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Vollsanierung ist kompromisslos

Energetische Sanierung: Heiztechnik oder Dämmung zuerst?
Vollsanierung ist kompromisslos

Leidenschaftlich wird in der Branche diskutiert, wie bei einer energetischen Sanierung mit begrenztem Budget die Modernisierungsreihenfolge aussehen sollte: Zuerst die Heizungsanlage und dann die Gebäudehülle oder umgekehrt?

Martin Schellhorn

Ohne Zweifel – alle Maßnahmen der energetischen Sanierung eines Gebäudes sind sinnvoll, aber meist sind die Budgets begrenzt. „Ganz objektiv und schon gar nicht pauschal kann jemand behaupten, dass seine Lösung die beste ist und dementsprechend bevorzugt werden muss“, sagt Andreas Bieber, Leiter Technische Beratung & Planung bei Vaillant Deutschland.
Die ‚beste Lösung’ zu finden, bedarf einer individuellen Betrachtung. Meistens ist die Investition in eine neue Heizungsanlage im Vergleich zu anderen Maßnahmen gering. Die Investitionskosten für eine Gebäudedämmung inklusive Einrüstung, Verputzen und Anstrich sind demgegenüber so hoch, dass sie sich erst nach einer viel längeren Nutzungsdauer rechnen. Der reine Kesseltausch, heute in der Regel zusammen mit dem Einbau einer Solarthermieanlage, bringt dagegen eine plakative, sofortige Ersparnis.
Wird ein Bestandsbau nach aktuellem EnEV-Standard gedämmt und so der Energiebedarf drastisch reduziert, muss zwangsläufig auch im kurzen Zeitabstand die Heizanlage erneuert werden, um tatsächlich adäquat den Energieverbrauch zu senken.
Eingriff ins System
Bieber: „Bei jeder energetischen Sanierungsmaßnahme muss beachtet werden, dass dieser Eingriff ein bestehendes System verändert. Jede Veränderung hat Auswirkungen u. a. auf die Heizlast und die Lüftungserfordernis. Auch die Nutzer müssen ihr Verhalten anpassen. Welchen Einfluss der Austausch von Bauteilen haben kann, zeigt sich besonders negativ daran, dass mittlerweile 22 % aller Wohnungen in Deutschland ein Schimmelpilzproblem aufweisen.“
Doch was tun bei einem begrenzten Budget, das eine Komplettsanierung nicht zulässt? Bieber: „Dafür sollte eine dynamische Betrachtung der Energiekostenentwicklung zugrunde gelegt werden. Berücksichtigt man die jeweils aktuellen Kosten für die Wärmebereitstellung und die Finanzierungskosten, dann zeigt sich, dass trotz höherer Startinvestition für eine Komplettsanierung die monatliche Nettobelastung mittelfristig geringer ist, als wenn nur in die Gebäudehülle oder nur in die Heizungsanlage investiert wird.“
Beim dynamischen Ansatz werden die obligate Steigerung der Energiekosten und die Finanzierungskosten in der Berechnung berücksichtigt. Den nachfolgenden Beispielen wurde ein Einfamilienhaus mit 150 m2 Wohnfläche, Baujahr 1983 mit zwei Geschossen, zugrunde gelegt. Die Wärmeversorgung erfolgt durch einen Niedertemperatur-Ölheizkessel mit 28 kW Leistung und witterungsgeführter Steuerung. Der berechnete Wärmebedarf liegt bei 25 000 kWh/a, der tatsächliche Verbrauch beträgt jährlich 3 300 l Heizöl. Bewohnt wird das Gebäude von drei Personen. Eine Sanierung des 26 Jahre alten Wärmeerzeugers wäre aus technisch-energetischer Sicht notwendig, er ist aber noch funktionstüchtig. Nach Quellen des Unternehmens Tecson ist der Ölpreis in den vergangenen 15 Jahren gemittelt jeweils um ca. 15 % gestiegen. Als Grundlage für das Berechnungsmodell wird jedoch moderat eine jährliche Preissteigerung für Öl von 10 % und 3 % für Strom zugrunde gelegt.
Drei Varianten unter der Lupe
