Ein guter Baumanager ist wie ein guter Schachspieler, sagt Peter Weis, Vorstandsvorsitzender des Augsburger Ingenieurbüros LeitWerk AG.
"Ein guter Baumanager ist wie ein guter Schachspieler", sagt Peter Weis, Vorstandsvorsitzender des Augsburger Ingenieurbüros LeitWerk AG.
7 Tipps, wie der Bauablauf zur Ingenieurskunst wird

„Ein guter Baumanager ist wie ein guter Schachspieler“

Ob Wohnbauprojekt mit 300 Einheiten, Luxushotel in eng bebauter Innenstadtlage oder Forschungs- und Bürogebäude mit 16 000 m² Grundfläche: Beim Bau von Immobilien planen alle Ingenieurbüros nach gewissen Standards. Wer seinen Auftraggebern aber mehr bieten will als 08/15, muss als Bauleiter über den Tellerrand hinausblicken. Wie der Bauablauf zur Ingenieurskunst wird, erklärt Peter Weis, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Augsburger LeitWerk AG.

Peter Weis, Vorstandsvorsitzender LeitWerkAG. Bild: LeitWerk AG

Peter Weis, Vorstandsvorsitzender LeitWerkAG. Bild: LeitWerk AG

Tipp 1: Vorausdenken wie ein Schachspieler

Egal ob Groß- oder Kleinprojekt: Ingenieurbüros, die für Planung, Bau- und Projektmanagement zuständig sind, arbeiten auf einer Baustelle mit einer Vielzahl an Spezialisten zusammen. Neben den Architekten sind das vor allem die Verantwortlichen der einzelnen Gewerke. Das können schnell bis zu 30 Firmen sein. Die Ablaufstruktur muss daher ähnlich wie ein Uhrlaufwerk aufgestellt werden – alle Zahnräder müssen ineinandergreifen. Allerdings sind Störungen im Bauablauf nahezu immer vorprogrammiert. Ein guter Baumanager ist daher wie ein guter Schachspieler: Er denkt über die gesamte Bauphase hinweg voraus und für die Gewerke mit, plant alle Eventualitäten ein, bereitet sein Team darauf vor und kann so im richtigen Moment den richtigen Zug machen.

Tipp 2: Psychologie nicht unterschätzen

Zu Beginn eines neuen Projektes oder eines Projektabschnittes kommen Bauleitung und die Vertreter der Gewerke stets zusammen und besprechen die einzelnen Abläufe und Aufgaben. Ein erfahrener und geschulter Baumanger beobachtet die Anwesenden und erkennt, wer sich zu einer Schwachstelle entwickeln könnte. Dafür braucht er Menschenkenntnis. Ist die Schwachstelle erkannt, ist zumeist ein offenes Gespräch das Beste. In diesem kann der Bauleiter seine Befürchtungen offen erläutern und dann dem Gesprächsverlauf entsprechend Konsequenzen ziehen. Bei LeitWerk werden leitende Mitarbeiter daher in Gesprächs- und Menschenführung geschult. Sie sollen mehr können als Bauphysik, Betriebs- und Stoffkunde. Grundsätzlich bin ich überzeugt: Wer Baubetrieb studiert, sollte stets auch einige Semester Psychologie belegen.

Tipp 3: Schlüsselprobleme erkennen und gewichten

Ein Bauleiter steht oft gleichzeitig vor 100 Problemen. Er kann versuchen, diese nacheinander zu lösen – und läuft damit Gefahr, dass zwischenzeitlich aus 100 Konflikten 300 entstanden sind. Besser ist es, er identifiziert wenige für den Gesamtablauf entscheidende, gewichtet diese noch einmal und nimmt sie dann nacheinander in Angriff. Denn: Baustellen-Probleme existieren häufig in einer Abhängigkeit zueinander. Ist Problem drei dann gelöst, kann es sein, dass sich Problem vier und fünf von selbst erledigt haben. Zu dieser Systematik gehört auch der Mut, sich nicht zwingend sofort um denjenigen zu kümmern, der auf der Baustelle am lautesten bezügliche seines Problems schreit.

Tipp 4: Konflikte als Herausforderungen betrachten

Treten trotz aller Vorbereitungen gravierende Störungen auf, die den Gesamtablauf durcheinanderbringen, schaut ein guter Bauleiter über den Tellerrand hinaus. Dann stellt er den Plan so um, dass dieser schlussendlich doch funktioniert. Eigentlich macht das den Spaß an unserer Arbeit aus. Alle Standardabläufe werden umgeworfen und trotzdem soll die Arbeit auf dem Baufeld professionell und ohne qualitative Fehler weitergehen. So haben wir beispielsweise ein Projekt betreut, in dem der Haustechniker mit dem Verlegen der Rohre in den Bädern in Verzug geraten ist. Estrichleger, Fliesenleger, Parkettleger und Maler aber standen schon in den Startlöchern. Wir haben damals entschieden, alle 86 Wohnungen bereits auszubauen und die Bäder vorerst im Rohbau zu belassen. Als dort die Arbeiten weitergehen konnten, haben wir die anderen, fertigen Räume aufwändig geschützt. Das hat zwar viel Geld gekostet. Aber: Die Bewohner konnten rechtzeitig einziehen.

