Neubau eines Kunst- und Kulturzentrums in Metz

Entmaterialisiert

Das Centre Pompidou-Metz, Dependance des Pariser Centre Pompidou, wurde mit außergewöhnlicher Dachkonstruktion konzipiert als multi- funktionales Kunst- und Kulturzentrum. Neben Raum für Wechselausstellungen und Veranstaltungsbereichen lässt sich auch die lichtdurchflutete Eingangshalle flexibel nutzen. Transparenz und Offenheit bestimmen die verglaste Stahlprofilkonstruktion – inklusive Brandschutz.

Anne-Marie Ring, München

Für die Einrichtung einer Außenstelle des Pariser Centre Pompidou fiel die Wahl auf Metz an der nordöstlichen Landesgrenze Frankreichs. Zum einen verbindet die geografische Lage die Stadt als Verkehrsknotenpunkt über Schiene und Autobahn mit Deutschland und Benelux. Zum anderen stand ein außergewöhnlicher Platz im Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe des TGV-Bahnhofs zur Verfügung: eine 50 ha große Brachfläche im Quartier de l’Amphithéâtre, das Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs sowie das nicht mehr genutzte Messegelände.
Das Zentrum sollte Katalysator für die städtebauliche Erneuerung dieser Brachfläche sein. Bereits jetzt ist auszumachen, dass das Konzept aufgeht: Täglich zählt man einige Tausend Besucher, viele davon aus dem Ausland. Nicht alle kommen wegen der Kunstausstellung, viele werden auch „nur“ von der außergewöhnlichen Architektur angelockt.
Das Centre Pompidou-Metz entstand nach dem Entwurf der Architekten Shigeru Ban (Tokio) in Zusammenarbeit mit Jean de Gastines (Paris) und Philip Gumuchdjian (London); letzterer war nur während der Wettbewerbsphase beteiligt. Das Team hatte sich 2003 im international ausgeschriebenen Wettbewerb durchgesetzt. Bauherr ist der Gemeindeverbund Metz Métropole gemeinsam mit der Stadt Metz und dem Centre Pompidou. Am 11. Mai 2010 wurde das Centre Pompidou-Metz mit der Ausstellung „Chefs-d‘Oeuvres?“ – „Meisterwerke?“ mit Arbeiten von Georges Braque, Robert Delaunay, Henri Matisse und weiteren Werken zeitgenössischer französischer Kunst aus dem Bestand des „Musée National d‘Art Moderne“, Paris, eröffnet.
„Wir wollten eine Architektur, die für die Offenheit des Centre Pompidou-Metz steht, seine Aufgeschlossenheit für die Vielfalt der Kulturen, und einen Ort des Wohlbefindens schaffen, der einen unmittelbaren und sinnlichen Bezug zu seiner Umwelt hat“, kommentieren die Architekten Shigeru Ban und Jean de Gastines ihren Entwurf.
Zwischen den Extremen „Bilbao“, also einem Gebäude, das für sich selbst genommen eine Skulptur darstellt, aber hinsichtlich der Präsentation von Kunst gewisse Kompromisse erfordert, und „Tate Modern“, wo ein ehemaliges Kraftwerk als schlichte äußere Hülle für Ausstellungen umgewidmet wurde, haben Shigeru Ban und Jean de Gastines einen Mittelweg beschritten und eine kraftvolle Form von symbolischer Präsenz geschaffen, die funktionale Raumeinheiten unter einem frei geformten Dach vereinigt.
Konzept und Konstruktion
Das Gebäude entwickelt sich um einen zentralen, sechseckigen Kern, der Treppen und Aufzüge aufnimmt. Über diesen sind drei 90 m lange, 15 m breite Ausstellungsgalerien zugänglich, die sich unter der Dachkonstruktion überlagern. Ihre Fensterfronten, ausgerichtet etwa auf die Kathedrale von Metz, schaffen die optische Verbindung zwischen dem modernen Baukörper und dem kulturellen Erbe von Metz. Die Dachkonstruktion selbst ist von einem traditionellen chinesischen Strohhut inspiriert, dessen Geflecht in ein Tragwerk aus Brettschichtholzträgern übersetzt wurde. Abends zeichnet sich das sechseckige Muster der Holzkonstruktion durch die transluzente Dachmembran ab, die diese Konstruktion überspannt. Aber auch tagsüber weist das Dach dem Besucher schon von weitem den Weg. Vom Vorplatz aus gelangt er in das Forum mit Kassenbereich, Garderobe und Café.
Die Dachkonstruktion ist aus laminierter Fichte aufgebaut und mit Teflon-beschichteter Glasfaserfolie überzogen (8 000 m²). In der ebenen Aufsicht stellt das Muster perfekte Sechsecke dar, doch in der Mitte angehoben, verschieben sie sich zu unregelmäßigen, geometrischen Flächen – und das Balkenwerk muss in der Horizontalen, Vertikalen und in der Drehung angepasst werden. Die komplexe Geometrie der Träger wurde durch Bearbeitung auf einer CNC-gesteuerten Maschine realisiert. Das Balkengeflecht aus drei Doppellagen Brettschichtholzträgern mit rechteckigem Querschnitt wurde am Boden vormontiert, von Kränen angehoben und mit Hydraulik in die rechte Position geschoben.
