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Lernen im Denkmal

Sanierung eines historischen Schulgebäudes in Rheydt
Lernen im Denkmal

Über Jahrzehnte konnte in die 1870 gegründete „Schule zur Förderung der weib- lichen Jugend in den Nadelarbeiten“ nur das Notwendigste investiert werden, so dass sich das Hauptgebäude im Laufe der Geschichte nur geringfügig veränderte. Um einen zeitgemäßen Schulbetrieb zu gewährleisten, wurde die denkmalgeschützte Bausubstanz von 2009 bis 2011 grundlegend saniert und mit moderner Gebäude- und Sicherheitstechnik ausgestattet.

Dipl.-Ing. Nikolai Ziegler

In unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone liegt das Maria-Lenssen-Berufskolleg, wie die weiterführende Schule heute heißt, in attraktiver Lage direkt an einem halböffentlichen Park des Mönchengladbacher Stadtteils Rheydt. Der Gebäudekomplex besteht mittlerweile aus vier miteinander verbundenen Unterrichtsgebäuden, einem Schülerinnenwohnheim und einem idyllischen Gartenpavillon. Drei der Altbauten stehen seit 1985 unter Denkmalschutz, darunter auch das 1913 errichtete Hauptgebäude, in dem damals neben der Haushaltungsschule auch die hauswirtschaftlichen Seminare untergebracht waren. Gegenwärtig besuchen über 1 200 Schülerinnen und Schüler das Berufskolleg, um in Mode- und Bekleidungstechnik, Sozialwesen oder Gesundheitswesen ausgebildet zu werden.
Historische Bausubstanz
Aus der Zeit des späten Jugendstils stammend, gliedert die historische Architektur in neubarocker Formstrenge, das auf einem als Halbgeschoss sichtbaren Kellerparterre gegründete, dreistöckige Bauwerk. Über einer Dachziegelreihung, die zwischen dem 2. und 3. OG ein Fensterbankgesims ausbildet, setzt das mächtige Mansarddach an. Der von Säulen flankierte und durch einen aufgebrochenen Schwelmgiebel verzierte Hauptzugang liegt in einem rechts von der Mitte einschneidenden, Querhaus. Vor der Sanierung befand sich das Hauptgebäude in einem erstaunlich gepflegten, wenn auch deutlich abgenutzten Zustand. Über zwei Etagen waren in das ursprünglich großzügige Foyer nachträglich Räume eingezogen worden. Heizkörper und Elektroleitungen waren auf Putz nachinstalliert. Die gefliesten Böden der Klassenräume waren mit Linoleum überdeckt und die zeittypische, farbige Gestaltung der Wände mehrfachüberstrichen. Putz und Stuck der Fassaden wiesen durch Hohlstellen und Abplatzungen großflächige Schäden auf. Deutlich verwittert zeigten sich die originalen, einfach verglasten Fensterrahmen. Überraschender Weise fand sich ein Großteil der Innenausstattung weitgehend original und einem guten Erhaltungszustand vor.
Denkmalgerechte Generalsanierung
Um Schäden am Gebäude zu verhindern und einen zeitgemäßen Schulbetrieb zu gewährleisten, wurden im Rahmen des Konjunkturpaket II insgesamt 5,8 Millionen Euro für die Generalsanierung investiert. Das beauftragte Architekturbüro Jensen + Görgl aus Mönchengladbach plante und koordinierte neben der Restaurierung von Fassaden, Fenster und Dachflächen auch die mit umfangreichen Maßnahmen umgesetzte, denkmalgerechte Instandsetzung der Innenräume, sowie den ergänzenden Ausbau mit moderner Gebäude- und Sicherheitstechnik.
Über das Konzept der Sanierung berichtet Architektin Ulrike Görgl: „Energieoptimierung war das Ziel der Sanierung am Hauptgebäudes des Maria-Lenssen-Berufskollegs. Besonders wichtig war uns dabei, die Schönheit des historischen Gebäudes zu zeigen und gleichzeitig modernste Technik respektvoll zu integrieren“.
So wurden beispielsweise neue Isolierglasfenster verbaut, die den energetischen Anforderungen und zugleich durch ihre Sprossenuntergliederung genau den historischen Vorbildern entsprechen.