Tipp 5: Gewerke regelmäßig kontrollieren

Es ist aufwändig, aber es zahlt sich aus. Ein Bauleiter, der die Qualitätsmerkmale der einzelnen Gewerke kennt und die Arbeiter vor Ort regelmäßig beobachtet, sieht frühzeitig, wo Fehler gemacht werden, die massive Folgen haben können. Dazu gehört auch, zu prüfen, ob die verarbeiteten Produkte zueinander passen beziehungsweise für die Art der Verarbeitung zugelassen sind. Ein Handwerker, der Geld sparen möchte und deshalb Baustoffe verschiedener Marken mixt, kann schlussendlich großen Schaden anrichten, der den Bauherren in der Nachbesserung teuer zu stehen kommt. So müssen die Styroporplatten der einen Marke nicht zwingend zu einem Kleber oder Putz einer anderen Marke passen. Die Räder für einen Mercedes können schließlich auch nicht auf einen BMW geschraubt werden.

Tipp 6: Tricks kennen

Stichwort Styroporplatten: Zum Anbringen der Dämmung an das Mauerwerk gibt es verschiedene Varianten. Jedoch ist nur das sogenannte Einschwemmen die richtige. Dabei bringt der Handwerker die mit Kleber bestrichene Platte in kreisenden Bewegungen an der Wand an. So können sich die einzelnen Werkstoffe miteinander verbinden. Ein guter Baumanager weiß daher: Wackelt ein Handwerker beim Anbringen mit der Hüfte, ist alles in Ordnung. Steht er an der Wand und klopft auf die Platten, ist die Chance groß, dass die Dämmung zeitnah abfällt. Wir haben tatsächlich schon Fassaden gesehen, die nicht einmal zu 10 Prozent verklebt gewesen sind. Ist der ausführende Handwerker dann nicht fähig, für den Schaden aufzukommen, wird das Baumanagement in die Pflicht genommen. Baumanager sollten daher ein pralles Repertoire an Tricks haben, um fehlerhaftes Arbeiten schnell zu erkennen.

Tipp 7: Gewerke zu 100 Prozent Qualität steuern

Es gibt unzählige hervorragend arbeitende Gewerke. Und doch erledigen die meisten ihre Arbeit nur bis zu 97 Prozent vor Abschluss wirklich gut. Die letzten drei Prozent vernachlässigen sie. Nur: Bei der Abnahme sieht der Kunde nicht die vielen kleinen Schritte, die zum Ergebnis geführt haben. Er sieht, dass die Fliesen verschmutzt oder am Türrahmen kleine Kratzer zu sehen sind. Wird er die eigentlich gut arbeitenden Firmen auf der nächsten Baustelle wieder engagieren? Eher nicht. Ein gewissenhafter Baumanager aber erkennt die Qualität der Betriebe und führt die Arbeiter dahin, 100 Prozent Qualität zu liefern.

Über die LeitWerk AG: 1999 in Augsburg gegründet, ist die LeitWerk AG heute das größte Ingenieurbüro für Planung, Bau- und Projektmanagement im Großraum München. Mit etwa 100 fest angestellten Mitarbeitern übernimmt das Unternehmen die Abwicklung deutschlandweiter Baustellen. Zu den Geschäftsfeldern von LeitWerk zählen Bauleitung und Bauüberwachung, Projektsteuerung, Qualitäts- und Konfliktmanagement, Planung und Generalplanung sowie Bauconsulting und energetische Sanierung. Schwerpunkt der LeitWerk sind die Leistungsphasen 6 bis 9 gemäß §33 ff. HOAI.

Zu den namhaften Referenzen zählen u.a.

  • der Allianz Campus in Unterföhring,
  • das exklusive Wohnensemble The SEVEN in München,
  • die Kronprinzengärten in Berlin oder
  • der Neubau des Zentrums für Leichtbauproduktion für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Augsburg.

Aktuelle Projekte der LeitWerk sind u.a.

  • das Luxus-Wohnbauprojekt WAVE waterside living in Berlin,
  • der Büroneubau Sheridan Tower in Augsburg,
  • der Neubau am Technologiezentrum 10 des Fraunhofer IGCV in Augsburg sowie
  • das 5-Sterne-Hotel Schwabinger Tor in München.

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