wolkenartig schimmernde Fassade aus weiß-blauen Klinkern.mit Glasur

Neubau eines Studentenwohnheimes der Universität Utrecht

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Auf dem Campus der niederländischen Universität Utrecht ist ein ungewöhnliches Studentenwohnheim fertiggestellt worden. Das markante Ensemble des Groninger Architekturbüros Onix NL stellt auf 18 Ebenen insgesamt 655 Wohnungen zur Verfügung. Charakteristisch ist die wolkenartig schimmernde Fassade aus weiß und blau glasierten Klinkern.

Robert Uhde

Mit aktuell rund 30 000 Studenten besitzt Utrecht die zweitgrößte Universität der Niederlande. Seit Ende der 1960er-Jahre wurden die bis dahin ausschließlich im Zentrum der Stadt angesiedelten Institute sukzessive auf den am östlichen Stadtrand neu errichteten Campus „De Uithof“ umgesiedelt. Aufbauend auf einem 1989 vorgestellten Masterplan von Rem Koolhaas zur Nachverdichtung des Areals hat sich der Standort bis heute zu einem der spannendsten Architektur -Laboratorien des Landes entwickelt, in dem bis heute Projekte unter anderem von Ben van Berkel, Neutelings Riedijk, Mecanoo, NL Architects oder Wiel Arets realisiert wurden.

Zu den wichtigsten Betätigungsfeldern für Architekten auf dem Campus zählt bis heute die Planung von ausreichend groß dimensionierten Wohnheimen zur Unterbringung der stetig steigenden Zahl an Studenten. Nach dem 1999 fertiggestellten „Cambridgeflat“ (1 000 Wohnungen), dem 2006 eingeweihten Hochhausturm „De Bisschoppen“ (550 Wohnungen) sowie der 2009 folgenden „Casa Confetti (380 Wohnungen, bba 10/2011) wurde jetzt das vom Groninger Architekturbüro Onix NL geplante Hochhausensemble „Johanna“ als vierter Großblock bezogen.

Um eine maximale Flexibilität und eine möglichst kurze Bauzeit bei möglichst geringen Kosten zu ermöglichen, wurde der 65 m hoch aufsteigende Neubau in modularer Bauweise mit vorgefertigten Fassadenelementen aus Beton errichtet. Auf 18 Ebenen mit einer Bruttogeschossfläche von rund 20 000 m² stellt er insgesamt 655 Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 16 und 24 m² zur Verfügung. Zentraler Blickfang nach außen ist dabei mit blau und weiß glasierten Klinkern gestaltete Fassade, die von weitem betrachtet als luftige Wolke erscheint.

Bezug zum städtebaulichen Umfeld

Ein wichtiger Bezugspunkt für den Entwurf war die städtebauliche Umgebung des Standortes im Süden des Universitätscampus in unmittelbarerer Nähe zur Bibliothek: „Der direkt angrenzende Bisschopssteeg ist eine der wenigen diagonal verlaufenden Straßen auf dem ansonsten sehr strengen Straßenraster von De Uithof“ , beschreibt Projektarchitekt Haiko Meijer den Kontext. „Um diesen Akzent architektonisch umzusetzen, haben wir ganz bewusst den Verlauf der dort bereits vorhandenen Gebäudeschluchten aufgegriffen und das winkelförmig in drei Abschnitte untergliederte Gebäudevolumen außerdem durch einen klaren Höhenakzent in Richtung der nordöstlich angrenzenden Kreuzung gestaffelt.“

In gegenüberliegender Richtung, wo sich der Universitätscampus ganz allmählich in der Auenlandschaft eines angrenzenden Rheinarmes verliert, umsäumt die Figur dagegen eine großzügige Treppenanlage aus Bilinga-Holz und wirkt damit deutlich kleiner und intimer. Das multifunktionale Treppenmöbel schafft einen fließenden Zugang zum gläsernen Haupteingang, dient aber gleichzeitig als Außenterrasse und als Treffpunkt und überdeckt außerdem die darunter gelegenen Stellflächen für Fahrräder und PKW. Weitere Außenterrassen stehen den Studenten auf den Dächern des flacheren Gebäudeabschnittes oberhalb des sechsten und elften Geschosses zur Verfügung.

Als Fortführung des großen Treppenmöbels haben die Planer den Werkstoff Holz auch im Innenbereich zur Kennzeichnung von Gemeinschaftsflächen eingesetzt. Er findet sich dort als Material für Wände, Treppen, Decken oder Sitzbänke im Bereich des Haupteinganges, des nach Nordosten zur Kreuzung hin orientierten Cafés, der Wäscherei oder der Außenterrassen. Die Erschließungsflure und die einzelnen Wohneinheiten wurden im Kontrast betont farbig gestaltet. Die Palette reicht dabei je nach Geschoss von Blau oder Orange über Grün und Rot bis hin zu Gelb.

