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DAM-Preis 2019 geht an gmp für sanierten Kulturpalast Dresden

Deutsches Architekturmuseum (DAM)
DAM-Preis 2019 geht an gmp für sanierten Kulturpalast Dresden

Der DAM-Preis 2019 geht an gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner für den umgebauten und modernisierten Kulturpalast Dresden. Christian Gahl / gmp Architekten
Der DAM-Preis 2019 geht an gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner für den umgebauten und modernisierten Kulturpalast Dresden. Christian Gahl / gmp Architekten

Der DAM-Preis 2019 geht an gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner für den umgebauten und sanierten Kulturpalast Dresden. Seit 2007 werden mit dem DAM Preis jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet.

Der nach einem Entwurf von Leopold Wiel und Wolfgang Hänsch entstandene Kulturpalast Dresden wurde 1969 eröffnet. Bei der jetzt mit dem DAM-Preis ausgezeichneten Sanierung und Erneuerung des Hauses wurde der zentrale Multifunktionssaal durch einen modernen Konzertsaal in Weinbergtypologie und einer darunter angeordneten Theaterbühne ersetzt. Alle anderen Bereiche im Inneren des Hauses wie auch die Fassade wurden sorgsam und detailliert restauriert. Nicht zuletzt ist durch den Einzug der Stadtbibliothek das Haus jetzt auch tagsüber ein zentraler Ort des öffentlichen Lebens.

Stimmen aus der Jury

»Der Kulturpalast Dresden wurde nicht nur in seiner historischen Form an eine zukunftsorientierte Nutzung angepasst, hier wurde der Geist der Vergangenheit gewahrt, der Musik ein neuer faszinierender Raum gegeben und durch die umschließende Bibliothek eine zusätzliche Lebendigkeit erreicht.«

(Nicole Heptner)

»Der respektvolle, angenehm uneitle Umgang mit dem Denkmal ist vorbildhaft. Die neue Transparenz der Fassade öffnet den halböffentlichen Raum der Foyers, die eine Art Kultur-Wohnzimmer für alle  im Stadtzentrum bilden. Der neue Saal zeigt die Handschrift der Architekten: auch er angemessen, festlich, hell und klanglich vollkommen auf die Dresdner Philharmoniker abgestimmt. Ein wichtiges und gelungenes Projekt zum Erhalt eines Kernprojekts des Wiederaufbaus von Dresden.«

(Eva Maria Lang)

»Ein öffentliches Haus, das diese Beschreibung wirklich verdient hat. Ein Projekt, das die verschiedenen Nutzungen so geschickt im Bestand verortet, dass diese sich jederzeit ergänzen. Ein Gebäude, das mit den neuen Bauteilen so feinjustiert agiert, dass das Denkmal nicht in den Schatten gestellt wird, sondern in seiner Grundidee, einen gemeinschaftsfördernden Bildungsraum zu schaffen, gestärkt wird.«

(Rainer Hofmann)

»Von außen sieht er beinahe aus wie all die Jahre zuvor, nur frischer, transparenter. Die großen Nutzungsänderungen passierten innen. Also dasselbe wie immer, aber zugleich alles ganz anders. Das hat schon etwas von Zauberwerk an sich.«

(Wolfgang Pehnt)

»Der Kulturpalast ist ein Glücksfall für Dresden. Mit seinen vier Nutzungen ist er ein öffentlicher Kulturraum, der ganztägig von unterschiedlichsten Menschen genutzt wird. Er bildet einen wichtigen Stadtbaustein für die Einwohner von Dresden und eben nicht für die Touristen, die mit den rekonstruierten und historischen Bauwerken schon mehr als genug zu tun haben.«

(Boris Schade-Bünsow)

»Die resolute Entscheidung der an sich besonders rekonstruktionsfreudigen Dresdner Bürgerschaft für die Rettung und Eintragung des Kulturpalasts in die Denkmalschutzliste im Jahr 2008 kann man als deutliche Replik auf den zeitgleich stattfindenden Abriss des Berliner Palasts der Republik lesen und auf die Entscheidung des Bundestags, dessen Vorgängerbau zu rekonstruieren, das zu DDR-Zeiten abgerissene Berliner Stadtschloss.«

(Peter Cachola Schmal)

Umstrittener Bau

Der Kulturpalast Dresden ist der wichtigste und umstrittenste Bau der Dresdner Nachkriegsmoderne. Er war sowohl Ort der Unterhaltung, als auch der politischen Demonstration. Gebaut wurde er von 1967 bis 1969 von den Kollektiven um Leopold Weil und später Wolfgang Hänsch.

