Experimentaleinheit UMAR konsequent ressourcenschonend erbaut

Werner Sobek: „Ein Umdenken im Bauwesen ist dringend erforderlich!“

Auf dem Campus des schweizerischen Forschungsinstituts Empa eröffnete Anfang Februar die Experimentaleinheit „Urban Mining & Recycling“ (UMAR): ein aus wiederverwendbaren, wiederverwertbaren oder kompostierbaren Materialien konstruiertes Wohnmodul, das aus drei Räumen besteht. Der Entwurf stammt von Werner Sobek mit Dirk Hebel und Felix Heisel.

„Das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung und zur Neige gehende Ressourcen erfordern dringend ein Umdenken im Bauwesen“, sagt Werner Sobek. Der in Stuttgart ansässige Architekt und Ingenieur gilt als Pionier des nachhaltigen Bauens und widmet sich dieser Aufgabe mit zahlreichen Projekten in Forschung und Lehre.

Auch sein jüngstes Vorhaben – die neu eröffnete, experimentelle Wohneinheit UMAR, Teil des Forschungsgebäudes NEST auf dem Campus der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) im schweizerischen Dübendorf – ist von globalem Interesse und mit verschiedenen Institutionen verbunden. Das Projekt zeigt, dass es möglich ist, verantwortlich mit den verfügbaren Ressourcen umzugehen und zugleich eine ansprechende Architektur zu schaffen – eines der wichtigsten Anliegen von Werner Sobek.

Wiederverwendbar, wiederverwertbar oder kompostierbar

Sämtliche zur Herstellung eines Gebäudes benötigten Ressourcen müssen vollständig wiederverwendbar, wiederverwertbar oder kompostierbar sein – das ist die dem Entwurf der UMAR zugrundeliegende These. Eine zentrale Rolle spielt die Kreislaufwirtschaft: Die verwendeten Materialien werden nicht verbraucht und dann entsorgt; sie sind vielmehr für eine bestimmte Zeit aus einem technischen beziehungsweise natürlichen Kreislauf entnommen und werden später wieder in diese Kreisläufe zurückgeführt. Wiederverwendung und Wiederverwertung spielen hierbei eine ebenso große Rolle wie Recycling und Upcycling. Dies erfolgt auf systemischer wie auf molekularer beziehungsweise biologischer Ebene, z.B. durch Einschmelzen oder Kompostierung. UMAR ist so zur gleichen Zeit temporäres Materiallager und Materiallabor.

Folgende Ansätze liegen der Experimentaleinheit UMAR zugrunde:

  • Temporäres Entnehmen bzw. Entleihen statt permanentem Erwerben und Entsorgen,
  • Maximale Modularisierung und Vorfertigung,
  •  Sortenreine Entnehmbarkeit aller Materialien und Produkte.

Die Werkstoffe

Der komplett vorfabrizierte und im Werk getestete Bau ist in Modulbauweise ausgeführt. Das Tragwerk besteht ebenso wie große Teile der Fassade aus unbehandeltem Holz, das nach dem Rückbau wiederverwendet bzw. kompostiert werden kann. Die Fassade besteht darüber hinaus aus Aluminium und Kupfer. Beide Metallarten können sortenrein eingeschmolzen und rezykliert werden.

Im Innenbereich wurden verschiedenste, seriell verarbeitete Bauprodukte eingesetzt, deren unterschiedliche Materialien rückstandsfrei in ihre unterschiedlichen Stoffkreisläufe zurückgeführt werden können. Unter anderem kommen hier gewachsene Myzeliumplatten, innovative Recyclingsteine, wiederverwertete Isolationsmaterialien, geliehene Bodenbedeckungen, sowie eine multifunktionale Solarthermieanlage zum Einsatz.

Ideengeber für das ressourcenschonende Bauen von morgen

Die Unit UMAR ist nicht nur ein Materialspeicher, sondern auch ein öffentlicher Informationsspeicher, der als Vorbild und Anregung für andere Bauvorhaben dienen soll. „Wir müssen künftig mit sehr viel weniger Materialien für sehr viel mehr Menschen bauen. „UMAR will einen Beitrag zum fälligen Paradigmenwechsel im Bauwesen leisten. Das Modul dient als Laboratorium und Testlauf für ein Bauprojekt ebenso wie für den damit verbundenen Prozess. Ziel ist es, mit Partnern aus Planung, Verwaltung und Produktion zentrale Fragen des Bauwesens und des Ressourcenverbrauchs zu betrachten und daraus innovative Werkzeuge und Methoden zu entwickeln“, formuliert Werner Sobek sein Anliegen.