Neubau der Kollegi-Gärtnerei im schweizerischen Sarnen

Anleihen aus Fernost

Idyllisches Sarnen: Zwischen Bergpanorama und Sarnersee lässt sich so manches Postkartenmotiv entdecken. Und inmitten dieser Schweizer Idylle stehen zwei Gebäude, die man hier nicht erwartet hätte: die Neubauten der Kollegi-Gärtnerei. Sie zeichnen sich durch eine luftige Gestaltung aus, die bei aller modernen Ausstrahlung warm und naturnah wirkt.

Dipl.-Ing. Marc Nagel | be

Auf dem Gelände, auf dem vormals die Kollegi-Sporthalle stand, präsentieren sich der Neubau der Kollegi-Gärtnerei mit zwei Pavillons, die so gar nichts mit dem umliegenden Bergpanorama gemein haben. Ihre Anmutung erscheint modern und leicht. Bereits aus einiger Entfernung ist erkennbar, dass es den Architekten um Patrik Seiler gelungen ist, diesen Bau gekonnt zwischen den Siedlungsrand von Sarnen und dem nahen Sport- und Freizeitgelände, das sich zum See hin in einen Naturraum entwickelt, zu integrieren. Die eingeschossigen Baukörper nehmen sich dabei gegenüber der teils wesentlich höheren Umgebungsbebauung zurück und bilden mit ihrer Höhe einen abgestuften Übergang zum Freigelände. Auch der Dialog mit der direkten Umgebung, den Anlagen der Gärtnerei, gelingt auf diese Weise.
Modern und trotzdem natürlich
Dass die beiden Neubauten der Kollegi-Gärtnerei, die als Arbeitsort für Menschen mit Beeinträchtigung von der Rütimattli Stiftung betrieben wird, so gut in ihre Umgebung passen, ist neben der Eingeschossigkeit auch der Fassade zu verdanken. Denn unter dem jeweiligen Walmdach ummantelt eine leichte Fassade die Baukörper, die in ihrer Materialität und Farbgebung zu Landschaft und Nutzung passt. Vor allem die Fassade des Hauptgebäudes weiß zu überzeugen. Mit einem hohen Glasanteil und dadurch einer hohen Transparenz erlaubt sie viele Einblicke. Und aufgrund der Fichteprofile, die von der Haupt AG in Ruswil stammen, repräsentiert sie eine gewisse Natürlichkeit.
Auf ihr liegt das große, teils weit auskragende Walmdach satt auf und wird optisch von den umlaufenden Holzstützen getragen. Sie bilden im Süden und Westen einen Laubengang, der an Arkaden erinnert und in seiner Formensprache der Feder von David Chipperfield entsprungen sein könnte. Auch diese Holzteile sind aus Fichte gefertigt und wurden von der Walter Küng AG geliefert. Sie sind, wie die Profile der Fenster, mit einem dunklen Anstrich versehen. Im Falle der Holzprofile handelt es sich um die Lasur Capadur Silver Style in Deep Space von Caparol. Sie erlaubt eine farbliche Akzentuierung mit metallischem Glanz bei gleichzeitigem hohen Holzschutz. Durch den metallischen Effekt der eingearbeiteten Eisenglimmer schimmert dieser Fassadenteil mit seinem Grundton in Aubergine je nach Lichtstimmung mal in Rottönen und mal in Brauntönen.
Schwebender Hochwasserschutz
Abgeschlossen wird das architektonische Erscheinungsbild des Hauptgebäudes durch die Bodenplatte aus Sichtbeton, die auf einem Beton-Sockel steht. Diese Maßnahme ist notwendig, da die Gebäude in einem Hochwassergefahrenbereich stehen. Gleichzeitig verleiht sie dem Bau einen leicht schwebenden Charakter.
Neben dem Hauptgebäude wurde auch ein Lagergebäude erstellt, das in seiner Gestaltung wesentlich zurückhaltender auftritt. Seine Fassade ist größtenteils geschlossen und der gesamte Pavillonbau wirkt etwas niedriger, da die Bodenplatte hier nicht auf einem Sockel steht, sondern direkt am Boden platziert wurde. Um die Verwandtschaft beider Bauten jedoch zu verdeutlichen, gliedern wie beim Hauptgebäude Holzlamellen aus Fichte, ebenfalls mit Capadur Silver Style lasiert, die Außenhaut des Lagerbaus.
