Neubau einer Villa in Wilhelmshorst bei Potsdam

Raffiniert gestapelt

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Mit gestalterischer und statischer Raffinesse zeigt sich diese Villa in Wilhelmshorst. Auf einem steinernen Sockelgeschoss scheint das rundum verglaste, weit auskragende Obergeschoss zu schweben. Der Kontrast der Fassadenmaterialien – Geschlossenheit versus Transparenz sowie Bodenständigkeit versus Leichtigkeit – prägt die Optik des Gebäudes.

Dipl.-Ing. Claudia Närdemann | jo

Anfang des letzten Jahrhunderts wurde das beschauliche Wilhelmshorst als Villenkolonie mitten im Wald gegründet. Durch den eigenen Bahnanschluss und die ruhige, idyllische Lage wurde daraus ein beliebter Ort der Großstädter. Bis heute hat die im Landkreis Potsdam-Mittelmark liegende, kleine Waldgemeinde nichts von ihrem ursprünglichen Charme verloren. Prägend für das Ortsbild ist, neben den vielen alten Bäumen, die Parzellierung in rund 1 500 m2 große Grundstücke, die mit Villen unterschiedlichster Architektur bebaut sind.
Auf einem länglichen großen Grundstück, das mit seiner ruhigen Lage und dem hohen Baumbestand den Charakter des Ortes widerspiegelt, wollte der Eigentümer ein großzügiges Wohnhaus für seine fünfköpfige Familie errichten. Schlicht und doch besonders sollte es sein. Wunsch des Bauherrn war es, ein Gebäude zu schaffen, das sich trotz seiner Einzigartigkeit in seine natürliche Umgebung integriert. Der Baumbestand sollte dabei weitestgehend erhalten bleiben.
Schwebender Kubus
Architekt Sergei Tchoban (Tchoban Voss Architekten) entwickelte ein Gebäude, dessen Ansichten den Betrachter zum Staunen bringen. Zwischen Buchen, Eichen und Kiefern eingebettet liegt die Villa am Ende des länglichen Grundstückes. Ein schlichter Gitterzaun fasst das Gelände ein. Er bildet eine räumliche, jedoch keine optische Grenze und lässt zum angrenzenden Wald durchblicken.
Zwei deutlich unterschiedlich gestaltete Baukörper wurden übereinander „gestapelt“. Auf dem schlichten rechteckigen Sockelgeschoss aus Ziegelsteinen liegt das quadratische, aus einer Stahlkonstruktion bestehende Obergeschoss mit einer weiten Auskragung auf.
Der Clou dabei: Das Obergeschoss liegt versetzt auf, die Überschneidung beider Geschosse beträgt lediglich 70 m2.
Durch die weite Auskragung scheint der Kubus zu schweben. Die restliche Dachfläche des Sockelgeschosses wurde als großzügige Dachterrasse ausgeführt, die einen weiten Ausblick in die umgebende Landschaft bietet.
Vom Grundstückszugang aus gesehen ist die Fassade des partiell aufliegenden Obergeschosses länger ausgebildet als die des darunterliegenden Sockelgeschosses. Auf den ersten Blick entsteht so der Eindruck einer optischen Täuschung. Eine Stütze unter dem weit auskragenden Baukörper sucht der Betrachter aber vergeblich. Mit der Auswahl der Materialien, der großzügigen rundum verlaufenden Verglasung und vor allem mit statischem Knowhow erreichte Architekt Sergei Tchoban die schwebende Wirkung des oberen Baukörpers, die das markante Bild der Villa prägt. Das Obergeschoss besteht aus einer Stahlkonstruktion mit zwei Stahl-Fachwerkträgern und entsprechenden Querträgern. Die gesamte Konstruktion wird von zwei um Boden und Decke umlaufenden Stahl-Ringen eingefasst. In den Wänden eingebrachte Stützen leiten die Kräfte aus dem gesamten Baukörper bis ins Fundament.
Material-Mix
Als Basis des Einfamilienhauses spielt das steinerne Sockelgeschoss eine zentrale Rolle. Es dient im Inneren und auch nach außen hin als verbindendes Element. Innen verbindet es die Geschosse miteinander, außen erden die Materialität und die schlichte Kubatur das Gebäude und lassen es eins werden mit seiner Umgebung.
