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Luftdichtheit: Detaillösungen sind Planersache und sollten früh festgelegt werden

Verkleben von Luftdichtheitsschichten
Detaillösungen sind Planersache

Bei der Verklebung von Luftdichtheitsschichten sollten entscheidende Detaillösungen im Neubau und auch im Sanierungsfall bereits im Planungsprozess festgelegt werden.

Arne Witzke, Anwendungstechniker, Dörken GmbH & Co.KG, Herdecke

Beim Zusammenfügen der unterschiedlichen Materialien zur luftdichten Gebäudehülle (Luftdichtheit) wird die Verklebung gegenüber der mechanischen Befestigung zunehmend bevorzugt – sei es bei der luftdichten Verbindung von Luft- und Dampfsperrbahnen untereinander oder bei deren Anschluss an begrenzende und durchdringende Bauteile. Art und Ausführung dieser Klebeverbindungen können und sollten bereits frühzeitig festgelegt werden. Eine Aufgabe, die auch im Sanierungsfall in die Hand des Planers gehört.
Regeln
Die allgemeinen Grundlagen zur luftdichten Ausführung der Gebäudehülle sind in der DIN 4108–7 „ Luftdichtheit von Gebäuden, Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele“ geregelt. Hier finden sich Anforderungen an die einzusetzenden Materialien sowie grundsätzliche Hinweise zur Erstellung der Luftdichtheitsschicht verbunden mit der klaren Aussage, die Luftdichtheitsschicht sorgfältig zu planen, auszuschreiben und auszuführen.
Für jedes Bauteil ist bei der Planung der Hüllfläche die Art und Lage der Luftdichtheitsschicht festzulegen.
Dabei ist zu beachten, dass die Luftdichtheitsschicht während und nach dem Einbau nicht durch Witterungseinflüsse (Frost, Wind) oder durch nachfolgende Arbeiten beschädigt wird (siehe DIN 4108–7:2011–01, 5. Planungsempfehlungen).
Analog dazu wird im WTA-Merkblatt „Luftdichtheit im Bestand“ dieser Bereich näher betrachtet. Im Teil 1 „Grundlagen der Planung“ (Merkblatt E-6–9) findet sich mit Kapitel 5 „Planung der Luftdichtheit“ ein detaillierter Leitfaden, angefangen mit Hinweisen zur Festlegung der zu planenden Detailpunkte („Stift-Regel“). Es folgen Vorgaben zur Lage der Luftdichtheitsschicht – wobei die Lage auf der Warmseite der Wärmedämmung empfohlen wird – und den dabei zu berücksichtigenden Tauwassereffekten. Schließlich gibt es Hinweise, wie die Anzahl von Anschlüssen unterschiedlicher Materialien minimiert und die Durchdringungen durch die Luftdichtheitsschicht auf das notwendige Maß reduziert werden können.
Unter Abschnitt 5.2 „Planung, Ausschreibung und Überwachung“ wird der Planungsumfang für den Fachplaner deutlich: Seine Aufgabe umfasst zunächst die Beurteilung der Eignung und Funktion einer möglicherweise vorhandenen Luftdichtheitsschicht sowie die Festlegung von Art und Lage der luftdichten Schicht jedes Bauteils. Es folgt die Detailplanung für unvermeidbare Durchdringungen von Konstruktionsbauteilen oder von notwendigen Installationskabeln, -rohren und -leitungen.
Es sind die geeigneten Materialien zur Erstellung der Luftdichtheitsschicht, für Verbindungen, Durchdringungen und Anschlüsse auszuwählen, aufeinander abzustimmen und mit der Arbeitsleistung auszuschreiben. In der Ausführungsphase sind die Arbeiten der einzelnen Gewerke im Rahmen der Bauüberwachung zu koordinieren und zu kontrollieren.
Die Werkstoffe, mit denen die Luftdichtheitsschicht erstellt werden soll, werden im Allgemeinen bereits in der Planungsphase festgelegt.
Aus der Materialwahl ergibt sich dann die Arbeitsmethode, wie die Materialien untereinander luftdicht verbunden werden sollen, wie Details einzubinden sind und wie luftdichte An- und Abschlüsse ausgebildet werden können.
Noch ohne Regelwerk
Während die geeigneten Bahnen z. B. in EN 13984 aufgeführt sind, wurden an die dazu gehörenden Klebemittel bislang keine Anforderungen definiert. Dies wird mit Einführung von DIN 4108–11 nachgeholt werden. In diesem neuen Teil der Norm werden Anforderungen und Prüfverfahren definiert werden. Bis dahin sind bezüglich der Klebemitteleigenschaften, der möglichen Einsatzbereiche, der geeigneten Untergründe und der Verarbeitung der Klebemittel die An- und Vorgaben der Klebemittelhersteller maßgebend.
Nicht jedes Klebemittel ist für jeden Untergrund geeignet.
Der Begriff ‚Untergründe‘ meint in diesem Fall sämtliche Materialien, die nach Fertigstellung die luftdichte Hüllfläche bilden. Dabei können höchst unterschiedliche Materialien aufeinander treffen: Mineralische Oberflächen wie Beton, Mauerwerk oder Putz, Holz oder Holzwerkstoffe, Metalle, Hartkunststoffe oder verschiedene Bahnenmaterialien z. B. aus Kunststoffen oder Papier. Die Hersteller von Klebemitteln bieten für alle diese Einsatzgebiete eine fast unüberschaubare Palette an verschiedenen Klebebändern, Dichtbändern und Dichtmassen an. Die Materialwahl wird dadurch nicht leichter, lässt sich jedoch vereinfachen:
