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Holzhybrid-Studenten-Quartier strebt DGNB-Platin-Zertifikat an

Rosenheim
Holzhybrid-Studenten-Quartier strebt DGNB-Platin-Zertifikat an

Studentenwohnheim in Rosenheim in Holzhybrid-Bauweise
Das »CampusRO« in Rosenheim soll das deutschlandweit erste Studentenquartier mit DGNB-Platin-Zertifikat werden. Bild: PONNIE Images, Aachen / ACMS Architekten GmbH, Wuppertal

In Rosenheim entsteht derzeit eines der deutschlandweit ersten Studenten-Quartiere in Holzhybrid-Bauweise. Ziel ist es, den CO2-Footprint um mehr als 50 Prozent gegenüber konventionellen Bauten zu reduzieren. Der Projektentwickler strebt eine DGNB-Zertifizierung in Platin an.

Heute ist »German Overshoot Day«. Das heißt: Ab heute leben die Deutschen ökologisch gesehen bis zum Ende des Jahres auf Pump und verbrauchen mehr natürliche Ressourcen als nachwachsen können. Das Thema Nachhaltigkeit rückt deshalb immer weiter in den politischen und gesellschaftlichen Fokus, nicht zuletzt getrieben durch die »Fridays for Future«-Bewegung.

Getragen von diesem Zeitgeist entsteht mit »CampusRO« im bayerischen Rosenheim derzeit eines der deutschlandweit ersten Studenten-Quartiere in Holzhybrid-Bauweise. Der Projektentwickler, die CampusRO Projektentwicklungs GmbH & Co. KG – ein Joint Venture der Eckpfeiler Immobilien Gruppe GmbH aus Pullach und der Rosenheimer PMA Invest GmbH & Co. KG. – plant, das Objekt mit dem DGNB-Platin-Zertifikat auszeichnen zu lassen. Dies wäre ein Novum, da hierzulande bisher kein Studenten-Quartier seit Gründung der DGNB im Jahr 2007 eine solche Zertifizierung erhalten hat.

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Altbaumaterial wird im Neubau recycelt

Bevor der Holzhybrid-Neubau starten konnte, wurde die alte Gewerbehalle auf der rund 10.000 Quadratmeter großen Fläche abgebrochen. Statt den Bauschutt abzutransportieren und neue Werkstoffe anliefern zu lassen, wurde die Altmasse auf Schadstoffe geprüft. Sie wird nun zu einem großen Anteil im neuen Campus verbaut. Das spart jede Menge CO2. Denn der Abtransport des Abbruchmaterials, die Erzeugung von neuem Material und dessen Anfahrt fallen teilweise weg. Damit ist dieses Verfahren auch ökonomisch sinnvoller.

„Dass ein Projektentwickler den Schritt zurückgeht und die Altbaumasse für den Neubau nutzt, ist selten. Denn es ist viel einfacher, ein altes Gebäude abzureißen und das neue Objekt von Grund auf neu zu bauen. Allein schon, weil die Bauplanung sonst sehr viel schwieriger wird. Und: Ein solches Vorgehen ist auch nur dann möglich, wenn der Altbau nicht zu stark schadstoffbelastet ist“, erläutert der für CampusRO zuständige DGNB Senior Auditor Hendrik Müller.

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Hochwertiges Holz als Tragstruktur

Im Neubau werden alle Obergeschosse in Holzbauweise errichtet. Der Großteil der lastabtragenden Außenwände wird aus vorgefertigten Elementen zusammengesetzt, die mit eingebauten Fenstern, Lüftungen und inklusive der Außenwandschalung auf die Baustelle geliefert werden. Eine Hybrid-Konstruktion aus Brettschichtholz und Ortbeton sorgt für die nötige Stabilität der Decken in allen Räumen. Diese wiederum sind über Laubengänge aus Betonfertigteilen zu erreichen.

Im Inneren werden im Abstand von 6,40 Meter tragende Brettsperrholzwände eingebracht und mit Trockenbauwänden verkleidet. Hinzu kommen nichttragende Innenwände in Trockenbauweise, die jede Etage in Raumachsen von 3,20 Meter aufteilen. Das verwendete Holz stammt aus bayerischen und österreichischen Wäldern. Das Besondere: Ihre PEFC-Zertifizierung garantiert eine nachhaltige Waldbewirtschaftung.

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Holzhybrid-Bau, umweltschonendes Material, eigener Ökostrom

Darüber hinaus stammen sämtliche Baumaterialien wie Fenster und Türen aus Produktlinien, die nach gesundheits- und umweltschutzrechtlichen Standards zertifiziert sind. Die Kombination aus dem Baustoff Holz und weiteren umweltschonenden Materialien sorgt nicht nur für eine bessere CO2-Bilanz als bei konventionell errichteten Gebäuden. Auch wirkt sich das Zusammenspiel auf das Raumklima und den Wohlfühlcharakter im Quartier aus.