Variante 1: Die Heizanlage wird erneuert und gegen einen Ölbrennwert-Heizkessel icoVIT exclusiv in Verbindung mit sechs Solarmodulen auroTHERM (16 m2 förderfähig) zur Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung ausgetauscht. Die Gebäudehülle wird nicht saniert. Der eingesetzte Öl-Brennwertkessel schnitt bei einer Analyse von Stiftung Warentest als effizientestes Gerät im Test ab. Die Solarkollektoren stammen aus deutscher Produktion nach höchsten Qualitätsstandards.
Variante 2: Es erfolgt eine energetische Sanierung der Gebäudehülle mit einer Dämmung auf den Standard „EnEV-2007 minus 30 %“. Die Heizungsanlage wird weiter betrieben.
Variante 3: Es erfolgt eine Komplettsanierung mit dem Austausch der Heizanlage gegen eine Sole-/Wasser-Wärmepumpe geoTHERM mit Erdsonde plus auroTHERM Solarmodulen und der Sanierung der Gebäudehülle auf EnEV-2007-Standard minus 30 %. Die Vaillant Wärmepumpe wurde nicht nur Test-, sondern auch Preis-Leistungssieger im aktuellen Test der Stiftung Warentest zu Sole-/Wasser-Wärmepumpen.Berücksichtigt wurde zum einen die Möglichkeit, zinsgünstige Kredite der KfW aufzunehmen, zum anderen wurden die Förderangebote des Marktanreizprogramms ausgeschöpft.
Bereits rund fünf Jahre nach dem Heizungstausch sind die Gebäudeeigentümer in Variante 1 wieder auf den Energiekosten vor Beginn der Sanierung angekommen. Noch deutlicher ist das Bild bei der kostenintensiven energetischen Sanierung der Gebäudehülle in Variante 2: Aufgrund der geringen Zuschüsse und der fehlenden günstigen KfW-Finanzierung sowie dem Erhalt der Bestandsheizung ist dies deutlich die schlechteste Variante.
Noch aussagekräftiger ist das Ergebnis, wenn die Summe aus den monatlichen Kosten für Energie und Finanzierung der Sanierungsaktivitäten analysiert wird. Während die alleinige Sanierung der Gebäudehülle die mit deutlichem Abstand höchste monatliche Belastung ergibt, treffen sich die monatlichen Kosten für Energie und Finanzierung bei einer Vollsanierung und dem reinen Heizungstausch bereits nach rund vier Jahren. Interessant ist bei dieser Variante auch die Entwicklung der monatlichen Belastung nach Auslaufen und Ablösung der Finanzierung. Im Vergleich zu den anderen Modellen sinkt die monatliche Belastung drastisch und stabilisiert sich auf einem äußerst geringen Niveau. Die monatliche Belastung aus Energiekosten und Finanzierung entwickelt sich in Variante 1 und Variante 2 dagegen dynamisch weiter.
Besonders bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass sich die monatlichen Kosten für die gemeinsame Sanierung aufgrund der dann besonders niedrigen KfW-Zinssätze unterhalb der monatlichen Kosten für die reine energetische Sanierung der Gebäudehülle bewegen.
Fazit
Wird bei begrenztem Investitionsvolumen und dem Wunsch einer energetischen Gebäudesanierung eine statische Energiekostenentwicklung zugrunde gelegt, geht die alleinige Sanierung der Heizanlagentechnik kurzfristig als klarer Gewinner in punkto Invest und Ersparnis hervor. Wird jedoch eine dynamische Steigerung der Energiekosten angenommen und die Kosten der Finanzierung eingerechnet, wird folgendes deutlich:
Nur die gleichzeitige Sanierung von Gebäudehülle und Heizungsanlage hat das Potenzial, die Kosten langfristig zu senken. Trotz deutlich höheren Anfangsinvestitionen sinken selbst bei einer unterdurchschnittlich angesetzten Energiepreisentwicklung die ohnehin nur geringen monatlichen Mehrkosten für Energie und Finanzierung relativ schnell unter die aller anderen Szenarien. Für auf mittlere und lange Sicht bezahlbare Energiekosten ist die Vollsanierung damit kompromisslos.
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