DIN V 18599 erfordert umfassendes Fachwissen

Chancen für Spezialisten

Die DIN V 18599 ist für den Energienachweis von Nichtwohngebäuden verbindlich. Wahrscheinlich wird sie auch für die Berechnung von Wohngebäuden eingeführt Bild: DIN Deutsches Institut für Normung
Seit Oktober 2007 ist die neue Energieeinsparverordnung in Kraft. Seitdem müssen Nichtwohngebäude nach der DIN V 18599 bewertet werden. Der komplexe ganzheitliche Berechnungsansatz der Norm erfordert allerdings eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie. Für Architekten und Ingenieure lohnt sich dennoch die Investition in entsprechende Weiterbildung, entsteht mit der Pflicht zum Energieausweis doch ein neuer, lohnender Markt für ihre Dienstleistungen.

Dipl. Ing. Olaf Meier

„Die DIN V 18599 ist ein spannendes Thema, aber auch ein sehr komplexes“, so Matthias Meyer, der seit 1995 im elterlichen Unternehmen der Spezialist für die energetische Beratung von Planern und Bauherren ist.
Der Gebäudeenergieberater hat daher bei der BuildDesk GmbH, einem in ganz Deutschland aktiven Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen im Bereich der Energieeffizienz und Partner der dena (Deutsche Energie-Agentur), einen zehntägigen Lehrgang zur DIN V 18599 absolviert.
Meyer ist sich sicher: „In kürzerer Zeit ist es kaum möglich, die sichere Handhabung und ein fundiertes Verständnis für die Materie zu entwickeln. Und ich glaube, dass die meisten Interessenten diese Zeit auch brauchen werden. Wer sich mit weniger zufrieden gibt, wird mit Problemen bei der Berechnung in der Praxis zu kämpfen haben, da bin ich sicher.“
Ausweitung geplant
Eine komplexe Materie, die da also auf Architekten und Gebäudeplaner zukommt. Aber auch eine interessante Chance, denn mit der Novellierung der EnEV 2007 müssen seit dem 1. Oktober 2007 Nichtwohngebäude nach der DIN V 18599 bewertet werden. Und im Zuge der für 2009 vorgesehenen Novellierung der EnEV ist geplant, auch für Wohngebäude das Rechenverfahren auf die DIN V 18599 umzustellen. Vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ist bereits ein erster Entwurf zur EnEV 2009 herausgegeben worden, der auf die DIN V 18599 auch im Wohnbau hinweist. An der neuen Norm wird man also mittelfristig nicht vorbeikommen.
Gleichzeitig eröffnet die Norm aber auch einen neuen Markt für die qualifizierte Erstellung eines Energieausweises. Entsprechend hoch ist zurzeit die Nachfrage nach Spezialisten. Gebäudeenergieberater Dipl.-Ing. Uwe Mill vom Ingenieurbüro Arensa, auch er ein Teilnehmer des BuildDesk-Seminars, betont dabei die Bedeutung einer guten Qualifikation: „Die Berufsbezeichnung Gebäudeenergieberater ist nicht geschützt und private Hausbesitzer werden bald an allen möglichen Stellen Gebäudeenergieausweise als kostenlosen Service bekommen, davon bin ich überzeugt. Wer seinen Lebensunterhalt mit Energieberatungen verdienen will, muss sich deshalb deutlich als Spezialist eben auch für den Nichtwohnbau ausweisen können.“
Ganzheitlich komplex
