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Spannungsfrei bis ins Detail

Fugen und Anschlüsse bei Gipsplattenkonstruktionen
Spannungsfrei bis ins Detail

Wie sich die Stärke einer Kette nach ihrem schwächsten Glied bemisst, so bestimmen vor allem die Details an Verbindungen und Übergängen die technische und architektonische Qualität einer Wand- oder Deckenbekleidung mit Gipsplatten.

Gipsplatten für die Bekleidung von Montagewänden oder für abgehängte Decken sind Gewicht sparende und sehr rationelle Lösungen für den Innenausbau. Fachgerecht verspachtelt, bilden sie optisch perfekte Oberflächen und können sowohl Brandschutz- als auch Schallschutzanforderungen erfüllen.
Die optische und bauphysikalische Qualität einer Bekleidung mit Gipsplatten hängt jedoch nicht nur von der Ausführung in der glatten und ungestörten Fläche ab. Einen ebenso bedeutenden Einfluss hat die Ausbildung aller Anschluss- und Verbindungsdetails.
Fugen und Anschlüsse innerhalb der Bekleidung und am Übergang zu anderen Bauteilen müssen deshalb sorgfältig geplant werden.
Speziell die Verbindung von Bauteil zu Bauteil fordert den Planer immer wieder neu. Durch unterschiedliche Dehnungen, Verformungen und Belastungen treten gerade an diesen Stellen vermehrt Spannungen auf, zum Beispiel zwischen tragenden Massivbauteilen und den daran anschließenden Decken- oder Wandbekleidungen mit Gipsplatten.
Ursache sind einerseits die abweichenden hygrischen und thermischen Längenänderungen der verschiedenen Baustoffe. Andererseits treten Bewegungen innerhalb der Konstruktion durch Setzung, Windeinwirkung oder nicht vorhersehbare Belastungen auf. Bei fachgerechter Planung können für alle Anschlüsse und Verbindungen Lösungen gefunden werden, die rissfreie Oberflächen und damit architektonisch anspruchsvolle Wand- oder Deckenbekleidungen gewährleisten.
Die Industriegruppe Gipsplatten im Bundesverband der Gipsindustrie e.V. hat das Merkblatt „Gipsplattenkonstruktionen – Fugen und Anschlüsse“ herausgegeben, das bewährte konstruktive Lösungen für alle gängigen Verbindungsdetails beschreibt.
Vorhersehbare Spannungseinträge
Zu den grundsätzlichen Planungsanforderungen zur Vermeidung von Rissen und Verformungen gehören, dass Bewegungsfugen des Bauwerks in die Gipsplattenkonstruktion übernommen werden müssen.
Gipsbauteile sind außerdem stets von anderen Bauteilen konstruktiv zu trennen, egal ob es sich um angrenzende Wände, um in die Decke einbindende Stützen oder um Einbauteile (z.B. Leuchten) handelt. Großflächige Bekleidungen erhalten in der Regel alle 15 m Dehnungs- oder Bewegungsfugen. Ebenso ist an Stellen mit ausgeprägten Querschnittsveränderungen, etwa Flurerweiterungen oder einspringenden Wänden, zu verfahren.
Bei vorhersehbaren Bewegungen der Rohbaukonstruktion müssen gleitende Decken- und Wandanschlüsse vorgesehen werden. Beispiele hierfür sind Gebäude in Stahlleichtbauweise, das Auftreten sehr variabler Verkehrslasten oder Konstruktionen, bei denen ein ausgeprägtes Kriechen, Schwinden und/oder Setzen zu erwarten ist.
Und schließlich ist mit Rücksicht auf die hygrischen und thermischen Längenänderungen ausreichend Zeit für Trocknungsphasen und das Aufheizen im Winter einzuplanen. Schockartige Temperatur- oder Luftfeuchteänderungen sollten in der Bauzeit und zu Beginn der Nutzungsphase vermieden werden.
Klassifizierung der Fugenausbildung
Die Übergänge von leichten Trennwänden oder Unterdecken zu Massivbauteilen werden im Regelfall mit Anschlussdichtungen ausgeführt. Üblich sind Dichtungsbänder, sowie Dichtstoffe, die streifenförmig oder vollflächig auf das Anschlussprofil aufgebracht werden.
Für die Ansichtsbereiche der Fugen beschreibt das Merkblatt sieben Klassifizierungen von A bis G:
  • A – starrer angespachtelter Anschluss in Verbindung mit Trennstreifen an Massivbauteile
  • B – starrer angespachtelter Anschluss zwischen Trockenbaukonstruktionen mit Gipsplatten
  • C – Anschluss mit Dichtstoff
  • D – offene Anschlussfuge (Schattenfuge)
  • E – gleitender Anschluss (horizontal und/oder vertikal beweglich)
  • F – offene Feldfuge (nur in der Bekleidung)
  • G – gleitende Feldfuge (in der Bekleidung und der Unterkonstruktion).
Die Klassen A bis C stellen weitgehend starre Fugen dar, die kaum Verformungen aufnehmen können. Speziell bei den angespachtelten Anschlüssen A und B sind teilweise Haarrisse zu erwarten und auch zulässig.
Solche Haarrisse können hingegen ausgezeichnet mit Schattenfugen in der Ausbildungsart D überdeckt werden. Vollständig und sicher vermeiden lassen sie sich mit den beweglichen Fugen E bis G, die auch größere Verformungen aufnehmen können.
Wenn Forderungen an den Brand- oder Schallschutz bestehen, werden die offenen bzw. beweglichen Fugen mit hinterlegten Plattenstreifen ausgeführt. Dadurch bleibt die Schutzwirkung auch am Anschlussdetail erhalten.
Weitere Informationen
Fugen und Anschlüsse in Gipsplattenkonstruktionen bba 569
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