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Das Fenster vor der Wand

Wärmebrückenfrei und dicht: Weit außen positionierte Fenster
Das Fenster vor der Wand

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Bei wärmegedämmten Außenwänden hat sich im Hinblick auf den Wärmeschutz eine weit außen liegende Fensterposition bündig oder sogar vor der tragenden Wand bewährt. Die Lösung erfordert genaue Planervorgaben für einen wärmebrückenfreien und dichten Fensteranschluss sowie eine sichere Fensterbefestigung in der ausladenden Position.

Anforderung:

Weit außen liegende Fenster bei wärmegedämmten Außenwänden

Lösung:

Vorwand-Montagesysteme für Fensterpositionen innerhalb der Dämmebene


Markus Hoeft

An Fenstern und speziell ihren Anschlussfugen zum Baukörper treffen eine Vielzahl von Materialien, Funktionen und Gewerken aufeinander, die erst in ihrer Gesamtheit die ästhetische, technische und bauphysikalische Qualität des eingebauten Fensters bestimmen. Die Fuge zwischen Fenster und Baukörper muss in erster Linie dicht gegen Feuchtigkeit von außen sein, sie dient aber auch dem Toleranzausgleich, der Luftdichtheit sowie dem Wärme- und Schallschutz. Gleichzeitig befindet sich in der Fuge die Fensterverankerung, oder genauer gesagt: Die Verankerung überbrückt diese Fuge.

Ähnlich komplex wie die Funktionen stellt sich die Vielfalt der Gewerke am Baukörperanschluss des Fensters dar. Auf vergleichsweise kleinem Raum müssen hier nicht nur die Leistungen des Rohbauunternehmers und des Fensterbauers miteinander harmonieren. Je nach Art der Ausführung können auch der Fassadenbau, der Sonnenschutz oder die Anschlusssituation des Innenputzes in der Leibung Einfluss auf den korrekten Fenstereinbau haben.

Fensteranschluss fachgerecht planen

Wegen der Vielfalt der Anforderungen und der Gewerke muss der Gebäudeanschluss des Fensters detailliert geplant und im Leistungsverzeichnis genau beschrieben werden. Die Einzelheiten der Ausführung sollten keinesfalls den jeweiligen Handwerkern überlassen werden. Auch allgemeine Hinweise auf Merkblätter oder Richtlinien – die für die einzelnen Gewerke durchaus existieren – reichen nicht aus, weil keines der beteiligten Unternehmen die Gesamtheit der bauphysikalischen Anforderungen und ihre bauliche Umsetzung für das konkrete Fenster überblicken kann. Doch erst das fachgerecht aufeinander abgestimmte Zusammenspiel aller Aspekte stellt die Funktionsfähigkeit des Fensters sicher.

Zu den planungsrelevanten Aspekten des Fenstereinbaus gehört im modernen, energieeffizienten Bauen auch die Position des Fensters in der Außenwand. In massivem monolithischem Mauerwerk wird traditionell eine mittige Position bevorzugt. Heute überwiegen jedoch Bauweisen mit zusätzlicher Wärmedämmung der Außenwand, etwa in Form eines Wärmdämm-Verbundsystems, einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade oder eines zweischaligen Mauerwerks mit Kerndämmung.

In diesen Fällen hat sich zur Vermeidung von Wärmebrücken und zur Verhinderung von Tauwasserausfall eine Fensterposition auf der Außenseite bündig oder sogar vor der tragenden Wand bewährt. Die genaue Position muss für den konkreten Einzelfall ermittelt werden, in der Regel erweist sich der Einbau im ersten raumseitigen Drittel der Dämmschicht als ideal. Das Fenster befindet sich dann mit einer Ausladung vor der Wand, was bei der Auswahl des Befestigungssystems zu beachten ist.

Vorteile der ausladenden Fensterposition

Die weit außen liegende Platzierung vermeidet das ästhetisch und lichttechnisch nicht immer einfach zu lösende Problem der Laibungsdämmung. Denn bei einer klassischen Fensterposition mittig in der tragenden Wand müssen die äußeren Fensterlaibungen mit einem Dämmstoff gegen Wärmeverluste geschützt werden. Diese Dämmung reduziert die mögliche Fenstergröße und damit den Lichteinfall. Auch architektonisch sind relativ weit innen liegende Fenster meist nicht attraktiv, weil sie optisch einen Schießscharteneffekt erzeugen.