Doch was ist so komplex an dieser neuen Norm? Zum einen wird nach der DIN V 18599 neben dem Energiebedarf für Beheizung und Warmwasserbereitung auch der Bedarf für Kühlung und Beleuchtung bilanziert. Und zum anderen wird, anders als bei bisher bekannten Rechenverfahren für Wohngebäude, das Objekt in Bereiche unterschiedlicher Nutzung aufgeteilt. So kann der bei Nichtwohngebäuden hohe Einfluss der Nutzung auf den Energiebedarf berücksichtigt werden. Falls erforderlich, werden diese Zonen wiederum in Bereiche mit unterschiedlicher Tageslichtversorgung aufgeteilt. Bei der Bewertung werden zudem gegenseitige Wechselwirkungen berücksichtigt. Kompliziert wird das Ganze unter anderem dadurch, dass die Versorgungseinrichtungen eines Gebäudes – also Heizung oder Lüftung – Bereiche umfassen, die von den Nutzungszonen abweichen. So versorgt zum Beispiel eine Zentralheizung alle Nutzungszonen eines Gebäudes. Umgedreht kann eine Zone verschiedene Versorgungsbereiche umfassen, zum Beispiel wenn zwei Lüftungsarten innerhalb eines Büroraums möglich sind.
Eine Norm, zehn Bestandteile
Um die Übersicht über die verschiedenen Schritte zu wahren, ist die Norm in zehn Teile gegliedert – dies alleine deutet schon auf die Komplexität der Materie hin. Teil 1 der DIN V 18599 liefert unter anderem Verfahren zur korrekten Aufteilung eines Gebäudes in die entsprechenden Zonen sowie Rechenregeln, wie Energiekennwerte wie innere Wärmequellen und -senken oder technische Verluste von Versorgungsbereichen auf die Zonen umzulegen sind. Neben dem allgemeinen Bilanzierungsverfahren ist die Bewertung der Energieträger beschrieben.
Kern der Norm bildet der Teil 2. Hier wird der Nutzenergiebedarf einer Gebäudezone ermittelt. Dabei werden die Anforderungen aus der Nutzung (Teil 10) mit den baulichen Eigenschaften, den Wärmeeinträgen durch Personen und Geräte (auch Teil 10), den Wärmequellen der Beleuchtung (Teil 4), dem Wärme- oder Kälteeintrag über die Zuluft aus Klima- bzw. Lüftungsanlagen (Teil 3) und den Wärme- oder Kälteverlusten des Heiz- und Kühlsystems innerhalb der Zone (Teile 5, 6, 7 und 8) verknüpft. Der im Teil 2 ermittelte Nutzenergiebedarf für das Heizen und Kühlen der Gebäudezone bildet zusammen mit dem Nutzenergiebedarf für die Aufbereitung der Luft aus Teil 3 die Grundlage für die weitere Bestimmung des Endenergiebedarfs (Teile 5 bis 8) und schließlich der Bewertung des Primärenergieverbrauchs nach Teil 1.
Spezialisten-Netzwerk aufbauen
Diese Komplexität der in der DIN V 18599 beschriebenen Rechenmethodik war denn auch der Grund für Uwe Will, trotz seines Ingenieurstudiums und einer Ausbildung zum Gebäudeenergieberater den zehntägigen Kurs der BuildDesk GmbH zu besuchen: „Mit der Ausrichtung der Lernstruktur auf ein echtes Verstehen und Beherrschen der schwierigen Materie ist die enorme Informationsfülle der DIN wirklich erfolgreich transportiert worden.“
Inzwischen sind auf dem Markt eine ganze Reihe von Software-Lösungen erhältlich, die zur Berechnung des Energiebedarfs eines Gebäudes die Methode gemäß der DIN V 18599 einsetzen. Allerdings sind diese Rechenprogramme – wie auch andere Bau-Software, zum Beispiel aus dem Bereich der Statik – nicht rechtssicher. Um zumindest sicher zu sein, dass die Norm rechentechnisch richtig umgesetzt wurde, sollte die Software den Rechenkern „ibp18599kernel“ des Fraunhofer-Institutes für Bauphysik (IBP) nutzen. Diesen IBP-Rechenkern haben bereits mehrere Software-Firmen in ihre Applikationen integriert. Weitere Infos unter www.ibp18599kernel.de

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