Trockenestrich

Viel Funktion mit wenig Masse

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Mit seinem trockenen Einbau sowie der schnellen Begehbarkeit und Belegreife ist Fertigteilestrich gerade in der Modernisierung eine bewährte Bauweise. Der Trend geht zum abgestimmten Systemaufbau mit nachgewiesenem Trittschallschutz, optionaler Fußbodenheizung und erweitertem Einsatzbereich, etwa unter großformatigen Fliesen.

Immer wieder einmal stellen Hersteller eines oder mehrere ihrer Produkte werblich als Sanierungsbaustoff heraus. Das wirkt manchmal etwas bemüht, weil die meisten Baustoffe sowohl im Neubau als auch im Bestand funktionieren. Wenn es aber überhaupt eine Bauweise gibt, die das besondere Etikett „für die Sanierung“ verdient hat, dann am ehesten der Trockenestrich. Die Nutzschicht entsteht hier nicht aus einem feucht einzubauenden Fließmörtel, sondern aus gips- oder zementgebundenen Platten, weshalb oft auch von Plattenestrich oder Fertigteil-estrich gesprochen wird.

Zwar gilt selbst für Trockenestrich, dass er in neuen und zu modernisierenden Gebäuden gleichermaßen eingesetzt werden kann, doch kommen viele Vorteile hauptsächlich bei der Sanierung zur Geltung – und hier vor allem auf vorhandenen Holzbalkendecken. Denn wie der Name schon sagt, wird Trockenestrich ohne die Feuchtigkeitsbelastung eines Mörtels eingebaut und schont dadurch die bestehende Konstruktion im Allgemeinen sowie die Deckenbalken im Besonderen.
Ein weiteres Indiz für den besonderen Sanierungscharakter der Bauweise dürfte sein, dass Trockenestrich es selbst im regelwütigen Deutschland bisher nicht zu einer eigenen Norm gebracht hat. DIN 18560 Estriche im Bauwesen beschäftigt sich allein mit Estrichmörteln und Estrichmassen. Zu Plattenestrichen werden keine Aussagen gemacht, es können lediglich einige allgemeine Hinweise zum Aufbau eines schwimmenden Estrichs oder eines Estrichs auf Trennlage per Analogie übernommen werden.
Das Nicht-Vorhandensein einer Norm hat für den Planer aber auch Vorteile, weil die Anbieter dies mit teilweise sehr ausführlichen Planungs- und Anwendungsunterlagen kompensieren.
Mit der Genauigkeit dieser Unterlagen und ihren Aussagen zu den möglichen Schichtaufbauten, ihrer Belastbarkeit und dem damit zum Beispiel zu erreichenden Trittschallschutz hat der Planer zugleich einen Eindruck von der Qualität des Angebots.
Auch bei größeren Verkehrslasten
Neben dem namensgebenden Vorteil der trockenen Bauweise zeichnen sich Platten-estriche durch niedrige Bauhöhen aus, die bei etwa 20 mm beginnen – zumindest, sofern keine zusätzlichen Anforderungen an den Trittschallschutz, den Ausgleich von Unebenheiten o.ä. zu erfüllen sind. Damit können geringe Raumhöhen in der Altbaumodernisierung oder Probleme bei den Anschlusshöhen zu vorhandenen Türen relativ gut beherrscht werden.
Mit den geringen Schichthöhen geht ein ebenso geringes Flächengewicht einher, das gerade bei historischen Balkenkonstruktionen größere zusätzliche Belastungen durch den neuen Fußbodenaufbau vermeidet.
Die trockene Bauweise führt zu einer faktisch nicht mehr vorhandenen Wartezeit auf das Austrocknen des Estrichs. Der Boden ist in wenigen Stunden begehbar, so dass die Räume nur für kurze Zeit durch den Estrichleger blockiert werden. Auch die Stadien der Belastbarkeit und Beleg-reife werden deutlich schneller erreicht als bei Mörtelestrich – meist nach etwa einem Tag. Zudem entfallen die Feuchtigkeitsmessungen, um die Belegreife festzustellen. Dies alles beschleunigt den Bauablauf und ermöglicht ein schnelleres Weiterarbeiten für die anderen Gewerke. Der Vorteil kommt allerdings nur zum Tragen, wenn durch eine straffe Organisation auf der Baustelle die gewonnene Zeit auch tatsächlich genutzt werden kann.
Wichtigstes Planungs- und Auswahlkriterium für den Trockenestrich und seinen Schichtenaufbau ist der Anwendungsbereich, der sich aus den Flächen- bzw. Einzellasten nach DIN EN 1991–1–1/NA:2010–12 ergibt.
