Neubau eines bio-medizinischen Zentrums in Bochum

Farben des Himmels

Auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum wurde das BioMedizinZentrum Ruhr eröffnet. Der Neubau von HammesKrause Architekten stellt Hightech-Unternehmen aus Medizintechnik, Biomedizin und Gesundheitswirtschaft modernste Labor-, Werkstatt- und Büroräume zur Verfügung. Gelungenes Detail ist die bunt gepixelte Fassade aus farbigen Glastafeln.

Robert Uhde

Die Stadt Bochum zählt bundesweit zu den führenden Standorten im Bereich der Medizin und Medizintechnik. Ausgangspunkt dieser Entwicklung ist die Ruhr-Universität Bochum mit ihrer medizinischen Fakultät und ihren fünf Universitätskliniken. Direkt angrenzend an das weitläufige Universitätsgelände wurde 2007 der neue BioMedizinPark Bochum eröffnet. Das Projekt bietet auf einer Gesamtfläche von 90 000 m² Raum für Investoren und Unternehmen aus den Bereichen Biomedizin, Biochemie, Biotechnologie und Medizintechnik. Am Rande des Areals wurde 2009 das BioMedizinZentrum Ruhr eröffnet. Das im Auftrag der Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum realisierte Projekt stellt Unternehmensgründungen und jungen Unternehmen aus der Branche auf einer Fläche von insgesamt 5 350 m² flexible Labor-, Werkstatt- und Büroräume zur Verfügung.
Blickfang Außenhülle
Aus dem international ausgeschriebenen Wettbewerb für den Neubau war 2005 das Stuttgarter Büro hammeskrause architekten als Sieger hervorgegangen. Für den Standort in Bochum entwickelten die Planer einen kompakten fünfgeschossigen Baukörper mit wechselweise übereinander liegenden Büro- und Laborebenen. Drei der Ebenen wurden als Bürogeschosse, zwei als Laborgeschosse ausgebildet. Markanter Blickfang nach außen ist dabei die bunt gepixelte Außenfassade aus farbig bedruckten, jeweils 800 x 1 200 mm großen Glastafeln, die die verschiedenen Ebenen des Neubaus überspielt.
Im Bereich der Büros und Labore wurden statt der farbigen Tafeln in unregelmäßigem Rhythmus nach außen öffenbare Systemfenster (Wing 50 A/SK von Raico) eingefügt. Da die insgesamt vierhundert Fenster das gleiche Format wie die farbigen Glaselemente haben, ist in der Summe ein bewegtes, aber letztlich homogenes Raster entstanden. Die mosaikhafte Anordnung der Tafeln erinnert auf den ersten Blick an zelluläre Strukturen und thematisiert somit sinnfällig die Funktion des Gebäudes.
„Gleichzeitig spiegelt sie aber auch die flexible Grundrissanordnung und das Zusammenarbeiten der verschiedenen Unternehmen in einem gemeinsamen Zentrum wieder“, beschreibt Projektarchitekt Markus Hammes das Konzept.
Auf einer weiteren Ebene steht die insgesamt 3 150 m² große farbige Hülle außerdem im direkten Zusammenhang mit dem städtebaulichen Kontext: Die Ruhr-Universität Bochum wurde in den 1960er-Jahren mit symmetrisch angeordneten Großbauten im Stil des béton brut errichtet. Seit den 1990er-Jahren wird versucht, den oftmals tristen Eindruck der in die Jahre gekommenen Architektur durch farblich abgesetzte Außenanstriche und neue Grünflächen abzumildern. Die gleiche Strategie verfolgt auch der Neubau des BiomedizinZentrums, dessen farbige Hülle ebenfalls im Kontrast zu den massiven Sichtbetonflächen der umliegenden Universitätsbauten entwickelt wurde.
Entwurf und Ausführung der Glastafeln
Um gleichzeitig auch einen direkten Bezug zum Standort zu erreichen, wurde die Farbpalette für die Glaselemente komplett aus der Umgebung des Neubaus entwickelt.
„Als Ausgangspunkt haben wir dabei Fotoaufnahmen von dem direkt hinter dem Gebäude angrenzenden Grüngürtel verwendet und diese dann immer weiter aufgepixelt und durch Farben des Himmels sowie durch sonnige Töne ergänzt“, erklärt Markus Hammes.
„Im Rahmen der Ausschreibung wurde diese grundlegende Farbskala schließlich zu einem exakten Verlegeplan mit sämtlichen RAL-Farbcodes für die Fassade ausgearbeitet.“ Auf der Baustelle konnten die einzelnen Elemente aus ESG-Sicherheitsglas dann zusammen mit den Systemfenstern an der jeweils vorgesehenen Position in die vorhandene Pfosten-Riegel-Konstruktion eingesetzt werden. Das farbige Brüstungsglas aus Einscheiben Sicherheitsglas, ESG-H, besteht aus der rückseitig emaillierten und farbigen Isolierverglasung Sanco Silverstar Combi Neutral 61/32 von Troesch. Von Wicona hingegen ist die Pfosten-Riegel-Aluminiumfassade Wictec 50.
Der größte Teil der Glastafeln wurde ab Werk mit einer emaillierten Rückseite ausgestattet. „An einigen Stellen haben wir jedoch auch transparente Isolierverglasung eingesetzt, die dann aber rückseitig im Siebdruckverfahren weiß beschichtet wurden, um kein farbiges Licht in den dahinter liegenden Räumen zu erhalten“, so Markus Hammes. „Für einen homogenen Gesamteindruck haben beide Varianten den gleichen Reflexionsgrad.“ Hinter den Glaselementen sorgt eine 12 cm starke, direkt über der Stahl-Beton-Konstruktion aufgebrachte Dämmschicht aus Mineralfaserplatten für eine optimierte Wärmedämmung des Gebäudes.
Flexibilität und kurze Wege
Ebenso durchdacht präsentiert sich auch die Grundrissgestaltung des Neubaus. Auf sämtlichen Ebenen wurden einfache aber flexibel erweiterbare Büro- und Laboreinheiten mit einheitlichen Raumtiefen geschaffen, die zunächst eine gleichwertige Situation für alle Mieter bieten, letztlich aber individuell nach den jeweiligen Anforderungen und Bedürfnissen gestaltet werden können. „Die zentrale Erschließung und die davon ausgehenden linear oder großflächig nutzbaren Mieteinheiten ermöglichen im gesamten Gebäude kurze Wege“, erklärt Markus Hammes das Konzept. „Die Bedarfsermittlung und die Mieterausbauplanung haben wir dabei als Generalplaner selbst durchgeführt.“
Als vertikale Erschließung fungiert ein großzügiges, durch Lufträume geöffnetes Treppenhaus im Kern des Gebäudes. Direkt angrenzend haben die Planer außerdem ein vielfältiges Angebot an zusätzlichen Funktionen wie ein Café, zwei Besprechungsräume, einen Kopierraum und ein kleines Konferenzzimmer eingefügt. „Dieser gemeinschaftlich nutzbare Bereich ermöglicht nicht nur ein hohes Maß an Synergie, sondern soll gleichzeitig auch einen zwanglosen Ort der Begegnung und Kommunikation für sämtliche Mieter bieten“, so Markus Hammes. Zusätzliche Offenheit erreichten die Architekten durch die überraschende Integration zweier Innenhöfe, die durch ihre Bepflanzung mit Bambus die Atmosphäre eines intimen Gartens erhalten haben. Als willkommener Ort zum Rückzug und als botanisches Pendant zur überbordenden Farbigkeit der Fassade.
Planung: hammeskrause architekten bda, Stuttgart
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