Der von den Dresdnern liebevoll „Kulti“ genannte Bau steht mit seinem Schicksal nach 1989 stellvertretend für die Bedrohung des architektonischen Erbes der DDR. Im Sinne der resoluten Entscheidung der an sich besonders rekonstruktionsfreudigen Dresdner Bürgerschaft für seine Rettung und Eintragung in die Denkmalschutzliste im Jahr 2008 lobte die Stadt Dresden 2008 einen Wettbewerb aus.

Die Schwierigkeit bestand darin, anstatt der früheren multifunktionellen Kongresshalle in der Mitte des Hauses einen neu zu konzipierenden Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie unterzubringen. Neben diesem „inneren Neubau“, wie es die Wettbewerbsauslobung formulierte, galt es, die denkmalgeschützte Glashülle zu erhalten. Außerdem sollten eine neue Zentralbibliothek und ein Theatersaal mit 250 Plätzen integriert werden.

Erschließung als besondere Herausforderung

Der Umgang mit verschiedenen Erschließungen für widersprüchliche Nutzungen stellte sich als die wesentliche Schwierigkeit im Wettbewerb heraus. Von Gerkan, Marg und Partner schlugen vor, die Bibliothek im ersten und zweiten Geschoss ringförmig um den Konzertsaal zu legen: Die Erschließungssysteme sollten verschmelzen und somit beträchtlich Platz und Geld sparen.

Das Ergebnis funktioniert einwandfrei. Zu jeder Zeit ist das helle, modernistische Foyer mit seinen weiten Freitreppen über mehrere Ebenen, dem dunklen Tropenholz der Handläufe und Wandtäfelungen, dem neuen rot leuchtenden Teppichboden und dem fantastischen Ausblick auf den Neumarkt belebt mit Bürgern aller Schichten und jeden Alters.

Zurückhaltende Sanierung der Fassaden und Details

Bei der denkmalschutzgerechten Sanierung der Fassaden und Details nahmen sich gmp gestalterisch sehr zurück, wie etwa bei der Gipsrasterdecke im Foyer, die zum Einbau der notwendigen neuen Technik abgerissen werden musste. Man fand tatsächlich die alten Matrizen wieder, um eine neue Decke mit der ursprünglichen kleinteiligen Kassettenstruktur gießen zu können.

Das 45 Meter lange Wandfries „Unser sozialistisches Leben“ im Foyer des ersten Stocks wurde beim Umbau ebenso denkmalpflegerisch erneuert wie das 315 Quadratmeter umfassende Mosaik „Der Weg der Roten Fahne“ außen an der Westfassade. Die nicht bauzeitlichen, kupferfarben getönten Glasscheiben jedoch haben die Architekten ausgetauscht; heute erfüllt auch klares Glas die Lichtschutzwerte und erlaubt zudem den Blick in das Gebäude.

Konzertsaal mit Weinbergtypologie

Der neue Konzertsaal wurde von dem gmp-Partner Stephan Schütz verantwortet, der in China bereits die komplexen Großprojekte Opernhaus Qingdao und das fast 200 000 Quadratmeter große Chinesische Nationalmuseum in Peking gebaut hatte. In Dresden vertrauten die Architekten auf die Weinbergtypologie. Sie fügten in das Innere des Hauses einen mit hellem Holz gefertigten, optisch warmen Konzertsaal mit 1 750 Plätzen ein, dem man seine wahre Größe nicht ansieht.

Aufgrund der exzellenten Leistungen auf so vielen Ebenen – von politisch wie baulich behutsamer, beispielhafter Sanierung, dem komplexen Einbau eines Konzertsaals, der Integration einer großen, inklusiven Zentralbibliothek und dem Öffnen eines kulturellen Hauses für alle Bevölkerungsgruppen – bewertete die Jury den Kulturpalast Dresden einstimmig als Gewinner des DAM-Preises 2019.


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