Wolkenartige Klinkerfassade

Weithin sichtbare Besonderheit des Neubaus ist die insgesamt 7 000 m² große, mit insgesamt 220 000 Klinkern ausgebildete Außenhülle. Um den angestrebten wolkenartigen Fassadeneindruck zu erzielen, hatten sich die Architekten schon frühzeitig an die kleine friesische Manufaktur „Koninklijke Tichelaar Makkum“ gewandt. Die älteste Porzellan-Fabrik der Niederlande fertigt ihre Produkte sämtlich in Handarbeit und kann so unterschiedlichste Gestaltungsanforderungen individuell umsetzen.

Ausgehend von dem eng begrenzten Kostenbudget und dem hohen Fertigungsgrad des Gebäudes war in diesem Fall zunächst entschieden worden, auf spezielle Klinkerriemchen im Format von 292 x 92 x 15 mm von Feldhaus Klinker zurückzugreifen und und diese dann mit den für die Fassade vorgesehenen Fertigteilen aus Stahlbeton weiterzuverarbeiten. Vorab wurden die ausgewählten Steine jedoch im Klinkerwerk mit einer perlmuttartig schimmernden Glasur (Koninklijke Tichelaar Makkum) in vier verschiedenen Farbnuancen von Weiß über Grau bis hin zu Hellblau und Dunkelblau überzogen. Um dabei handwerklich gefertigte Unikate mit jeweils eigenen Charakter zu erhalten, erhielten die Steine im Rahmen der Fertigung zunächst mit Hilfe von gerippten Gummimatten ein rindenartiges Oberflächenrelief:

„Die anschließend bei einer Temperatur von 1 100 °C aufgetragene Glasur fällt dadurch bei jedem Stein anders aus, so dass die Fassade je nach Witterung, Lichteinfall und Perspektive völlig unterschiedliche Ansichten und Spiegelungen zeigt“ , beschreibt Haiko Meijer den Eindruck.

Hoher Vorfertigungsgrad inklusive Glasur

Um einen schnellen und kostengünstigen Baustellenablauf mit hohem Vorfertigungsgrad zu ermöglichen, waren die glasierten Klinker zur weiteren Montage rückseitig mit einem Schlitz versehen worden, bevor sie dann im nächsten Schritt an das beauftragte Betonfertigteilwerk Loveld B.V. ausgeliefert werden konnten. Gemeinsam mit der integrierten, 135 mm starken Dämmung aus EPS wurden sie dort zu 3,0 x 6,8 m großen, insgesamt 400 mm dicken Sandwich-Elementen aus Beton weiterverarbeitet: „Die Fertigung der Elemente nach fünf unterschiedlichen Rastern im Zusammenspiel mit unregelmäßig platzierten und abwechslungsreich untergliederten Fensteröffnungen schafft dabei die Basis für einen lebendigen Fassadeneindruck mit hoher Varianz“ , erklärt Haiko Meijer.

Nach Anlieferung der Fertigteile auf die Baustelle konnte abschließend die Montage der einzelnen Elemente an der jeweils vorgesehenen Position erfolgen. In einigen Bereichen der Fassade treffen die unregelmäßig gestalteten Farbcluster hart aufeinander, an anderer Stelle gehen sie eher fließend ineinander über. Verstärkt wird der pixelhaft bewegte Eindruck der Fassade durch den gewählten Blockverband mit abwechselnd horizontal und vertikal gemauerten Abschnitten. Bei so viel Dynamik verwundert es kaum, dass es bisweilen tatsächlich so wirkt, als würden sich die Gebäudevolumen in ihrer Umgebung auflösen: „Genau das war unsere Idee“, erklärt Haiko Meijer:

„In der international ausgerichteten Welt der Studenten soll die Fassade Mittel der Identifikation und zur Standortbestimmung gleichermaßen sein und mit ihren blau-weißen Klinkern einerseits auf ein typisch niederländisches Design-Element verweisen und gleichzeitig eine pointillistische Wiedergabe des niederländischen Himmels ermöglichen.“

Planung:

Onix NL, Groningen, Niederlande

Projektarchitekt: Haiko Meijer

Projektleiter: Rene Harmanni

Projektteam: Joost Maatkamp, Reni Bouwhuis, Fadi Alnajar, Peter de Kan, Alex van de Beld, Philip Göransson, Joachim Reiter

www.onix.nl



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