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Außergewöhnlich nachverdichtet

Anbau eines Wohngebäudes in Lehrte
Außergewöhnlich nachverdichtet

Gute Architektur definiert sich für Axel Nieberg über Ausstrahlung und Atmosphäre eines Raumes. Maßgeblich von den verwendeten Baumaterialien beeinflusst, entschied sich der Architekt beim hinzugefügten Wohnriegel als Garagenüberbau für anthrazitfarbenen Sichtbeton, transluzentes Glas und wärmedämmenden Porenbeton. Dies brachte ihm einen Preis beim Xella- Wettbewerb „Bauen im Bestand 2008“ ein.

pro publica, Filderstadt

Der Wohnbau legt sich als eigenständiges Element über die bestehenden Garagen aus den 60er Jahren. Seine additive Fügung wird durch den zweiseitig auskragenden Riegel verstärkt. Ein Großteil des Gebäudes besteht aus glattem Sichtbeton, der in Anthrazit durchgefärbt ist. Für den Eingang wurde eine der vorhandenen Garagen umgenutzt. Er ist durch eine freistehende Sichtbetonscheibe und ein vorgelagertes Podest gekennzeichnet. In der ehemaligen Garage sind eine Diele mit großzügiger Garderobe, ein Abstell- sowie ein Hauswirtschaftsraum untergebracht.
Integrierte Leuchten verleihen dem Raum, zusammen mit der verputzten Wand, einen klaren, strukturierten Charakter, der nicht auf seine ehemalige Nutzung schließen lässt. Über ein Quader aus gebrochenen Betonsteinen gelangt der Besucher in das Obergeschoss. Seine raue Oberfläche fängt das Licht auf der Fassade ein und bildet einen Kontrast zum glatten Sichtbetonriegel. Um hervorzuheben, dass neben dem Wohnriegel auch der erschließende Baukörper ein additives Element ist, trennten ihn die Planer mit einer Glasfuge vom bestehenden Gebäudeteil ab. Im ersten Geschoss befindet sich der eigentliche Wohnbereich. Er ist durch seine fließenden Funktionsübergänge geprägt.
Ganz bewusst wurden die Innenräume durch den Außenraumbezug erweitert und große, raumhohe Wandöffnungen in den überwiegenden Teil der Fassade integriert. So entstand eine offene Wohnatmosphäre. Das Bad ist mittig in den Raum gestellt und wird zweiseitig erschlossen. Um die Wohnräume großzügig zu halten und den minimalistischen Eindruck der Bauelemente zu unterstützen, sind die Erschließungszonen mit Einbauschränken versehen. Sie werden so zur Ankleide. An zahlreichen Stellen zeigt sich, dass für die Planer ihre Aufgabe nicht bei der Gebäudegestaltung beendet war. Ihnen war ein ganzheitliches Planungskonzept wichtig. Viele Möbel wurden von den Architekten selbst entworfen. Hierbei ging ihre Detailliebe hin bis zu den Schiebetürengriffen, die speziell angefertigt wurden. Die Schlafräume sind an der Ostseite des Gebäudes, der aufgehenden Morgensonne zugewandt, untergebracht. In westlicher Ausrichtung liegt der Wohnbereich. Direkt darunter befindet sich die Terrasse. Sie ist durch den Betonsteinkubus und den auskragenden Riegel geschützt, so dass sich die Bewohner auch in der kühleren Jahreszeit dort aufhalten können.
Lichtstimmungen