Wenn z. B. Folien bzw. Bahnenmaterialien zur Ausbildung einer Luftdichtheitsschicht verwendet werden sollen, empfiehlt es sich, auf ein abgestimmtes System aus Luft- und Dampfsperre und den dazu gehörenden Klebemitteln eines Herstellers zurückzugreifen, denn in diesem Fall kann man davon ausgehen, dass die einzelnen Komponenten untereinander verträglich sind. So lassen sich Fehlerquellen und daraus resultierende Funktionsmängel der Verklebung ausschließen.
Untergrundprobleme
Aber nicht nur die Qualität des Klebemittels ist ausschlaggebend für die dauerhafte Funktion einer luftdichten Verklebung, sondern in gleichem Maße auch die Güte der verklebenden Oberflächen. PE-Folie ist nicht gleich PE-Folie. So haben unterschiedliche Oberflächenspannungen, ggf. Flammhemmer, andere Additive oder hohe Anteile an rezykliertem Rohstoff zum Teil gravierende Auswirkungen auf das Klebeverhalten.
Hinsichtlich der Untergründe ist es also wichtig, die Oberflächenbeschaffenheit richtig einzuschätzen.
Bei rauen Untergründen wie Putzen, Mauerwerk oder Betonflächen ist der Einsatz von Dichtmassen empfehlenswert. Denn die Klebeschicht von Klebebändern ist in der Regel zu dünn, um z. B. auf rauen Putzen eine vollflächige Anhaftung sicherzustellen.
Damit entsteht das Risiko, dass der betreffende Anschluss nicht luftdicht wird, da die Verklebung von Luft hinterströmt werden könnte. Dichtmassen haben aufgrund des deutlich erhöhten Klebervolumens in diesem Bereich gravierende Vorteile, zumal sie je nach Typ dauerelastisch bleiben und so auf geringfügige Bauteilbewegungen weniger sensibel reagieren als starre Klebemittel oder solche mit nur dünner Klebemasse. Das bedeutet bei der Verarbeitung jedoch auch, dass Dichtmassen nicht ‚platt‘ gedrückt werden sollen, da die o. g. Eigenschaften so verloren gehen. Poröse, also saugende sowie sandende und faserige Untergründe müssen im Regelfall mit einem geeigneten Primer grundiert werden, um die Oberfläche zu verfestigen.
Voraussetzungen schaffen
Die fachgerechte Verarbeitung ist ein weiterer notwendiger Baustein für eine funktionierende Verklebung: Die Auswahl der besten Materialien hilft nicht viel, wenn diese nicht fachgerecht verarbeitet werden können.
Details sollten also so geplant werden, dass der ausführende Handwerker auch die Möglichkeit hat, die Anschlusssituation fachgerecht zu lösen.
So sind z. B. Rohre und Leitungen so zu positionieren, dass allseitig ausreichend Anschlussfläche und Verarbeitungsraum vorhanden sind, damit Dampfsperrbahnen, Klebebänder und -massen funktionssicher eingebaut werden können.
Vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn sollte der Planer bzw. Bauleiter die vorgesehene Detailausbildung mit dem ausführenden Unternehmer abschließend abstimmen und die Ausführung entsprechend überwachen. Unmittelbar nach Arbeitsabschluss empfiehlt sich eine Luftdichtheitsmessung mit Leckageortung. Zu diesem Zeitpunkt besteht noch die Möglichkeit, Fehlstellen ohne unangemessen hohen Aufwand nachzubessern. Bei Teilsanierungen im Gebäudebestand, wenn z. B. die Baumaßnahme nur das Dach betrifft, ist es hilfreich, schon vor der Sanierungsmaßnahme eine Luftdichtheitsmessung mit Leckageortung als Referenzmessung durchzuführen.
Nachfolgende Gewerke sollen sorgsam eingewiesen werden, damit auch hier mit der erforderlichen Sorgfalt gearbeitet wird und keine schädigenden mechanischen Einflüsse auf die Luftdichtheitsschicht bzw. auf die Verklebungen einwirken. Ebenso ist darauf zu achten, dass ein übermäßiger Feuchtigkeitseintag durch Putz-, Estrich- oder Malerarbeiten vermieden wird. Zudem sollte der Baukörper stets ausreichend belüftet und bei Bedarf gegebenenfalls auch ergänzend eine Bautrocknung vorgesehen werden.
Planungs-/Ausschreibungsphase: Grundstein für gutes Gelingen
Die Luftdichtheitsschicht ist eine sensible Bauteilschicht, die schon in der Planungsphase erhöhter Aufmerksamkeit bedarf. Insbesondere die Verklebungen und Detaillösungen sollten hier im Fokus des Planers stehen, da schon in der Planungs- und Ausschreibungsphase der Grundstein für ein gutes Gelingen gelegt wird. Die Materialauswahl sollte der Planer selbst in der Hand behalten und auf funktionierende Systeme vertrauen. Auch die Verarbeitung der betreffenden Produkte ist kein Selbstläufer und sollte daher dringend sorgsam überwacht werden.

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