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Keile für komplexe Geometrien

Denkmalgeschützte Villa in Bad Gandersheim
Keile für komplexe Geometrien

Im Rahmen der Umnutzung einer Vorstadtvilla in Bad Gandersheim erhielt das denkmalgeschützte Bauwerk ein denkmalgerechtes, aber technisch neuartig gelöstes keramisches Dach.

Veränderung der Nutzung
Die so genannte „Prahmann-Villa“ wurde 1913 mit Elementen des Jugendstils erbaut. Sie bildet stadteinwärts den Abschluss einer Reihe von insgesamt vier unter Denkmalschutz stehenden Stadtvillen.
Das Bauwerk wurde zuletzt zu Wohnzwecken genutzt. Vier Wohneinheiten fanden hier Platz. Anfang 2003 erwarb die Part AG das Bauwerk.
Mit dem Wechsel des Eigentümers war auch eine Veränderung der Gesamtnutzung verbunden. Die Architekten ssp sander sander partner aus Bad Gandersheim erhielten die Aufgabe, verschiedene Konzepte für die Umnutzung des Bauwerkes zu erarbeiten.
Dem Umbau der Villa zu einer Nutzungseinheit über alle drei Geschosse stand ein Umbau mit Erweiterungsgebäuden mit bis zu drei Nutzungseinheiten auf drei Geschossebenen gegenüber. Der Bauherr entschied sich für die zweite Variante. Neben dem solitären historischen Bauwerk entstanden zwei zeitgenössische Bauten, die mit ihrer Gestaltung die Villa weder ablehnen noch mit ihr konkurrieren.
Die Büroerweiterung links vom Gebäude präsentiert sich als ein auf Stahlbetonstützen schwebender, vom Terrain gelöster Glaskörper, der in seiner lang gestreckten, eingeschossigen Kubatur etwa die Grundfläche eines Villengeschosses aufnimmt. Hier findet der neue Eigentümer Platz für alle modernen Büroabläufe, während in der Villa auf der gleichen Ebene repräsentative Besprechungsräume, eine Espressobar oder das zentrale Sekretariat Platz finden.
Rechts von der Villa entwickelten die Architekten aus einem dazu gehörigen Nebengebäude ein kleines Café.
Während die Erweiterungsbauten eher gläsern, farblich zurückhaltend und horizontal konzipiert sind, erstrahlt die Villa mit ihren vertikalen Linien und hellem Anstrich.
Einzige werkstoffliche Gemeinsamkeit sind die Titanzinkbleche. Sie fungieren zum einen als Bekleidung der Erweiterungsbauten, zum anderen als vielfältig eingesetzte Blechverwahrung am Villendach.
Mit und ohne Mörtel
Das ziegelrote Dach der Villa ist heute wahrlich eine Krone.
Über dem hohen, hellen Mauerwerk thront eine souveräne keramische Lösung.
Vom Boden aus ist die Komplexität des hohen Daches nicht erkennbar, aber speziell im Bereich der Mansarde mit rundem Erker in der Ecke galt es, historisch adäquate und zugleich technisch bessere Lösungen zu finden.
Ursprünglich war dieses Dach mit einer hoch profilierten unverfalzten Hohlpfanne eingedeckt. Die runden Dachbereiche oberhalb des Erkers waren je nach Bedarf mit gezogenen und gedrückten Hohlpfannen ausgeführt und die dadurch sperrende Deckung traditionell mit Mörtel gesichert.
Das vorliegende mit Mörtel funktionstüchtig gehaltene Dach beschreibt ein typisches Begehren moderner Investoren, die zwar einerseits den Charme historischer Bauten zu schätzen wissen, andererseits aber insbesondere pflegeintensive Details nach Möglichkeit umgehen wollen.
Das neue Dach sollte deshalb im Bereich der Mansarde so weit wie möglich ohne Mörtel auskommen und damit pflegeleichter sein.
Schnittfrei und ohne Mörtel
Die Architekten suchten bei verschiedenen Dachziegeleien nach einem passenden wartungsfreien keramischen Produkt.
Die F. v. Müller Dachziegelwerke waren im Stande, eine Lösung für die Dachrundung anzubieten. Es handelt sich dabei um so genannte Dachkeile.
Das sind patentierte Formziegelsätze, mit denen Dachdeckungen schnittfrei und ohne Mörtel verbreitert und geschmälert werden können. Das gewählte verfalzte Dachziegelmodell, der Klosterziegel E28, entsprach zudem mit seiner hohen Profilierung den Vorstellungen der Denkmalpflege.
Auf diese Weise gelang eine von der Dankmalpflege akzeptierte Vorgehensweise, die auch dem Bauherren gefiel. Insgesamt wurden rund 500 m² keramischer Dachfläche neu eingedeckt.
Mit A und V in die Rundung
Die an der Mansarde eingesetzten Dachkeile bestehen aus 17 zu einem Ziegelsatz gehörenden Formziegeln.
Über zehn Ziegelreihen kann mit diesem Satz eine Deckung von zwei auf eine Reihe geschmälert (A-Keil) oder umgekehrt verbreitert werden (V-Keil). Auf diesem Dach kamen beide Arten von Dachkeilen zum Einsatz. Dies geschieht bei den verfalzten Dachziegeln ohne Schneiden und ohne Einsatz von Mörtel nur durch die spezielle Geometrie des Formziegelsatzes.
Ein Nebeneffekt, der besonders bei diesem Dach hervorgehoben werden muss, ist die anspruchsvolle Ästhetik der runden Dachflächen.
Im konkaven Bereich, in dem die Mansardfläche in die runde Erkerfläche übergeht, kamen drei V-Keile zum Einsatz. Mit jedem Keil kann eine Dachdeckung über zehn Reihen hinweg um rund 20 cm nach oben hin verbreitert werden.
Im konvexen Dachbereich des Eckerkers setzten die Dachdecker A-Keile ein. Dabei verschmälert sich die Deckung von Traufe zum First hin A-förmig um 1 bis 2 cm pro Ziegelreihe.
Auch hier gelang es, die Dachdeckung ohne Schnitte und Vermörtelungen komplett verfalzt um die Rundung zu führen.
Im Zuge der Gespräche mit der Denkmalpflege wurden auch weitere Details geklärt. So sind zwar alle First- und Gratziegel mechanisch fixiert und für eine Trockenverlegung geeignet, doch bestand hier die Denkmalpflege auf einer zusätzlichen Vermörtelung mit grauem Kalkmörtel.
Weitere Informationen
Dachkeil bba 506
Architekten: ssp sander sander partner / Horst Sander, Bad Gandersheim
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