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Jakobsmuschel als Vorbild

Neubau eines Gradierwerkes im Pilger- und Solepark St. Jakob in Kevelaer am Niederrhein
Jakobsmuschel als Vorbild

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Beim Neubau der Anlage zur Salzgewinnung in Kevelaer waren besondere Materialien gefragt. Während die mit Salz angereicherte Luft einerseits den Atemwegen der Besucher gut tut, verlangt sie andererseits seewasserbeständige Baustoffe: Holz ist in der Regel ziemlich robust gegenüber salzhaltiger Luft. Bei den Solerückhaltebecken aus Beton sorgt eine zusätzliche Beschichtung für Widerstandsfähigkeit. Auf den Dachflächen kam eine seewasserbeständige Kunststoffbahn zum Einsatz.

Anforderung:

Salzwasserbeständige Baustoffe für besondere Beanspruchung durch meeresähnliche Kleinklimazonen

Lösung:

Zusätzliche Beschichtung für Solerückhaltebecken aus Beton sowie Dach- und Dichtungsbahn mit dauerhafter Seewasserbeständigkeit


Sven-Erik Tornow | jo

Entstanden ist der Pilger- und Solepark „St. Jakob“ unter dem Motto „Gesund an Leib und Seele“. Zentraler Kern ist ein neues, von Architekt Peter Grund aus Kassel entworfenes Gradierwerk. Grundriss und Dach nehmen die Form einer Jakobsmuschel auf. „Das hat sicher nicht zufällig mit der Stadt Kevelaer als Wallfahrtsstadt zu tun“, erklärt Peter Grund, „zielt jedoch im Ergebnis auf ein nachhaltiges Alleinstellungsmerkmal im Zeitalter fortlaufender baulicher Kannibalisierung ab.“

Im Wesentlichen besteht das Gradierwerk aus dem Solerückhaltebecken, dem bedornten Holzbauwerk, den Dächern, zwei Holztürmen und der Soletechnik. Das Solerückhaltebecken aus wasserundurchlässigem und salzresistentem Beton bildet mit entsprechend angeordneten Fundamentstreifen den tragfähigen Grund für die Holzkonstruktion. Letztere setzt sich aus mehreren Haupt- und Nebenrahmen zusammen, die über Holzschwellen die Last in die Streifenfundamente abtragen. Ausfachungen aus Schwarzdorn-Bündeln zwischen, vor und hinter den Rahmen wurden in die gewünschte Form geschnitten.

Kühles Sole-Kleinklima

Schutz vor Regen- und damit auch vor Süßwasser bietet ein aus fünf, im First fallenden, einzelnen Satteldächern bestehendes Dach oberhalb der Rähmbalken. Hier findet sich auch der Wartungsgang für die Berieselungsanlage. Erschlossen wird der Wartungsgang über den nördlichen Turm, während der östliche Turm die Haustechnik samt Pumpentechnik und -sumpf sowie Frischwasser- und Stromanschluss beherbergt. Ein an der Ostseite des Gradierwerkes angeordneter „Abdrift-Pavillon“ erfüllt gleich mehrere Funktionen. Zum einen verhindert er die Abdrift der mit Salz angereicherten Luft durch West- und Südwestwinde, zum anderen ermöglicht er im Innenraum des Gradierwerkes ein humides und kühles Sole-Kleinklima.

An der Westseite fällt die Sole über die Dornen des Schwarzdorns auf fünf Rieseltische nieder. Sonnenstrahlung und warme Luft sorgen für zusätzliche Verwirbelung. Dadurch entsteht hier ein mild-feuchtes Klima.

Beanspruchung für Baustoffe

Während einerseits die mit Salz angereicherte Luft den Atemwegen der Besucher gut tut, verlangt sie andererseits besonders vorausschauenden Materialeinsatz. Denn obwohl man sich direkt am Unteren Niederrhein befindet, müssen die Baustoffe seewasserbeständig sein. Holz ist in der Regel ziemlich robust gegenüber salzhaltiger Luft und wird durch den hohen Salzgehalt eher noch besser konserviert. Bei den Sole-rückhaltebecken aus Beton sorgt eine zusätzliche Beschichtung für ausreichende Widerstandsfähigkeit. Hier wurde zudem auf eine ausreichende Überdeckung der Bewährung geachtet. Bei den fünf aneinandergereihten Satteldachflächen kam eine seewasserbeständige Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahn zum Einsatz.

Salzwasserbeständige Abdichtung

Auf diese Abdichtung ist Architekt Peter Grund im Rahmen der Sanierung eines Gradierwerkes in Remscheid-Lennep gestoßen. Hier galt es vorhandene Soleauffangbecken aus Holz zu erhalten und aus Umweltschutzgründen nachträglich abzudichten. Bei seinen Materialrecherchen wurde der auf Gradierwerke spezialisierte Architekt beim Flachdachspezialisten alwitra fündig. Für die bewährte Dach- und Dichtungsbahn „Evalon“ wurde ihm eine dauerhafte Seewasserbeständigkeit zugesagt.