Ein wichtiges Gestaltungselement des Gebäudes ist Licht. Mit einem ausgeklügelten Beleuchtungskonzept, das auf mehrere Komponenten setzt, entstehen differenzierte und nach Tageszeit wechselnde Szenarien. Ihre Wirkung wird von den Baumaterialien unterstützt. Im Wohn- und Essbereich gliedern transluzente Glaslamellen die Fassade und wehren gleichzeitig unerwünschte Blicke ab. Ihr grüngräulicher Schimmer sorgt im Raum für eine ruhige Stimmung. Nachts strömt weiches Licht von den eigens entwickelten Leuchten ins Bad. Tagsüber versorgt eine 4 m² große Klarglaslichtkuppel im Dach den Raum mit Tageslicht. Beim Händewaschen könnte man fast glauben, unter freiem Himmel zu stehen, ohne dass der Blick des Nachbarn die Privatsphäre stört. Zusätzlich wird Tageslicht, das durch die Glasfassaden des Hauses fällt, über satinierte Glaswände und Türen in den Badbereich geleitet.
Fingerspitzengefühl: Die Materialwahl steht für den Architekten Axel Nieberg am Anfang jeden Entwurfs. Der Planer analysiert die sinnliche Wirkung der
Baustoffe. Dabei geht er beispielsweise der Frage nach: „Wie fällt das Licht auf die Oberfläche?“ oder „Welche Stimmung entsteht?“ Um das Auge des Betrachters zu schonen, bevorzugt er matte Baustoffe, die möglichst wenig Licht reflektieren.
Ziel ist es, eine ruhige, angenehme Raumatmosphäre zu schaffen. In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, dass er sich neben Sichtbeton für Ytong entschied. Der Porenbeton bietet ideale Voraussetzungen für hohe Wohnqualität. Er gleicht Temperaturschwankungen aus und reguliert den Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Überdies hat der Baustoff, dank seiner feinen Poren, die angenehme Eigenschaft, den Schall zu dämpfen. So kann sowohl die akustische als auch die optische Ruhe geschaffen werden, die der Architekt mit seinen Gebäuden anstrebt. Auch für den Garagenüberbau verwendete Axel Nieberg Baumaterialien mit einer sinnlichen und haptischen Ausstrahlung.
Es kamen unter anderem kühles Glas, rauer Beton und handwarmer Porenbeton zum Einsatz. Aufgrund seiner hohen Wärmespeicherfähigkeit vermittelt der Baustoff ein angenehm temperiertes Gefühl. Porenbeton kommt ohne zusätzliche Dämmstoffe aus und erreicht bereits in einschaliger Bauweise mehr, als die neue Energieeinsparverordnung verlangt (Wärmedämmung mit λlR = 0,08 W/mK).
Axel Nieberg pflegt regelmäßig den intensiven Austausch mit den Handwerkern vor Ort. Er kennt Arbeitsabläufe und Verarbeitungsweisen sehr genau. Die weißen Steine können durch ihr relativ geringes Gewicht sehr einfach verbaut werden. Passende Formate sind in kurzer Zeit mit einfachen Werkzeugen exakt zugeschnitten. Rohre und Kabel lassen sich in zügig gefrästen Leitungsführungen exakt verlegen. Durch die Verwendung von Dünnbettmörtel weisen Porenbetonwände wenig Baufeuchte auf und trocknen daher schnell aus. So lässt sich die Bauzeit minimieren und Kosten sparen. Die wesentlichen Grundstoffe von Ytong sind Sand, Kalk und Wasser.
Obwohl diese Rohstoffe so gut wie unerschöpflich sind, achtet der Hersteller sehr darauf, sparsam mit ihnen umzugehen. Eine Denkweise, die auch Axel Nieberg vertritt: Ihm ist wichtig, Ressourcen zu sparen und nachhaltig zu bauen. Der Wohnbau über den Garagen ist ein gelungenes Beispiel hierfür. Er zeigt, wie durch die Nachverdichtung im Bestand außergewöhnliche Wohnqualität erreicht werden kann. Voraussetzung hierfür ist eine gute Planung, Einfühlungsvermögen für die Bauaufgabe und die Wahl der angemessenen Materialien. Nur so lassen sich Räume mit außergewöhnlicher Ausstrahlung und Atmosphäre schaffen.
Architekt:
Axel Nieberg, Hannover
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