Neubau eines Studentenwohnheims in Utrecht

Farbiges Mosaik

Der Utrechter Universitätscampus ist bekannt für ungewöhnliche und experimentelle Architektur. Zuletzt wurde dort ein neues Studentenwohnheim der Amsterdamer Architektin Marlies Rohmer fertig gestellt. Die bunte Fassade setzt sich zusammen aus 4 500 pixelhaft aneinander gefügten Aluminiumpaneelen in unterschiedlichsten Farben. Schnell hat der Bau daher den Beinamen „Smarties“ erhalten.

Robert Uhde

Mit rund 25 000 Studenten ist die 1636 gegründete Universität Utrecht die größte und nach der in Leiden gleichzeitig die zweitälteste Universität der Niederlande. Ende der 1960er Jahre wurde der größte Teil der Institute aufgrund stetig steigender Studentenzahlen auf den am Stadtrand neu errichteten Campus „De Uithof“ ausgelagert. Inzwischen ist das dortige Areal nach einem städtebaulichen Masterplan von Rem Koolhaas sukzessive nachverdichtet und zu einer „Stadt in der Stadt“ umstrukturiert worden. Im Laufe der Jahre ist dabei ein regelrechtes Architektur-Laboratorium mit zahlreichen herausragenden Projekten entstanden – unter anderem von Mecanoo, Neutelings Riedijk, Ben van Berkel, Wiel Arets sowie von Rem Koolhaas selbst. Um dem chronischen Wohnungsmangel in der Stadt zu begegnen, wurden zuletzt auch mehrere große Studentenwohnheime auf dem Campus neu errichtet – darunter eine 15-geschossige Hochhausscheibe der Amsterdamer Architektin Marlies Rohmer.
Der im Zentrum von De Uithof direkt an der Haupterschließungsachse Heidelberglaan errichtete Neubau stellt auf einer Nutzfläche von rund 19 000 m² insgesamt 378 Wohnungen sowie zusätzliche Gemeinschaftsfunktionen bereit. Die grell-bunte Farbigkeit, die dem Projekt schnell die passenden Beinamen „Smarties“ oder „Casa Confetti“ beigebracht hat, schafft dabei einen spannenden neuen architektonischen Blickfang im städtebaulichen Zentrum von De Uithof.
Leuchtend grüner Sockelbereich
Der gesamte südliche Teil des neuen Studentenwohnheims ruht auf vier leuchtend grünen, in Längsrichtung des Gebäudes parallel nebeneinander eingestellten „Stahlbetonfüßen“ mit einer Höhe von jeweils 14 m und einer Dicke von jeweils 60 cm. Aufliegend auf dieser wuchtigen Tragwerkskonstruktion ragt der Neubau im Bereich der südlich angrenzenden Heidelberglaan rund 8 m weit in den Straßenraum hervor, um so eine markante Eingangssituation zu schaffen. Ein schönes Detail ist dabei die 5 m breite, an der Tragstruktur des Gebäudes aufgehängte Schaukel – „als dramatisierter Übergang zwischen privatem und öffentlichen Bereich“, wie Architektin Marlies Rohmer erklärt. Im Inneren des Sockelbereichs stehen den Studenten neben dem Zugang zum Treppenhaus und zum Lift auch unterschiedliche Gemeinschaftsfunktionen sowie ein kleines Gesundheitszentrum im ersten Obergeschoss zur Verfügung. Darüber hinaus wurden zwei große überdachte Fahrradgaragen entlang der beiden Längsseiten des Gebäudes integriert.
Vibrierende Farbfassade
Oberhalb des grünen Sockelbereichs trifft der Blick auf die leuchtend bunte, 51 m hoch aufragende Außenfassade des Neubaus. Die schillernde Hülle setzt sich zusammen aus rund 4 500 pixelhaft aneinander gefügten Aluminiumpaneelen von Sorba Projects B.V in den Farben Grün, Rot, Schwarz, Orange, Weiß und Grau in unterschiedlichen Nuancen, die augenzwinkernd das farbenfrohe Zusammenleben der Bewohner aus unterschiedlichsten Nationen nach außen tragen.
„Da die einzelnen Elemente jeweils die gleiche Größe wie die insgesamt 1 510 Fensterrahmen haben, ist in der Addition ein vibrierender Farbteppich entstanden, in dem die einzelnen Fensterrahmen optisch beinahe verschwinden“, beschreibt Marlies Rohmer das Konzept.
Die Aluminiumfenster von Reynaers sind vom Typ CS. Um die farbintensive Ausstrahlung langfristig zu erhalten, wurden die 148 x 80 cm großen Fassaden-Module werkseitig mit Pulverlacken (Interpon D2525 von Akzo Nobel) in unterschiedlichen Farbtönen entsprechend der Vorgaben der Architektin bearbeitet. Die hochwitterungsbeständigen Beschichtungspulver wurden dabei industriell im Elektrostatik- oder im Triboverfahren auf die Aluminiumbleche und -profile aufgetragen und anschließend bei etwa 200° C eingebrannt. Auf der Baustelle wurden die einzelnen Module direkt auf die Außenhülle aus Beton und die 15 cm starke Dämmung montiert.
Unterschiedliche Wohnungstypen
Um den individuellen Ansprüchen und finanziellen Möglichkeiten seiner Bewohner gerecht zu werden, stellt der Neubau drei unterschiedliche Wohnungstypen bereit, die sämtlich über identisch ausgebildete Flure in unterschiedlichen Farben erschlossen werden. Neben 257 einfachen Einzimmerwohnungen stehen dabei auch 60 Einheiten für Wohngemeinschaften mit gemeinschaftlicher Küche und gemeinschaftlichem Bad sowie 56 größere Vierzimmerwohnungen zur Auswahl.
Bei der Ausführung des Neubaus wurde aus Kostengründen auf eine standardisierte, mit dem Tunnelbau vergleichbare Technik des niederländischen Wohnungsbaus zurückgegriffen, bei dem Decken und Wände gleichzeitig aus Stahlbeton gegossen werden.
„Die Anordnung der einzelnen ‚Tunnelkisten’ in Längsrichtung ermöglicht dabei perspektivisch eine flexible Erweiterung des Gebäudes bei einem weiteren Anstieg der Utrechter Studentenzahlen in den kommenden Jahren“, so Marlies Rohmer. „Ebenso wurden auch die Innenwände zwischen den einzelnen Wohnungen als einfache Metallständerwände ausgebildet, um die Einheiten bei Bedarf vergrößern und das Gebäude
jederzeitflexibel an künftige eventuell veränderte Nutzungskonzepte anpassen zu können.“
Eine weitere Besonderheit des Neubaus ist der oberhalb des 15. Geschosses in rund 50 m Höhe gelegene Dachgarten des Gebäudes. Im Zentrum der 600 m² großen Fläche haben die Planer eine große Holzskulptur als zentrale Sitzgelegenheit platziert. Durch die fenstergroßen Öffnungen der Außenbegrenzung hindurch bietet sich dabei eine weite Aussicht auf den umliegenden Campus und die Gebäude im Zentrum von Utrecht. An manchen Tagen geht es dabei durchaus etwas lauter zu. Denn außer zum lässigen Abhängen lässt sich die Dachterrasse auch wunderbar für Partys oder andere Veranstaltungen nutzen.
Planung: Marlies Rohmer, Amsterdam Planungsteam: Floris Hund, Michiel van Pelt, Arjan van Ruyven, Pepijn Nolet, Marc de Vries, Boris Briels, Irene Bergholt Statik: ABT Adviesbureau voor Bouwtechniek, Velp