Am Boden fußt der Hut in vier Bündeln aus wetterbeständigem Lärchenholz. Die transparente Dachhaut, die tagsüber 15 % des Lichtes durchlässt, strahlt nachts als matt leuchtender Konus – gezeichnet vom Geflecht des darunter liegenden Holzflechtwerks.
Eine verglaste Stahlprofilkonstruktion trennt den Eingangsbereich vom größten der insgesamt vier Ausstellungsbereiche, der „Grand Nef“. An einer 18 m hohen Wand in der Grand Nef können Kunstwerke von außergewöhnlicher Größe präsentiert werden – Pablo Picassos Bühnenvorhang „Parade“ etwa, der wegen seiner Maße von 10 x 16 m in Paris noch nie zu sehen war. Nach oben wird die Grand Nef von den drei Ausstellungsgalerien unter dem Dach begrenzt.
Insgesamt bietet das Centre Pompidou-Metz rund 5 000 m² Ausstellungsfläche. Darüber hinaus verfügt das Gebäude über ein Studio für Bühnenkunst sowie ein Auditorium mit 144 Plätzen für Filmvorführungen und Vorträge. Das im ursprünglichen Entwurf auf einer der Ausstellungsgalerien vorgesehene Restaurant wurde in den ersten Stock verlegt – die Sicherheitsauflagen in 21 m Höhe wären zu kostspielig geworden.
Die Idee der Durchlässigkeit zwischen innen und außen ist ein zentrales Thema bei Shigeru Ban: Immer wieder wagt er es, das Fundamentalste aller Architekturelemente – die Wand – wegzulassen. Dadurch gewinnt seine Architektur den Eindruck der Offenheit. In Metz sind es die mobilen Glasblenden, die darauf abzielen, die Wand zu „entmaterialisieren“.
Diese Idee der Offenheit setzt sich auch im Inneren fort bei den ästhetisch sehr anspruchsvollen, großflächig verglasten Brandschutzkonstruktionen, die das Foyer von den Ausstellungsbereichen trennen. Diese wurden mit den geprüften Stahlprofilsystemen Jansen VISS Fire und Janisol realisiert: Die Brandschutzwand sorgt für die geforderte räumliche Trennung zwischen der Eingangshalle mit Kassenbereich, Museumsshop und Garderoben und dem Treppenhaus. Die Türen mit der Brandschutzanforderung EI30 sind aus Janisol-Profilen gefertigt. Brandschutzlösungen für Museen stellen ja oft ein besondere Herausforderung dar; in diesem Fall jedoch waren die Anforderungen der Baubehörde, die mit der Feuerwehr Metz vor Ort abgestimmt wurden, mit den geprüften Brandschutz- Profilsystemen von Jansen problemlos zu erfüllen.
Übrigens: Im Centre Pompidou-Metz hat die Festverglasung Jansen VISS Fire ihre Feuerprobe bereits bestanden: Ein Brand während der Bauphase konnte sich dank der bereits funktionstüchtig eingebauten Abtrennung nicht weiter ausbreiten und somit keinen größeren Schaden anrichten.
Mit VISS Fire hat Jansen ein Stahlprofilsystem für Vertikalverglasungen aller Feuerwiderstandsklassen im Innen- und Außenbereich entwickelt (E30/60/90, EI30/60/90 und E30 TVS). Alle Klassen sind zudem TRAV-geprüft. VISS Fire ist auch in Kombination mit den Brandschutztüren Janisol 2 geprüft und zugelassen. Gestalterisch hat die Pfosten-Riegel-Konstruktion mit ihrer schlanken Ansichtsbreite von 50 mm viel zu bieten. Bautiefen von 50 bis 140 mm erlauben variantenreiche statische Lösungen für die Realisierung von geschoss-übergreifenden Fassadenelementen bis 5 000 mm Höhe und unbegrenzter Breite. Dabei geben die zahlreichen geprüften Konstruktionsvarianten dem Planer den nötigen Spielraum für ästhetisch anspruchsvolle großflächige Verglasungen.
Die Brandschutztüren wurden aus dem thermisch getrennten Profilsystem Janisol 3 EI60 gefertigt. Das Profil weist eine Bauhöhe von nur 60 mm auf. Hochwertige Isolierstege und der mechanisch hinterschnittene Verbund sorgen für hohe Festigkeit der Profile. Mit schmaler Ansichtsbreite ermöglichen sie filigrane Türen und Glaswände für Brandschutzkonstruktionen EI60 (F60/T60).
Architekten (Wettbewerb): Shigeru Ban Architects Tokyo mit Jean de Gastines Architectes, Paris und Gumuchdjian Architects, London Architekten (Ausführungsplanung): Shigeru Ban Architects Europe, Paris und Jean de Gastines Architectes, Paris Statik (Wettbewerb): Ove Arup, London Statik – Ausführungsplanung (1. Teil): Ove Arup, London Statik – Ausführungsplanung (2. Teil): Terrell, Paris Statik Dachkonstruktion: Hermann Blumer, CH-Waldstatt

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