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Neue Nationalgalerie in Berlin behutsam generalsaniert

So viel Mies wie möglich
Neue Nationalgalerie in Berlin behutsam generalsaniert

Die Neue Nationalgalerie in Berlin wurde von Grund auf instandgesetzt – heute findet die Schlüsselübergabe statt. Die offizielle Wiedereröffnung ist dann im Sommer: Ab 22. August zeigt die Neue Nationalgalerie u.a. eine Ausstellung zu Alexander Calder.

Die von 1965 bis 1968 errichtete Neue Nationalgalerie am Berliner Kulturforum ist eine Architekturikone von Weltrang sowie der Schluss- und Höhepunkt des Lebenswerks von Ludwig Mies van der Rohe. Das Gebäude wurde im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) denkmalgerecht generalsaniert. Mit der Planung war das Büro David Chipperfield Architects Berlin beauftragt.

„Ein Gebäude von solch unantastbarer Autorität zu zerlegen war eine merkwürdige Erfahrung, aber ein Privileg“, sagt Architekt David Chipperfield. „Die Neue Nationalgalerie hat für meine Arbeit und die vieler anderer Architekten Maßstäbe gesetzt. Hinter die Fassade zu blicken hat ihre Genialität und zugleich ihre Mängel offenbart, jedoch meine Bewunderung für Mies‘ Vision nur verstärkt. Unsere Arbeit war daher von chirurgischer Natur. Sie befasste sich mit technischen Belangen, um seine Vision zu schützen. Ein solches Unterfangen, in einem Gebäude, in dem man nichts verstecken kann, ist einschüchternd, aber wir hoffen den Patienten dem Anschein nach unberührt entlassen zu haben – nur in viel besserem Zustand.“

Neue Nationalgalerie in Berlin von innen
Bild: Simon Menges / Ludwig Mies van der Rohe

Behutsame Erneuerung

Im Frühjahr 2021 wurde die dritte und letzte Bauphase an der Neuen Nationalgalerie abgeschlossen. Ausstellungshalle und Innenbereiche sind von Grund auf instandgesetzt und über 35.000 restaurierte Originalbauteile z.B. die Natursteinplatten aus Striegauer Granit, Leuchten, Geländer und Holzpaneele wieder eingebaut. Diese waren in der ersten Bauphase der Grundinstandsetzung sorgfältig demontiert, inventarisiert, eingelagert und restauriert worden.

Allein in der der oberen Ausstellungsstellungshalle wurden 1.600 Quadratmeter neues Glas eingebaut, auf 15.000 Quadratmetern eine neue Beschichtung aufgetragen und 500 Schweißnähte an der Stahlkonstruktion saniert. 800 auf LED-Technik umgerüstete Bestandsdeckenleuchten, 196 Deckengitter und 2.500 Quadratmeter an Natursteinplatten wiederverlegt.

Damit die Neue Nationalgalerie den heutigen technischen Anforderungen hinsichtlich Klimatisierung, Brandschutz und Sicherheit entspricht, wurde auch die gesamte technische Gebäudeausrüstung erneuert, wie beispielsweise die Fußbodenheizung, die Raumlufttechnik oder das Grundleitungssystem in der Bodenplatte.

Zur Wiederherstellung des von Mies van der Rohe geplanten Ausstellungsrundgangs wurden im Zuge der Grundinstandsetzung Museumsshop und Garderobe neu im Untergeschoss angeordnet. Anstelle der sich bisher im Inneren der Galerie befindenden Depoträume entstanden an der Ostseite auf rund 600 Quadratmetern, unterhalb der Terrasse, die neuen Räume für das Gemälde- und Skulpturendepot sowie auf rund 300 Quadratmetern neue Technikflächen.

Die neue Raumfolge bietet auch logistische Vorteile für die Anlieferung der Kunstwerke. Vom Ausstellungsvorbereitungsraum wird es künftig eine direkte Verbindung ins Depot geben. Zuvor mussten die Kunstwerke durch die Ausstellungsräume ins Gemäldedepot gebracht werden.

Neue Nationalgalerie in Berlin bei Nacht
Bild: BBR / Thomas Bruns / Ludwig Mies van der Rohe

Lobende Worte

Kulturstaatsministerin Monika Grütters dankt dem Architekturbüro von David Chipperfield ausrücklich: Es habe die originalgetreue Sanierung des Gebäudes mit Umsicht und viel Liebe zum Detail gestaltet und begleitet. „Mit ihrer großen, lichtdurchfluteten Halle und den Ausstellungsräumen im Untergeschoss erstrahlt die Architekturikone Mies van der Rohes nun in neuem Glanz. Mit ihrer einzigartigen Bauweise, aber erst recht mit ihrem spektakulären Inhalt, wird die Neue Nationalgalerie von August an wieder zu einem Publikumsmagneten des Kulturforums in Berlin werden.“

Und auch SPK-Präsident Hermann Parzinger ist begeistert: „So viel Mies wie möglich – das war der selbstgestellte Auftrag, und wie grandios ist er umgesetzt worden! Der Tempel der Kunst hat seine Transparenz, seinen fließenden Raum zurück, die Stadtlandschaft rückt durch die neuen Fenster näher heran. Die Ästhetik der Ordnung wird wieder erlebbar. Das moderne Leichte und das klassisch Schwere harmonieren wieder auf fantastische Weise. Die Neue Nationalgalerie ist zurück, und sie wirkt, wie Mies sie erdacht hat. Sie verbirgt die Spuren ihrer Jahre keineswegs, die Aussage ihrer reparierten Architektur macht sie frischer denn je.“

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Schlüsselübergabe im kleinen Kreis

Die Schlüsselübergabe findet pandemiebedingt ohne Gäste und Pressevertreter rein digital statt: in Anwesenheit von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Baustaatssekretärin Anne Katrin Bohle, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger, der Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) Petra Wesseler und dem Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin Michael Eissenhauer. Der Architekt David Chipperfield ist über Video zugeschaltet.

  • Die Veranstaltung ist zugänglich auf YouTube (am 29.4., 11 Uhr unter www.smb.museum/livestream-nng).
  • Die Tage der offenen Tür, die sich eigentlich anschließen sollten, sind aus Pandemiegründen derzeit nicht möglich. Geplant sind sie nun für den 28. bis 30. Mai 2021.

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