Neubau eines Lager- und Distributionszentrums in Münster

Überraschend anders

Das von Bolles + Wilson neu erstellte Industriegebäude mutet nicht als solches an. Seine Lage am eigenen See und vor allem die Art der Fassadenfarbigkeit strahlen eine ästhetische Gelassenheit aus, die an japanische Denk- und Bauweisen erinnert. Eine präzise Umsetzung und sorgfältig inszenierte Lichtführung machen aus dem Lagerhaus Architektur mit Wohlfühlcharakter.

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Das dritte Bolles + Wilson-Gebäude für RS+Yellow Möbel wurde im Oktober 2009 als Erweiterung des Lager- und Distributionszentrums der Hauptgeschäftsstelle fertig gestellt. Mit 7 000 m² grenzt das rechteckige Gebäude direkt an den Vorgängerbau aus Aluwellblech von 1992.
Die zweigeschossige, 60 x 66 m große „Big-Box” ist, wie für Gewerbearchitektur üblich, auf ein regelmäßiges Raster aus vorgefertigten Stützen, Trägern und weit gespannten Deckenplatten reduziert. Die Konstruktion besteht aus einem standardisierten einschaligem Porenbeton-System. Hierbei handelt es sich um stehend montierte, selbsttragende, 20 cm starke Hebel Wandplatten mit Brandschutzqualität von Xella Aircrete Systems GmbH. An der zweischaligen Fassade des Verwaltungstrakts wurden im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss 15 cm starke Hebel-Wandplatten als Vorsatzschale ebenfalls stehend montiert. Die Plattenbreite an allen Porenbetonfassaden wechselt zwischen den Modulmaßen 75 und 62,5 cm in beabsichtigt unregelmäßigem Rhythmus.
Meditativ gestreift
Zusätzlich betonen die Architekten die Vertikalität der Lagerhallen-Fassade durch einen pyjamastreifigen Farbanstrich und verzinkte Gitterroste. Sämtliche Öffnungen und notwendige Rauchabzugsvorrichtungen werden von den Gitterroststreifen verdeckt. Auf diese Weise entsteht ein durchgängiger Farbvorhang. Auf die Porenbetonwand kam ein dreifarbiger Fassadenanstrich von Brillux. Nach Grundierung und Zwischenbeschichtung wurde ein Silikonharzputz als Schlussbeschichtung aufgebracht. Das Silicon-System verhindert durch seine hohe Wasserabweisung die Durchfeuchtung des Mauerwerks bei gleichzeitig guter Diffusionsfähigkeit.
Die Fassade des zurückgesetzten Büroaufbaus im zweiten Obergeschoss besteht aus einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) mit 120 mm Wärmedämmung, WLG 035 und einem Brillux Oberputz mit Kratzstruktur. Auf diesen durchgefärbten Kunstharzputz wurde als Schutzanstrich eine hoch wetterbeständige Reinacrylat-Fassadenfarbe (Acryl-Fassadenfarbe 100) im Scala-Farbton 03.06.15 aufgetragen. Ergänzend gestaltende Fassadenelemente an der Lagerhalle und gleichzeitig Verkleidung von beispielsweise Lüftungsöffnungen sind die im Modulmaß des Porenbetons in senkrechten, gebäudehohen Streifen flächenbündig vorgesetzten Gitterroste.
Dies sind industriell gefertigte Schweißpressroste aus verzinktem Stahl der Firma Lichtgitter GmbH. Hier werden in ungeschwächte Tragstäbe verdrillte oder runde Querstäbe in einem Arbeitsgang unter hohem Druck eingepresst und gleichzeitig elektrisch voll verschweißt. So entsteht die hohe Schnittfestigkeit und Verwindungssteifigkeit der Gitterroste.
Metaphysisch unwirklich
Auf den ersten Blick wirken dieses Lagergebäude und auch die 1 500 m² große Bürofläche über den Anlieferungsdocks sehr präzise, aber relativ konventionell. Eine große Überraschung erlebt der Besucher jedoch bei seiner Ankunft in den oberen Besprechungszimmern und Geschäftsleitungsbüros – durch einen Feuerwehreinsatz mit choreografiertem Alarm wurde die Dachfläche zu einem 45 x 65 m großen reflektierenden Pool geflutet. Das Randdetail des Wasserbeckens wurde nach Architektenvorgaben bis zur Unsichtbarkeit nivelliert und steigert hierdurch die metaphysische Unwirklichkeit dieses „Himmelreflektors“. Unterwasserschwellen bilden Segmente, die Mini-Tsunamis verhindern sollen; der Wasserüberlauf wird in unsichtbaren Schwallwasser-Rinnen gesammelt und in eine Zisterne geleitet.
Ein „Boardwalk“ aus Bangkirai Holz ist der großformatigen Schiebe-Glasfassade vorgelagert. Von hier aus erstreckt sich ein Steg bis in die Mitte der Wasserwelt – der Besucher sitzt von geometrischen Bambushainen umgeben. Hier reflektiert erneut die nach Süden gerichtete Glasfront des Dachpavillons das sich kräuselnde Wasser. Die Fassade selbst wird durch eine auskragende Stahl-Pergola verschattet, an deren äußerster Kante ein Vorhang aus Sonnenlamellen hinunter gleitet. Eingebaut wurde die filigrane Alu-Schiebefensteranlage (Sky-Frame) decken- und fußbodenbündig. Den passiven Sonnenschutz über den Büroräumen des 2. OG bildet eine bis zu 7 m auskragende Stahl-Pergola mit untergehängten starren Alulamellen, individuell nach Architektenentwurf vom Schlosser hergestellt. Der aufgeständerte Tragrahmen besteht aus verzinkten Stahlprofilen IPE 300. Auch an der Südseite ist eine Alulamellen-Raffstoreanlage als zusätzlicher variabler Sonnenschutz integriert.
Der „Dachsee“ oberhalb der Lagerhalle wurde mit einer hochpolymeren Folieneindichtung auf 140 mm starker, hoch druckfester Schaumglas-Dämmschicht eingedichtet. Mit dem hochwertigen Foamglas-Kompaktdach erhält der Bauherr eine auf 20 Jahre verlängerte Gewährleistung. Als obere Dichtungsbahn wurde „GWSK Protect“, d=2,3 mm (mit Glasvlieseinlage, Brandschutz nach DIN 4102, Teil 7) von Wolfin direkt verklebt.
Bolles + Wilson: „Aus dieser Überlagerung von innen und außen, von natürlichem und künstlichem, von direktem und reflektiertem Licht entsteht eine einzigartige Atmosphäre, die an ein industrialisiertes japanisches Teehaus erinnert.“
Architekten: Bolles + Wilson, Münster

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