Ein zweiter und meist noch wichtigerer Effekt weit außen liegender Fenster ist die Vermeidung von Wärmebrücken am Übergang vom Bauwerk zum Fenster. Denn in der äußeren Einbauposition lässt sich bei entsprechender Planung sicher verhindern, dass die Innenseiten der Fensterrahmen zu kühl werden und es an diesen Stellen zum Tauwasserausfall kommt. Dieser Sachverhalt wird mit dem Verlauf der bauphysikalisch kritischen 13 °C-Isotherme beschrieben, die an keiner Stelle die inneren Bauteiloberflächen erreichen darf.

Dieser Nachweis muss vom Planer geführt und anhand dessen die Position der Fenster innerhalb der Laibung oder Dämmung vorgegeben werden. Im Leistungsverzeichnis ist außerdem zu beschreiben, wie und von welchem Gewerk die Abdichtung des Fensters nach dem Drei-Ebenen-Modell aufgebaut werden soll. Denn auch ein weit außen liegendes Fenster muss in der Baukörperanschlussfuge innen luftdicht, außen schlagregendicht und in der Zwischenebene schall- und wärmegedämmt sein.

Fehlt eine solche Schnittstellenplanung oder wird ihre Ausführung von der Bauleitung nicht eingefordert und überwacht, kann es zu Wärmebrücken und damit zu Tauwasserausfall kommen, der langfristig Schimmelbildung ermöglicht. Spätestens dann wird der Mangel offenkundig und führt zu Auseinandersetzungen über Schuld und Gewährleistung, die wegen der verschiedenen beteiligten Gewerke gerade an Schnittstellen besonders kompliziert sein können.

Auskragung mit Laschen und Konsolen

Die weit außen liegende Fensterposition hat zur Folge, dass sich keine einfache Direktbefestigung – wie sie bei Fenstern mitten in der Laibung üblich ist – einsetzen lässt. Bei einem Fenster in der Dämmebene fehlt der Befestigungsgrund, aber auch bei einer mauerwerksbündigen Fensterposition reichen die Randabstände meist nicht für Rahmendübel oder Direktbefestigungsschrauben aus.

Die Alternative sind Vorwand-Montagesysteme, die in unterschiedlichen Ausführungen angeboten werden. Zum einen gibt es vorkonfektionierte Montagelaschen, -winkel oder -konsolen, die die punktweise Befestigung des Fensters in wandbündiger oder auskragender Position ermöglichen. Die Elemente werden meist durch seitliches Verschrauben innerhalb der Mauerwerkslaibung verankert. Einige Systeme bieten auch die Möglichkeit der Verankerung auf der Außenseite der Wand oder auch der diagonalen Verschraubung, wie sie für sehr „weiches“ Mauerwerk zum Beispiel aus Porenbeton oder posierten Ziegeln erforderlich sein kann.

Auf der Fensterseite werden die Laschen oder Konsolen im Idealfall von innen durch den Falz verschraubt, wodurch später ein weitgehend zerstörungsfreier Fenstertausch möglich wird. Das Befestigungssystem darf nicht selbst eine Wärmebrücke in der Fensterfuge darstellen, weshalb neben den Konsolen aus Stahl auch Kunststoffkonsolen mit geringerer Wärmeleitung entwickelt worden sind. Der Stützwinkel der Konsole bietet zudem gegenüber einfachen Laschen oder Hessenkrallen eine hohe Steifigkeit der Fensterbefestigung.

Anschlüsse mit Wärmedämmzargen

Einer grundsätzlich anderen Idee bei der Fensterbefestigung in weit außen liegender Position folgen die verschiedenen Wärmdämmzargen oder Montagerahmen. Hier wird zunächst auf der Außenseite der Fensteröffnung ein Rahmen montiert, in den im zweiten Schritt das Fenster gestellt und befestigt wird. Dies klingt zunächst etwas aufwendiger, kann aber Vorteile bei der sicheren und fehlerfreien Befestigung sowie Abdichtung des Fensters haben. Auch der spätere Fenstertausch wird vereinfacht.

