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Planung der Luftdichtheitsschicht

Sanierung im Detail
Planung der Luftdichtheitsschicht

Heinz-Peter Raidt, Leiter Anwendungstechnik, Dörken GmbH & Co. KG

Wer ein Dach saniert, wird dabei in aller Regel auch die Wärmedämmung erneuern und optimieren wollen. Doch ganz gleich, ob man sich dabei für eine Zwischensparrendämmung oder eine Aufsparrendämmung entscheidet: Wichtig für die Energiebilanz ist in jedem Fall die fachgerechte Planung und Ausführung der Luftdichtheitsschicht. Dabei können sich – je nach Konstruktionsart – unterschiedliche Detailprobleme stellen.
Energiehaushalt verbessern
Neben den erdberührten Bauteilen wie Kellerwänden und Bodenplatten gehören Dächer zu den konstruktiven Teilen eines Gebäudes, die am häufigsten saniert werden.
Bei geneigten Dächern sind seltener Bauschäden die Ursache für solche Maßnahmen. Weitaus häufiger sollen durch Anpassen der bauphysikalischen Eigenschaften dieses Bauteils entweder der Energiehaushalt des Gebäudes nachhaltig verbessert oder – wie zum Beispiel beim Dachausbau – die Voraussetzungen für eine geänderte Nutzung geschaffen werden.
Häufig treten diese Beweggründe auch in Kombination miteinander auf. Und ebenso oft wird dabei die Notwendigkeit bestehen, eine bereits vorhandene unterseitige Verkleidung der Dachkonstruktion erhalten zu müssen.
Das bedeutet, dass im Regelfall die harte Bedachung mit Trag- und Konterlattung, eine möglicherweise vorhandene Unterspannung und fallweise eine meist nur noch in Fragmenten existierende Dämmung entfernt werden und dass das Dachpaket auf der Basis der danach verbleibenden Vorgaben neu aufgebaut wird.
In den meisten Fällen wird man keine oder eine nur unzureichend ausgebildete Luftdichtheits- bzw. Diffusionswiderstandsschicht vorfinden, da in der Vergangenheit diese Thematik selten ausreichend beachtet wurde.
Mit dem Einbau oder der Erneuerung dieses Elements muss der bauphysikalische Bereich der Sanierung beginnen, und mit seiner fachgerechten Ausführung steht und fällt der Erfolg der Gesamtmaßnahme. Entscheidend für die Materialauswahl der Dampfsperre ist dabei die vorgesehene konstruktive Ausführung der nachfolgenden Ebene der Wärmedämmung: als Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung.
Zwischensparrendämmung
Fällt die Entscheidung zugunsten einer Zwischensparrendämmung, wird die Dampfsperre/Dampfbremse den vorhandenen Konturen folgend auf der verbliebenen Innenverkleidung und über die Sparren hinweg geführt.
Damit sie ihre Funktion später einwandfrei und dauerhaft erfüllen kann, muss sie an allen angrenzenden Bauteilen vollflächig sowie falten- und spannungsfrei anliegen. Weist die der Folie zugewandte Seite der Innenverkleidung eine unregelmäßige Oberfläche und möglicherweise scharfe Kanten oder Nagelspitzen auf, muss vor der Verlegung eine ausgleichende Dämmschicht aufgebracht werden.
Übergänge von der Ebene in die Senkrechte können mit Spalierlatten fixiert werden. Seiten- und Höhenübergänge werden mit einem geeigneten Band luftdicht verklebt. Stöße, die im Bereich von sich verschneidenden Ebenen liegen, wie beispielsweise am First, können durch richtiges Anordnen der Mehrfachüberlappung und -verklebung ebenfalls absolut luftdicht ausgeführt werden. Anschlüsse an und um eingebaute oder durchdringende Bauteile wie Dachflächenfenster oder Schornsteine – d.h. überall, wo üblicherweise Wechselhölzer eingebaut sind – werden sinngemäß und gegebenenfalls mit Hilfe zusätzlicher Zulagestreifen ausgeführt.
In den Dachrandbereichen Traufe und Ortgang wird man meist an Massivbauteile anschließen müssen. Diese Anschlüsse werden ebenfalls mit Dichtbändern oder Klebemassen durchgehend luftdicht ausgeführt. Dabei darf jedoch keinesfalls auf rauem Untergrund oder unverputztem Mauerwerk angeschlossen werden.
Im Rohzustand vorgefundene Mauerwerkskronen oder abgestemmte Flächen müssen vor dem Anschließen der Folien mit Mörtel abgeglichen werden.
Gleichermaßen muss gewährleistet sein, dass auf der gesamten Anschlusslänge weder Innen- noch Außenluft die Folie auf Nebenwegen unterwandern können.
