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Brandschutzkonzept für Holz-Fünfgeschosser

Neubau eines Appartement-Hauses in Herzogenrath
Brandsicherer Holz-Fünfgeschosser

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In der Region Aachen entstand ein fünfgeschossiges Boardinghouse in Holzbauweise mit 59 barrierefreien Appartements. Dank einer brandschutztechnisch wirksamen Bekleidung der tragenden und nichttragenden Innen- und Außenwände aus Gipsfaser-Platten konnte dabei ein von der Landesbauordnung NRW abweichendes Brandschutzkonzept realisiert werden. Es gewährleistet mit dem geforderten Sicherheitsniveau gleichzeitig hohe Wirtschaftlichkeit.

Anforderung:

Mehrgeschossiger Holzbau mit konstruktiven Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz

Lösung:

Feuerbeständige Ausführung der Wände durch Einkapselung mit Gipsfaser-Platten: F60-B K260


Rita Jacobs | be

Die Generation der young urban professionals ist beruflich viel unterwegs. Gewohnt wird häufig in modernen Boardinghouses, die kurzfristig verfügbaren, komfortablen Wohnraum für eine begrenzte Zeit bieten. In diesen nachgefragten Appartement-Hotels können die Gäste auf kleinem Raum wohnen, arbeiten, kochen, essen und schlafen.

Jetzt hat die myBoardinghouse Herzogenrath GmbH & Co.KG. in Zusammenarbeit mit der Bauprojektentwicklung Schwarz Immo GmbH auf einem zentralen, in Bahnhofsnähe gelegenen Grundstück in Herzogenrath ein fünfgeschossiges Appartementhaus in Holzbauweise gebaut. Insgesamt 59 Appartements mit Größen zwischen 32 m² und 52 m² sind hier auf einer Grundfläche von ca. 1 270 m² untergebracht. Jeweils 16 Wohneinheiten sind im EG, im 1. und 2. OG angeordnet. Im 3. OG befinden sich neun Appartements sowie Technik- und Wasch- bzw. Trockenräume. Zwei weitere rollstuhlgerechte Appartements sind im 4. OG eingeplant.

Holzkonstruktion inklusive Brandschutzkonzept

Der vom Architekturbüro Claudia Weber aus Geilenkirchen zusammen mit dem Holzbau-Sachverständigen Stefan Schebesta geplante Bau wird über zwei Treppenhäuser auf der Nord- bzw. Südseite erschlossen. Sie wurden ebenso wie der Aufzugschacht im nördlichen Treppenhaus in Stahlbetonbauweise erstellt. Über eine seitliche Rampe erfolgt der barrierefreie Zugang .

Die Wände der einzelnen Geschosse entstanden in Holzrahmenbauweise. Dabei wurden die tragenden und nichttragenden Innen- und Außenwände mit einer brandschutztechnisch wirksamen Bekleidung aus fermacell Gipsfaser-Platten realisiert. Die Holzmassivdecken zeigen eine sichtbare Untersicht.

Brandschutzkonzept

Mit einer Abmessung von ca. 46,18 m x 27,51 m sowie einer Fußbodenhöhe des obersten Aufenthaltsraumes von 12 m über Straßenniveau und Nutzungseinheiten von 400 m² wird das Gebäude gemäß der zum Zeitpunkt der Antragstellung gültigen BauO NRW 2000 als Gebäude mittlerer Höhe eingestuft und entspricht damit Gebäudeklasse 4.

Nach § 29 Abs. (1) der BauO NRW 2000 müssen in dieser Gebäudeklasse tragende Wände, Pfeiler und Stützen feuerbeständig, also in F90-A-Qualität hergestellt werden. Das bedeutet, dass die tragenden und aussteifenden Teile aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen müssen. Geplant war jedoch, die fünf oberirdischen Geschosse des Gebäudes in Holzmassivbauweise auszuführen.

Das Sachverständigenbüro Dehne, Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG aus Braunschweig hat dazu ein individuelles Brandschutzkonzept erarbeitet, das von diesen Vorgaben abweicht. Auf Basis einer umfassenden Risikobewertung für das Bauvorhaben wiesen die Sachverständigen im individuellen, ganzheitlichen Brandschutzkonzept nach, dass durch geeignete Kompensationsmaßnahmen und durch bauliche und anlagetechnische Maßnahmen die allgemeinen bauaufsichtlichen Schutzziele der Bauordnung NRW auch dann erreicht werden, wenn tragende Wände, Pfeiler und Stützen nicht in F90-A-Qualität ausgeführt werden.

Als Begründung verwiesen sie auf die beiden massiven Treppenhäuser. Damit kann in den unteren Geschossen die Forderung nach zwei voneinander unabhängigen, möglichst entgegengesetzt liegenden Flucht- und Rettungswegen erfüllt werden, die mit Längen von maximal 32 m unter den zulässigen 35 m bleiben. Lediglich im Dachgeschoss ist der zweite Fluchtweg über die Dachterrassen mit Drehleitern der Feuerwehr zu gewährleisten.

Die Sachverständigen verwiesen darauf, dass die Holztragkonstruktion wegen fehlender Einkapselung der Holzdecke durch nichtbrennbare Bekleidungen früher am Brandgeschehen teilnimmt. Dieses Risiko wird jedoch durch die kleinen und übersichtlichen Nutzungseinheiten von 32 bis 52 m² minimiert, die mit hochfeuerhemmenden Trennwänden abgeteilt werden.