Wohn- und Aufenthaltsräume auf Decken mit ausreichender Querverteilung beginnen nach der dortigen Tabelle 6.1 mit 1,5 kN/m² (Kategorie A2). Die Nutzlasten steigen dann für Büroflächen, Arbeitsräume und Flure (Kategorie B) bis hin zu den Räumen mit erhöhtem Personenverkehr nach den Kategorien C und D.
Trockenestrich mit gipsbasierten Platten erreicht in den meisten Sortimenten zulässige Flächenlasten von 5,0 kN/m² bei zulässigen Einzellasten von 4,0 kN. Das entspricht zum Beispiel Konzertsälen, Eingangsbereichen oder anderen Flächen mit großen Menschenansammlungen (C5). Auch Geschäfte oder Warenhäuser nach D2 (ohne hohe Lagerregale) verlangen diese Nutzlasten. Dies zeigt, dass Trockenestrich nicht nur eine Lösung für den Wohnungsbau ist, sondern in vielen Fällen auch in halböffentlichen oder öffentlichen Gebäuden eingesetzt werden kann.
Allerdings erreicht nicht jeder Schichtenaufbau eines Trockenestrichs diese Spitzenwerte. In vielen Fällen sind zusätzliche Plattenlagen und/oder bestimmte kaschierte Estrichelemente erforderlich. Auch separate Dämmschichten unter dem (schwimmenden) Estrich können Einfluss auf die zulässigen Belastungen haben.
Spätestens hier zeigt sich die Notwendigkeit einer vom Anbieter zur Verfügung gestellten detaillierten Planungsunterlage, aus der ein richtiger Schichtenaufbau anhand der Belastung ermittelt werden kann.
Bindemittel und Werkstoffe
Die Basis eines jeden Trockenestrichaufbaus bilden die Platten. Am häufigsten dürften Gipsfaserplatten eingesetzt werden, die es zum Beispiel in den Sortimenten von Fermacell, Knauf (Brio), Rigips (Rigidur) oder Lindner (Norit) gibt. Gipsfaserplatten bestehen aus dem Bindemittel Gips sowie Papierfasern und unterliegen keiner Produktnorm. Davon abweichend ist die Bodenplatte LaPlura von Siniat eine holzfaserverstärkte Gipsplatte GKFI nach DIN 18180.
Aussagekräftiger als die nationale Kenn-zeichnung ist in diesem Falle aber die Bezeichnung nach der europäischen EN 520: DEFH1IR, selbst wenn das Kürzel im ersten Moment etwas kryptisch daherkommt. Wichtig sind vor allem die beiden letzten Buchstaben: Das I steht für eine erhöhte Oberflächenhärte, das R für erhöhte (Biegezug-)Festigkeit. Mit diesen mechanischen Eigenschaften ist die Gipsplatte LaPlura – anders als die gängigen Gipskartonplatten zum Beispiel für Ständerwände – auch für den Einsatz auf dem Boden geeignet.
Neben den gipsbasierten Platten sind in den letzten Jahren auch zementgebundene Trockenestriche entwickelt worden, etwa Fermacell Powerpanel oder Knauf Aquapanel Cement Board Floor.
Sie erweitern den Einsatzbereich des Trockenestrichs auch auf öffentliche oder gewerbliche Feuchträume, denn sie können bis zur Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse A eingesetzt werden.
Dazu gehören Bereiche, in denen sehr häufig oder langanhaltend mit Wasser umgegangen wird, etwa in den Umgängen öffentlicher Bäder oder in Duschen. In diesen Fällen ist eine Flächenabdichtung vorzusehen. Bei nur mäßiger Beanspruchung nach Klasse A0 des ZDB-Merkblatts Verbundabdichtungen reicht ggf. das Abdichten der Fugen (Herstellerangaben beachten).
Zementgebundener Plattenestrich kann also den Einbau in Feuchträumen vereinfachen oder überhaupt erst ermöglichen. Allerdings sollte das Einsatzspektrum der gipsbasierten Platten nicht unterschätzt werden. Auch sie sind für häusliche Bäder und Küchen, in denen die Böden nur zeitweise und kurzfristig mit Spritzwasser gering beansprucht werden (Klasse 0), ohne Abdichtung zulässig. Im mäßig beanspruchen Spritzwasserbereich (Klasse A0) ist der Einsatz mit Flächenabdichtung möglich.
Schüttungen und Dämmschichten
Neben den reinen Estrichplatten in Dicken von 18 bis 25 mm gibt es bereits werkseitig mit einer Trittschalldämmung kaschierte Estrichelemente, zur Auswahl stehen meist Polystyrol, Mineralfasern oder Holzweichfasern. Bei Bedarf können weitere Lagen Trittschalldämmung unter dem Estrich eingeplant werden. Es sind dann jedoch gemäß den Herstellerunterlagen bestimmte Qualitäten des Dämmstoffs (z. B. hinsichtlich der Stauchung) und ggf. auch Einschränkungen in der Belastbarkeit zu beachten. Das gilt auch, wenn zusätzliche Dämmschichten für den Wärmeschutz eingebaut werden sollen.