In Kevelaer kam „Evalon dual“ zum Einsatz. Mit ihrer Hochpolymerlegierung aus Ethylen-Vinyl-Acetat-Terpolymer (EVA) und Polyvinylchlorid (PVC) als vollwertige Dichtschicht auf der Ober- und Unterseite steht Evalon dual für die seit Jahrzehnten bewährte Evalon-Qualität. Dank der mittigen Verstärkung erfüllt sie natürlich auch alle Anforderungen für die mechanische Befestigung. Der hohe Anteil an hochpolymeren Feststoffen sorgt für gleichbleibende Eigenschaften und eine besonders lange Lebensdauer. Die Bahnen sind aufgrund der Bitumenverträglichkeit auch bei Dachsanierungen einsetzbar. Die Fügung der Bahnen untereinander erfolgt mittels Heißluft.

Mechanische Befestigung

Ausgeführt wurde die Abdichtung der fünf Satteldächer auf dem Gradierwerk durch den Dachdeckerbetrieb Grote GmbH & Co. KG aus Weeze. Da die Dach- und Dichtungsbahnen auf den Dachflächen mechanisch fixiert werden sollten, war die homogene EVA-Dachbahn mit Verstärkung die ideale Bahn für die geplante Abdichtung.

Trotz des nicht so aufwändigen Dachaufbaus als Kaltdach waren auch bei den Dacharbeiten die Anforderungen durch die salzhaltige Luft zu beachten. Auf die Holzbrettschalung verlegten die Fachhandwerker zunächst ein Vlies als Brandschutzlage. Darauf folgte die Abdichtung mit Evalon dual. Die im Saumbereich mit Edelstahlankern fixierten Bahnen wurden anschließend im Überlappungsbereich mit dem Handschweißgerät homogen gefügt. An den Firsten der Dächer fixierten die Dachdecker zusätzlich passend gekantete Verbundbleche aus Edelstahl. Mit einer durchgehenden Anschlussbahn konnten die Firste exakt ausgebildet und zusätzlich gegen Windsogkräfte gesichert werden.

Individuell gekantetes Dachrandprofil

Auch an den Dachrändern setzten die Handwerker das rostfreie Edelstahl-Verbundblech von alwitra ein. Es wurde in Absprache mit dem Architekten zu einem individuellen Dachrandprofil gekantet. Zudem schnitten die Dachdecker den auf der Dachfläche zu fixierenden Schenkel segmentweise ein, um die Krümmung des Ortgangs aufzunehmen. Für den Übergang zwischen zwei gekanteten Verbundblechprofilen fertigten die Dachdecker zusätzlich Verbinder. Im Gegensatz zu den Dachflächen in Schiefergrau sind die Dachrandprofile auf Wunsch des Architekten hellgrau, um die besondere Muschelform des Daches zu akzentuieren.


Bauherr: Stadtwerke Kevelaer

Architekten: Groger Grund Schmidt Architektengemeinschaft Gbr, Kassel, Dipl.-Ing. Architekt Peter Grund
www.ggs-architekten.de

Dachdeckerbetrieb: Grote GmbH & Co. KG, Weeze
www.grote-bedachungen.de


Dipl.-Ing. Architekt Peter Grund zu Grundriss und Dach in Form einer Jakobsmuschel: „Das hat sicher nicht zufällig mit der Stadt Kevelaer als Wallfahrtsstadt zu tun, zielt jedoch im Ergebnis auf ein nachhaltiges Alleinstellungsmerkmal im Zeitalter fortlaufender baulicher Kannibalisierung ab.“


Dipl.-Ing. Architekt Peter Grund: „Der Bau des Gradierwerks auf der grünen Wiese am Rande der Stadt Kevelaer sollte ein Impuls für eine städtebauliche Entwicklung dieses Gebietes werden. Dies scheint sich nun eingestellt zu haben: Im unmittelbaren Umfeld des Gradierwerkes entsteht ein Park für Bürger und Besucher der Stadt Kevelaer.“


Dipl.-Ing. Architekt Peter Grund: „Als Architekt neigt man seit jeher latent zum ‚Generalissimus‘ und glaubt, alle anfallenden Bauaufgaben lösen zu können. Das Planen von Gradierwerken hat mich in dieser Hinsicht jedoch bescheiden gemacht.“


Neben der mittig mit Polyestergelege verstärkten „Evalon dual“ ist das Dachbahnensystem je nach Dachaufbau und Nutzung unterseitig mit Polyestervlies, mit Glasvlies/Polyestervlies sowie kaschiert und mit unterseitiger Selbstklebeschicht erhältlich. Neben der Kennzeichnung mit dem CE-Zeichen als Dach- und Dichtungsbahn gemäß EN 13956 und EN 13967 liegen für alle Evalon-Bahnen umfassende Umwelt-Produkt-Deklarationen (EPD) – erstellt vom Institut Bauen und Umwelt (IBU) e.V. – vor.


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