Dies und die flächendeckende Installation von Rauchwarnmeldern ermögliche es, einen eventuellen Brand schnell zu entdecken. „Durch die Kleinteiligkeit der Wohneinheiten“, heißt es im Gutachten, „wird die Brandbekämpfung bzw. das Auffinden vermisster Personen im Brandfall erheblich erleichtert.“

Hoch-feuerhemmend

In Kombination mit diesen anlagetechnisch-organisatorischen Maßnahmen halten die Sachverständigen eine von der BauO NRW 2000 abweichende hochfeuerhemmende statt feuerbeständige Ausführung der tragenden und aussteifenden Wände für unbedenklich, die durch Bauteile in F60-B K260 sichergestellt werden kann.

Eine Entzündung der Holztragglieder vor der 60. Minute kann damit zuverlässig ausgeschlossen werden. Gleichzeitig dient die Anforderung K260 dazu, einen Brandeintrag in die Bauteile bei einem Brandereignis in einer Nutzungseinheit zu verhindern und den zusätzlichen Eintrag von Brandlasten auszuschließen. „Damit“, so die Sachverständigen, „besteht für mindestens 60 Minuten nach Brandbeginn eine Gleichwertigkeit der Konstruktion zu einer massiven Stahlbeton- oder Mauerwerksbauweise.“

Die Decken werden ebenso wie die Außenwände statisch auf Abbrand mit einem Feuerwiderstand von 60 Minuten bemessen. Die Außenwände erhalten abweichend eine brandschutztechnisch wirksame Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen in K230 gemäß DIN EN 13501–2 in Anlehnung an die Musterholzrichtlinie. Eine Entzündung vor der 30. Minute kann damit zuverlässig ausgeschlossen werden.

Wandkonstruktionen

Umgesetzt wurden die Vorgaben des individuellen Brandschutzkonzeptes mit fermacell Gipsfaser-Platten von JamesHardie. Sie gewährleisten je nach Konstruktion Brandschutz bis zur Feuerschutzklasse F120 und sind gemäß DIN EN 13501 als nichtbrennbarer Baustoff der Baustoffklasse A2 klassifiziert. Neben dem geforderten Brandschutz werden zudem alle Anforderungen erfüllt, die für moderne Wände gelten. Die Platten, durch ihre hohe Stabilität im Holzbau sowohl tragend als auch aussteifend verwendbar, bieten mit ihrer homogenen Struktur durch Faserarmierung (recycelte Papierfasern) eine hohe mechanische Beanspruchbarkeit. Sie stellen mit Material- und Verarbeitungseigenschaften, die dem Holz sehr ähnlich sind, eine gute Ergänzung zur Holzunterkonstruktion dar.

Innenwände

Sämtliche Wohnungstrennwände sowie die Trennwände zwischen den Nutzungseinheiten und anders genutzten Räumen wurden gemäß Brandschutzgutachten als tragende Holzwände in F60-B und K260 Kapselung hergestellt. Sie erhielten beidseitig doppelte Beplankung aus 1 x 15 mm und 1 x 18 mm fermacell Gipsfaser-Platten mit Dämmung aus 30 mm bzw. 180 mm dicker Mineralwolle (Baustoffklasse A1, nichtbrennbar, Schmelzpunkt 1 000 °C) sowie 15 mm dicken Holzwerkstoffplatten.

Außenwände

Die raumseitige Beplankung der Außenwände erfolgte mit 1 x 18 mm fermacell Gipsfaser-Platten. Eine einfache Lage aus 12,5 mm dicken fermacell Gipsfaser-Platten, welche als Trägerplatte für das Wärmedämmverbundsystem dient, schließt die Konstruktion nach außen ab. Zur Dämmung im Wandhohlraum kommt 200 mm dicke Mineralwolle (Baustoffklasse A1, nichtbrennbar, Schmelzpunkt 1 000 °C) in Kombination mit einer Hochleistungs-Dampfbremse zum Einsatz. Den Abschluss der Außenwandkonstruktion bildet ein nichtbrennbares Wärmedämmverbundsystem (60 mm) mit einem 8 mm dicken mineralischen Oberputz. Die Konstruktion ist als REI 60/ K260 K230 innen klassifiziert und bietet einen Schalldämmwert von Rw[dB]=47.


Projekt: Boarding House mit 59 Appartements für Kurzzeitwohnen

Investor/Bauherr: myBoardinghouse Herzogenrath GmbH & Co.KG. in Zusammenarbeit mit Bauprojektentwicklung Schwarz Immo GmbH

Planung: Architekturbüro Claudia Weber, Geilenkirchen, in Zusammenarbeit mit dem Holzbau-Sachverständigen Stefan Schebesta, Eschweiler
www.cwarchitektur.de
www.holzbau-sachverständiger.de

Brandschutzplanung: Dehne, Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG, Braunschweig
www.kd-brandschutz.de

Holzbau: ADAMS Holzbau-Fertigbau GmbH, Niederzissen


Sachverständige von Dehne, Kruse Brandschutzingenieure GmbH & Co. KG: „Zur Kompensation der Verwendung brennbarer Baustoffe für die tragenden und aussteifenden Wände erhalten diese eine Brandschutzbekleidung der Kapselklasse K260 gemäß DIN EN 13501–2 in Anlehnung an die Musterholzrichtlinie.“


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