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Kantstraße Berlin - Hotel in ehemaligem Frauengefängnis

Kantstraße Berlin
Hotel in ehemaligem Frauengefängnis

In der Kantstraße, einer der belebtesten Straßen West-Berlins, blieb hinter den Türen der Nummer 79 ein Ort jahrzehntelang unzugänglich und vergessen – ein ehemaliges Gerichtsgebäude und Frauengefängnis, verborgen im Inneren des Häuserblocks. Nun haben sich die Berliner Architekten Grüntuch Ernst des Ortes angenommen und das denkmalgeschützte Ensemble aus dem 19. Jahrhundert transformiert und erweitert.

Das Strafgericht und das dazugehörige Gefängnis wurden 1896 als freistehende Gebäude von den Architekten Adolf Brückner und Eduard Fürstenau errichtet. Das Vorderhaus wurde als Schöffengericht genutzt. Auch das Gebäude im Hinterhof war über viele Jahrzehnte Teil der deutschen Justiz: Es diente im zweiten Weltkrieg als Gefängnis für Widerstandskämpferinnen. Nach der Schließung des Gefängnisses im Jahr 1985 nutzte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf  das Gebäude bis 2010 als Archiv für das Grundbuchamt.

Heute beherbergt das Gebäude das familiengeführte Hotel Wilmina – mit 44 Zimmern und Suiten, Bibliothek, Bar, Spa, Gym und einer Dachterrasse über dem neuen Penthouse – sowie das Restaurant Lovis. Im »Amtsalon , einem multidisziplinären Raum für Kunst, Architektur und Design, finden kreative Köpfe eine Plattform, um temporäre Projekträume zu gestalten.

Durch behutsame Interventionen mit gezielten Öffnungen, Aufbauten, Überlagerungen, Verschiebungen und Durchdringungen haben Grüntuch Ernst Architekten die bestehenden Strukturen erweitert, verbunden und neu programmiert. Damit hat das Architektenteam das Gebäude aus dem Dornröschenschlaf erweckt und in einen lebendigen und gleichzeitig kontemplativen Ort gewandelt, an dem der Gast der Hektik des städtischen Alltags entfliehen kann, ohne auf Austausch und gemeinschaftliches Miteinander zu verzichten. Aus einem zuvor antisozialen Raum ist ein einladender Ort entstanden. 

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Versteckte grüne Oase an der Kantstraße

Von der Kantstraße kommend durchquert der Hotelgast zunächst das Vorderhaus. Durch eine Sequenz von Höfen dringt er immer tiefer in das Ensemble vor, bis er schließlich in den zentralen großen Gartenhof gelangt. Hier konnten sich Sträucher, Hecken und Kletterpflanzen neben hochgewachsenen Bäumen über mehrere Jahrzehnte ungehindert ausbreiten. Große Teile des asphaltieren Hofes wurden renaturiert und mit üppigen Staudenbeeten bepflanzt. 

Als Hauptzugang ins Hotel dient eine ehemalige Fensteröffnung, die zur Tür erweitert wurde. Vom Gartenhof aus gelangen die Gäste in die Hotel-Lobby und werden von einem hellen, hohen Raum empfangen. Zur Linken ist die Lobby über eine Galerie mit der Kaminlounge verbunden. Zur Rechten führt eine Treppe ins Herzstück des Gebäudes, das Atrium.

Es gibt vier Bestandsgeschosse und darüber eine neue Penthouse-Etage. Entlang schmaler Galerien mit schmiedeeisernenen Brüstungen reiht sich im ehemaligen Zellentrakt Tür an Tür. Langgestreckte Oberlichter fluten zenitales Tageslicht entlang der hell geschlämmten Ziegelsteinwand. Eine Lichtinstallation mit gläsernen, von der Decke abgehängten Pendelleuchten betont die Höhe des Luftraums.

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Gästezimmer im ehemaligen Zellentrakt

Im Umbauprozess kamen neue Materialien zum Einsatz, aber auch Bestandselemente fanden Wiederverwendung und wurden mit Bedacht rekonfiguriert. 

Die ehemaligen Gefängniszellen gestalteten die Planer zu 44 Gästezimmern um: Das Spektrum reicht von kleinen Schlafkojen (11 m²) bis hin zum großzügigen »Garden Loft« (75 m²), das sich im ehemaligen Versammlungsraum befindet. Alle Gästezimmer vereinen historische Authentizität mit modernem Komfort. Trotz ihrer Gemeinsamkeiten ist jedes Zimmer ein Unikat, kein Raum gleicht dem anderen. Helle Farben, weiche Texturen und warme, hochwertige Materialien erzeugen eine beruhigende Atmosphäre.

Die kleinen Fenster der ehemaligen Zellen ließen vor dem Umbau zwar Tageslicht in die Räume, lagen aber zu hoch oben in der Wand, um einen Blick nach draußen zu ermöglichen. Deshalb erweiterten die Architekten die Maueröffnungen der Fenster nach unten, sodass ein Ausblick in den Hof möglich ist, während die Gitter im oberen Fensterteil erhalten blieben – eine behutsame Erinnerung an die Geschichte des Hauses. Am hinteren Treppenhaus blieb zudem eine Zelle im Originalzustand erhalten. Gesammelte Dokumente geben den Besuchern Einblicke in die vielschichtige Geschichte des Gebäudes.

Homogen und doch jeweils anders

Penthouse und Restaurant

Eine ganz andere Atmosphäre empfängt die Gäste im neuen Penthouse-Geschoss. Bodentiefe Fenster erlauben einen Blick in die Höfe und Gärten. Die neuen Räume sind minimalistisch, klar und ruhig gestaltet. Vor den Panoramafenstern bietet ein Vorhang aus feinen Metallketten ein hohes Maß an Privatheit und gleichzeitig Schutz vor Sonnenerwärmung. Die Dachterrasse erlaubt einen Ausblick auf die Dachgärten und Innenhöfe des Ensembles sowie auf die umgebende Charlottenburger Dachlandschaft rund um die Kantstraße.

Das Restaurant Lovis befindet sich – hinter Mauern verborgen – in einem ehemaligen Außenbereich, dem Schleusenhof des Gefängnisses. Der frühere Gefängnishof ist jetzt ein Innenraum: Große Panoramafenster ersetzen die alten Tore und geben den Blick auf üppige Gärten frei – ein interessantes Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart, innen und außen, öffentlich und privat.


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