Doch egal, ob Trittschall- und/oder Wärmedämmung, jede zusätzliche Funktionsschicht erhöht natürlich die Flächenlast und vor allem die Aufbauhöhe eines Trockenestrichs.
Deshalb kann es in speziellen Situationen interessant sein, mit hochwirksamen Vakuum-Isolationspaneelen zu dämmen, um Höhe zu sparen.
Eine solche Kombination, wahlweise mit oder ohne Fußbodenheizung, hat Norit im Angebot. Aufbauten mit Fußbodenheizungen sind aber auch in allen anderen Sortimenten möglich. Bevorzugt werden Heizungselemente mit trocken einzulegenden Heizungsrohren verwendet, die ihre Wärme dann über Wärmeleitbleche an die Bodenplatte abgeben. Der Anbieter der Fußbodenheizung muss den Einsatz unter Trockenestrich ausdrücklich für sein Produkt zulassen, zu beachten ist außerdem ein eventueller Einfluss der Heizung auf die Nutzlasten im Gesamtaufbau.
Ein wiederum sehr typisches Modernisierungsproblem ist der Ausgleich von Unebenheiten, die in Altbauten entweder seit jeher vorhanden oder durch diverse An- und Umbauten im Laufe der Zeit entstanden sind. Die klassische Lösung für den Niveauausgleich bei Fertigteilestrich ist die Trockenschüttung, die praktisch in jedem Systemangebot zu finden ist und meist Höhen zwischen 10 und 100 mm abdeckt. Für geringere Ausgleichshöhen in der Größenordnung von 0 bis 20 mm bieten sich Nivellier- oder Bodenspachtelmassen an.
Mit gebundenen Schüttungen lassen sich sogar größere Unebenheiten von bis zu 2 m ausgleichen. Auch wenn dies ein eher theoretischer Wert ist, zeigt er doch, dass auch der krummste Altbau mit Trockenestrich einen glatten Fußboden erhalten kann.
Zusatzfunktionen und Systemaufbauten
Wie die Dämmstoffe erhöht auch der Niveauausgleich die Höhe und die Eigenlast des Aufbaus, kann zugleich aber auch den Schallschutz verbessern. So hat Fermacell eine spezielle Wabenschüttung mit wahlweise 30 oder 60 mm Höhe entwickelt, die gezielt die Masse der Decke vergrößert und so den Trittschallschutz verbessert.
Jede Zusatzfunktion des Fußbodens erhöht die Komplexität des Aufbaus, worauf die Hersteller unter anderem mit geschlossenen Systemaufbauten reagieren. Die bereits erwähnten Trockenestrich-Elemente mit aufkaschierter Trittschalldämmung oder die Norit-Elemente für Fußbodenheizungen sind dafür Beispiele. Ein weiteres ist Systofloor Hugo von Knauf, das drei Komplettvarianten von der Grundierung über die optionale Fußbodenheizung vom Kooperationspartner Uponor bis hin zum fertigen Oberbelag, hier vom Partner MeisterWerke, bietet.
Der Planer erspart sich mit solchen Systemen Koordinierungsaufwand und erhält in jedem Fall aufeinander abgestimmte Komponenten.
Ebenfalls eine Komplettlösung stellt das zementgebundene Estrich-Element von Fermacell samt Duschablauf und Abdichtungsset dar, mit dem sich niveaugleiche Duschen in trockener Bauweise ausführen lassen.
Neben dem Systemgedanken arbeitet die Branche an mehr Wahlfreiheit beim Fliesenbelag. Denn der Trend geht zu großformatigen Bodenfliesen, während auf Standardaufbauten eines Trocken-estrichs oft nur Fliesenformate bis 330 mm Kantenlänge risssicher verlegt werden können. Knauf und Fermacell geben in ihren Planungsunterlagen Hinweise, unter welchen Bedingungen sich Naturstein- oder Feinsteinzeugfliesen bis 1 200 mm einsetzen lassen. Lindner hat zusammen mit Kiesel Bauchemie Systemaufbauten für Fliesen bis 1 000 x 1 000 mm entwickelt und prüfen lassen.
Gute Herstellerunterlagen lassen sich auch daran erkennen, inwieweit sie auf die Trittschallschutz-Verbesserung des Fußbodenaufbaus bei Holzbalkendecken eingehen.
Denn es fehlt hier ein anerkanntes Rechenverfahren, so dass Prüfungen und Bewertungen konkreter Einzelaufbauten erforderlich sind. Darüber hinaus wird natürlich auch der Einsatz auf Massivdecken, aber auch auf Trapezblechen als Untergrund beschrieben. Gerade bei solchen leicht gebauten Decken kann der Einsatz von Trockenestrich als typische Modernisierungsbauweise auch im Neubau interessant sein.
Markus Hoeft

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