verfügt neben vielen bekannten Bauwerken mit dem Hans Otto Theater über ein neues Highlight moderner Baukunst. Schon als Rohbau ein beliebter Anziehungspunkt, wird die neue feste Spielstätte des hochklassigen Ensembles auch über die Grenzen der Brandenburger Landeshauptstadt hinaus bekannt werden. Dafür sorgt besonders der kühne architektonische Entwurf, der Bauausführende ebenso wie Betontechnologen während der Rohbauphase auf besondere Weise forderte.

Seit September 2006 wird der vom Kölner Architekt Prof. Gottfried Böhm entworfene Theaterneubau an der Schiffbauergasse regulär bespielt. Damit endet die bereits seit Kriegsende andauernde Kette von Provisorien. In Zeiten, wo die Bundeshauptstadt ihre Theater zu Stiftungen zusammenfasst oder aber privaten Betreibern überlässt, setzt das Land Brandenburg mit dieser 26 Mio. Euro teuren Investition ein besonderes Zeichen. Denn das eigenwillige Gebäude drückt mit seinen drei markanten Flugdächern Selbstbewusstsein aus und ist gleichzeitig ein Bekenntnis der Landeshauptstadt zu Kunst und Kultur in fortgeschriebener Tradition.
Unikat in Beton
Auch wenn die Verhandlungen zum Beton zwischen dem bauausführenden Unternehmen und den Betontechnologen der liefernden Trabet Transportbeton Berlin GmbH ursprünglich ohne Besonderheiten über die Bühne gegangen sind, wurde es speziell bei der Entwicklung der Betonrezeptur für die Dächer nochmals knifflig. Schließlich stellte die monolithische Herstellung der drei übereinander liegenden geschwungenen Dachkonstruktionen aus Beton eine weit anspruchsvollere Aufgabe dar, als der vorangegangene Bau des Bühnenturms. Für die Herstellung der drei wellenförmig geschwungenen Dächer mit Flächenmaßen von 1 000, 700 und 600 m² waren ca. 800 m³ Beton erforderlich. Die Frage war nur, welcher Beton?
Gefordert war „Sichtbetonqualität“, doch zum Verhandlungszeitpunkt im vierten Quartal 2003 war das DBV-Merkblatt „Sichtbeton“ noch gar nicht veröffentlicht.
Daneben gab es ein weiteres, viel maßgeblicheres Problem. Nicht nur die Unterseite, sondern auch Teile der Oberseite jedes Daches sollten Sichtbetonqualität aufweisen. Da Dächer allerdings über definierte Neigungen verfügen, im vorliegenden Fall bis zu ca. 45°, widersprachen die architektonischen Anforderungen sämtlichen Regeln der Betontechnologie. Wenn eine SVB-Variante wie im beschriebenen Fall technisch ausgeschlossen ist, weil eine gedeckelte Schalung aus Gründen der Ästhetik nicht möglich gewesen wäre, sollte Sichtbeton doch zumindest mit einem fließfähigen Beton hergestellt werden können. Dies wiederum war wegen der starken Neigung der Bauteile unmöglich, denn der Beton sollte schließlich in gleichmäßiger Stärke auf dem Dach liegen bleiben.
Gefragt waren also individuelle Lösungen. Die Spezialisten von Trabet prüften sämtliche betontechnologischen Aspekte, wie gleichmäßige Konsistenzen, mehlkornreiche Betone und anderes und führten zahlreiche Testreihen aus.
Bis zu 60 m² große Probeflächen wurden hergestellt, um neben dem Beton auch für die Wahl der Schalung und des Trennmittels Sicherheit zu erlangen.
Vom Versuch zur Realität
Bevor es an die großen Dachflächen ging, war im Foyer ein Dach mit einer Neigung von 15° zu betonieren. Die Konsistenz des gewählten B45, nach neuer Norm ein Beton C35/45, wurde hier im mittleren Bereich der Klasse F3 gefahren.
Als Größtkorn wurde ein Zuschlag bis 8 mm gewählt. Auch wenn dieses Dach ohne größere Probleme hergestellt wurde, zeigte sich doch deutlich, dass mit den gleichen Konsistenzen um 450 mm bei den Betonagen der steileren Dächer keinesfalls gearbeitet werden kann.
Nachdem die Schalungsbauer in einer Meisterleistung eine spezielle Unterkonstruktion und darüber eine Spar- und Brettverschalung hergestellt und die außergewöhnliche wellenförmige Dachkonstruktion für das erste Dach nachgebildet hatten, wurde zunächst dieses untere, größte Dach mit einer Neigung um 25° hergestellt.
Dabei bewährten sich die Ergebnisse und Erfahrungen aus der Herstellung der Probeflächen hinsichtlich Schalung und Trennmittel. Dieses flach geneigte Dach stellte ebenfalls an die Gleichmäßigkeit des Betons hohe Anforderungen. Die aus der Vielzahl der Versuche ermittelten Parameter ließen den Einsatz eines Betons mit einem Größtkorn von 16 mm und einer Konsistenz von 420 mm als beste Wahl erscheinen. Konsistenzschwankungen wurden zwischen 380 und 420 mm zugelassen. Unterhalb dieser Grenze war das Material kaum noch zu pumpen und oberhalb bewegte sich der Beton nach unten.
Flankiert von diesen zahlreichen ungewöhnlichen Herausforderungen ist es gelungen die drei zwischen sieben und 40 cm starken Dächer mit Neigungen zwischen 15° und 45° fertig zu stellen. Betoniert wurde bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen im Juni, August sowie Oktober 2004 und lediglich an Tagen mit einer Regenwahrscheinlichkeit bis maximal 10 Prozent.
Zwanzig Stützen tragen das größte untere Dach, weitere auf das jeweils untere Dach montierte Stützen die Dächer darüber.
Weitere Informationen
Transportbeton bba 539
Architekt: Prof. Gottlieb Böhm, Köln

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