Anleihen aus der Natur
Die Natürlichkeit der Fassade spiegelt sich auch im Innern des Hauptgebäudes wieder, auf das wir uns hier konzentrieren. So wurde ein Natursteinboden aus Montenegro Kalk von der Kerbos AG, einem kleinen Betrieb aus der Region, vor Ort gebrochen und als Mosaik verlegt. Er soll in seiner Anmutung trockenen Ackerböden gleichen, die zu Schollen aufspringen und solche Muster erzeugen wie man sie hier sieht. Ein gelungenes Bild, das nicht nur wirkt, sondern den Räumen auch Spannung verleiht.
Und selbst die Betonwände wurden so lasiert, dass sie mit ihren erdigen Farben die Natürlichkeit aufnehmen, die das gesamte Farbspektrum des Baus prägt. Bei der dabei verwendeten Betonlasur handelt es sich um die Exponit Betonlasur von Bosshard + Co. AG, die neben der Farbgestaltung auch den Betonschutz gegen Fleckenbildung durch Feuchte übernimmt. Abgerundet werden die Innenräume wie Verkaufsraum, Saal, Arbeitsraum und diverse Nebenräume optisch durch eine Holzlamellendecke. Diese ist ebenfalls in Fichte gefertigt und stammt von der Walter Küng AG. Farblich wurde sie in einem hellen Blau mit der Farbe LC 32.022 von der kt.Color AG gestrichen. So bildet sie mit dem hellen Boden eine optische Klammer um die braun lasierten Betonwände.
Zweigeteilte Konstruktion
Die vielen Betonflächen im Innenraum kommen zustande, da die Konstruktion des Haupt-Pavillons sowie des Lagergebäudes zweigeteilt wurde. Der Kern besteht aus Beton. Darin finden sich die Nebenräume wie Toiletten, Garderobe, Technik und Lager. Dieser Kern trägt auch die Hauptlasten ab und dient der Aussteifung. Die umgebende Hülle besteht dagegen aus einer Holzkonstruktion und verleiht den Bauten besagte Leichtigkeit.
Aufgrund der Kernstruktur war es so möglich, in den großen Räumen entlang der Fassade auf Stützen zu verzichten. Dies ermöglicht einen offenen und flexiblen Grundriss, der an sich wandelnde Gegebenheiten und unterschiedliche Nutzungen angepasst werden kann. Um dies auch praktisch anwendbar zu machen, verfügt das Hauptgebäude über eine mobile Trennwand, mit der die Räume an der Westseite gegliedert werden können. Die Trennwand stammt wie die meisten Holzelemente dieses Projekts von der Walter Küng AG und wurde nach den Plänen der Architekten als Sonderanfertigung geliefert.
Architektur, die sich zurücknimmt
Das wirklich Angenehme am Neubau der Kollegi-Gärtnerei in Sarnen ist aber bei allen Details ihre zurückhaltende Art. Beide Gebäude passen in Proportionalität, Materialität und Farbigkeit sowohl in die Umgebung als auch zu ihrer Nutzung. So bilden die Farben einen angenehmen Kontrast zu den Pflanzen der Gärtnerei und die Volumen sowie der architektonische Ausdruck der Fassade schaffen einen gekonnten Übergang zum nahen Naturraum. Dass dabei keine langweiligen oder austauschbaren Gebäude entstanden, zeichnet die Architekten ebenso aus, wie die nur dezent angedeuteten Anleihen in der typisch alpenländischen Architektur.
Søren Linhart, Patrik Seiler Architekten: „Die Materialisierung der Gebäude ebenso wie deren räumliche Wandelbarkeit erinnern in ihrer Leichtigkeit an japanische Pavillonbauten.“
Architekturbüro: Patrik Seiler Architekten AG, Sarnen

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