Wärmedämmzargen werden oft in steckbaren Einzelteilen und mit den zugehörigen Dämmelementen geliefert, sodass eine einfache Maßanpassung an das Fenster bzw. die Rohbauöffnung möglich ist. Viele Systeme arbeiten mit einer Kombination aus Verklebung und Sicherheitsverschraubung. Durch die Verklebung werden die Eigenlasten des Fensters auf eine größere Fläche verteilt und Lastspitzen an den Schrauben vermieden, was den Einsatz bei hochwärmedämmendem, aber oft eben auch wenig tragfähigem, „weichem“ Mauerwerk vereinfacht.

Im Leistungsverzeichnis ist zu klären, welches Gewerk den Rahmen einbaut und abdichtet sowie auf welche Art und Weise die Wärmedämmung bei dem jeweiligen System angearbeitet werden soll. Bei der Auswahl des Montagerahmens – aber auch für Einzelbefestigungen mit Laschen, Winkeln oder Konsolen – müssen neben der Grundanforderung der sicheren Befestigung eventuell weitere Kriterien geprüft werden. So kann es zusätzliche Anforderungen an den Brand-, Schall-, Einbruch- oder Absturzschutz des Fensters geben, die dann auch das jeweilige Montagesystem erfüllen muss. Zu bevorzugen sind nach der ift-Richtlinie MO-02/1 geprüfte Montagerahmen sowie Systeme, bei denen der Hersteller eindeutige statische Angaben zur Verfügung stellt oder sogar Unterstützung beim statischen Nachweis anbietet, sofern ein solcher erforderlich ist.

Es muss außerdem die stärkere Hebelwirkung am Befestigungssystem bei einer Fensterposition weit außen beachtet werden. Sie nimmt mit der Auskragung zu, weshalb die Systeme in der Regel eine Obergrenze für die Ausladung vor der Wand haben. Die Verankerung und das jeweilige Mauerwerk müssen diese Belastungen aufnehmen können, was speziell bei gemauerten Brüstungen zu berücksichtigen ist. Das Vorwand-Montagesystem sollte für eine präzise Fensterposition justierbar sein, um Bautoleranzen ausgleichen zu können.

Ausführungssicherheit durch Vorfertigung

Wegen der komplexen Anforderungen des Fensteranschlusses, aber auch wegen des hohen Wiederholungsfaktors, den der Fenstereinbau bei größeren Gebäuden aufweist, sollten eventuell Möglichkeiten der Vorfertigung geprüft werden. Auch vorgefertigte Komplettsysteme aus Fenster und Laibung sind im Grundsatz für den Einbau in weit außen liegender Position geeignet. Im Mittelpunkt stehen bei diesen Lösungen jedoch die Qualitätssicherheit und die zeitlichen Vorteile. Denn die Herstellung des Fensters samt der Verbindung zur Zarge durch Fachpersonal und unter den idealen Bedingungen einer Werkstatt reduziert die Fehleranfälligkeit des Bauanschlusses.

Wie bei allen Fertigteil-Bauweisen müssen die Bau- und Montageabläufe auch bei Fertigteil-Fenstern umfassend geplant werden, weil spätere Planänderungen oft gar nicht oder nur unter Schwierigkeiten möglich sind. Diesem Mehraufwand steht jedoch ein deutlicher Zeitgewinn bei der Montage auf der Baustelle gegenüber und bei einem entsprechend hohen Serienfaktor auch ein spürbarer wirtschaftlicher Vorteil. Vorgefertigte Fenster-Komplettsysteme enthalten im Idealfall nicht nur das Fenster, die Zarge und die gedämmten Laibungen, sondern je nach Fensterausstattung auch den Sonnenschutz samt Antriebstechnik und ggf. Rollladenkasten sowie thermisch und dichtungstechnisch optimierte Anschlusselemente zur Fensterbank und zum Fußboden.


Im Leistungsverzeichnis ist u.a. zu beschreiben, wie und von welchem Gewerk die Abdichtung des Fensters nach dem Drei-Ebenen-Modell aufgebaut werden soll. Denn auch ein weit außen liegendes Fenster muss in der Baukörperanschlussfuge innen luftdicht, außen schlagregendicht und in der Zwischenebene schall- und wärmegedämmt sein.


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