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Nullheizkosten anvisiert

Niedrigenergiehäuser in Holzminden
Nullheizkosten anvisiert

Als gordischer Knoten gilt bislang die Baukostenplanung bei Passivhäusern. Eine beispielhafte Lösung für wirtschaftlichere Standards bei extremer Niedrigenergiebauweise wurde jetzt in Holzminden umgesetzt.

Bauherr, Architekt und Haustechnikplaner orientierten sich dabei an völlig neuen Lösungen, was die technische Ausstattung hoch wärmegedämmter Häuser angeht. Dadurch war es möglich, die reinen Baukosten auf einem Niveau von weniger als 1 000 Euro pro Quadratmeter zu halten. Und das entspricht durchaus üblichen Größenordnungen beim Bau von Niedrigenergiehäusern.
Das Gesamtkonzept wurde ausgelegt auf zwei innerstädtisch gelegene, relativ kleine Grundstücke für jeweils ein Doppelhaus. Die Größe der Wohnungen beträgt zwischen 100 und 130 m².
Konstruktion
Beide Doppelhäuser mit Pultdach zeichnen sich durch eine ansprechende moderne, aber kompakte Architektur aus und wurden ohne Keller errichtet. Die Außenwände bestehen aus 17,5 cm Kalksandstein und 28 cm Polystyroldämmung.
Das Holzpfettendach, zweilagig gedämmt, ist als Gründach konzipiert. Die Innenwände errichtete man kostengünstig mit Holzständerwerk, beplankt mit Gipsbautafeln. Die Decken wurden als Holzbalkendecke mit Sichtschalung ausgeführt
Ausschlaggebend für die Baukostenoptimierung der geplanten Passivhäuser waren mehrere Aspekte. Zum einen das Gemeinschaftskonzept der Haustechnik: Je vier Wohnungen nutzen das zentrale System der Aqua Geo-Thermie mit Erdkollektor und Sole/Wasser-Wärmepumpe zum Heizen zur Warmwasserbereitung sowie gemeinsame Anlagen der Photovoltaik zur Stromerzeugung, Regenwasserversickerung und für Satellitenempfang.
Jede Doppelhaushälfte verfügt über eine separate Lüftungsanlage mit hoch effizienter Wärme rückgewinnung. In enger Kooperation mit der Firma Elwa Lingen und unter Mitwirkung der Fachhochschule Osnabrück entwickelte tecalor das neuartige Regenwasser-Erdwärme-System. Die Kollektorrohre aus Polyethylen, gefüllt mit einem frostschutzsicheren Sole/Wasser-Gemisch, wurden in einer Tiefe von 1,50 m in einer mit Sand gefüllten Folienwanne verlegt.
Ihr Abstand ist auf 40 bis 50 cm dimensioniert; die Gesamtkollektorfläche für die Wohnungen beträgt 160 m². Versickerungsblöcke oberhalb des Erdreichs führen regelmäßig Regenwasser und damit Wärme zu. Das hohe Feuchteniveau begünstigt außerdem die Wärmeübertragung zwischen Erdreich und Rohren – der Eintrag von im Sommer gespeicherter Sonnenwärme erfolgt kontinuierlich und wird so optimal ausgenutzt.
Kosten- und Energie sparen
Gegenüber konventionellen Erdwärmekollektoren kann die Fläche deshalb bis zu 50 Prozent kleiner sein. Zudem entfallen Kosten für Einleitungsgebühren von Regenwasser aufgrund versiegelter Flächen. Der finanzielle Aufwand für Material und Installation liegt bei einer Heizlast von sieben bis zehn Kilowattstunden zehn Prozent niedriger gegenüber dem Einsatz einer Erdsonde. Die Versickerungsblöcke sind über einen Filterschacht mit den Dachflächen verbunden. Sie werden oberhalb der Folienwanne installiert. Ist das Sandbett gesättigt, versickert das überflüssige Regenwasser. Später sind im Garten lediglich zwei Revisionsschächte und eine Entlüftung zu sehen.
Angebunden an das Aqua-Geo-System ist die monovalente Wärmepumpe TTF 7. Sie ist in einem Gemeinschaftsraum installiert und auf minimalen Energiebedarf konzipiert. Möglich ist das durch die Fußbodenheizung, die mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeitet.
20 parallel arbeitende Rohrschleifen bieten der Wärmepumpe genügend Massestrom im Heizkreis. Der Selbstregeleffekt der Flächenheizung hält die Oberfläche nur zwei Kelvin wärmer als für den Sollwert der Raumlufttemperatur erforderlich ist. Auf Antrag wurden die Einzelraumregelung und die Messung von Heizwärme erlassen. Zur Minimierung der Hilfsenergie trug auch der Verzicht auf einen Pufferspeicher und damit eine Pumpe bei. Ein 600-Liter-Speicher steht zur Warmwasserbereitung zur Verfügung.
Lüftung und Rückgewinnung
In jeder Haushälfte arbeitet eine zentrale Lüftungsanlage, so dass, an die Nutzergewohnheiten angepasst, die Luftmenge individuell eingestellt und der Filterwechsel nach Bedarf durchgeführt werden kann.
Für eine bis zu 90-prozentige Rückgewinnung von Wärme aus der Abluft sorgt das Lüftungssystem TVZ 161. Ventile in Wänden und Decken entsorgen verbrauchte Luft und führen sie über ein Rohrsystem dem Kreuzwärmetauscher zu, der die Wohnungen wieder mit vorgeheizter Frischluft versorgt.
Durch den regelmäßigen Luftwechsel bleiben die Räume bei 22 Grad behaglich, ohne dass ein Fenster geöffnet werden muss. Luftfeuchtigkeit wird abgeführt und Pollen oder Staub können nicht ins Innere dringen.
Potenziale ausreizen
Obwohl die Gebäudehülle hervorragende U-Werte aufweist, wurde der Passivhausstandard letztendlich nur knapp verfehlt. Nach EnEV-Standard beträgt der Jahresheizwärmebedarf hier 33 kWh/m²a. Größere und bessere Fenster wären Voraussetzung gewesen.
So erfolgte eine Förderung nach KfW-40. Die Entscheidung, das Objekt mit einer Photovoltaikanlage zu versehen, hatte zur Folge, dass die Normkosten für Warmwasser, Heizung und Hilfsenergie durch die Vergütung der Einspeisung gedeckt werden. Bauherr, Architekt und Haustechnikplaner sammelten durch die integrierte Planung wichtige Erfahrungswerte, um das haustechnische und bauliche Kosten potenzial bei Passivhäusern zukünftig noch effizienter zugestalten.
Begleitende Messungen der Versorgung durch die Kombination Erdwärmekollektor, Sole/Wasser-Wärmepumpe und kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung werden weitere Aufschlüsse bringen.
Weitere Informationen
Erdwärme-Kollektor bba 525 Wärmepumpe bba 526
Architekt: Thorsten Müller, Holzminden
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