Für das Sockelgeschoss wählte der Architekt Vormauerziegel der Ausführung „Terca Opaal“ von Wienerberger. Farbe und Textur jedes einzelnen Steines sind unterschiedlich, wodurch eine lebendige Struktur entsteht. Die rotbraun changierenden Töne mit dunklen und hellen Nuancen fügen sich farblich in die bewaldete Umgebung ein. Die Fassaden des Sockelgeschosses öffnen sich nach Süden hin mit großzügigen Fensterfronten, die aus dem Profilsystem Schüco „AWS 75 SI+“ bestehen. Bei einer Bautiefe von 75 mm hat das System in der Standardausstattung nur 117 mm Ansichtsbreite.
Die helle Aluminiumverkleidung und die Rundumverglasung verleihen dem Kubus des Obergeschosses Leichtigkeit und unterstreichen damit dessen schwebende Wirkung. Für die Fassadenpaneele wurde coilbeschichtetes Aluminiumblech verwendet. Fertigung, Lieferung und Montage der Paneele erfolgte durch die Berliner Firma Dieringer Blechbearbeitung. Im Coil-Coating-Verfahren wurden gewalzte Bänder aus Aluminium durchgehend mit Folie beschichtet.
In den raumhohen Fenstern spiegeln sich die Bäume wieder, sodass der Eindruck entsteht, durch das Gebäude hindurch schauen zu können. Baukörper und Landschaft fließen so ineinander. Für die Verglasung kam das Fenstersystem Schüco „AWS 75 SI+“ sowohl als Festverglasung als auch für die Schiebeelemente Schüco „PASK“ zum Einsatz. „PASK“ steht für Parallel-Abstell-Schiebe-Kippfenster und bietet eine komfortabel bedienbare Kombination aus Schiebetür und Kippfenster.
An der Südseite der Villa dient die weite Auskragung des Obergeschosses zugleich als Überdachung der Terrasse. Im vorderen Teil des Grundstücks befindet sich als Pendant zum Sockelgeschoss ein flaches Garagengebäude, ebenfalls mit Vormauerziegel ausgeführt.
Extravagante Treppenskulptur
Gleich beim Betreten des Hauses bietet sich ein Blick auf die eindrucksvoll, weiße Stahlwendeltreppe, die freistehend ausgeführt wurde. Die Sonderanfertigung von der LTM Nitschke & Sohn GmbH ist aus einem Stahlband gefaltet und wurde bereits im Rohbau aufgestellt. Erst nach Bauende erhielt die Treppe ihren Anstrich und die Holzstufen. Die geschlossenen Wangen betonen den skulpturalen Charakter der Treppe.
Im Erdgeschoss sind Wohn- und Essbereich, Küche, Arbeitszimmer, Garderobe, Gäste-WC und ein Hauswirtschaftsraum untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich drei Schlafzimmer, jeweils mit eigenem Ankleideraum und Bad ausgestattet. Durch die raumhohen Fenster, die rund um das Geschoss verlaufen, entstehen lichtdurchflutete Räume, die Ausblicke in die umgebenden Baumwipfel erlauben. Über eine kleine Stahltreppe wird die große Dachterrasse erschlossen. Im Untergeschoss wurde ein Spa- und Fitnessraum eingerichtet.
Der von Architekt Sergei Tchoban und Projektpartner und -leiter Philipp Bauer umgesetzte Entwurf fügt sich behutsam in den Ort ein – mit einer eigenen Architektursprache, die die Besonderheiten des Ortes widerspiegelt und sich gleichwohl von der umgebenden Bebauung abhebt.
Architekt Sergei Tchoban: „Es war mir wichtig, den Geist des Ortes einzufangen und auf eine eigenständige Weise zu interpretieren. Die in einem Kontrast zueinander gewählten Fassadenmaterialien beziehen sich gleichzeitig auf die Bestandsbauten.“
Architekten:
Tchoban Voss Architekten GmbH, Hamburg, Berlin, Dresden
Hersteller
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