Und: Eine auf den Dächern installierte Photovoltaik-Anlage wird das gesamte Quartier mit Strom versorgen. Strom, der für den Betrieb des Quartiers inklusive Boardinghaus nicht benötigt wird, kann von den Mietern der Studentenwohnungen bezogen werden. Als Anreiz dafür wird ihnen der Ökostrom aus eigener Produktion günstiger als zu örtlich üblichen Preisen angeboten.

Hendrik Müller: „All diese nachhaltigen Bausteine wirken sich positiv auf die Ökobilanz aus, bei der wir einen Gebäudelebenszyklus von 50 Jahren betrachten. Allein die Holzhybrid-Bauweise reduziert den CO2-Footprint um mehr als 50 Prozent gegenüber einer konventionellen Bauweise.“

Die CO2-Bilanz ist nach den Worten von Hendrik Müller einer der wichtigsten von etwa 35 Themenschwerpunkten, die im Zertifizierungsverfahren von CampusRO eine Rolle spielen. Denn mit der Nachhaltigkeitszertifizierung werden auch soziokulturelle und technische Qualitäten sowie der Standort eines Gebäudes bewertet und optimiert. Wichtig seien dabei beispielsweise die Aufenthaltsqualitäten innerhalb und außerhalb der Gebäude sowie die Biodiversität.

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Living, Sharing und Networking

„Bei der Entwicklung von CampusRO wollten wir nicht nur den Gebäudelebenszyklus, sondern auch das studentische Leben in seiner Gesamtheit betrachten. Eine hohe Aufenthaltsqualität im Quartier war uns deshalb sehr wichtig. So wird es zahlreiche Möglichkeiten für die Vernetzung untereinander geben und der Sharing-Trend an vielen Stellen im Quartier aufgegriffen“, sagt Peter Matthias Astner, Gesellschafter der PMA Invest.

Der gesamte Campus ist deshalb in einer Art Siedlungsstruktur konzipiert, die das Miteinander fördert. So besteht CampusRO zwar aus drei modernen Gebäudekomplexen, für die jeweils drei bis vier Gebäudeteile vorgesehen sind. Diese aber sind durch einen Laubengang miteinander verbunden. Als baulicher Hochpunkt entsteht zudem ein sechsgeschossiges Boardinghaus mit 40 Managed Apartments für Austauschstudierende und Hochschullehrer sowie für Geschäftsreisende und Touristen. Auch zu diesen ist eine Vernetzung möglich und über viele Gemeinschaftsbereiche sogar gewünscht.

Die geplanten Einzel-Apartments, Wohngemeinschaften für vier Personen und Drei-Zimmer-Apartments für Familien in den einzelnen Häusern werden direkt von außen über den Laubengang betreten und sind zweiseitig belichtet. Die Ausrichtung der ein- bis fünfgeschossigen Gebäude ist nach Besonnung optimiert. Ein Netz aus Wegen, Gärten und Plätzen schafft in den Freibereichen Interaktionsflächen für die Bewohner. Ein Café, ein Restaurant, eine Bar sowie ein Quartiersplatz ergänzen dieses Angebot.

Darüber hinaus entstehen zahlreiche Möglichkeiten für den Austausch innerhalb der Gebäude. So wird es Dachterrassen für alle geben, einen Raum mit Waschmaschinen, Trocknern und einer Lounge zum Verweilen, eine Werkstatt beispielsweise zum Reparieren von Fahrrädern, einen Fitnessraum sowie einen Konferenzraum mit Showküche zum Anmieten.

Nils Holger Moormann

Grünflächen, Nistkästen und Bienennährstauden

CampusRO setzt jedoch nicht nur in den Wohn- und Gemeinschaftsbereichen auf nachhaltigen Wohlfühlcharakter. Auch die Natur wird auf der einst versiegelten Fläche einbezogen. Dafür werden auf dem Grundstück zahlreiche Grünflächen mit Rasen, Bäumen und Sträuchern entstehen. Außerdem sind Bienennährstauden und Nistkästen für Vögel geplant, sodass sich Tiere dort ansiedeln und Schutz finden können.

Hendrik Müller: „Die Gesamtheit der Maßnahmen und Services in CampusRO ist derzeit einzigartig für studentisches Wohnen in Deutschland. Inklusive Einfamilienhäusern zertifiziert die DGNB etwa 5.000 Projekte pro Jahr – rund 20 davon in Platin. Ein Studenten-Quartier war bisher noch nie dabei.“

Die Fertigstellung des vom Büro ACMS Architekten aus Wuppertal geplanten Gesamtobjektes ist für Anfang 2022 vorgesehen. Bereits ab dem kommenden Wintersemester sollen Studierende in die ersten der insgesamt 211 Wohnungen einziehen. Gestaltet werden diese vom Innenarchitekturbüro brüderl in Kooperation mit dem Designer Nils Holger Moormann.


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