Fachwerkhaus-Sanierung in Weil am Rhein

Komplexe Bedürfnisse – Innendämmung für ein Fachwerkhaus

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Nahe der Schweizer Grenze wurde in einem unter Denkmalschutz stehenden Ortskern ein knapp 400 Jahre altes Fachwerkhaus saniert. Nach kompletter Entkernung haben alle Außenwände eine Innendämmung erhalten. Zum Einsatz kam eine mineralische Dämmung, die speziell für die vielschichtigen Bedürfnisse von Fachwerk entwickelt worden ist.

Filiz Bekmezci | vs

Auf dem Rücken des Tüllinger Berges nahe der Schweizer Grenze liegt Ötlingen, seit 1971 Stadtteil von Weil am Rhein, dessen historisch gewachsene dörfliche Substanz sehr gut erhalten ist. Ein im denkmalgeschützten Ortskern liegendes Gehöft – eines der sechs ältesten Gebäude des Ortes – wurde nun aufwendig saniert, um einer dreiköpfigen Familie als Wohnhaus zu dienen. Die Außenmauern des Erdgeschosses sind massiv aus 50 cm dicken Backsteinen gemauert. Im ersten und zweiten Obergeschoss bestehen die Außenwände aus Fachwerk mit Gefachen aus Bruchsteinen. An einigen Stellen hatte der Putz der Fassade Risse, ansonsten war die Fassade gut erhalten. Allerdings war an undichten Stellen im Gefach Feuchtigkeit im Obergeschoss aufgetreten. Das Fachwerk hatte teilweise ebenfalls Feuchteschäden.

Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurde das Fachwerkhaus komplett entkernt. Tragendes Mauerwerk bzw. tragende Balken wurden, wo nötig, erneuert. Das Dach wurde als Galerie ausgebaut, die angrenzende alte Scheune in die Sanierungsmaßnahmen mit einbezogen. Zahlreiche Schäden, die durch frühere „Modernisierungen“ entstanden waren, mussten behoben werden. Der Dachstuhl beispielsweise besteht aus traditionellen Holzverbindungen (Zapfenkonstruktion) und enthält keine einzige Schraube. Die Balken wurden sandgestrahlt und geölt, so ökologisch wie möglich behandelt und erhalten. Auf einige Balken war irgendwann aber Bleilack aufgetragen worden. Dieser musste mühsam von Hand entfernt werden. Außerdem waren bei einer der früheren Modernisierungen im letzten Jahrhundert einige tragende Balken und Unterzüge abgesägt worden; die Tragkonstruktion war dadurch massiv beschädigt. Daher wurden auf zwei Etagen Stahlunterzüge neu eingezogen, um das erste Obergeschoss sowie das Dachgeschoss abzustützen.

Kapillaroffene Innendämmung

Eine weitere Herausforderung war die Wahl der richtigen Dämmung. Da die Gefache des Gebäudes in der Außenansicht teilweise zu sehen sind, kam eine Außendämmung nicht in Frage. Verzichtet werden konnte auf eine Dämmung aber nicht – insbesondere aufgrund der schattigen Lage des Hauses innerhalb der engen Dorfbebauung. Es musste also eine Innendämmung zum Einsatz kommen. Architekt Thomas Grützmacher empfahl, sich für ein kapillaroffenes System mit aufeinander abgestimmten Komponenten zu entscheiden. Die Wahl fiel deshalb auf „TecTem Historic“ von Knauf Aquapanel, eine Spezialdämmung für Fachwerkgebäude.

Der wesentliche Unterschied zwischen Fachwerk und herkömmlichen Ziegelkonstruktionen besteht darin, dass Holz sich der relativen Feuchte der umgebenden Luft anpasst. Diese Feuchte wiederum beeinflusst das Schwinden und Quellen des Holzes. Den jahreszeitlichen Witterungen ausgesetzt, ist es also ständig in Bewegung und macht eine schlagregendichte Fugenausbildung der Fachwerkfassade unmöglich.

„Eine luftdichte Gebäudehülle nach EnEV hat in einem historischen Fachwerkhaus nichts zu suchen und verursacht mehr Schaden als Nutzen“, so Architekt Thomas Grützmacher.

Fachwerk darf nur mäßig gedämmt werden, damit das Trocknungspotenzial der Bestandswand erhalten bleibt. Die mineralische Dämmplatte TecTem Historic ist speziell auf die Anforderungen von Fachwerkgebäuden abgestimmt: Sie ist hydrophil, diffusionsoffen, kapillaraktiv und hat einen schimmelpilzfeindlichen pH-Wert 10. Sie dämmt effizient und puffert Feuchtigkeit in hohem Maße ab. Sollte es zu einem Tauwasserausfall innerhalb des Wandaufbaus oder zu einem Feuchteeintrag über die Fugen von außen kommen, garantieren die Systemkomponenten in Verbindung mit der Dämmplatte, dass Auffeuchtungen sowohl nach innen, als auch nach außen schnell wieder abgeben werden können. Das System ist somit in der Lage, optimal mit der komplexen Feuchte- und Wärmesituation im Fachwerk umzugehen und sie ganz natürlich zu regulieren. Man erhält eine sichere und gebäudeerhaltende Innendämmung, die zudem ein behagliches Raumklima schafft. Mit ihren 60 mm ist die TecTem Historic darüber hinaus relativ schlank.

Den richtigen Anstrich verwenden

Vor Anbringung der Innendämmung wurden im komplett entkernten Haus alle Makel und Verschmutzungen auf den Innenseiten der Außenwände beseitigt. Auf den extrem unebenen Untergrund wurde TecTem Grundputz Lehm als Ausgleichsputz aufgebracht. Darauf wurde TecTem Historic mit dem im System abgestimmten Klebespachtel Lehm montiert. Die gedämmten Wandflächen wurden anschließend grundiert (TecTem Grundierung) und verputzt (TecTem Innenputz mit TecTem Gewebe). Um den Abrieb des Putzes in Grenzen zu halten, entschied man sich für den Auftrag einer Silikatfarbe.

Der Einsatz dieser Farbe wurde mit dem Hersteller des Dämmsystems abgestimmt, denn die TecTem Platten sollten ihre Diffusionsoffenheit und Kapillaraktivität beibehalten. Mit dem falschen Anstrich hätte man das gesamte System zerstört.

„Ein Aufklärung der Bauherrschaft ist hier extrem wichtig“, so Architekt Grützmacher, „umso wichtiger, dass der Hersteller deutlich darauf hinweist.“

Von außen wurde das Gebäude weiß gestrichen, das Fachwerk und die Gewänder in dunklem Grau. Von außen lässt das Fachwerkhaus nicht erahnen, wie intelligent und wohnlich es im Inneren gestaltet ist. Trotz teilweise niedriger Deckenhöhen und kleinen Fenstern wirkt das Gebäude innen offen und hell. Auf jeder Etage hat man vom Treppenhaus Einsichten in die angrenzende Scheune geschaffen, was Spannung und Weite in dem kleinen Bauernhaus erzeugt. Für ein angenehmes Raumklima sorgt die mineralische Dämmung. Die Sanierung des alten Fachwerkhauses in Ötlingen ist ein Werk von Liebhabern, die keine Mühen gescheut haben. Es vereint Tradition und Moderne auf individuelle Weise und kann als Vorbild dienen für viele weitere Gebäude dieser Art, die noch auf eine Sanierung warten.

Architekt:

Architekturbüro Grützmacher, Steinen

www.gruetzmacher-architekt.de

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