Im Zuge solcher, den Energiehaushalt eines Gebäudes verbessernden Maßnahmen ist es meist üblich, Wärmebrücken soweit als möglich zu beseitigen.
Nach dem Einlegen der Wärmedämmung, deren Dicke durch die konstruktiv vorgegebene Sparrenhöhe begrenzt ist, erfolgt der weitere Wiederaufbau des Dachpakets wie gewohnt; die Details der Unterspannung oder Unterdeckung werden so ausgeführt, wie sie auch beim Neubau üblich sind.
Aufsparrendämmung
Die beschriebene Verlegeweise der Dampfsperre erscheint auf den ersten Blick sehr aufwändig .
Eine mögliche Alternative könnte eine Aufsparrendämmung sein, die allerdings auch nicht ohne zusätzliche Luftdichtheitsschicht auskommt. Denn die für diese Konstruktionsart meist verwendeten Schaumstoffplatten können nicht luftdicht an andere Bauteile angeschlossen werden. Auch hier wird meist eine Folie als Luftdichtheitsschicht eingesetzt und in diesem Fall direkt auf einer Schalung verlegt.
Die Möglichkeit, sie ohne Schalung einfach über die Sparren hinweg zu spannen, muss von vorne herein ausgeschlossen werden, denn der unvermeidliche Durchhang der Folie würde einen Kanal von einer Traufe über den First hinweg zur anderen bilden, in dem ungehindert kalte Luft strömen kann. Dadurch würde die Funktion der darüberliegenden Dämmung praktisch außer Kraft gesetzt. Die Schalung dient außerdem der Aussteifung des Dachstuhls, die sonst allein in Verbindung mit der Innenbekleidung nicht zu gewährleisten wäre.
First- und Traufausbildung und die weiteren An- und Abschlüsse der Dampfsperre gestalten sich natürlich auf der ebenen Unterlage einer Schalung erheblich einfacher als in dem bei der Zwischensparrendämmung beschriebenen Verlegeverfahren.
Die Forderungen an die Beschaffenheit der Anschlussvorgaben und die luftdichte Ausführung der Anschlussdetails in den Dachrandbereichen gelten jedoch auch hier.
Am Beispiel eines Ortgangdetails ist in den Bildern dargestellt, wie die Dampfsperre an das gebäudeabschließende Wandbauteil angeschlossen wird. Keinesfalls darf hier die Folie ohne Unterbrechung auf der Schalung durchgeführt werden, sonst können über Material- oder Anschlussfugen ungewollte Luftnebenströmungen entstehen.
Generell muss sichergestellt sein, dass in den Sparrenzwischenräumen keine kalte Außenluft vagabundieren kann. Noch vorhandene Belüftungsöffnungen der alten Konstruktion sind also sorgfältig zu verschließen.
Für die Anschlüsse der Dampfsperre an aufgehende Bauteile müssen ebenfalls glatte und fugenlose Flächen vorhanden sein oder geschaffen werden.
In manchen Fällen wird bei einer Sanierungsmaßnahme eine alte Zwischensparrendämmung vorhanden sein. Der Gedanke, sie zu erhalten und sich so ihre Wirkung zusätzlich zur Aufsparrendämmung zunutze zu machen, liegt nahe.
In diesem Fall darf allerdings nicht mehr als 20 Prozent des Gesamtwärmedurchlasswiderstandes unterhalb der neuen Dampfsperrebene liegen, da anderenfalls die Gefahr von Tauwasserbildung an der Unterseite der neu verlegten Aufsparrendämmung besteht.
Entscheidung von Fall zu Fall
Ist die Aufsparrendämmung bei einer Sanierung die bessere Lösung? Nur bedingt. Der fast freien Wahl der Dämmstoffdicke und der vergleichsweise einfachen Verlegung der Dampfsperre stehen auch Nachteile gegenüber, die sich besonders bei gegliederten Dächern mit vielen Aufbauten und Durchgängen bemerkbar machen:
Alle vorhandenen Anschlüsse der harten Bedachung müssen angehoben werden, Gauben- und Dachflächenfenster möglicherweise erneuert und Traufen wie auch Kehlen neu aufgebaut werden.
Im Extremfall können sogar wegen der Änderung der Trauf- und Firsthöhenlage baurechtliche Bedenken bestehen.
Es bleibt also im Einzelfall zu bewerten, welcher der beiden Methoden aus konstruktiver und finanzieller Hinsicht der Vorzug zu geben ist.
Die Dörken GmbH & Co. KG hat eine CD-ROM mit dem Titel „Delta-Dachdetails“ herausgebracht, die zahlreiche Zeichnungen enthält sowie die entsprechenden Ausschreibungstexte sowie Verlegeanleitungen. Die CD ist kostenlos erhältlich.
Weitere Informationen
„Delta-Dachdetails“ bba 531
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