Nach historischem Vorbild
Zur Fassadenrestaurierung wurden alle losen Teile vorsichtig abgestemmt und mit einem von Remmers speziell für dieses Bauvorhaben gemischten „Historic Putz“ überarbeitet. Dieser objektspezifisch rezeptierte Ober- bzw. Unterputz eignet sich besonders zum Nachstellen von Struktur und Zusammensetzung des Originalbestandes, insbesondere zur objektspezifischen Instandsetzung, Renovierung und Sanierung von Altbaufassaden, historischen Bauwerken und Baudenkmalen. An der rückseitigen Fassade des Gebäudes zeigten sich witterungsbedingte, großflächige Abplatzungen.
Einige Fensterprofile waren so stark verwittert, dass diese bereits von Hand abgenommen werden konnten. Die dahinterliegenden, verrosteten Stahlträger wurden im Sturzbereich durch Edelstahlträger ersetzt und entsprechend der Hauptfassade verputzt. Im Gegensatz zu den übrigen Wandflächen, war das Treppenhaus von einer Betonfassade umgeben, die ebenfalls großflächige Korrosionsschäden aufwies. Um eine möglichst authentische Oberfläche herzustellen, die gleichzeitig den energetischen Vorsätzen gerecht wurde, kam ein mit Polystyrol (Styroporkügelchen) versetzter „Wärme-Dämmputz“von Remmers zum Einsatz. Nach Abschluss aller Restaurierungsarbeiten wurde die Fassade mit Mineralfarbe „Sodalit“von Keim behandelt.
Eine besondere Herausforderung stellte die Restauration und anschließende Isolierung deskassettierten Tonnengewölbes der Aula dar, das den gesamten Raum freitragend überspannt. Mithilfe von unzähligen Hängeeisen hatten die alten Baumeister das aus Stahl- und Rabitzgeweben hergestellte Gewölbe vom Dachstuhl abgehängt. Nachdem die Konstruktion mitsamt der Abhängungen instandgesetzt war, sollte die Fläche gedämmt werden, um Energieverluste zukünftig zu minimieren. Aufgrund der zahlreichen Abhängungen war ein gewöhnliches Aufbringen von Glas- oder Steinwolle nicht denkbar. Stattdessen wurden oberhalb der gewölbten Fläche „RG Granulatflocken“von Rockwool eingeblasen, die sich der komplexen Geometrie anpassen. Im Innenbereich erfuhren alle Flure, Treppenhäuser und die Aula durch Wiederherstellung des historischen Material- und Farbkonzepts große gestalterische Veränderungen.
Sämtliche Wandflächen wurden nach historischem Vorbild in eine ca. 2 m hohe, mit den Caparolfarben „Capamix Seidenlatex“ intensiv kolorierte Sockelzone und eine darüber liegende, farblich neutrale Fläche unterteilt. Zusätzlich wurde der Sockel durch aufgemalte Felder gegliedert, deren Proportionen einer Wandvertäfelung entsprechen.
Passend zu den Wandfarben wurden die einfarbigen Linoleumböden“Walton Uni“ und „Walton Cirrus“von Forbo Flooring gewählt, deren gedeckte Farbtöne, wie die Wandfarben, etagenweise wechseln. Als sicherheitstechnische Sanierung bildete die Verbesserung des Brandschutzes, der bei weitem nicht mehr den gegenwärtigen ordnungstechnischen Anforderungen entsprach eine dringend erforderliche Maßnahme. Ergänzend zu einer neuen Brandmeldeanlage wurden von Forster Rohr- und Profiltechnik AG neben „Presto 50“ Rauchstoptüren, die für T30 zugelassenen Brandschutztüren „Fuego light“ verbaut, um beide Fluchttreppenhäuser von den Klassenräumen zu separieren.
Im Anschluss dieser beispielhaften Sanierung, die erst durch ausgesprochen konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten möglich wurde, konnte sich das ehrwürdige Gebäude am 30. September 2010 den Schülern in neuer Gestalt präsentieren.
Architekten: Jensen + Görgl, Mönchengladbach
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